Ausgabe 
30.8.1918
 
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Verfemt.

Nomanvon Anny Wothe.

F3) Nachdruck verboten

Und sie wand die weißen Wasierrosen zu duftigen Kränzen und Holger drückte ihr einen in das lockige Haar. Und wie sie blühten auf ihrer Stirn, da zog es plötzlich vor ihr herauf mit beklemmender Angst, wie eine Vision. Sie sah den Müggelsee ganz übersät von weißen Wasserrosen und ein Boot. Und tn dem Boot saß sie und ein Mann, der ihr Gatte war.

Der Mond zog herauf und wie aus weiter, weiter Ferne klang das leise Weinen einer Kinderstimme.

Wir wollen nach Hause/' sagte sie rauh.

Jen legte erfreut die Ruder ein, und langsam glitt das Boot der kleinen, weißen Villa zu.

Der Mond goß sein bleiches Licht still darüber hin. Der Zauber der Nacht aber war gebrochen. Mirena fröstelte, und als ihr Holger die Hand zum Aussteigen an der Villa bot, war sie kalt wie Eis.

Auf Wiedersehen," wiederholte sie tonlos die Abschieds- worte der Freunde, und als sie dicht an ihrem rosigen Ohr Holgcrs Stimme hörte, der ihr zuflüsterte:Morgen," da wie­derholte sie ganz mechanisch,morgen."

Sie verschwand im Hause, v die Freunde schritten schwei­gend den Seeweg entlang, um heinrzugehen.

Zm Garten Mirenas aber dufteten die Lilien wie nie zu­vor, und drohend und finster starrten dazwischen die dunklen Blüten der ernsten Iris in die Sommernacht.

14. Kapitel.

Mirena war sehr unzufrieden. In stumpfsinnigem Erii- veln su>8 ihr die Zeit. Die blauen Mellen des Erunewald- stes waren tiefgrau gefärbt, und bleigrau war der Himmel ^ag um Tag.

Mirena hatte wieder in Berlin Besuche gemacht und merk­würdig. wohin jie auch kam, überall dieselbe kühle Reserve oder verschlossene Türen.

Auch in der Nachbarschaft hatte sie ihre Karten abgegeben, aber bis jetzt hatte ihr niemand den Besuch erwidert. Nur eine reiche, dicke Bankiersfrau, die eines der elegantesten Landhäuser im Grunewald besaß, und die sie nicht hatte absichtlich über, geben wollen, war zu ihr gekommen, um thr in taktloser Weise srhr wektschn>eifig zu erzählen, daß sie sehr vorurteilsfrei sei und sich nicht daran kehrte, was die Spatzen von den Dächern pf'fsen.

Mirena war müde, todmüde, und doch sollte der Kampf, der Lebenskampf erst beginnen. Was scherte sie die Mißach­tung der Gefell ffbaft? Mirena war überzeugt, daß bald die Zeit kommen würde, wo die Gesellschaft, die sie heule verließ ihr zujauchzen würde, wenn sie die Höhe erklommen, nach der sie strebte. Ruhm wollte sie einheimfen. Ruhm sollte sie um- strahlen. Holger zwar formte sie nicht verstehen. Er verlangte nicht oen Beifall der Menge. Er hatte nicht das richtige Be- wußtsem daß er der gefeiertste Schriftsteller der Residenz war aber Mirena wußte es. An seiner Hand, um dessen Stirn sich der Eartenfchein des Ruhmes webte, würde es ihr ein Leichtes fein, die Sprossen der Leiter zu erklimmen, die für sie hoch in den Himmel führte. Sie jauchzte in diesem Gedanken und doch tauchte dazwischen eine tiefe Bangigkeit auf. Alle Versuche eine Scheidung ihrer Ehe durchzusetzen

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Detr.: Lerdunkelungsmcrßnahmen gegen Fliegerangriffe.

Bekanntmachung

Hierdurch bringe ich die unter S 1 "** i der Bekanntmachung Erotzh. Kreisamts Frieoberg vom 27. August 1917 angeoroneten Verdunkelungsmaßnahmen geaen Fliegerangriffe, denen auch trotz wiederholter Aufforderung durch die Schutzmann chaft noch nicht überall entsprochen worden tit "nt dem Anfügen wiederholt noch­mals wörtlich zur öffentlichen Kenninls. daß nunmehr fernere Verfehlungen hiergegen zur Be­strafung ange-eigt werden.

1 Die Straßenbeleuchtung hat soweit irgend möglich, fort­zufallen.

2. Die Siraßenlaternen sind abrnblenden.

3. Licht,eklame ist verboten.

L. Die Fenster sind nach Eintritt

der Dunkelheit durch Roll­läden, dunkle Vorhänge usw. zu verdunkeln.

5. Hochkerffge Bogenlainpen stnd außer Betrieb zu setzen oder durch andere von rerin Lerer Leuchtkraft zu ersetzen.

^ Die Einwohner mache ich im r^alle eines Fliegerangriffes au^ die Stadt Friedberg noch gan, besonders, darauf au nierksam, daß die Straßen sofort zu räumen sind.

Schleunigste Unterkünfte sino in Hausfluren, Kcllern und sonst ge­eigneten Räumen der Nächstliegen­den Hauser aufzusuchen.

Die Eigentümer von Gebäuden m denen nur eine vorübergehende Unterkunft nachgeiucht w,rd. bitte ich solchen Wünschen, bereitwilligst zck entsprechen.

Knevberg, den 29. August 1918.

Der Bürgermeister.

2. V.: Damm.

waren bisher an der Hartnäckigkeit, mit der ihr Marrn alle Derhandluirgen ablehnte, gescheitert. Ihre ersten schriftstelle­rischen Bersche waren kläglich mißglückt, trotzdem Holger ihre Einsendungen an verschiedene Journale befürwortet hatte.

gesucht, lautete das Urteil an der einen Stelle,zu unklar, unreif und schwülstig," an der anderen. Holger selbst hatte Mirena seit der Kahnfahrt rm Mondenschein noch nicht wieder gesehen. Er war wie er selbst schrieb. an Berlin für ein paar Tage gebannt.

Aber Tag reihte sich an Tay. und Holger kam nicht. Auch Jen Nielsen hatte sich nicht wieder blicken lassen. Er war wohl mit Holger in der Residenz.

Mirena fröstelte, wenn sie an Zen Nielsen dachte. Cie hatte die Empfindung, als sei ihr in Holgers Freund ein Feind entstanden.

Der graue Wolkenhimmel stimmte sie trübe. Sie brauchte Sonnenschein, sie brauchte Liebe un>d doch

Warum hatte sie neulich in der Mondennacht, wo es nur ihrerseits eines Blickes bedurft hätte, Holger in ihre Arme zu fuhren, zurückgebebt. wie vor einem großen, dunklen Berhäng- ms? Liebte sie ihn nicht, den großen, blonden Necken mit der Feuerseele? Hatte sie sich nicht darnach gesehnt, Tag und Nacht, eine Leidenschaft in Holaar zu wecken, und nun, da es ihr ge­lungen. zauderte sie, wühernd doch ihr ganzes Sein fieberhaft ihm entgegcndrängte?

War es. daß sie selbst nicht an Holgers Liebe für sie glaubte? Rein, denn ihr war Liebe und Leidenschaft nicht das Zugeständnis für ewige Dauer. Sie brauchte nichts ver­brieft und versiegelt. Sie wollte genießen und glücklich sein. Den glühenden Trank an die lechzenden Lippen setzen und den Elücksbecher leeren in einem einzigen, köstlichen Zuge.

Warum kam Holger nicht, wenn er sie liebte? Mußten die weißen, duft'gen Lilien am Wege erst verblühen? Drängte ihn nicht jeder Herzschlag zu ihr?

Wo er nur wahr? Vielleicht saß er gemächlich daheim und wartete auf einen Ruf von ihr. Doch nein, sein alter Gärtner, den sie schon häufig auf ihren Spaziergängen getroffen, hätte es rhr gewiß mitgeteilt, wenn Holger zurückgekehrt.

Sie hatte es dem Alten doch auf die Seele gebunden. Ob der Alte wohl wieder im Garten arbeitete? Da könnte sie ihn leicht treffen. Mirena band eiligst ein weißes Spitzentuch lose um das rotschimmernde Haar und ttat ins Freie. Langsam schritt sie aus dem Garten hinaus, zwischen den Zris° und den Lllienblüten dahin ttat sie in den Wald. Eine dumpfe Schwüle lagerte über der ganzen Natur. Der von Tannen und Kiefern umschattete Seeweg zog sich unendlich lang um das heute so tttibe Wasser, und Mirena war es, als sie den wohlbekannten Weg entlang schritt, als winde er sich einer großen Schlange gleich dahin.

Endlich hatte sie Holgers Villa erreicht. Kein Mensch war ihr begegnet. Totenstill und einsam war alles ringsumher. Nachlässig stand sie vor dem Gartenzaune. Merkwürdig, wo der Alte heute war? Er hinkte doch sonst immer um diese Zeit hier herum. Mirena tat ein paar Schritte auf die Pforte zu. blieb aber sofort unschlüssig wieder stehen. Nein, es geht nicht'

Aber warum nicht?" Mirena lächelte und knüpfte das graziöse Spitzentuch enger um das rosige Kinn.

Mit diesem Lächeln auf den Lippen ttat sie in den Garten.

Wie märchensttll es hier war. Kein Laut Srß sich ver­nehmen. Nur Rosenduft schlug ihr wie eine Dirftwolke ent* gegen. Mirena schritt tiefer in den Garten hinein. Dort bei den Rosen stand ja wirklich der Alte und schnitt die Blüten in einen Korb. Er nickte schon von Weitem freundlich herablas­send Mirena entgegen, und sagte, ohne in seiner Beschäftigung Ku halten, mit den Augen nach dem Hause herüberblinzelnd-

Jetzt is er da!"

Wer? Zhr Herr!"

Natürlich, er janz alleene. Der andere is noch in den jroßftädtischen Sumpf länger kleben jeblieben. Woll'n Se ihn besuchen, denn will ick et chm sagen."

Nein, danke," sagte Mirena mit stockendem Atem.

Nee? Na denn nich. Zs ooch nich nötig. Er sitzt in de Stube hinter der Veranda, un Se finden ihn ooch janz alleene. Mir dun so de Beene schon weh von det ville Stehen. Zck muß zwar doch hin un die Rosen rin dragen," fügte er dann nach­denklich wie sich besinnend hinzu.

Zch will die Blumen mitnehmen, Herr Pusemeyer" sagte Mirena freundlich und streckte die Hand nach dem Korbe aus.

Wirklich? Det is jut, da kann ick meine Spazierhölzer paren, sagte Pusemeer mit einem Kratzfuß, indem er ordent- llch vor Ehrfurcht nach hinten ausschlug.

Mirena nickte liebenswürdig, dann wandelte sie langsam den Rosenkorb im Arm, dem Hause zu.

Pusemeyer sah ihr lange nach. Dann schnaubte er sehr umständlich uno sehr geräuschvoll seine große Nase und brummte vor fick hin:

Wenn ick doch man bloß wüßte, wat die eejentkich will. Alle Dage, die der liebe Herrjott werden läßt, fragt se, ob er da is. und nu er da is, will se nich rin. Aber vornehm is se. sehr vornehm sojar, ick möchte sojar noblig sagen, zehn Em Drinkjeld und wer weeß. wat da noch im Hinderhalt schlum- mert. , Pusemeyer, et jchen joldene Dage vor dir uff. joldene

Sie phantasieren wohl, Pusemeyer," tönte plötzlich Stines ausdrucksvolle Stimme in des alten Gärtners Reflationen hinein,kommen Sie doch mal schnell und helfen Sie mir die Leine festbinden. sonst fällt die ganze Wäsche in den Sand"

Pusemeyer schlürfte kopfschüttelnd von dannen.

, bir 3U ^ i c freit, Pusemeyer." seufzte er melan­

cholisch.Der Mensch is eben een olles Arbeetspferd"

Ein heftiger Windstoß fuhr durch die Zweige und zauste unbarmherzig die leichten Gewänder Mirenas. die soeben auf die Veranda ttat.

Wie ihr Herz klopfe Wie einem Schulmädchen. das auf verbotenen Wegen war.

Za. war sie denn nicht auf verbotenen Wegen?

Nein, sie stand nur vor einer großen Entscheidung.

Mißglückte der Versuch, so hatte sie ausgespielt.

Wie Sturmwolken flog es etzt dunkel über den See. Angst, voll blickte Mirena durch die Tür der Veranda ins Zimmer, da faß Holger am Schreibtisch, ihr den Rücken zugewendet. Er hatte den Kopf kn beide Hände gestützt. Wle tiefe Niedergeschla­genheit lag es in seiner ganzen Erscheinung.

Mirenas Herz klopfte zum Zerspringen. Ein paar hastige leichte Schritte und sie stand hinter seinem Stuhl.

Eine Wolke von Rofenduft umfing ihn und über seinem Kopfe hinweg fiel wie ein Regen eine Fülle von Nosenblüten Wbei ihn hin.

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