Verfemt
Rom an von Anny Woth t
* 7 ) Nachdruck verdaten.
«Ich bin glücklich," hörie er eine seltsam weiche, verschleierte Stimme wie aus weiter Ferne sagen, „den berühmten Forscher Jen Nielsen bei mir begrüßen zu dürfen. Seien Sie mir tausendmal willkommen, und Sie, lieber Theresen, haben Sie Dank, daß Sie mir Ihren Freund zugeführt."
Zen küßte die schlanken weißen Finger, bei deren Berührung es ihn seltsam und eisig durchschauerte.
Welch ein seltsam Weib das war, das jetzt so weich wie ein Kätzchen, in einem Schaukelstuhl des dämmrigen Zimmers geschmiegt, chm gegenüber saß, den feinen Kops mit den braunroten Haaren so fest gegen die tiefrote Lehne des Stuhles preßte, daß es ihm war, als tue sie das. um ein heftigen Schmerz zu betäuben. Die dunklen Wimpern lagen tief auf den rosig angehauchten Wangen, die Lippen glühten wie rote Korallen, und die kleinen, raubtierartigen Zähne blitzten dazwischen weiß und feucht auf. Die Teemaschine summte leise, und Lilien, wecße, schlanke Lilien dufteten wie in den Gartenwegen auch hier betäubend durch den großen Raum.
„Lieben Sie diese Blumen, gnädigste Gräfin," sagte Zen und nahm behutsam einige gelbe Staubfäden aus den zartweißen, schimmernden Kelchen, während er unverwandt in Mi. renas Antlitz sah.
^zetzt hoben sich die dunklen Wlmpern langsam empor, und ein strahlender Glutblick senkte sich tief in seine Augen.
,.^Scö liebe, was mich liebt." gab Mirena bedeutungsvoll zurück
„So lieben Sie mich." rief Holger hastig und haschte nach' Mrrenas lässig herabhüngeuder Hand.
„Langsam, mein Freund," sagte sie lächelnd, und schob den goldenen Pfeil, der die rote Haarmaffe, übe: die jetzt die letzten scheidenden Sonnnlichter hinzitterten, fester. „Sie muffen nicht Blumen brechen, ehe sie blühen. Ob ich Lilien liebe? Nein, eigentlich nicht. Cie langweilen mich, diese weißen, stillen' nichtssagenden, geraden Stengel mit den blaffen Blütenkronen' aber ihr Duft ist süß. und ich bedarf oft sehr der Süße."
Sie stand hastig aut.
„Nehmen Cie Tee, lieber Thoreissn? Bitte, aber auch Zucker. Darf ich?" Sie legte mit ihren rosigen Fingerspitzen ein Stiick Zucker in die gefüllte Toetaffe, die sie jetzt Holger reichte, dann wandte sie sich an Zen und sagte mit einem bezaubernden Augenausschlag, indem sie auch ihm die Zuckerschale hinschob, aus eine hohe Base des Teetischcs deutend, in der die seltsam grotesken Blütenstengel der blauen Zris schimmerten: „Wie finden Sie diese Wunderblumen? Erinnern Sie dieselben nicht an die Märchenländer, aus denen Sie kommen?"
„Nein, Gnädigste, aber Sie erinnern mich an jemand, den ich einst gekannt. Und ich sinne und sinne und kann den verlorenen Klang, der mir im Sinn und Herzen spukt, nicht deuten. Kommen Ihnen, Frau Gräfin, nicht irgendwelche Erinnerungen?"
Nachdenkend ruhten die schönen Augen Mirenas voll in den seinen.
„Nein, ich finde nichts in meinem Gedächtnis," sagte sie mit ernenn leisen, süßen Lächeln um den Mund, während sie langsam die Spiritusflamme unter dem summenden Teekessel verlöschte. „Zch liebe überhaupt keine Erinnerungen — ich Haffe sie sogar. Nur die Gegenwart ist schön, die wir uns selbst aufbauen und auszunützen verstehen. Warum find Sie so schweigsam, mein Freund," wandte sie sich an Holger, der auf einem kleinen Seffel ziemlich unglücklich dasaß und glühenden Blickes jeder ihrer Bewegungen folgte. „Dichten Sie vielleicht? Soll ich Ihnen den Stoff zu einem neuen Drama liefern?"
„Zch würde es dann „Salome" laufen," sagte Holger, und starrte mit großen Augen auf ihre brennend roten Lippen.
»Ich danke für das Kompliment. Aber wie ist es, meine Herren, wollen wir nicht hinaus auf den See?"
Holger und Zen waren bereit, und eine Viertelstunde später glitt in kleines Boot über die spiegelglatte Fläche des waldum- kränzten Sees, der jetzt im schweigenden Abendfrieden lag.
Mirena, die im weißen Gewände am Steuer saß, glich einer Nixe, die aus der blauen Flut emporgestiegen. Mit ihren Locken spielte der Wind und in ihren Augen tanzten goldene Lichter. Zen führte mit kräftigem Arme das Boot, während Holger Mirena dicht gegenüLevfaß und unverwandt in ihre leuchtenden Augen blickte.
Betr.: Die Fleffchveriorgung für die Bevölkerung der Stadt Friedberg.
Kelramitmachung
Ich bringe hierdurch zur öffent- lrchen Kenntnis, daß der Verkauf von Rind, und Kalbfleisch, sowie Wurst für diese Woche am Freitag. den 30. August 1919 von nachmittags 1 bis 6 Uhr in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stattfindet.
Die Verkaufszeit ist genau einzuhalten.
Friedberg, den 29. August 10is. Der Bürgermeister 2. V.: Damm.
Betr.: Beschlagnahme. Enteignung und Meldeflicht von Einnchtungsgegenständ en aus Kupfer, Kupferlegier- uugLN. Nickel, Nickellegierungen, Aluminium und Zinn vom 26. März 1918.
Kelramrtmachrmg
DicHarrsbesttzerundLaden- iiihaber der Stadt Friedberg werden hiermit aufgefordert, alle in ihrem Besitze befindlichen nachstehend angeführten beschlagnahmten Gegenstände, für die eine behördliche Ersatzbeschaffung vorgesehen ist, bei uns alsbald, spätestens bis zum 10. September d. I. zu melden und zwar:
„Zch hatte mir den heutigen Abend anders gedacht," sagte! endlich Mirena leise, und sah Holger mit brennendem Blick i,^ die Augen.
..Ist es Ihnen nicht recht, daß ich Zen milbrachte?" fragte Holger ebenso zurück.
„Wo denken Sie hin, lieber Freund, es interessiert nrich ganz ungemein, Jen Nielsen kennen zu lernen. Sehen Sie nur wie sicher er den Kahn führt. Er hat Kraft und Selbstbewußtfein, vnd das schätze ich bei einem Manne am meisten."
Sie lächelte über Holger hinweg, gerade in Zen Nielsens Gesicht.
„Machen Sie mich nicht wahnsinnig. Mirena," flüsterte Holger. Lebend ihre Hand ergreifend, „und reizen Sie mich nicht, indem Sie mit Zen kokettieren. Man spielt nicht mit mir. Be-' greifen Sie das?"
Sie sah in ein zornbebendes Antlitz.
Mirena lächelte wie ein Kind.
„Was sind Sie häßlich, Sie großer Zunge," sagte sie zärtlich und tausend Liebkosungen klangen in ihrer Stimme, „begreifen Sie denn gar nicht, was ich alles sagen möchte und doch nicht sagen darf?"
„Mirena. Geliebte, Süße,". flüsterte Holger. und zog ihre beiden Hände an seine Lippen.
Sie lächelte ihm verheißungsvoll entgegen.
„Holla, aufgepaßt," rief Zen. „Achten Sie auf das Steuer. Frau Gräfin, wir treiben sonst tief in das dichteste, unwegba-'ö Rohr."
^„Da blühen die Master rpsen". gab Mirena traumverloren zurück. Und sie streckte die weiße Hand aus und brach die schwanken Stiele der auf dem Wasser schimmernden Blutenkelche, und Holger half ihr dabei und immer, wenn sie ble' Hände untertauchten, da begegneten sich ihre Fingerspitzen unter der weichen Oberfläche des Masters.
Zen sah es, und wie ein zorniges Auflehnen dagegen kam es über ihn. „Wollen wir heim?" fragte er fast hart.
„Nein, weiter, weiter." baten Holger und Mirena. Fortsetzung folgt.
Kckamrtmachrmg Die Volksküche
bleibt von Montag, den 2. September ab, für einige Zeit
geschlossen.
Wiedereröffnung wird bekannt gegeben.
Friedberg, den 27. Aug. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Damm.
»*»
Bekannt machittig
Frühäpfel
werden im Kleinen von heute, Donnerstag nachmittag 2 Uhr ab soweit Vorrat reicht, das Pfund zu 60 Pfg., in der alten Post ab-
gegeben.
Friedberg, den 29. Aug. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Damm.
t Gewichte aus Messing oder Neusilber, siehe Reihe In lsd» Nr. 44 der Verordnung vom 26./Z. 1918.
2. Hohlmaße aus Kupfer Meffrng, 'Neusilberod. Zinn, stehe Reihe 111 lfd. Nr. 45 d. Verordnung v. 20./3 1918.
2. Brauseköpfe von Ladeeinrichtungen in Badeanstalten, Krankenhäusern, gewerblichen Betrieben und öffentlichen Einrichtungen, stehe N^ihe IV, lfo. Nr. 49 d. Verordnung v. 26./3.1918 4 Fenstergriffe u. Fe nfter- kuöpfe, Türklinken, Türgriffe, Türhandhaberr, und Türknöpfe aus Messing. Bronze oder Neustlber, Betätigung eines Verschlusses drenen. stehe Reche IV lfd. Nr. 49 u. 55 d. Verordnung v. 26./3.1918. Die hierfür vorgeschriebenen Formulare sind auf Z.mmer 9 M Stadthauses während der Drenststunden erhältlich und hat auch daselbst die Abgabe der ausgefüllten Formulare wieder zu erfolgen.
, 2n den Meldungen ist insbe- Mdere anzugeben, ob behördlicher Ersatz beschafft werden soll vnd ob Ausbauhilfe beantragt Anträge auf kostenlose Ausbauhilse sind auf besonderem Formulare zu stellen.
r Fnedberg. den 24. August 1918.
Der Bürgermeister •i. 93.: Damm.
gegen Fräulein Dina Embach
nehne ich hiermit zurück.
Amalie Eh, Dornaffenhcim
WLLMZG
wird um Angabe ihrer Adresse gebeten, welche am Nachmittag des 27./8. auf dem Wege von Bad-Nauheim nach Friedberg mit ihrem Söhnchen angehalten wurde. Von der Dame im schwarzen Mantel als Zeugin gesucht.
Adresse zu richten an Frau I., Vad-Nauheim, Haupist 8, 2Tr.
Für meinen Bruder, z. Zt. im Felde, Ende 30 Jahre, kath., sehr tücht. Landwirt, mit eig. Betrieb, zirka 60 Morgen, suche tüchtige.' häusliche Daine zwecks späterer
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kann der Geschäftsmann auch während der Kriegszeit nicht panz entbehren, wenn auch der Papiermangel und die Teuerung eine gewisse Einschränkung mit sich gebracht haben. Die Eeschäftsdrucksache ist und bleibt nun einmal für jeden Geschäftsbetrieb unentbehrlich, sei es. daß man sie braucht zur Uebermittlung geschäftlicher Angelegenheiten, oder zwecks Regelung von Ausständen usw. Wie kein Geschäft seinen Vertreter oder Reisenden in schäbigem Gewände zum Besuche seiner Kundschaft hinausgehen läßt, so sollte es auch darauf bedacht sein, daß die von ihm verbrauchten Drucksachen die es ja doch auch bei dem Empfänger derselben vertreten sollen, ein einwandfreies Aussehen haben. Auch familiäre Mitteilungen jeder Art lassen in ihrer äusseren Aufmachung einen Schluß auf die Persönlichkeit des Absenders zu. Wir empfehlen uns zur Anfertigung von Drucksachen jeder Art in sauberer und geschmackvoller Ausführung und sichern schnellste Lieferung und billigste Berechnung zu. Bei eintretendem Bedarf bitten wir Muster und Preisberechnung von uns einzufordern.
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