Ausgabe 
29.8.1918
 
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denkbar erachtet werde, torpediert sein sollte. Der norwegische Gesandte hat, da später der DampferSan Jose" als versenkt gemeldet wurde, sich auch deswegen an das deutsche Auswärtige Amt gewandt. Auch in dieser Sache werden sobald als mög­lich Untersuchungen angestellt werden. (Anmerkung des Wolff- schen Bureaus' Die Mitteilungen des norwegischen Gesandten beruhen auf Besprechungen mit dem Auswärtigen Amt.)

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Eine feindliche Anerkennung.

Bern, 27. August. (WB.)Daily Ehronicle" bringt fol­gende Auslassung des bekannten englischen Flottenkritikers Ar­thur Pollen: Bei dem jetzigen Stande der Unterseekriegführung sind wir in der Bekämpfung der U-Boote unter Wasser auf un­tätige Kampfmittel, d. h. die Minen, angewiesen. Gäbe es keine dutschen Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer, wäre die Er­richtung einer englischen Minensperre wohl ausführbar. Also kann man wohl sagen, die deutsche Flotte beschützt die U-Boote und deckt ihre Unternehmungen. Andererseits ist das der stärkste Grund dafür, daß die Rutsche Flotte sich heute nicht zu einer Seeschlacht stellt, denn so lange die feindlichen U-Boote monat­lich über 300 000 Tonnen versenken können, vollbringen sie un­mittelbar und die deutsche Schlachtflotte mittelbar Leistungen zur See, die alles übersteigen, was selbst von der glücklichsten Unternehmung zur See zu erhoffen wäre. Der U-Bootkrieg ist demnach ein wirklicher Verechtigungsnachweis für das Vorhan­densein der deutschen Flotte, und wenn wir eine grosse See­schlacht haben wollen, müssen wir zunächst das U-Boot schlagen. Das können wir aber nur durch Unterwasserkampfmittel tun, die wir wiÄ>er nicht wirksam in dem zunächst in Betracht kom­menden Bereiche verwenden können, sondern nur in viel grö­sserer Entfernung.

TnMche llirßfr iilirr Finnland.

Selsingfors, 26. August. Eine Verletzung der finnischen Neutralität durch die Engländer meldet das nordöstliche finnische Gvenzschutzkommando. Danach erschien am Samstag aus Rich­tung von Osten ein großes graugestrichenes Wasserflugzeug in einer Höhe von 600 Metern über dem Dorfe Kurtti, östlich von Kuolajoervi. Das Wasserflugzeug kreiste über dem Dorfe, stieg bis auf 800 Meter Höhe und warf mehrere Bomben ab. Durch die zweite Bombe wurde ein Bauer verletzt, durch die dritte und vierte, die ullweit der militärischen Speiseanstalt nieder­fielen, ein Soldat. Die fünfte Bombe schlug in der Nähe der Ambulanz ein, ohne jedoch Schaden zu verursachen. Die sechste, die auf am Boden liegende Soldaten gerichtet war, krepierte nicht. Während der ganzen Zeit wurde aus dem Wasserflug­zeug mit zwei Maschinengewehren geschossen. Gegen das Flug­zeug wurde Gewehrfeuer eröffnet, worauf sich dasselbe um g Uhr 22 Minuten in östlicher Richtung über Nivala entfernte. Im Flugzeug befanden sich drei Mann. Die Tragflächen waren auf der Unterseite mit großen schwarzen Ringen bemalt. Das Dorf Kurtti liegt unmittelbar an der finnischen Ostgrenze un. Lesähr in der Höhe von Kantalak.

Kanadische FatznenfiKchlige.

Rotterdam, 27. August. (WB.) DemRiemve Rotter- damsche Courant" zufolge meldet derDaily Telegraph" aus Montreal, daß in der Provinz Ouebec ungefähr 10 000 Mann desertiert oder nicht eingerückt sind. Man hat in ganz Kanada für Militarflüchtlinge einen Termin festgesetzt, bis zu dem sie sich anmelden können, ohne bestraft zu werden. Diese Maß­regel hatte einige Wirkung. In der Provinz Ouebec meldete sich eine ziemlich große Zahl Deserteure, allerdings noch nicht die Hälfte der abgängigen 10 000 Mann.

Mach Krindisr mrück.

Zürich. 28. August. Wie die Mailänder Blätter melden sind die bürgerlichen Behörden aus Albanien in Brindisi einge- troffen. Der Post- und Telegraphenverkehr mit dem besetzten Albanien wurde am 25. August bis auf weiteres gesperrt

Febensmiitkl-Unrnhen in Turin.

Zürich, 26. August. Rach hier vorliegenden Turiner Mel­dungen haben am letzten Donnerstag in Turin große Le­bensmittelkrawalle stattgefunden. - Rach Berichten aus Genua sind in diesem Jahre nur etwa 5 von den erwarteten 18 ameri­kanischen Lebensmittel- und Kohlenschiffen eingegangen.

westliche Front: In Richtung Tagtak nähern wir uns nach Eiirnahmr des Dorfes Taraßkowo der Station Tawatut. Es wurde bemerkt, daß der Gegner von Kongurock Truppen nach Iekaterinburg wirft. In Richtung Wiatka hat die Weiße Garde Utfum besetzt. Ihre Anzahl beläuft sich auf mehr als 1000 Mann. Sie beabsichtigten, Kotelnitschi zu besetzen, die Brücke zu sprengen und Perm abzuschneiden. Unsere Flugzeuge war­fen Bomben auf Kalan herab. Die Treffer waren günstig.

Auf der übrigen Front keine Veränderung.

Moskau, 27. August. (WB.) Die Petersburger Telegra­phenagentur meldet: Engländer und Franzosen führen auf dem nördlichen Kriegsschauplatz starke Erkundungen mit Wasserflug­zeugen beim Leuchtturm Sedericher durch. Im Bezirk Kasan führt unsere Infanterie einen hartnäckigen Kampf um den Be. sitz des Krasnoj-Derges. welcher von unseren Batterien und der Wolga-Flottille beschossen wird. Unsere Heeresabteilung auf dem rechten Wolga-Ufer rückte nach Kampf auf die Linie der Dörfer- Speßkaja, Erotschuschinskaja, Wiselki und Jnuatan vor. Unsere Kundschafter stießen bis Ritschnij-Uflam vor, nach­dem sie die feindlichen zurückgedrängt hatten. Auf dem nord­kaukasischen Kriegsschauplatz besetzten wir im nördlichen Bezirk die Wolgadörfer Pitschuschinskaja und Pissowatka, im südlichen Bezirk besetzten die Unsrigen eine Reihe von Orffchaften nach Kampf. Der Gegner wurde aus den Dörfern Werchny, Rischny. Lamon, Inschnasi, Mirowta, Podkolodnowka und Byffchak her­ausgeworfen. In der Richtung auf Powarinsk erbeuteten wir ein Geschütz ebenso im Bezirk der Station Rowarinsk. Im Be­zirk der Stationen Rowochopes und Ponjungewa Artillerm- feuer.

Moskau, 26. Aug. (WB.) Meldung der Petersburger Tel.-Agentur. Zugleich mit den Nachrichten von den großen Siegen mifever Armee an der tsckecho-slowakischen Front geht eine Mitteilung von der fortgesetzten Ergänzung unserer Armee durch Freiwillige unserer Jugend ein. Die Feindschaft zwischen den Kosaken und den Tschecho-Slowaken vertieft sichlnnaufhörlich und führt fortgesetzt zu Zusammen­stößen. Die Kirgisen der uralschen Steppe erwarten mit Ungeduld die Ankunft der Sowjettruppen, um die kirgisische Föderativ-Republik ausznrufen. Der Chef der Ostfront weist auf die heldenmütige Tätigkeit der Eisenbahner an der tschecho-slowakischen Front hin.

Irland.

Rotterdam, R. Avgust. Die ..Morningpost" meldet aus Irland, das Ergebnis der Werbetätigkeit in Irland von An­fang Mar bis Anfang August sei, datz sich all« in allem LM bis 3M FreiwiNig« hätten einfchreiben lassen. Di« Sinnfeinei hatten auf der ganzen Linie gesiegt, und man habe mit ernsten nationalen Kämpfen für die nächste Zett zu rechnen, da die Re-

"Er fei bie Zwangseinführung der Dienst-

Vllrcht in Irland fallen zu lassen.

Dttffiattd.

Erfolge der Sowjettruppen.

Moskau, 24. August. (WB.) Die Kämpfe am 16. August Nördliche und westliche Abschnitte: Schenkurek wurde von der Weißen Garde besetzt.

Südlicher Abschnitt: In Richtung Balaschowsk führte ein revolutionäres Kofakenregiment einen Angriff auf das Gehöft

? ^ *** aus. Der Gegner floh unter

Zurücklassung von Toten.

No^anka^cher Abschnitt: In Richtung Zarizyn griffen

Truppen an einigen Stellen an. besetzten die Station j »ttoroponowo und erbeuteten 10 Maschinengewehre.

Kiew, 28. Aug. (WB.) Am 1. September erfolgt der Wrederzusammentritt des tartarischen Parlaments in Kuraltei, das seit der Ernennung des Generals Sulkewitsch zum Ministerpräsidenten nicht mehr tagte.

Kiew, 28. Aug. (WB.) Zeittingsmeldungen zufolge ordnete die sibirische Regierung für Ende August die Ein­berufung der Jahrgänge 1898 und 1899 an zur Bildung einer regulären Armee.

Die Kämpfe im Innern.

Moskau, 25. August. (WB.) Die hiesige Presse meldet: In Riffen! Nowgorod wurde ein Militärrevolutionäres Komi­tee errichtet, in dessen Hände alle Gewalt im Gouvernement überging. Die Stadt wird endgültig von Eegenrevolutionären gesäubert. Auf Beschluß der außerordentlichen Kommission wurden elf Gegenrevolutionäre erschossen. Eine gegenrevolutio­näre Organisation in Stadt und Kreis Liny wurde unterdrückt und der Belagerungszustand verhängt.

Zm Stab der Nordarmee wurde eine gegenrevolutionäre Verschwörung aufgedeckt.

Im Abschnitt Ufa haben sich die Dorfbewohner für die Räte- r^ierung erklärt und weigern sich, der von tschechischer Seite angeordneten Mobilisation Folge zu leisten.

Wladiwostok, 26. Aug. (WB.) General Pleskow führte im Namen Horvaths einen Staatsstreich aus und erlich eine Proklamation, daß die russischen Streitkräfte im fernen Osten unter seinem Oberbefhl ständen. Auf die Gegen­erklärung der sibirischen Negierung, die sich, gegen Horvach wendet, ging ein rusMer Truppenteil von Freiwilligen vollzählig zu Horvath über. Dies geschah ohne Blutver- gießen.

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Nicht zahlreich genug.

Basel, 28. Aug. Die LondonerTimes" melden aus Tokio: Die Regierung ist der Ansicht, größere Truppenbe­stände für Rußland erst nach Zusttmmung des Parlaments ausziehen lassen zu sollen. Die Japaner sind in Sibirien bisher nicht zahlreich genug, um die Lage entscheidend zu beeinflussen.

Berlin 28. August. (WB.) Don finnischer Seite wird mltgetertt: Nachdem bei den finnisch-russischen tzriedensver-

hcmdlungen in den Hauptfragen bisher kein Eingeständnis zwi­schen beiden Parteien zu erreichen war, haben die finnischen Be. vollmächtigten vorgeschlagen, die Verhandlungen auf einige Wochn zu vertagen. Bei Wiederaufnahme der Unterhandle gen würden die finnischen Bevollmächtigten den russischen durch 'er- mittlung der deutschen Regierung weitere Vorschläge unt< ' ei­ten. In einem Schreiben vom folgenden Tage haben die r- treter Rußlands der finnischen Delegation einem mit dem e' a. erwähnten in den Hauptpunkten übereinstimmenden Vorst' auf Vertagung der Verhandlungen zugestellt. Daraufhin r-* feen die Verhandlungen vorläufig vertagt. Die beiderseii * Bevollmächtigten reisen in den nächsten Tagen von Berlin Der Präsident r>er finnischen Delegation, Minister Enekell i, i jedoch vorläufig hier bleiben.

Finnland.

Keine Thronkandidatur des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg.

Berlin, 28. August. (WB.) Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg teilt dem Wolffbureau mtt. daß sein Name zu Un­recht mit der Kandidatur für den finnischen Thron in Verbin­dung gebracht werde. Obwohl man ursprünglich von finnischer Seite an ihn herangetreten sei, siche der Herzog allen diesen Komdmationen durchaus fern und einer auf ihn etwa entfal- lenden Wahl würde der Herzog nicht entsprechen.

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Die Verhandlungen mit Rußland.

Köln, 28. Aug. . Aus Stockholm wird denTimes" nach derKöln. Ztg." berichtet: Nach Telegrammen aus Helsing- fors sind die russisch-finnischem Friedensverhandlungen ohne neue Anberaumung abgebrochen worden, nachdem die Verhandlungen über die Frage des Anteils Finnlands an den Kriegskosten Rußlands und des Schadens, der infolge der Beteiligung russischer Truppen an den Aufständen m Lumland entstanden ist. auf einen toten PuM gelangt sintz

Rüüjkiü des Mmkrsmichnl DgjjihMrs in London.

Washington, 27. Aug. (WB.) Reuter-Meldung. Wils hat das Entlajsungsgesucb des amerikanischen Botschafters > London, Page, angenommen, den dieser aus Gesundheit - rücksichten eingereicht hatte.

Skine Adtttinng m\ ZMn.nn Spanm.

Berlin, 28. August. (WB.) Nach einer Meldung derZ : mee" aus Sawander soll die deutsche Negierung die Ved'ii imgen der spanischen Ratifikation angenommen und zugestim: - h^n, daß die in den spanischen Hafen liegenden Schiffe c . Kompensation für die Verluste der spanischen Handessflotte c -getreten würden. Diese Meldung ist unrichtig. Wie bereits r 23. August miigeteilt, hat die deutsche Regierung gegen das c gekündigte Vorgehen der spanischen Regierung Verwahrung ei gelegt. Es sind zwischen beiden Regierungen Verhandlung^ eingeleitet, um eine den beiderseitigen Interessen Rechnung tr Sende Lösung herbeizuführen.

Die Unruhen in Japan.

Haag, 28. August. Wie Reuter aus Osaka meldet, ist dr- Zahl der Opfer bei den Reis-Unruhen noch nicht bekannt. Mal­nimmt jedoch an, daß sie schr groß ist. da etwa eine Viertel Million Menschen an den Ausschreitungen beteiligt waren. I Moji plünderte der Pöbel 200 Läden. Truppen machten de Ausschreitungen schließlich ein Ende. Am 17. August hielte.- 800 Mcrkarteiter der Mineche-Grube eine Versammlung al. tn der eine Herabsetzung der Reispreise gefordett wird.. Bergarbeiter griffen die in der Nähe liegende Stadt an. Di.' Sttaßenkämpfe dauetten die ganze Nacht. 50 Personen wurder getötet. Auch in Kinschu kam es zu Ausschreitungen, es ist jedoch jetzt dort ruhig.

Das dklltich-kKglillhc OiffangcnrnGbhominrn.

^Berlin, 28. Aug. (WB.) In einer Reutermeldung vom 28. August wird behauptet, daß die großbritannische Rtzgie- rung der deuffchen Regierung sofort ihre Bereitwilligkeit er- klärte, die am 14. Just in Haag Unterzeichnete Vereinbarung über .Kriegsgefangene und Zivilpersonen mit einer Ein­schränkung zu ratifizieren, daß die deutsche Regierung in- dessen noch nicht geantwortet habe und somit die Verant­wortung für die Verzögerung trage. Dieser Vorwurf ist völlig unbegründet. Bis in die allerletzte Zeit war der deutschen Regierung keinerlei Mitteilung der großbritanni- schen Regierung über deren Stellung zu der Vereinbarung zugegangen. Erst am 22. August erhielt der deutsche Ge­sandte im Haag eine Erklärung der großbritannischen Regie­rung, wonach diese zur Ratifikation der Vereinbarung bereit sei, wenn die deutsche Regierung einer Aenderung der ge­troffenen Verabredungen in einem wesentlichen Punkte zu- stimme. Auf die Frage einer befriedigenden Regelung der Lage der China-Deutschen, von der bekanntlich deutscherseits die Genehmigung zu der Vereinbarung' abhängig gemacht wird, ist die großbritannische Regierung in dieser Er­klärung mit keinem Worte eingegangen. Hiernach kann die Reutermeldung nur als eine gröbliche Enfftellung der Wahr­heit bezeichnet werden.

Kriegsgefangene.

Angesichts der Besorgnis über das Los unserer Kriegsge» fangenen in Rußland wird amtlich mitgeteilt:

Seit Llbfchluß des Friedens ist schon eine große Anzahl ge­fangener Deutscher zurückgekehrt. Viele haben die weite Reise unter großen Schwierigkeiten auf eigene Faust gemacht, ander« vor allem Invalide und Kranke, sind in geschlossenen Trans­porten über die Grenze gekommen. Dieser Zusttom hat in letz, ter Zeit nachgelassen. Der Hauptgrund dafür ist der Vormarsch der Tschecho-Slowaken, durch den der schon vielfach vorbereitete Abtransport nach Sibirien und den östlichen Gouvernements unterbrochen wurde. Die westlichen Gouvernements im euro­päischen Rußländ dagegen sind dank der erfolgreichen Tätigkeit der deutschen Kommissionen schon größtenteils von Gefangenen geräumt. Nunmehr versuchen schwedische Kommissionen, von deutschen Rote-Kreuz-Schwestern begleitet, nach Sibirien zu ge­langen, um die noch dort befindlichen schwedischen Delegierten in der Ge-fangenenfürsorge zu unterstützen. Ob es diesen Kom. Missionen gelingen wird, auch den Abtransport der Gefangenen aus diesen Gegenden gegenwärtig durchzusetzen, ist bei der Ver- worreirheit der dortigen Verhältnisse noch nicht zu übersehen. Sobald es irgend möglich erscheint, soll von neuem versucht werden, auch deutsche Kommissionen nach Sibirien zu senden. Grund zur Beunruhigung liegt für die Angehörigen nicht vor. Sie dürfen versichert sein, daß von deutscher Seite alles ge­schehen ist, und auch weiterhin geschieht, um die Gefangenen in