Nummer 183
io Pfennig die Nummer
Mitlmocff» den V. August 1918
11. Jahrgang«
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Ein Kturmerfolg der WKritemberger. — 16000 Tonnen versenkt. — Die Derieknng des Feldmnrjchüks
v. Eichhorn. — General v. Kirchkach dessen Nachfolger.
Der deutsche Generalsiak
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W» T. K. Großes Kattp-qttartiev. den 6. August Amtlich.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Nupprechi.
Lebhafte Erkundungstätigkeit, namentlich im Ancre- und Avre-Abschnitt und südlich von Montdidier. Am Abend vielfach auflsbender Feuerka-mpf. Württeurberaer erstürmten heute früh nördlich der Somme die vorderen englischen Linien beiderseits der Straße Bruye—Corbie und brachten etwa 100 Gefangene ei».
Heeres gruppe Deutscher Kronprinz.
Nach erfolglosen Teilvorstößen ging der Feind gestern mit starreren Kräften zum Angriff gegen den Vesle-Abschnilt beiderseits von Braisne und nördlich von Ionchery vor. Aus kleinen Waldstücken auf dem Nordufer des Flusses, in denen er sich vorübergehend festsetzte, warfen wir ihn im Gegenstoß wieder zurück. Einige hundert Gefangene blieben hierbei in unserer Hand. Im übrigen brach der Angriff des Feindes schon vor Errichung der Besle in unserem Artillerie- und Maschinenge- wehrfemsr zusammen.
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Leutnant Udet errang seinen 44., Leutnant Bolle seinen 28. Luftsieg.
Der Erste Generalquarliermeister: Ludendorff.
Abendbericht.
Berlin. 6. August, abends. (WB. Amtlich.) Don der Front nichts Neues.
! Der österreichische Geueralstab I
meldet:
Wie«, ü August. (WV.) Amtlich wird oerlautbart: Nichts Neues.
Der Chef des Generalstabes.
Der bulgarische Grneralstab fc======: meldet: =-
Sofia. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht vom 2. und 3. August.
Mazedonische Front: Im oberen Skumbi-Tal verjagten unsere Posten durch ihr Feuer eine französische Infam terieabteilung. Im Cerna-Bogen versuchten feindliche Angriffsabteilungen sich unseren Gräben nördlich des Dorfes Makovo zu nähern, wurden jedoch mit Handgranaten abge- wiesen. Westlich des Dobropolje kurze Feuerangriffe auf beiden Seiten. Südlich von Huma erreichten mehrere griechische Kompagnien unter dem Schutze eines heftigen Ar- tilleriefeuers an mehreren Punkten die künstlichen Hindernisse vor-unseren vorgeschobenen Gräben, sie wurden jedoch unter unser Artilleriefeuer genommen. Gegenangriffe von unserer Infanterie zerstreuten sie vollständ- > unter fühlbaren Verlusten. Im Siidwesten von Doiran lebhaftes Artilleriefeuer auf feindlicher Seite.
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Das türkische Hauptquartier j == meldet: —. -^ =J
fionilantimipel, 5. AuMt. (SliS. Nichtamtlich.) General, stabsbericht.
Pnläfttnafront: Im Küstengebiet scheiterte ein feindlicher Vorstoß gegen unsere vorgeschobenen Stellungen. Rege Artil- lielie- und Patrouillentätigkeit beiderseits des Jordans. Feindliche Aufklärungsabteilungen wurden überall abgewiesen. Nordöstlich der Iordanmündung vertrieben wir eine feindliche Eskadron aus ihrer Stellung.
Die sage im Westen.
Bern. 6. August. (WB.) Der „Temps" äußert sich zur ml- I kltärischen Lage zwar sehr zuversichtlich, nracht aber den Sieges.
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taumel der anderen Tagesblätter nicht mit. Er führt u. a. aus: Unsere Erfolge wären größer gewesen, wenn wir am
18. Juli die deutsche Front südlich Soissvns hakten durchbrechen können. Wir dürfen nicht vergessen, daß Mangin auf zwei deutsche Armeen stieß und nicht über genügende Kräfte verfiigte, sie zurückzuwerfen. „Information" stellt fest, daß der deutsche Rückzug in gnter Ordnung vor sich gehe. „Journal des De- bats" schreibt noch sachlicher: Der Feind gibt jetzt nur das auf, was die Erfolge seines Programms vom 27. Mai überschritt, wo Ludendorff nur den Damenweg einnehmen wollte. Der schnelle Fortschritt der deutschen Kolonnen gestattete ihm dann den Stoß bis an die Marne. Man kann sagen, daß die ganze deutsche Strategie seit zwei Monaten auf die Resultate vom 27. Mai gestützt war. In dem Interview Ludendorffs ist nicht alles falsch. Es ist durchaus wahr, daß die Deutschen, wenn sie ein- sehen, daß die Operationen sich nicht bezahlt machen, sie abzu- halten suchen. Tatsächlich zieht sich der Feind jetzt zurück, um Menschen zu sparen und seine Proviantierung, die in dem Marnesacke äußerst schwierig war, zu erleichtern.
Bern, 6. August. (WB.) Der Kriegsberichterstatter des , Eiornale d Italia" in Frankreich sagt zur Kriegslage u. a.: Man. stche vor einem überlegten und vorbedachten Rückzug des Feindes. Die Initiative zum Rückzug liege bei den Deittsche-m Unter diesen Umständen sei es schwierig, vorauszusehen, wo die Rückwärtsbewegung zum Stehen koinmen werde. Wahrscheinlich würden die Deutschen sich auch an der Aisne nur vorübergehend stellen, um sich aus Linien zurückzuziehen, die für die Verteidigung vorzüglich geeignet seien.
Die Defchießmig von Paris.
Basel, 6. August. Rach einem Pariser Haoasbericht vom 6. August dauert die Beschießung des Pariser Festungsbereichs aus weittragenden Kanonn fort.
Chaioris iiomfmrbifif. Fisines in Flnnmen.
Bern. 6. August. (WB.) Laut Pariser Blättern wird Ehalons sur Maine seit dem 15.-Iuli heftig bombardiett, wodurch großer Schaden angerichtet worden ist. Fismes steht in Flammen.
16000 Tonnen versenkt.
Berlin, 6. August. (WB. Amtlich.) An der Ostküste Englands und im Gebiet westlich des Kanals wurden teilweise aus stark gesicherten Geleitzügen heraus 16 000 Brt. versenkt.
Der Chcs'dcS AdmiralstabeS der Marine.
Feindliche Schifssverluste.
Haag, 6. August. Die Admiralität gibt bekannt: Am 2. August stießen zwei britische Torpedojäger auf eine feindliche Mine und sanken. 29 Mann kamen dabei ums Leben.
Reuter meldet ferner: Die Mannschaft eines kana-
dischen Schoners, der in der Fundabucht torpediert wurde, ist in einem kanadischen Hafen gelandet worden. Die ge- rettete Mannschaft erzählte, der Kommandant des feindlichen U-Bootes habe mitgeteilt, daß von seinem Schiff vor kurzeiu eine Mine gelegt worden sei, ans die der amerikanische Kreuzer „Santiago" aufgelaufen sei, worauf er gesunken sei.
Amsterdam, 6. August. (WB.) Mit dem gestern in Hoek van Holland angekommenen englischen Konvoi, der aus vier Daulpfern bestand, trafen die Besatzungen dreier holländischer Nscherlogger, die vor der holländischen Küste auf der Höhe von Egmond von einem englischen Torpedoboot angehalten und mitgenommen worden waren, ein; außerdem die Besatzung eines Frachtloggers, der in der freien Fahrrinne auf eine Mine gelaufen und in die Luft geflogen war. 'Ein Mann der Besatzung des englischen Dainpfers „Kilkenny" teilte mit, daß bei der Torpedierung des englischen Dampfers „Kiekham Abbey", der mit dem letzten Konvoi nach England gegangen war, sechs Passagiere und neun Mann der Besatzung umgekommen sind.
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Der Seekrieg.
Die N-Bootsallen.
Amsterdam, 6. Aug. (WB.) Dem Nentersä)en Bureau zufolge veröffentlicht der Marmekorrejpondent der „Times"
Mitteilungen über die Arbeit der N-Bootfallen, die einen wichtigen Anteil an der Bekämpfung der Unterseeboots hätten und die Bezeichnung „Q-Schiffe" führten. Der Korrespondent sagt, man könne jetzt Einzelheiten dariiber veröffentlichen, da den Deutschen die gegen sie angewandten Methoden bereits bekannt feien. Das erste derartige Schiff, das erwähnt wurde, fei die „Baralong" gewesen, die am 19. August 1915 ein Unterseeboot versenkte. Seitdem Habs die Methode, bewaffneten Schiffen das Aussehen von Handelsschiffen zu geben, sehr zugenommen. Der Korrespondent verteidigt diese Methode der Kriegsführung und führt einigS Beispiele an. von denen das folgende am bezeichnendsten ist: Eines Tages hielt ein Unterseeboot ein solches, als unschuldiges Handelsschiff verkleidetes „Q-Schiff" an. Die Mannschaft ließ die Boote herab Und verließ das Schiff. Nur eine Frau mit einem Kinde in den Armen blieb zurück und lief wie wahnsinnig auf dem Deck auf und ab. Als das U-Boot an dem Fahrzeug anlegte, schleuderte die Frau das Kind, das in Wirklichkeit eine Bombe war, in den offenen Turm des U-Bootes und sprengte es ans diese Weise in die Luft. Diese Frau wurde, wie der Korrespondent eigens hinzufügt, für ihre Tat mit dem Viktoriakreuz ausgezeichnet. S' —-—
Der englische Schiffsbau.
Bern, 4. August. (WB.) „Daily News" schreibt zu der Rede, die Sir Edward Geddes am 30. Juni im Unterhaus gehalten hat: „Der springende Punkt war die Be
hauptung, daß der Schiffsraum der Alliierten und Neu-, traten jetzt monatlich um 100 000 Tonnen zunimmt. Auf den ersten Blick ist die Anfwärtsbewegung der Kurve Grund zu tiefster Befriedigung. Die volle Wahrheit ist aber, daß die Besserung hinter dem zurückgeblieben ist, was hätte ge? leistet werden müssen, denn ftir die zunehmende Bilanz der Neubauten über die Versenkungen haben wir Amerika zu danken. Unsere eigene Bautätigkeit mach noch immer nicht unsere Verluste wett. Die letzte vorliegende.Statistik ist außerordentlich enttäuschend."
„Daily Telegraph" schreibt: „Es ist jetzt sicher, daß
der Feind uns durch seine Piraterei weder aushungern, noch unsere Kampfkraft schwer zu lähmen vermag. Die Piraterei ist, wie die letzte Statistik beweist, noch immer ein ernster Faktor, aber wir haben den Gesahrpunkt passiert. Wir wünschten, wir könnten Herrn Geddes ebenso herzlich zu den Fortschritten im britischen Schiffbau gratulieren, aber leider wird unsere Handelsmarine von Monat zu Mo< nat schwächer."
Die „Times" führt aus, die rosigen Visionen, .in denen Geddes sich ergangen hatte, dürften die Tatsachen über die Schiffsanlage nicht verdunkeln, die äußerst ernst und drohend seien. Seine Angabe, daß im letzten Vierteljahr der sogenannte Weltschiffsbau 100 000 Tonnen mehr fertig gestellt habe, als die Welffcküffsverlnste betragen hätten, sei ein - schwacher Trost für diejenigen, welche die Zugangs- und Abgangsziffern der brittschen Tonnage vergleichen würden. Es sei wirklich ein großer Unfug, dergestalt diese äußerst bedenklichen Taffachen dem Publikum, das sich ohnehin viel zu wenig darum kümmere, zu verbergen. Tatsächlich wei'--1 die Bilanz für den britischen Schiffsraum im letzten Halß* jahr eine Abnahme von 550 000 Tonnen auf, wozu noch ein Reinverlust von 3 Millionen Tonnen für 1917 hinzuzurech^ neu sei. Trotz des Geredes über die zunehmende Wirksam« keit der britischen Methoden, die Tauchboote zu zerstören, würden die britischen Werften 'im Wettkampfe gegen daS Tauchboot noch immer geschlagen. Das Reinergebnis sei jedenfalls, daß der britische Schiffsbau keine stetige Zunahme aufweise, und solange dies der Fall sei, sei es schlimmer als töricht, selbstgefällig von einem sogenannten Weltschiffsbau zu reden.
Neun Flikgttmariff auf ritt fniarrtt.
Berlin, 6. August. (WB.) Am 1. August machte ein aus mehreren feindlichen Flugzeugen bestehendes Bombengeschwader einen Angriff auf das deuffche Kriegslazarett Labry bei Eonflans, dem zwei Tote und 67 Verwundete, darunter 13 Schwerverwundete, zum Opfer fielen. Die vor* abscheuungswürdige Tat komntt nicht überraschend, da die Entente seit langem ihre Mißerfolge und Niederlagen im offenen chrlichen Kampfe durch heimtückische Luftanariff«


