Verfemt.
1\
Roman von Anny Wothe.
2) - Nachdruck verboten
Der Eklat mußte da sein, ehe ihn Jürgen verhindern konnte. Es durfte für sie kein „Zurück" mehr geben. Alle Brücken mußten abgebrochen sein, und wenn man in den nach« sten Tagen in der Nachbarschaft erzählte: „Die Gräfin Berg. Hausen wäre mit ihrem Volontär durch gegangen, mit dem sie schon an dem Eesellschaftsabend unverantwortlich viel getanzt und kokettiert hatte, so s-nnd man Tatsachen gegenüber, mit denen man rechnen mußte. Der Volontär! Mirena lächelte. Der gute Junge. Mie erg-D-en er ihr war, und wie er sein-r ganze Existenz aufs Spiel fetzte, um ihr ? ..::i Dienst zu erweisen. Warum war er so töricht? Hatte sie ihn vielleicht er- muttst, hatte sie mit ihm kokettiert und seine kindliche, knabenhafte Liebe zu hellen Flammen entfacht? Nein, sie hatte sich 'Hon mehr als einmal seine „Toggenbnrgerei" verbeten, aber der junge Harald hatte sie dann so treuherzig und so bittend angesehen, daß sie ihm nicht böse sein konnte, und jetzt mar ihr seine Liebe und seine Hilfe von geradezu unersetzlichem Wert. Harald von Briesen hatte seine Stellung auf Berghausen gekündigt, um das Gut seines Onkels in Ostpreußen zu übernehmen. Nur noch wenige Tage, und er ging fort für immer, sie batte dann niemanden mehr, der ihr geholfen hätte, und darum mußte, was sie plant", heute geschehen.
Am See dort unten sollte sie Harabo, eine Viertelstunde nach Mitternacht, mit einem Boot erwarten, um sie über die Müggel zur Bahnstation zu fahren War diese erreicht, so hatte sie gewonnen. Was weiter wurde, sollte sie nicht kümmern, nur frei, endlich frei von drückender Fessel, die schlimmer war als Schmach und Schan.de.
Hastig warf Mirena einige Toilettesachen in eine kleine, dunkle, bereitstehende Tasche, und legte eiligst einen schwarzen Mantel um ihre hohe Gestalt, die Kapuze zog sie über den Kopf tief hinab bis in das weiße Gesicht, in dem nur die dunkel- umfäumten Augen leuchteten. Dann glitt sie langsam, die Tasche in der Hand, hinaus.
Auf drin weiten Korridor des Schlosses, der nur matt von einer buntbemalten Laterne erleuchtet war, stand sie einen Augenblick lauschend still. Es war ihr. als stocke ihr Herzschlag, als könnte sie nicht einen einzigen Schritt vorwärts tun/und doch drängte alles in ihr ungestüm weiter.
Wie ein Schotten glitt Mirena den Gang entlang.
Jetzt knarrte leise im Hause eine Tür. Die Gräfin er.« schauerte. — Eine Maus huschte über den Weg. Mirena hätte am liebsten aufgeschrien, aber ihre Lippen blieben fest geschlossen.
Klang da nicht wieder das leise Meinen einer Kinder, stimme? —
Mirena wollte haltlos cruffchluchzen in Qual und Weh aber sie bekämpfte diese, wie sie sich selbst sagte, elende Schwäche', keine Träne netzte ihr Auge. Ein paar hastige Schritte, und die Haustür war erreicht. Vorsichttg, unter rasendem Herzklopfen schoben die weißen Hände der jungen Frau mit Aufbietung aller Kraft den schweren Eisenriegel zurück, dann stand sie ttefaufatmend im Freien.
Der tobende Nachtwind riß ihr fast den Mantel von den Schultern, als Mirena eilends, ohire auch nur einen Blick nach dem Schloß zurückzuwerfen, durch den dunklen Park eilte.
Sie kannte jeden Weg und Steg in Berghausen, und doch war es ihr, als hätte sie den Park nie zuvor gesehen. Gespen- sttg. unheimlich grinsten sie die alten Bäume an, in denen der Nachtwind heulte — schaurig klagten Nachtvögel dazwischen, und der See grollte dumpf in rastlosem Schäumen. Endlich,' gepeitscht von Furcht und Grauen, hatte sie das Ufer erreicht.
Ihr Auge spähte angstvoll umher. Kein Boot, kein Licht — kein Mensch!
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/ Jetzt schrie sie aus in ratloser Verzweiflung. Da löste sich thtie schlanke, dunkle Gestalt von einem Eichenstamm, an den: sie gelehnt, und trat auf Mirena zu.
„Ich bins, Gräfin, fürchten Sie nichts."
„Herr von Briefen, wie lieb von Ihnen, daß Sie gekommen, ich fürchtete schon, daß alles mißlingen könnte. Doch ich sehe kein Boot, wie kommen wir über den See?"
„Das ist bei dem Sturm unmöglich, Gräfin. Wenn der Wind nachläßt, fahre ich, nachdem ich Sie geborgen im Zage weiß, über den See zurück"
„Wie, Sie wollen? Aber das ist doch nicht möAich, das ist g:gen die Verabredung. lieber Freund. Sie dürfet: auf keinen Fall nach Berghab sen zurück. Mein Mann würde S e töten!"
Ter junge Mann nahm gelassen Mirena die kleine Reise- lasche aus der Hand.
„Kommen Sie schnell," sagte er hastig, „sonst wird es zu spät, wir müssen uns eilen und der Weg ist dunkel. Wollen Sie meinen Arm nehmen?"
Mirena tat willenlos, was ihr junger Begleiter verlangte. Hastig schritt sie an seiner Seite den dunklen Weg durch die stille, im Frühlmgssturme erschauernde Heide. Die alten Föhren ächzten im Winde und vom Schlosse klang dumpf der Schlag der Turmuhr.
Sie mußten eilen, und endlos schien der Weg bei dem brausenden Sturm. Schweigend schritt das Paar dahin. Länger als eine Stunde waren sie gewandert. Mirena schmiegte sich ängstlich fester an den Arm ihres Begleiters, dieser aber schritt hochaufgerichtet der schönen Frau zur Seite, so daß sie oft wie bcsnmdek zu rhm auffcb.
War das eigentlich der sonst so verschüchterte, ihr blind ergebene, junge Volontär, devmlles schön fand und anbetete, was sie tat?
„Sie wckllen wirklich zurück, lieber Briessn," fragte Mirena endlich schüchtern, „ich dachte, Sie würden Ihre Reise autreten, wie verabredet, und nie wieder dorthin zurückkehrerr, wo keine Stätte mehr für Sie ist"
„Sie haben recht, Gräfin, so dachte ich auch, denn ich glaubte, was dumme Jungen gewöhnlich glauben, daß ich — lassen Sie es mich endlich aussprechen — geliebt sei." Er lachte auf. „Seit heute Abend, Gräfin, aber, als Sie mich immer wieder zum Tanze befahlen, weiß ich, daß ich Ihnen nichts bin als Mittel zum Zweck. Sie wollen frei fein und nicht eine Kette für eine andere erntaufchen O, bitte, entgegnen Sie nichts. Ich weiß wohl, daß Sie nichts zu mir gesagt hoben, das Sie verpflichtet, aber in meinem Innern, da ist ein so dummes Gefühl, das sich dagegen aufbäumt, sozusagen von Ihnen den Laufpaß zu bekommen. Ich gehe schon selbst, aber ich möchte nicht Sie und mich in den Verdacht bringen, daß wir gemeinsam in die weite Welt hinausgeflogen find, dem Glücke entgegen. Ich weiß, daß nichts Sie halten kann bei Mann und Kind, und darum wollte ich Ihnen den mir schwersten und größten Liebesdienst erweisen, Sie auf den Weg zur Freiheit zu führen, ohne daß auf diesem Woge eine Dlitme für mich blüht. Eine kleine Weile noch und Sie sind am Ziel. Leben Sie wohl!"
„Sie bereuen, was Sie getan. Harald?"
Er zuckte bei Nennung seines Vornamens heftig zusammen.
„Nein, nicht Jhrct- und nicht meinetwillen. Eg war mir lieb, Ihnen zu dienen, wenn es auch Ihrem Gatten gegenüber einem Schurkenstreiche gleichkommt. Vergessen Sie, Gräfin, meine Verwogenheit, und wenn einsame Tage über Sie kom.' men dott draußen, wo für Sie das Glück blüht, dann denken Sie freundlich an mich Mollen Sie?"
Mirena preßte heftig seine Hand. „Mir bangt vor dem Schicksal, das ich selbst hcraufbeschwor, Harald!"
..So kehren Sie mit mir um, lassen Sie sich von mir Ihrem Gatten. Ihrem Kinde zurückbrinzrn. Kommen Sie."
Nie, nie!" schrie Mirena entsetzt. „Lieber sterben!"
Ein dunkles, schwarzes Ungetüm' mit feurigen Augen wälzte sich keuchend heran.
Einen Augenblick Rast. Mirena schwindelte, sie wurde von Harald gleichsam in ein Koupee geschoben, fast übereilig.
„Behüt Sie Gott, Gräfin!" Ein Kuß von heißen Lippen auf ihre Hand und eine Träne. — Mirena küßte ihn langsanr, diesen glänzenden Tropfen. — Eine Träne, um sie geweint?
Die Träne brannte. Mirena lächelt schmerzlich darauf hernieder. „Das erste Opfer meiner Tat," flüstert sie gedanken* voll vor sich hin. „Aber ich würde nicht Mildern, selbst über Leichen zu schreiten, könnte ich mir dadurch den Weg bahnen» der zum Ziele führt."
lleber die schäumenden Wellen des Müggelsees gleitet ein Bcot. Mit grellem Schein lugt der Mond aus dunklem. zerrissenen Gewölk hervor, und beleuchtet schimmernd das weiße Sogel, das heimwärts zieht, heimwärts nach dem verlassenen Schloß, wo ein kleines Kind noch immer weint — weint nach der Mutter, die es heute verlor.
Und der Frühlingssturm durchtroust noch immer bfe Nacht.
2. Kapitel.
Zur selben Zeit, als die Turmuhr auf Schloß Dcrghausea Mitternacht schlug, klopfte der Frühlingswind auch stürmisch an die hohen, breiten Fenster einer Villa, die in der Tiergartenstraße der Nerchshauptstadt tief zurückgebaut im Garten lag und eine schlanke Frau horchte am Fenster ebenso angstvoll dem wilden Eebrav.se, wie zur selben Zeit Mirena.
„Sie ist kindisch von mir, diese Angst," sagte die Lauschende, die gespannt die kiesbcstreuten Gänge des Gartens am Fenster durchforschte, „und doch kann ich sie nicht meistern. Diese geheimnisvolle Depesche von Mirena' „Ich komme diese oder die nächste Nacht, bleibe wach," läßt mich das Schlimmste befürchten. „Aber Kleines", wandte sie sich jetzt zurück, „du hörst wohl gar nicht, Haust, ober so wach doch auf!"
„Ach!" kam es wie ein langgezogener Seufzer von dem breiten, römischen Lager her. das Inmitten des hohen, luftigen Raumes zwischen Staffel eien. Bildwerken und grünen Blattpflanzen stand, „sei doch so gut, Aga, und komm mal her, mir brennt der Kopf, und mein Herz schlägt ganz^vild. Fühle mal!"
Die Frauengestalt am Fenster wandte sich ganz bestürzt um und eilte dem Lager zu. auf dem ein blutjunges Mädchen auf einem weißen Bärenfell lag. und die schlanken, von einem wer« ßen Wolltle'.de umhüllten Glieder wie ein Kätzchen zusammengerollt hatte. Das rosige Eestchtchen war von einer Flut blonder Locken umwallt, und in den goldbraunen Augen lachte der Schelm, als sie, den schlanken Arm der älteren Schwester ent- gegenstreckend, wiederholte: „Fühle mal!"
„Aber Haust" entgegnete Aga vorwurfsvoll, „wie hast d« mich wieder erschreckt: Fchlt dir etwas?"
„Fehlen! Natürlich, geliebtes Leben! Schlaf fehlt mir vor allem. Oder meinst du. ich soll Freudenfeuer anzünden, daß ich hier diese Nacht Zubringer: muß und zwischen Schlafen und Wachen gräßliche Träume habe. Fühle mal bloß meinen Puls, mindestens einhundertzwanzig in der Minute. Na, so viel gibt es wohl gar nicht, aber ich sage dir, Aga, eben Halts ich einen wunderherrlichen Traum, soll ich erzählen?"
Die große Schwester nickte in zärtlicher Liebe zu dem jungen, graziösen Mädchen hernieder, das die zarten Glieder behaglich streckte und dehnte und, die weißen Arme über dem blonden Kopfe verschränkt, begann:
„Ich träumte — aber ich verbitte mir dein Lachen. Aga —
träumte ganz gewiß — Graf Novdkirch habe mir Rosen ge. bracht - wirkliche Rosen in solcher Fülle, daß ich ganz wie im Duft gebettet lag, und mein ganzes Lager von Rosen umkränzt war. Ist das nicht köstlich?"
Fortsetzung folgt.
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