Ausgabe 
2.8.1918
 
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Uerferrrt.

RomanvonAnnyWoFhe.

Nachdruck verboten.

1. Kapitel. ^ '

Ein» Fruhlingsnacht!

Der Sturm rast und tobt um das alte Schloß Berghaufen in derMärkischen Heide" und rüttelt und schiittelt die Zweige der uralten Kastanien, die ihre lichtgrünen Blätter mit den ersten rose und weißen Blütenkcrzen geschmückt haben. Grau­stm ft'-.rt der Sturmwind die ersten Sprossen des neuen Blüten. ! ens von den Aesten und führt die lichten Flocken weit hin­weg über den dunklen Müggelsee, dessen sturmgepeitschte Wogen sich doch aufbäuu en und grollend gegen die Ufer rollen.

In solchen Fri'hlingsnächten fordert der Müggelsee, auf dem sonst so friedlich weiße Wasserrosen schimmern, unnachsicht- lich fein Opfer.

Die schlairke Frauengestalt, die sinnend an einem Fenster des Schlosses lehnt und in die dunkle Leirznacht hinaus weithin über den See starrt, weiß das. Sie denkt oft daran, wenn der Sturm tobt und die Wogen des Sees hetzt, aber heute heute möchte sie selbst das Opfer fein.

Schloß Berghaufen liegt tief in Dunkel gehüllt. Vor einer Stunde noch hatte das Schloß in einem Meer von Licht und Glanz geschimmert. Strahlende, lachende, glückliche, plaudernde Menschen hatten die weiten Eesellschafts-räunre durchwogt, und die einsame Frau, die dort am Fenster ihres Gemaches jetzt so seltsam gebrochen lehnt, war die Schönste und Strahlendste in der Menge gewesen

Alle Lichter aus, der Sang verklungen, die Freude ver­blüht nichts als die graue Sturmnacht draußen und die drrnlle Nacht in meinem'Herzen," murmelt die Einsame.

Horch, was war das? Klang es nicht wie das leise Weinen einer Kinderstimme''

Törin, die ich bin." flüstert sie leise,die alte Wetterfahne auf dem Turme dreht sich im Winde."

Ein fast mitleidiges Lächeln gleitet über die Züge der Frau, die jetzt vom Fenster zurück in den Lichtkreis der rotver- deckten Lampe tritt, welche das weite Zimmer nur matt er­leuchtet.

Gräfin Mirena Berghaufen," sagt sie zu sich selber,mor­sen, ach, morgen.wirst du nichts fein, als frei!"

Sie tritt vor den großen, dunkelgerahmten Spiegel und lächelt hinein, süß und glücklich, wie K'nder lächeln. Alls Schwermut ist abgestreist. Der Spiegel wirst ihr Bild strahlend zurück. Das Antlitz der hohen schlanken Gestalt in dem durch­sichtigen gelben Kreppgewande, das malerisch die biegsamen Glieder umgibt, ist nicht schön im gewöhnlichen Sinne des Wor­tes, aber es liegt doch über dem Gesicht und der ganzen Erfchei. nung ein eigener Zauber, etwas Srnnbetörendes, wie einRaufch von Schöicheit und Liebe.

Es hat etwas Bestrickendes, wie sie jetzt die weißen nackten Arme hebt und langsam die brennend roten Mohnblüten löst, die das rostbraune Haar schmücken. Dieses Haar kann Funken sprühen, wenn Sonnenstrahlen darauf fallen, und das blaffe Gefichtchen umwallen wie ein Heiligenschein.

Mirena Berghaufen weiß das. Cie kennt sich und die -Macht ihrer eigenartigen Persönlichkeit und sie weiß diese Macht zu gebrauchen sie will es wenigstens auch jetzt versuchen.

Wie die grün-schillernden Augen aufblitzen und wie sich die weißen Glieder, von denen Mirena soeben die mohngeschmückte Krepphülle streift, vor dem Spiegel dehnen. Alle Bewegungen haben etwas weiches, fchlangenhastcs.

Wie dieses Kleid, fo streife ich mein ganzes bisheriges Leben ab," murmelt sie,und wie der neue Tag wieder den lich­ten Schein des Lebens bringt, so gehe auch ich jetzt aufjauchzend der Sonne entgegen'"

In den Augen Mirenas zucken lichte gelbe Flammen, die Nasenflügel beben und die vollen roten Lippen des kleinen, halbgeöffneten Mundes schimmern wie rote Kirschen.

Ach. nur ein einziges Mal glücklich fein," murmelt, sie, die weißen Hände über den braunlockigen Kopf verschränkend,nur einmal den Becher des Glücks leeren und dann dann unter­gehen

Nein, das ist töriRst! Leben, leben will ich, so wie es das Recht meiner Persönlichkeit bedingt. Frei will *ch sein, frei von den Ketten, die mir die Seele binden, frei von Recht und Gesetz der Gesellschaft, die nichts kennt als das hehle Phrafentnm, das ihre eigene Nichtigkeit ihr vorschreibt.

Gräfin Mirena Berghausen schrak zusammen. Klang es nicht wieder, als ob ein Kind weinte, ein kleines Kind?

Kinder weinen immer des nachts." spricht sie leise, wie sich selbst tröstend, dann aber stiegt ein Schauer über ihren Leib, ein fröstelnder Schauer. Eine Weile steht die Frau wie erstarrt

Todes-Anzeige.

Ällen Verwandten und Freunden teilen wir in tiefem Schmerze mit, daß heute mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, Schwiegervater und Großvater

Jakob Nosenschon

«ach kurzem Kranksein im Alter von 80 Jahren sanft entschlafen ist.

Friedberg i. §., den 1. August 1918.

2m Namen der trauernden Hinterbliebenen'

Wilhelmme Nosenschon.

Die Beerdigung findet Sonntag, den 4. August, nachmittags 4 Uhr statt.

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©oft der Allmächtige hat meinen lieben, herzensguten Mann, unseren treusorgenden Vater, lieben Schwiegervater u. Großvater

Matthäus Meuser

nach langem, schwerem, mit großer Geduld getragenem Leiden, wiederholt gestärkt durch die heiligen Sterbesakramente, heute früh 7 Uhr in die Ewigkeit abgerufen.

Ockstadt, Bad-Nauheim, Ober-Wöllstadt, 1. August 1918.

lbester Ersatz für Fleischextrakl) wieder frisch eingetrofseu.

Friedrich Michel

Friedberg.

1 Pferd,

belgische Fuchsstute. 4 Jahre alt,

1 Hunsrücker Pserd,

hellbraune Stute, 5 Jahre alt. mit guter Garantie, sowie ein älteres

Ici(!)lc§ fcä

stehen zum Verlauf bei

W. Watzenborn,

Sövel.

Telephon 1, Amt Wölfersheim. Einen schweren

Zivelssillllller-Wllllell

zu verkaufen. Heinr. Wilhelm Scherer. Nieder-Florjtadt.

liHülüüüM

zu zwei Leuten nach Frankfurt gesucht. Näheres

Frau Viehbahn, Friedberg,

Mainzertorweg ü

lauschend Ml, dann sinkt das braunlockige Haupt tief auf M4 weiße Brust.

Stein, ich kann es nicht," entringt es sich wie ein Stöhnen ihrem Munde.Nie, niemals kann ich zurück." Hastig wirft sie ein dunkles Gewand über die weichen Glieder. Sie mag ihr Bild i>m Spiegel nicht mehr schauen, wie Entsetzen packt es sie, wenn sie hineinblickt und dort ihr Auge seinem Ebenbilde be­gegnet.

Näherten sich nicht Schritte ihrer Tür? Angstvoll bebend steht sie einen Augenblick still. Nein, es war nichts. Die Turm­uhr vom Schlosse schlug mahnend Mitternacht.

Ueber den feuerroten Teppich des Zimmers zuckt es wie blutrote Flammen das sind die Mohnblüten aus dem Haar der schönen Frau, die noch vor einer Stunde so glücklich gelacht und'die nun hinauswandern will in die Fremde, heimlich fort von Mann und Kind, einem ungewissen Schicksal entgegen.

Mirena hatte ihrem Gatten heute wie sonstGute Nacht" gesagt, sie hatte ihm genau so flüchtig und genau so gleichgültig, wie jeden Abend die Stirn zum Kusse gereicht, und er hat^ genau so gleichmütig wie sonst geantworteteSchlaf woh- lösche das Licht gut aus sonst gibt es doch noch Feuerwerk bei dem ewigen Gelcse bis tief in bit Rächt hinein."

Dann hatte er sie, ehe sie es hindern konnte, heiß auf dei Mund geküßt, und sie hatte mit der Hand diesen Kuß, der? wie ein Brandmal schien, fcrtzuwischen gesucht.

Dann war sie an das Bettchen ihres Kindes getreten, ab sie hatte es nicht geküßt nicht einmal zum Abschied diesen Lippen nicht, die der Vater dieses Kindes entweiht ' Gatte, dem sie mehr als einmal gesagt, daß sie ihn nicht i und der doch nicht aufhören wollte, Rechte zu fordern, di" r die Liebe gibt.

Mirena schauderte wie im Fieber. Nur fort, fori drä - jeder Gedanke in ihrer Brust. Aber wenn sie nicht vorsi' - war, wenn Jürgen ihre Flucht vor der Zeit entdeckte, war u? verloren. Sein Zorn, seine Wut würde keirre Grenzen h beu und einmal seiner Gewalt zuriickgegeben, würde er jedes Mit tel versuchen, sie zu halten.

Nicht aus Liebe zu ihr einer Liebe, vor der sie schau­derte, sondern weil er, Graf Berghaufen, nicht dulden würde, daß ein Mitglied seines Hauses der Gesellschaft Stoff zur Ua terhaltung lieferte.

Fortsetzung folgt.

Bekanntmachung.

2n den Geschäften von

A. Beckstein, M. Ro'enfeld,

Georg Möbs, E. Stamm,

Lind L 2bold, H. Eckel,

H. Fink, Fauerbach gelangen von Samstag, den 3. August ab

Käse

zum Verkauf. Auf jeden Abschitti der Brotkarte werden SO Gramm zu 22 Pfennig

verabfolgt.

Friedberg, den 31. Juli 1918.

Der Bürgermeister

2. V.: D a m m.

Bekanntmachung.

Am 1. August 1918 ist eine Bekanntmachung Nr. O. II. 700/7. 18. K. R. A., betreffendBeschlagnahme Bestandserhebunq und Höchstpreise von Leichtöl, Noh benzol, Toluol, Benzin und sonstigen benzol- und benzin- artigen Körpern" erlassen worden.

Der Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amts­blättern und durch Anschlag veröffentlicht worden.

Stkllv. ßNiMliomii&o 18 . AniikckiW.

Die

Eeie Taps:

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Uebernahme von Massenauflagen.