iUcm me durch Liede Leid geschah. /
Roman von CourthS-Mahler.
Ü4) Nachdruck verboten
Die Baronesse warf einen Blick tödlichen Haffes auf Christa, die bleich, mit zuckenden Lippen, im Zimmer stand, neben Onkel Heinz. Dann verlieh sie mit ihrer Mutter das Zimmer.
Christa sagte sich wohl, daß die Baronin verdient hatte, was ihr jetzt geschehen war, aber es war ihr selbst zugleich peinlich, daß sie nun die Erbin ihres Onkels sein sollte.
Als sie mit diesem allein war, eilte sie auf ihn zu und umfaßte ihn.
„Mit Karla warst du zu streng, Onkel Heinz. Wenn sich ihre Mutier auch schwer an dir versündigt hat. so hat Karla doch wohl nichts getan, als das, wozu sie von ihrer Mutter erzogen und veranlaßt wurde."
Ec strich ihr liebevoll über ihr Haar.
„Ja — du bist Marias Tochter, du bist gut und edel, wie sie es war."
„Es ist nicht mein Verdienst. Onkel Heinz, so wenig es Karlas Schuld ist, daß sie ihrer Mutter ähnlich wurde."
Er atmete tief auf und sah ernst vor sich hin.
„Ich kann mich nicht zu deiner Ansicht bekehren, Christa. Möglich, daß ich zu Karla zu streng war. Aber ich konnte nicht anders. Mein ganzes zerstörtes, verfehltes Leben stand als Ankläger gegen Karlas Mutter auf, und ich kann die Tochter nicht von ihrer Mutter trennen."
„Du wirst mit der Zeit milder denken lernen, Onkel Heinz, und ich will nicht müde werden, dich darum zu bitten. Du sollst gewiß die beiden Damen nicht wieder in deinen! Hause aufnehmen, daß du das nicht kannst, verstehe ich. Aber du wirst dein Testament doch vielleicht noch einmal abändern und Karla günstiger bedenken. Laß es genug Strafe für sie sein, daß sie jetzt glauben muß, daß es bestehen bleibt."
„Es bleibt auch bestehen, Christa. Die einzige Genua- tuung. die ich mir und deiner toten Mutter schaffen kann, ist. daß ich dich zu meiner Erbin mache, dir Birkenheim hinterlaffe. Vielleicht — wenn du mich bittest, erhöhe ich die Summe, die ich Karla zukommen laffen will. Aber das ist auch alles, wozu ich mich verstehen kenn und will. Und nun laß uns von anderen Dingen sprechen."
'*
Die Baronin und ihre Tochter batten, als sie in ihren Am, wern anlangten, eine sehr erregte Szene miteinander. Es ging dabei nicht ohne Jetzen und Scherben ab. Sie machten sich erst gegenseitig Vorwürfe und vereinigten sich dann zu Mutaus- fallen auf Christa von Pl aten. Daß diese eine raffinierte Erb-
Betr.: Die Versorgung der Bevölkerung der StadtJried- berg mit Fleisch.
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Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verlaus von Rind- und Kalbfleisch sowie Wurst sür diese Woche am Freitag. den 26. Juli 1918, nachmit- tais von 1—8Uhr, in den sämtlichen hwsigen Metzgerläden ftatt- findet.
Die Verkaufszeit ist genau ein- zuhalten.
Schweinefleisch gelangt nicht zur Atis abe.
Lrledberg. den 24. Juli 1918.
Der Bürgermeister.
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.Junger Verwalter, der demnächst vom Militär abgeht, eine 2Vs jährige Praxis har. selbst Hand wir anlegr und beste Zeugnisse besitzt sucht per h August 1918, eventl. auch später, Stelle Zuchrnen erdeten an Franz Anion Ohlig, Frankfurt a. M.,
Ftlcherfe dilraße 1 .
fchleicherin war, staud Bet ihne« ses^ und sie stießen schlimme Verwünschungen gegen sie aus. Don beiden Damen war die sonst so stark betonte Sanftmut und Liebenswürdigkeit vollständig abhaitden gekommen.
-Es half ihnen aber alles nichts, und dM sichen sie auch endlich ein. Seufzend und wehklagend machten sie sich daran, chre Sachen zu packen.
„Wenn du wenigstens die Braut von Herrn von Frankenau geworden wärst, dann könnte man dieses unsinnige Testament verschmerzen!" seufzte die Baronin.
Die Baroneffe hielt mit ihrer Arbeit inne und sah nachdenklich vor sich hin. Nach einer Weile richtete sie sich erschlossen auf.
„Ich will dir etwas sagen, Mamma. Wir fahren jetzt nach Frankenau hinüber, um uns zu verabschieden. Irgend einen plausiblen Grund werden wir finden, um unser Fortgehen von Dirkenheim zu erklären. Onkel Heinz wird nichts über die wahre Deranlaffung sagen, denn er wird eine Birkenheim nicht an den Pranger stellen wollen. Ich will dann versuchen, noch ein Alleinsein mit Hans Ullrich herbeizufilhren. Du wirft mich darin unterstützen. Ich werde dann einen letzten Versuch machen. ihn zu einer Werbung zu veranlassen. Auf keinen Fall dürfen wir in Frankenau verraten, daß Fräulein Hellmut eine Freiin von Platen und Onkels Erbin ist, sonst wird sich Hans Ullrich natürlich hüten, um mich anzuhalten."
Die Baronin seufzte.
„Meinst du, daß es Zweck hat?"
Karla zuckte ärgerlich die Achseln.
„Ich kann natürlich nicht wissen, ob es Zweck hat. Es ist ein letzter Versuch, und ich denke, man darf nachts unversucht lassen, denn mit der mageren Rente, die uns Onkel ausgesetzt hat, werden wir ein recht ärmliches Leben führen im Vergleich zu hier."
So wurde befchloffen, daß die beiden nach Frankenau fahren.
Die Baronin schickte zur Vorsicht eine Karte an ihren Vetter. Sie lautete:
„Lieber Vetter! Du gestattest uns wohl, daß wir in Frankenau einen Abschiedsbesuch machen und stellst uns dazu etnen Wagen zur Verfügung. Ich werde als Grund für unser Fortgehen angeben, daß ich für Karla einen Aufenthalt in einer großen Stadt, wo sie Geselligkoit haben kann, für nötig halte, und werde nicht sagen, daß wir für immer gehen. Ich bitte Dich, uns zu schonen, Karlas wegen, und den gleichen Grund anzugeben. Heute ist es für unsere Abreise dann zu spat, wir werden morgen Birkenheim verlaffen, wie Du es wünschest. Vor Deine Augen werden wir nicht mehr kommen.
Ich wage nicht, Dich um Verzeihung zu bitten, will Dir nur sagen, daß ich das. was ich getan, nicht aus niedrigen, berech.
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ftenSen Diottven tat, wie Du meinst, sondern nur, weil ich Dich geliebt habe und eine andere an Deiner Seite nicht sehen konnte. Diese Erklärung meiner Handlungsweise wird Dir mein Vergehen in einem milderen Licht erscheinen laffen, und vielleicht wirst Du es doch eitres Tages über Dich gewinnen, mir zu verzeihen. Jedenfalls danken wir Dir für alles, was Du uns getan hast. Wir verlaffen Dein Haus im tiefsten Schmerz und wünschen Dir für die Zukunft alles Glück. Bitte, laß Karla nicht entgelten, was ich Dir getan. Du strafst mich hart in mei^ nem Kinde. Deine unglückliche Base
Helene."
Damit wollte die Baronin sich einen Lefferen Abgang ver- schaffen. Herr von Birkenheim durchschaute sie aber. Er hatte allen Glauben an sie verloren.
Er zweifelte durchaus nicht, daß sie einst die Absicht gehabt hatte, an Marias Stelle seine Frau zu werden,' aber sicher hatte sie nicht die Liebe dazu gettieben. Auch ihren Gatten hatte sie nur aus Berechnung geheiratet, und als es sich herausstellte, daß er verschuldet und arm war, merkte sie erst, daß ihre Rech- Mlng falsch war. Jedenfalls wollte sie ihn jetzt nur milder stimmen-durch die Fabel, daß sie ihn geliebt habe. Aber dieser Frau glaubte er niemals. Er blieb ungerührt und ließ ihr sagen, der Wagen nach Frankenau stehe ihnen zur Verfügung und mit ihrer Abreise am nächsten Tag sei er einverstanden.
Natürlich tuschelte die Dienerschaft eifrig darüber, daß der Hausherr mit den beiden Damen nur noch indirekt verkehrte, und daß diese abreisen wollten. Dienstboten haben eine feine Witterung für derartige Krisen im Leben ihrer Herrschaft. Und in den nächsten Tagen sollte sich noch mancherlei ereignen, was in den Dienstbo-tenzimmern nach allen Seiten besprechen wurde.
Die Baronin und ihre Tochter fuhren also nach Frankenau. Karla hatte eine sehr verführerische Toilette gemacht und sah infolge der inneren Erregung so schön aus. alz es ihr möglich war.
In Frankenau wurden die Domen, wie immer, sehr freundlich empfangen. Sie gaben ihre Erklärung bezüglich ihrer be- vorstehenden Abreise und darüber waren die Frankenauer natürlich sehr erstaunt.
Die Baronin sagte erklärend:
„Ich hätte ja meine Tochter schon längst in Gesellschaft bringen muffen. Sie hat ihre schönsten Jahre in der Einsamkeit von Dirkenheim verbringen müffen und ist viel zu. wenig mit jungen Leuten zusammengekommen. Ich bin es ihr schuldig. sie au szu führen. Und da mein Detter jetzt Fräulein Hell- mrlt hat, sind wir ja entbehrlich."
Fortsetzung folgt.
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Friedberg, den 24. Juli 1918
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Lriedberg, den 24. Juli 1918.
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Die vorstehende Zeiteinteilung ist genau zu beachten. Friedberg, den 24. Juli 1918.
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