Ausgabe 
25.7.1918
 
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schuld vom Lande" bringt mto dieNorddeutsche Allgemeine Zeittrng" als:Die Rache der Hausfrauen" bezeichnet. Wir geben den Bericht nach demVorwärts". Der Bericht in derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" hat eine etwas andere, wenn auch keineswegs angenehmere Fassung. Der Vorwärts" berichtet also:

Die Unschuld vom Lande. Kurzen Prozeß machten.

wie die Charlottenburger ..Neue Zeit" berichtet. Char­lottenburger Hausfrauen mit zwei naiven Spreewälder­innen. die mit großen Kiepen und Eimern von ausivärts kämmen und gerade in einem Hause in der Kantstraße vec- schwinden wollten, um die darin befindliche Hamsterware zu verschieben. Eine Schar Hausfrauen, die den Vorgang beobachtet hatte, stürmte im Nu die Körbe und Eimer. Die verschobene Ware, Blaubeeren und Weichkäse, wurde auf allgemeinen Beschluß an die' Umstehenden verkauft. Eine Schlächters frau gab ihre Wage her, so daß keiner im Gewicht zu kurz kam. Die beiden Spreewälderinnen standen beschämt dabei und sahen zu, wie ihre schöne Ware zu angemessenen Preisen verkauft wurde.

Vielleicht macht sich dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung"' von dsmVorwärts" filmt man es wohl nicht verlangen, einmal klar, welche Konsequenzen dieser klebe", fall auf die Spreewälderinnen haben konnte. Wären diese Spreewaldsrinnen nicht soverdutzt" gewesen, so hätte'sich die eine auf die Seite machen muffen, zum nächsten Polizei- revier gehen und die Schlächtersfrau zur Anzeige bringen muffen. Denn soweit sind wir doch hoffentlich in Deutsch­land noch nicht gekommen daß man einfach jemandem die Ware, die er transportiert, entreißt und sie dann zuange­messenen" Preisen verkauft. Wenn solche Wegelagei-er in Berlin gang und gäbe werden sollte, so braucht man kein Zetermordio über die Unsicherheit in den Straßen mehr an- zustimmen. Die ganze Erzählung erscheint uns aber er­dichtet zu sein.

Es ist nur bemerkenswert wie gerade die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung" offenbar mit besonderem Behagen ihrem wahrscheinlich verständnisinnig schmunzeln- den Leserkreise diese schöne Nachricht vorsetzt und damit wohl ermuntern will, bei geeigneter Gelegenheit genau so zu verfahren. Daß man solcherart die von den verschiedenen amtlichen Stellen doch immer noch gewünschte Verständigung zwischen Stadt und Land jedoch nicht fördert, sollte selbst in der neuen Redaktion derNorddeutschen Allgemeinen Zeitung" erkannt werden. Es sei denn, daß man dort infolge des Nebels sozialistischer Zwangswirtschaft nicht mehr klar die Grundsätze der alten bürgerlichen Wirtschaft zu er­kennen vermag.

Dir UkMölinii hx SMte und ihrer Ksrerie mt Ilafirnnartmitlfln und srennügssen.

Von Oekonomierat Lucke in Sonnender«.

Die fef>r schmale Versorgung der städtischen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Brennstoffen hat zur Folge gehabt, daß sich die breite Oeffentlichleit unaufhörlich damit beschäftigt, wie dem Mangel wchl abzuhelfen sein inächte. Vorschläge man- eher Art sind dabei in die allgemeine Besprechung hineinge­worfen worden. Ich glaube, mit meinen praktffchen Erfahr­ungen auch vor die Oeffentlichkeit treten zu sollen, um gewisser­maßen einen Appell zu richten an diejenigen Stellen, die dazu .berufen sind, für die Versorgung der Bevölkerung in dieser schweren Krieqszeit die Verantwortung zu tragen. Die Ernte steht vor der Tür, und nach den allgemeinen Mitteilungen ist zu erhoffen, daß ste wesentlich bester aussallen wird als die vor- hevgegangenen. Zudem besteht die Erwartung, daß von den Gegenden, die nunmehr in den Bereich der verbündeten Mit­telmächte gelangt sind, eine bessere Versorgung mit Nahrungs­mitteln möglich sein wird. Aber was wird eine solche vermehrte Belieferung nützen, wenn nicht die Verteilung fürsorglich und den augenblicklichen Verhältnissen entsprechend bewerkstelligt wird? Da möchte ich doch zuerst die Vreunstoffrage heraus­greifen. die gerade, bei uns hier in den Vororten zu besonderer Sorge für die spätere Zeit Veranlastung gibt. Besonders die Vororte befinden sich darüber in großer Erregung, weil ihnen eine bedeutende Kürzung der Kohlen- bezw. der Koksmengen auferlegt worden ist und wie es scheint auch weiter zugemutet werden soll. Das nimmt um so mehr Wunder, als dem Ver- nehmen nach in der benachbarten Residenzstadt Wiesbaden selbst die mit Zentralheizung versehenen Gebäude zurzeit schon für den Winter rnrsorgt werden. Nun ist doch jedem einiger­maßen mit den Verhältnissen Vertrauten klar, daß gerade in der Zeit, bevor die Versendung der Ernteerzeugnisse an die VerkeHrseinrichtungen herantreten, die Winteroersorgung der­jenigen Vevölkerungskreise, die in der Lage sind, den Einkauf für den Winter bewerkstelligen zu können, jetzt schon unbedingt ermöglicht werden muß. Es wird mitgeteilt, daß die Stadt Wiesbaden, die in früheren Jahren Gaskoks in die Vororte ge­liefert hat, in diesem Jahre den Gaskoks für sich behält. Für Sonnenberg z. B. entsteht damit ein Ausfall von 2000 Zentnern Brennstoffen, der natürlich bitter von der Bevölkerung empsum den wird. Hier tritt in die Erscheinung wie überall, daß parti­kulare Neigungen rücksichtslos zum Durchbruch kommen nach dem alten Grundsatz: jeder sorge zuerst für sich und Gott für uns alle. Das Schlimmste aber scheint mir, daß in den Kriegs- gesellschaftcn und sonstigen Versorgungkorganisationeu in unse­rer schweren KriegsM man niemals in der Lage sich befindet, schnell und durchgreifend zu handeln und sich meistens dahinter versteckt, daß die Fragen gründlich erwogen werden müssen, be­vor sie ausreifern Darüber geht viel kostbare Zeit verloren und damit die Gelegenheit, dasjenige zu tun, was nach den Umstän­den sofort zu geschehen hätte. In Anbetracht unserer Vorräte on Kohlen, seien es Steinkohlen, feien es Braunkohlen, sei es bit ttifiliif) versorgungsfähige Industrie der Brikettsfabrikation, sollte man doch meinen, daß die Belieferung der Bevölkerung mit Brennstoff, wie vor dem Kriege auch jetzt, möglich sein

«üßbe. zumal wir doch mich in Frankreich und Belgien große Kohlenbergwerke in der Hand haben. Man sollte meinen, daß es doch nicht angängig sei. daß wir die Neutralen reichlich mit Brennstoff versorgen, während ste es vorziehen, ihre Produktion an Nahrungsmitteln (Holland sowohl wie Dänemark, die But­ter und Käle in großen Mengen für die Ausfuhr erzeugen) nach England, affo an unsere Feinde liefern, während wir, bis setzt wenigstens, nicht das Mindeste zu spüren bekamen. Da steht man wieder, wie unsere Diplomaten gegenüber der raschen Ent­schlußkraft ihrer Gegner sich im Rückstände befinden. Es muß gehen, wenn man sich nur richttg dahinter setzt und die Kriegs­wirtschaften in Berlin sich von dem dort eingeristenen Büro» kratismus befreien. Der Handel, der vor dem Kriege in reich­licher Weife die Bedürfniste der Bevölkerung durch hunderte und tausende von Kanälen erfüllte, ist in einer Weise ausge- schallet, die wahrlich nicht nötig gewesen wäre, wenn man es verstanden hätte, die soliden Elemente des Handels rechtzeitig herauszuziehen. Es ist doch wirklich leicht zu erfasten, daß die so rücksichtslos verschütteten Kanäle des Handels, die von einer Zentralstelle mit ungeeigneten Elementen besetzt, sich nach kei­ner Richtung hin so offnen lasten, daß sie richttg und den Be­dürfnisten des Volkes entsprechend funktionieren. Da helfen alle Verordnungen nichts. Sie verbittern nur und schädigen dir Produktion. Nur ein Beispiel in Bezug auf die Höchstpreise. Obst und Gemüse sind mit Höchstpreise bedacht. Aber wo bleibt das Gemüse und. das Obst? Es verschwindet vom Markt und verfällt dem Schleichhandel und zwar nicht in lautere, sondern leider sehr unlautere Hände. Jetzt kommt die Zeit der Früh. Kartoffeln! Die Kommunalverwaltungen der Städte haben doch wirklich böse Erfahrungen mit der Rationierung der Früh­kartoffeln gemacht. Ich erinnere nur on die verdorbenen hun­derte von Wagen, die in den letzten Jahren zugrunde gegangen find, weil die Frühkartoffeln einen längeren Eisenb-hnttansport und andererseits eine Aufbewahrung für längere Zeit nicht ver- ttagen. Sie ist noch nicht fest in der Schale, sie wird schwarz­fleckig und verdirbt in wenigen Tagen. Wie war es nun vor dem Kriege? In der Amgegend der großen Städte war der Anbau der Frühkartoffeln ungemein ausgebreitet und die Bauern brachten per Axe direkt vom Felde weg die Kartoffeln in den Städten zum Verkauf. Da sind keine verdorben? Jede erfahrene Hausfrau wußte, daß sie sich die Frühkartoffeln nur in den Mengen anfchaffen durrte, wie es von Hand zu Mund notwendig ist, und die Dersorgurrg war damals vor dem Krieg so stark, wie ich aus eigener Erfahrung bestimmt versichern kann, daß im halben August in Frankfurt der Doppelzentner Frühkartoffeln bereits mtt 3 Mark von dem Händler gekauft wurde und in der Markthalle für einen mäßigen Preis erwor­ben werden konnte. Die Aussicht, bei den Frühkartoffeln in der ersten Zeit (Mitte Juli) hohe Preise zu erreichen, kann ei­nen sehr bedeutenden Anreiz für den Anbau von Frühkartoffeln in der Nähe der großen Städte geben, und die Ursache, warum sie dann im halben August so im Preise sanken, war eben die Notwendigkeit, die den Landwirt zwang, nunmehr die Früh­kartoffeln schleunigst abzustoßen. um, sie vor dem Verderben im Acker selbst zu schützen. Die Stadtverwaltungen sollten also, wenn irgend angängig, von der Rationierung der Frühwrtoffeln absehen und es den Hausfrauen überlasten, sich mit Frühkar­toffeln selbst zu versorgen, direkt von den Erzeugern, wie es vor dem Kriege üblich gewesen ist. Ich faste mich dahin zusammen: Möglichst freie Bahn dem Handel für alle Nahrungsmittel, die leicht dem Verderben ausgefetzt sind, also Gemüse, Obst und Frühkartoffeln! Für die Brennstoffversorgung energischste. tizteit, auch seitens der Eisenbahnvermaltungen, bezüglich der Wintereindeckung durch diejenigen Bevölkerunaskreise, die sich schon im Sommer versorgen können damit für den Winter die geringer Bemittelten, die auch ihre Brennstoffe nur für kurze Versorgungsperioden sich anzuschaffen vermögen, ausreichend be­liefert werden können.

Pidjtia für Angehörige non -enlichen Kriegsgeinnnenen in AHM.

Postverkehr mit deutschen Kriegsgefangenen und Zivilverschicktrn in Rußland durch Vermittlung eines zwischen der Deutschen Hauptkommission und den Unterkommissionen bestehenden Kurierdienstes.

Um eine Nachrichtenübermittlung zwischen Kriegsgefange­nen und Zivilverschickten einerseits und der Heimat andererseits zu fördern, hat das Deutsche Fiirsorgckemitee rn Moskau eine ZenttalpoMelle fiir die deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen und ihre Angehörigen eingerichtet. Jedem Kriegs- und Zivil- gefangenen ist es gestattet, zweimal monatlich eine Postkarte nach der Heimat zu senden. Die Postkarte wird durch Kurier- gelegenheit seitens der in den einzelnen Bezirken tättgen Für­sorgekommissionen der deutschen Hauptkommifsion in Moskau zugesandt. und diese ihrerseits sendet die Post an die Postüber» wachungsstelle Berlin O 17, von wo aus die unmittelbare Zu- stellung durch die Post an die Angehörigen erfolgen wird.

In gleicher Weife soll durch die Vermittlung der Rotekreuz. Vereine und Hilfen für Kriegsgefangene Deutsche eine Nach­richtenübermittlung von der Heimat an die Gefangenen in die Wege geleitet werden. Jedem Gefangenen darf zweimal mo­natlich eine Postkarte von seinen Angehörigen geschrieben wer­den. Diese Postkarte ist bei dem zuständigen Hilfsverein ein­zuliefern und die Rote-Kreuz- und Hilfsvereine haben ihrerseits die Kontrolle darüber zu führen, daß die zuständige Zahl von zwei Postkarten im Monat nicht überschritten wird. Die Post, karte muß außer der genauen Adresse des Gefangenen deutlich die Bezeichnung des Gouvernements tragen, damit die Ver­teilung auf die deutschen Fürsorgekommisstonen ohne Schwierig, keilen vor sich gehen kann. Bttefe jeglicher Art. sowie Pakete sind von dieser Beförderung ausgeschlossen. Ist der Adressat der Postkarte nicht aufzufinden, so wird die Postkarte seitens der betreffenden Fürsorgekommission vernichtet werden, weil eine unnötige Belastung der Kuriere vermieden werden muß. Es sollte deshalb vorck dieser Einrichtung erst Gebrauch gemacht werden, nachdem zuverlässige Mitteilungen über den Aufenthalt

der betreffende« Kriegsgefangenen oder Zivilverschickten vor« liegen»

Diese Nachrichtenvermittlung ist lediglich als Ergänzung zn der allgemeinen Gefangenenpost gedacht, welche noch Eröffnung des allgemeinen Postverkehrs zwischen Deutschland und Ruß­land wieder ausgenommen ist. Sie bezweckt von den unzuver« lässigen russischen Verkchrsverhältnisien unabhängig zu sein Geeignete Vordrucke können entgegengenommen werden bei dem Zweigverein vom Roten Kreuz. Friedberg (Hessen). Be» zirksausschuß für vermißte und kriegsgefangene Deutsche der Kreise Friedberg-Büdingen, wo im übrigen auch die ausgeschrie» denen Postkarten abzuliefern sind.

Dom Felde

der Ehre.

Södel. Dem Unteroffizier, Lehrer Hans Buß, bei einem Artillerieregiment, wurde die Hessische Tap'erkeittmedarlle vec» liehen. Fahrer August B e r u t h e u s e l. bei einer Maschi- nengowehrkompagnie. wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet und zum Gefreiten befördert. Kano­nier Adolf Reeb. bei einem Artillerieregiment, wurde für sein tapferes Verhalten vor dem Feind mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille und dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. Wir gratulieren?

Aus dev Heimat.

Friedberg. Vorgestern, am 23. Juli, feierte bas Ehepaar Adolf D i e h l und seine Ehefrau Käthchen geb. Stein» h ä u ß e r das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Die Glück­wünsche und Ehrenbezeugungen, die dem allbeliebten Ehepaar von allen Seiten zugingen, waren sehr zahlreich. Auch wir fügen uns, wenn auch nachträglich, der Reihe der Glückwünschen­den an und wünschen dem Ehepaar Diehl alles Glück bis zur goldenen Hochzeit?

Oberwöllstadt. Wir stehen hier mitten in der Kornernte, das bereits zum größten Teil schon geschnitten und heimgelahren und gedroschen wird. Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrie­den. Sowohl im Korn als im Stroh können wir fast auf das doppelte Erträgnis des Vorjahres rechnen.

Dortelweil. Während wir mit der Ernte der Wintergerste und des Roggens zufrieden sind, die Frucht im Korn und wie im Strohertrag ein besseres Ergebnis als das Jahr 1917 er­geben haben, sind die Kartoffelaussichten nicht gut. Die Früh­kartoffeln sind geradezu schlecht ausgefallen, aber auch die Spät­kartoffeln seben nicht sonderlich aus. Ein durchweichender Re­gen könnte ihnen helfen, aber auch dann kriegen wir mcht die Ernte wie im vorigen Jahre.

Köppern ?. T^ 22. Juli. Einen schrecklichn Tod erlitt die Ehefrau des Karusselbesitzers Wilhelm Ernst aus Airspach, der zurzeit mit seinem Karussel hier weilt. Die Frau hatte am Samstag Abend noch spät bei einer Pettoleumlampe gearbeitet vnd war dabei vom Schlaf übermannt worden. Auf unaufge­klärte Weise fiel die Lampe um, sodaß innerhalb kurzer Zeit der garrze Körper der Frau in Flammen stand. Heibeigeeilte Hilfe erstickte zwar das Feuer, doch waren die Brandwunde« der Frau Ernst derart schwer, daß sie gegen Morgen im Hom- burger Krankenhaus, wohin sie in der Nacht verbracht wurde, unter unsäglichen Schmerzen verstarb.

Kriftel et. T. Zwei Arbeiter aus Höchst schnitten sich in de« Drahtzaun des Obstzüchters Leicher 3., eure bequeme Durch­schlupföffnung, um in dem Garten Pfirsiche zu stehlen. Plötz­lich tauchte vor den beiden Dieben der hiesige Felbhiiter Reu­ter auf, vor welchem sie die Flucht ergriffen. Der Feldhüter schwang sich eilig auf sein Rad und nahm den I. Ruppert fest, der andere entkam.

sr. Klciu-Steinheim, 22 Juli. Beim Baben im Main ist der Fabrikarbeiter Karl A m r h e i n von hier ertrunken.

so. Hanan, 22. Juli. Auch im Re^nrngsjahr 1918 sind zwei Gemeinden unseres Landkreises, nämlich Marköbel und Eichen, in der angenehmen Lage, auf die Erhebung von Ge» meindesteuern Verzicht leisten zu können.

FC. Vom Main, 23. Juli. In den letzten Wochen war i» Groß-Ostheim häufig ein schweres Last-Auto zu sehen, das an verschiedenen Hofraiten Halt machte. Die Einwohner glaubte«, es sei ein Auto des Kommunalverbandes, oder ein Militärauto, da es die Zeichen M. K. trug. Vorgestern kam dieses geheim­nisvolle Auto am hellen Tage an und verschwand im Hofe einer Brauerei fiir einige Stunden und trat dann den Rückweg wie­der an. Hier aber wurde es von der Gendarmerie angehalte« und nach dem Rathaus gebeten, wo es einer Revision unter­zogen wurde. Voraefunden wurden ein frtfch geschlachtetes Rind, zahlreiche Hühner, Hähne und Gänse in geschlachtetem Zustande, Korn und Kartoffeln, die nicht für einen Kommunal­oerband, sondern für einen Frankfurter Herrn bcsttmmt waren. Alles wurde beschlagnahmt.

FC. Wetzlar, 23. Juli. In Wißmar wurde der 61jährige Landwirt Georg Mühlig und dessen seit längerer Zeit geistes- gestörten Frau auf dem Speicher ihres Hauses erhängt aufge. funden Mühlig hatte einen Brief hinterlasien, in dem er mit­teilte. daß er die Sorgen und Lasten des Lebens nicht mehr weiter tragen könne, er und seine Frau hätten daher beschlossen, aus dem Leben zu scheiden. Das Ehepaar hinterläßt zwölf Kinder.

Eingesandt.

Die Beteiligung an dem Trägerkursus war erstaunend sehr mäßig. Man nimmt an, daß das momentane Landen des Flie-' gers dazu die Ablenkung gegeben Hai. Hoffentlich ist heuts Abend die Beteiligung stärker, handelt es sich doch um vorüber^ gehende Liebesdienste für unsere verwundeten Soldaten.

^Ein Teilnehmer.

Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Ott« Hirfchel. Friedberg: für den Anzeigenteil: N. Heyner^ Fnedberg. Druck und Verlag derNeuen Tageszeitung*,!

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