Wm nie Htttd) Liebe Leid geschah.
Roman von Courthd-Mahler.
62) ^ Nachdruck verboten
Zögernd ging die Baronin selbst mit hem versiegelten Schreiben in das. Arbeitszimmer ihres Vetters, um ihm dasselbe zu überbringen. Als sie eintrat, saß er in einem Lehnstuhl am Fenster. Ihm gegenüber hatte Christa an einem kleinen Tisch Platz genommen und las chm aus der Zeitung vor.
Bei in Eintritt der Baronin hob Herr von Virkenheim die Hand und Christa verstummte.
„Was wünschest du, Helene," fragte er kühl.
„Dies Schreiben ist soeben angekommen, lieber Vetter. Ein Bote brachte es vcn deinem Notar."
Er nahm es ihr aus der Hand und betrachtete den Siegel.
Es ist gut. Das ist die Abschrift meines Testamentes, das ich gestern meinem Notar diktierte, und das bei Gericht deponiert worden soll."
In den Augen der Baronin blitzte es auf.
„Ah — deshalb ließest du gestern den Notar kommen?"
„Ja — nur aus diesem Grunde. Ich denke mir, daß du sohr gern in dies Testament Einsicht nehmen möchtest."
Die Baronin hörte nicht deir leisen Hohn aus seinen Worten klingen. Sie lächelte süß.
"O our wenn du es selbst wünschest, lieber Heinz. Vielleicht möchtest du darüber einiges mit mir besprechen. Da wäre es freilich angebracht "
Herr von Virkenheim richtete sich jäh auf und erhob sich.
.„Allerdings — ich habe mancherlei mit dir zu besprochen und wünsche, daß auch Karla dabei zugegen ist. Es ist mir lieb, wenn das sofort geschieht."
Auf den Wangen der Baronin erschienen rote Flecken der Erregung.
„Du weißt, daß wir für dich immer Zeit haben, lieber Vetter."
Er zog die Stirn zusammen.
„Gut — so laß sofort Karla herbeirufen. Ich wünsche, daß ^hr sogleich Kenntnis nehmt von dem Inhalt meines Testaments, — denn ick) möchte mit unseren eignen Augen sehen, was es für einen Eindruck auf Euch macht," sagte er kalt und eisig.
Die Baronin war viel zu erregt von der Aussicht, den Inhalt des Testaments zu erfahren, als daß sie imstande gewesen wäre,^auf den Tonfall seiner Stimme zu Horen.
„Ich lasse Karla sofort rufen, lieber Vetter," sagte sie und tastete mit bebender Hand nach der Klingel.
nfe ® 15 beT ® imet schien, gebot sie ihm, die Baronesse zu
Wenige Minuten später erschien Karla.
„Du wünschest, Mamma?"
D^e Baronin sah Karla mit einem bedeutungsvollen Blick an, der ihr sagte, daß sie aus der Hut sein möge.
„Onkel Heinz wünscht uns bezüglich seines Testaments eine Mitteilung zu machen, liebes Kind," sagt? sie.
Karla machte ein kindlich erstauntes Gesicht.
..Ach - das ist doch nicht eilig, lieber Onkel," meinte b»c Baronesse, auf deinen letzten Willen hoffen wir noch recht lange warten zu können."
wi-J*** 1 ÜOn J^ r * ne 5 e{m sah die beiden Damen mit finsteren Bucken an. Doch diese Blicke verbargen die Brillengläser.
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und Gewichte,
geglühter Draht, Stacheldraht
. ^ Jch mochte« aber, daß Ihr jetzt davon Kenntnis nehmt."
„O lieber, lieber Onkel, muß denn das sein? Dein letzter Mlle wird uns natürlich stets heilig sein. Aber ich Mag nicht daran denken, daß du eines Tages von uns gehen könntest. Da muß ich weinen."
Und Karla wollte sich wie ein Kätzchen an Herrn von Birkenheim schmiegen. ,
Dieser jedoch trat rasch zurück. u
"Bitte — nehmt Platz," sagte er, auf zwei Sessel deutend.
Christa hatte währendem ruhig auf ihrem Platz gesessen. Nun legte sie die Zeitungen zusammen. Aber sie erhob sich nicht, um zu gehen.
Herr von'Virkenheim nahm die Abschrift des Testaments Und löste die Siegel davon.
Die Baronin sah zu Christa hinüber.
„Fräulein Hellmut kann sich wohl zuruckziehen, bis diese Angelegenheit erledigt ist. lieber Detter?" sagte sie.
Heinz von Birkenheims Antlitz hatte einen seltsam versteinerten Ausdruck. Hätte die Baronin hinter die blauen Brillengläser sehen können, wäre sie wohl erschrocken vor dem Blick seiner Augen.
„Nein, ich wünsche, daß Fräulein Hellmut hier bleibt und dieser Eröffnung beiwohnt."
_ Und sich zu Christa wendend, reichte er ihr die geöffnete Abschrift und sagte ruhig:
„Bitte. Fräulein Hellmut, wollen Sie mein Testament laut und deutlich vorlesen."
Christa hatte mit einem unbehaglichen Gefühl- das Schriftstück in Empfang genommen. Sie sah den alten Herrn mit bittenden Blicken an. Er sollte ihr das erlassen. Aber er schüttelte den Kopf.
„Bitte, beginnen Sie unverzüglich, Fräulein Hellmut," sagte er und lehnte sich in seinen Sessel zurück, der den drei Damen gagerrüb erstand.
Die Gesichter der Damen waren dem Fenster zugekehrt. Herr von Virkenheim hatte sie absichtlich so niedersitzen lassen, damit ihm kein Zug in ihren Gesichtern entgehen konnte.
Es lag etwas Starres, Unerbittliches in seinem Gesicht, der Ausdruck eines Richters — eines Rächers. Seine Augen waren abwechselnd auf eine der drei Damen gerichtet.
Und nun begann Christa mit ihrer weichen, klaren Stimme zu lesen. Zuerst kamen die üblichen formellen Erklärungen und die Einleitung. Dann hieß es weiter in dem Testament:
„Meine Besitzung Virkenheim samt der beiden Vorwerken und allem lebenden und toten Inventar vermache ich mit allen darauf ruhenden Gerechtsamen meiner Nichte —"
zuckte es freudig und erwartungsvoll in den Gesichtern von Mutter und Tochter. Aber dies Aufglühen der Freude wich schnell einer fahlen Bläffe und dem Ausdruck des Schreckens und Entsetzens als Christa fortfuhr:
meiner Nichte Maria Luise Christa, Freiin von Platen, der einzigen Tochter des Freiherrn Friedrich von Platen und seiner Ehefrau, der Freifrau Anna Eva Maria von Platen. geborenen Freien von Virkenheim. Dieser gehört auch mein gesamtes Barvermögen nach unten folgender Berechnung, mit Ausnahme der unten angeführten Legate."
Die Baronin Haßbach fuhr plötzlich mit fahlem Gesicht kerzengerade aus ihrem Seffel empor.
„Was soll das heißen, Beiter?"
Er nahm feine Brille ab und sah sie finster und höhnisch an.
„Hast du nicht verstanden?" fragte er eisig. „Bitte, Fräulein Hellmut, lesen Sie diese Stelle noch einmal recht laut und deutlich."
Christas (“tonte hatte allerdings geschwankt, als sie las, daß sie von Heinz vcn Virkenheim zur Universalerbin eingesetzt worden war. Das Blatt in ihrer Hand hatte gezittert und ihr Antlitz drückte viel mehr Erschrecken als Freude aus. Sie war sichtlich bestürzt. Wie bittend hob sie die Hand. Aber Herr von Virkenheim schüttelte den Kopf.
„Also bitte — noch einmal recht deutlich," sagte er.
Da las Christa die Worte noch einmal.
Die Baronin stand noch immer da und starrte ihren Bette? an, als habe sie das Haupt der Medusa erblickt. Die Baronesse aber lag mit bleichen, schlaffen Zügen in ihrem Seffel.
Als Christa den Sah noch einmal wiederholt hatte, stieß die Baronin heiser hervor:
„Ich nehme an, lieber Beiter, daß du dir einen Scherz zu machen beliebst. Das kann doch unmöglich dein letzter W lle sein, du hast uns doch gesagt, daß Karla einst die Erbin von Birkenheim werden sollte."
Er sah sie mit kalten, funkelnden Augen an.
„So — habe ich das gesagt? Nun, so war das vielleicht scherzhaft gemeint. Aber, bitte, ehe wir weiter debatti-'ren — gestattet, daß Fräulein Hellmut weiter liest, bis zü Ende. Nachher haben wir uns wohl noch einiges zu sagen. Also bitte, Fräulein Hellmut, fahren Sie fort"
( 'rista las weiter.
Es wurden nun in dem Testament zunächst einige kleine Legate angeführt für alte, treue Dieser und Beamtet Eine weitere Summe war ausgesetzt für die Errichtung eines Hospitals, für Dorfarme und Kranke. Und ganz zuletzt hieß es weiter:
„Meiner Vase, der Baronin Sophie Helene von Haßbach, gcb. Freiin von Virkenheim, vermache ich eine jährliche Rente vcn fünftauseird Mark bis an ihr Lebensende. Ihrer Tochter, der Baronesse Julia Karla von Haßbach, vermache ich außer» dem eine Summe von vierzigtausend Mark als Aussteuer im Falle ihrer Vermählung. Bleibt sie unvermählt, so erhält sie nach dem Tode ihrer Mutter bis zu ihrem Lebensende eine jährliche Rente von dreitausend Mark."
Hierauf las Christa noch die Schlußworte des Testaments. Als sie damit zu Ende war, sagte Herr von Virkenheim mit halblauter Stimme:
>>^0, Fräulein Hellmut, nun lesen Sie auch noch dies dem Testament beigefügte Schreiben vor, das an die Frau Baronirr von Haßbach gerichtet ist."
Christa nahm das Schreiben entgegen und las:
„Erläuterungen zu meinem Testament zu Händen meines Vase, der Baronin Helene von Haßbach. In dieser Erläute« rung will ich meine Gründe angeben, weshalb ich meinen letzten Willen in vorliegender Weife festgelegt habe. Ehe ich da. rauf näher eingehe, will ich bemerken, daß sofort jeder Anspruch der Baronin Haßbach und ihrer Tochter auf die von mir ausge» setzte Rente erlischt, wenn dieselben versuchen sollten, Einsprachs gegen das Testament zu erheben, oder sich in irgendeiner feindlichen oder gehässigen Art gegnerisch zu meiner Nichte Christa von Platen zu stellen. Die Gründe, die mich veranlaßt habem in dieser Weise zu testieren, sind sehr schwerwiegende, und ich werde sie hier anfuhren.
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