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Kuhlmanns Abschied.
Admiral v. Hintze Nachfolger? — Am Ka Kastee-Kaiial und auf dem Uordufer der Somme starke Angriffe des Feindes abgemiejen. — Feindliche Angriffe in Albanien. — 17 000 Tonnen versenkt.
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Der dentfche General stak 5===s=ss=== meldet: ■———'
M. T. K. Großes Aouptquavrier» den 9. Juli. Amtlich.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht'.
Südlich des La Basiee-Kanals wurden mehrfach wiederholte Teilangriffe, auf dem Nordufer der Somme starke Vorstöße des Feindes abgswiesen. Der Artilleriekampf blieb in diesen Abschnitteil lebhaft, und er nahm am Abend beiderseits der Somme zeitweilig wieder große Stärke an.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Westlich von Autheuil (südwestlich von Noyon) haben sich heute früh nach heftigem Feuer örtliche Angriffe des Feindes entwickelt. Am Walde von Viller-Cotterets scheiterten Teil- angriffe der Franzosen in unserem Kampfgelände.
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Gestern wurden 18 feindliche Flugzeuge abgeschoffen. Leut-, vant B i l l i k errang seinen 23. und 24., Leutnant Friedrich seinen 21. Luftsteg.
Der Erste Gcrreralquartierm erster: Lud endo off«
Abendbericht.
Berlin, 9. Mali, abends. (WBs Amtlich.? Südwestlich Noyon wurden französische Teilangriffe abgewiesen. Oertliche erfolgreiche Kämpfe westlich Chateau-Thierry.
Der österreichische Generalstak - meldet:
Wien, 9. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: An der italienischen Front keine besonderen Ereignisse. In Albanien dauert der Druck der ber die Bojusa verbrechenden feindlichen Kräfte nachl-altig an. Südwestlich von Berat kam es zu Gefechten. Fm Zusammenhang mit diesen Kampfhandlungen erzielten die Franzosen am oberen De- volt Raumgewinn.
Der Chef des Generalstabes.
17000 Tonne» versenkt.
Berlin, 8. Juli. (WB.) Unsere U-Boote vernichteten im Sperrgebiet um England 17 060 Brt. feindlichen Handelsschiffs, raums.
Den Haupianteil an diesen Erfolgen hat das vom Kapitänleutnant von Rabenau (Reinhart) befehligte Boot, das an der Ostküste Englands sechs Dampfer, zum größten Teil aus stark gesicherten Eeleitzügen heraus, versenkte.
Der Chef des Admiralstabes der Marine,
Der hotlnndische Geleiftng.
Amsterdam, 8. Juls. (MV.) Die „Times" greift in einem Leitartikel die englische Regierung wegen ihrer demütigenden und unbegreiflichen Haltung in der Frage des niederländischen Konvois an. Diese Haltung schaffe einen Präzedenzfall für die Preisgabe des Untersuchungsrechts, der gegen England ausgenutzt werden könne. Das „Algemeen Handelsblad" schreibt dazu: Törichte Bemerkungen wie diese können nicht nur auf
Dummheit, sie müssen auch auf Bosheit zurückgeführt werden.
Haag, 8. Juli. (WB.) Meldung des Korrespondenzbüros. Auf eine Anfrage des Abg. Knöbvl» ob die Meldung richtig sei, daß am 13. Juni auf der Höhe von Kanoyk, drei Meilen von der holländischen Hohertsgrenze entfernt, ein englisches Geschwader von acht Kreuzern in Gefechtsformation sich befunden habe, und daß daniit das Nichtausfahren des Konvois nach Indien in Verbindung stehe, hat der Kriegsminister als interimistischer Verweser des Marineministeriums die Antwort erteilt, daß, soweit ihm bekannt sei, an dem genannten Tage auf der Höhe von Katwyk und in den angrenzenden Gewässern keine englischen Kreuzer oder andere Kriegsschiffe gesehen wurden, und daß demnach das Mchtausfahren des inzwischen nach Indien aus gefahrenen Konrvis mit der Anwesenheit eines englischen Geschwaders vor der holländischen Küste nicht in ZusarmnenhanM Me,
In iüittritf Kjihlmms.
Admiral Hintze Nachfolger?
Berlin, 9. Juli. Wie im Reichstage während der Be- ratuugen der K'reditvorlage bekannt wird, hat der Staatssekretär von Kühl mann seinen Abschied erhalten. Zu seinem Nachfolger ist der bisherige Gesandte in Kristiania Admiral von H i n tz e ernannt. Der Reichstag hat darauf sofort die Kreditvorlage an den Hauptausschuß zurückverwiesen, um dort die sich aus der Entlassung Kühlmanns ergebenden politischen Konsequenzen zu beraten. An eine Vertagung des Reichstages ist unter diesen Umständen zur Zeit nicht zu denken.
Berlin, 9. Juli. (WV.) Wie zuverlässig verlautet, hat der Kaiser das Abschiedsgesuch des Staatssekretärs Dr. von Kühlmann angenommen. Als sein Nachfolger wird der biherige Gesandte in Kristiania Dr. von H i n tz e genannt. Eine endgültige Entscheidung ist jedoch noch nicht getroffen.
Berlin, Juli. Der Staatssekretär v. Kühlmann hat erst gestern den Kaiser in einer mündlichen Unterredung um seine Entlaffung ersucht, die ihm daraufhin vom Kaiser gewährt worden ist. Es ist also unzutreffend, wie vielfach behauptet worden ist, daß ein schriftliches Entlassungsgesuch des Herrn v. Kühl- mann schon seit einiger Zeit und zwar unmittelbar nach der bekannten Rede im Reichstag Vorgelegen habe. Der Reichs, kanzler Graf Hertling hat bereits gestern eine Besprechung mit dem zum Nachfolger des Herrn v. Kühlmann ausersehenen Ge sandten v. Hintze gehabt, und es wird offiziös versichert, daß der Reichskanzler bei dieser Unterredung den Eindruck gewonnen habe, daß Herr v. Hintze die bisher vom Reichskanzler befolgte auswärtige Politik durchaus zu unterstützen bereit fei. Es könne affo. so wird weiterhin offiziös erklärt, von einer Aende- rung im bisherigen Kurse keine Rede sein.
Die Denteüffern der Italiener.
Wien, 8. Juli. (WB.) Zum Nachtrag des italienischen Heeresberichtes vom 6. Juli bemerkt das Kriegspressequartier:
Wenn die Italiener aus ihren Fortschritten im Piave- Delta möglichst viel Kapital schlagen, so sei darüber kein Wort verloren. Dagegen verdienen ihre Gefangenen- und Beutezahlen schärfste Abweisung. Die Zahl der durch sie eingebrachten Gefangenen ist durch die letzten Kämpfe an der Gebirgsfront und an der unteren Piave höchstens um 3000 Mann, das ist seit Beginn der Schlacht in Denetien von 12 000 au.f 15 000 gestiegen. An dieser Tatsache ändert Mlch der 23 911te Gefangene nichts, der italienrscherseits „gezählt" worden ist.
Die dem k. u. k. Armeeoberkommando gemeldete Ge- fchützeinbuße beläuft sich seit dem 15. Juni auf insgesanrt 12 Geschütze. Man muß da füglich die Frage stellen, ob die fünffache Uebertreibung des italienischen Berichts nicht dadurch entstanden ist, daß der Feind seine „zurückeroberten", das heißt, die von uns wieder stehen gelassenen italienischen Geschütze mitzählt. Da mag solche Menge herauszurechnen sin. Es ist schließlich verständlich, daß wir bei der Räumung des rechten Piaveufers das Hauptgewicht auf das Bergen unseres Materials gelegt haben.
Seltsamerweise findet sich aber die Uebertreibung auf das Fünffache auch in den feindlichen Angaben über die Maschinengewehre. In der Tat haben wir nicht viel über 200 Stück dieser Waffe eingobüßt, eine Ziffer, die in Anbetracht der großen Menge dieses wichtigen Kampfmittels als durchaus normal bzeichnet werden muß.
? Die drei Vergleiche genügen, auch andere Angaben des italienischen Heeresberichtes über die Bertte ins rechte Licht zu fetzen.
Deutsche Fliegerschäden.
Genf, 8. Juli. Boulvgne und Umgebimg wurden während zweier Nächte von deutschen Fliegern mit einer großen Anzahl von Geschossen aus geringer Höhe beworfen. Ueber die Zahl der Toten und Verwimdeten schwanken die Angaben. Die Verfolgung war ergebnislos.
Von der Ausweisung bedroht sind einige Pariser Kov- refvondenfen von Blättern neutraler.Staaten wegen angeb
lich unrichtiger Mitteilung über die an Amtsgebäuden vos deutschen Fliegerbomben verursachten Schaden. Die Rs gierung hält es für zweckwidrig, über die am KriegS- mimsterium in der Rim Dominique angerichteten Verwüst» ungen eine Note auszugeben. Jene Korrespondenten ver- sicherten, daß im Archiv des Ministeriums historisch Schriften aus der Zeit Condes und des ersten Napoleon, sowie der jüngsten Gegenwart ein Raub der Flammen geworden seien. Einige Geschosse hätten zwischen dem PalaiZ Bourbon und dem Jnvalidendom Treffer erzielt.
Die Ermordung des Grafen Mirbach.
Die Kämpfe m Moskau.
Wien, 9. Juli. (WB.) Zur Ermordung des deutsche« Gesandten Grafen Mirbach sind folgende Meldungen eiw» getroffen: Nach der Flucht der Mörder- in das Gebäude, in dem der in Moskau tagende Kongreß der linken Sozialisten Revolutionäre untergebracht ist, entspannen sich ins Laufe der Nacht vom 6 auf den 7. Juli lebl-afte Straßen- kgmpfe, bei denen erwiesenermaßen englische Agitators» tätig waren. Die Sowjettruppen haben aber dank ihrem sofortigen scharfen Zufassen die Ordnung rasch wiederher« gestellt. Die Führer der Sozialisten-Revollltionäre wurde« aus dem Kongreß heraus verhaftet. Ob die Mörder auch schon gefaßt sind, ist nicht bekannt. Gegen 7 Uhr abends war in Moskau ziemliche Ruhe eingetreten. Artilleriefeuer war nicht zu hören, nur noch planloses zeitweiliges Gewehrfeuer. Die russische Regierung ließ in Flugblättern eine Erklärung verbreiten, in der sie die restlose Unterdrückung der ganzen Bewegung in Aussicht stellt und für den Fall des Wiederausbruchs die volle Verantwortung den Sozialisten Revolutionären überläßt.
Ans Rußland
gibt ein Brief vom 4. Juli Auskunft, den die „Franks. Ztg." veröffentlicht. Wir lesen da:
Eine der schlimmsten Härten des gegenwärtigen Zustande» sind die geradezu unglaublichen Lebensmittelverhältnisse. Der Preis für ein Pud schlechtes schwarzes Mehl stieg in den letzte« Tagen sprungweise von 200 auf 380 Rubel und wird sicherlich noch weiter steigen. Brot ist nirgends zu kaufen. Was man gegen teures Geld und unter großen Schwierigkeiten allenfalls erhält, ist ein schwarzes, feuchtes, mit Stroh vermischtes Brot, das schlechterdings ungenießbar ist. Sicherlich wäre auch ohi« das von der Räteregierung eingcführte Getreidemonopol eine Brotkrisis vorhanden, aber niemals wäre sie ohne das Monopok so empfindlich, wie sie tatsächlich ist. Die Zufuhren von Getreide aus der Ukraine, aus dem nördlichen Kaukasus und aus dem reichen Sibirien nach den mittleren und nördlichen Gouvernements von Großrußland haben aufgehört. Bei de« Bauern Rußlands sind selbstverständlich Vorräte an Getreide vorhanden, deren Herausgabe die Not mindern würde, aber sie kommen nicht zum Vorschein. Bei freiem Handel wäre unter den jetzigen Ausnahmezuständen der Preis für das Pud Getreide vielleicht bis in die Höhe von 100 Rubel gestiegen, nie* mals aber zu der einfach phantastischen Höhe des Vierfachen dieses an sich schon enormen Betrages hinaufgeschnellt sein, wie es jetzt der Fell ist. Die einst so prächtigen großen Lebensmittelgeschäfte und Bäckereien Moskaus sind verödet, die Schaufenster ohne Waren. Rur die Trödelmärkte sind reich besetzt. In den unsaicberen einfachsten Volksrestaurants der Stadt kostet eine aus zwei Gerichten bestehende vegetarische Mahlzeit ohne Brot nirgends weniger als 10—15 Rubel. In den wenige« vornehmen Restaurants, die noch geöffnet sind und die meist von Ausländern besucht werden, ist eine Suppe nicht unter Ify ein Fleischgericht nicht unter 15 oder 20 Rubel zu haben. Allerdings herrscht ein märchenhafter Ilebersluß an Papiergeld. Selbst in den Gassen der Aermsten scheint dieses verlumpte, verschmutzte Zettelgeld, das an Vierflafchenettiketts erinnert, un* ermeßlich zu sein. Man kann sich, wenn auch zu erstaunliche« Ziffern, die in keinem Lande ein Gegenstück haben dürften, schließlich doch noch immer mit dem Nötigsten versorgen. Nur das Brot ist einfach unsichtbar geworden. Man Mistet fei« Leben und zuckt die Achseln.
Die Absichten der Entente.
Stockholm, 8. Juki. Aus Petersburg erfährt „Soensk« Dagbladet" über Helft ngfors: Die Entente stellt als Bedingung für eine Einmischung in die Angelegenheiten Rußland»» daß hervorragende russische Staatsmänner fie verlange». Dteftz k


