Wem nie durch Liebe Leid gejchah.
Roman von CourthS-Mahler.
51) Nachdruck verboten.
„Mutz das sein?" seufzte er.
Cie nickte. V
„Ja, es mutz sein. Aber du darfst es als StrafmÜderuW ansehen, daß ich Fräulein Hellmut bitten werde, mus zu begleiten."
Schnell lief sie zu dieser hinüber.
,-Fräulein Christa, ich habe Ihnen doch von Mamuschkas Waisenkindern erzählt. Wollen Cie sich die Flachsköpfe einmal ansehen?"
„Sehr gern, gnädigstes Fräulein."
Hans Ullrich hatte gehört, was Ursula mit Christa gesprochen hatte.
„Darf ich auch mttkommen, Urselchen?" fragte er. herzutretend.
Er hoffte, bei dieser Gelegenheit einige unbelauschte Worte mit Christa sprechen zu können.
Ursula nickte.
„Za, komm mit."
Als Vavonetz Karla, die sich lieblich Lchterlich um Frau von Frankenau bemüht hatte, sah. daß die vier jungen Leute sich entfernen wollten, eilte sie ihnen nach.
„Wo soll es denn hingehen, Ursula, ich darf mich doch an- schlietzen?"
Aber Ursula schüttelte energisch den Kopf.
„Nein, bleibe du nur hier, Karla, wir gehen zu Ma-muschkas Waisenkindern, und du kannst ja den Armeleutegeruch nicht vertragen. Wir find in kurzer Zeit wieder hier."
So war Karla kaltgestellt. Sie schluckte ihren Zorn hinunter und kehrte zur Frau von Frankenau'zurück.
Diese hatte Ursulas Worte gehört und fragte nun die Baronesse:
„Was haben Sie gegen unsere Waisenkinder, liebe Karla? Mögen Sie diese nicht leiden? Es sind vier sehr niedliche Flachsköpfe, und Dörto sorgt so aufmerksam für ihre Pflege, daß ihnen wohl kaum etwas anhaftet, was mit Armeleutegeruch bezeichnet werden kann."
Karla zuckte die Achseln. Ihre sanfte Miene hielt nicht recht stand.
„Ursula hat mich wohl wieder einmal falsch verstanden. Sie legt meinen Worten leider immer eine falsche Deutung unter."
Die alte Dame sah sie forschend an.
„Das liegt aber nicht in Ursulas Art," sagte sie ernsthast.
„Zch habe es nur nicht verstehen können, daß Ursula so wild , mit den Kindern herumtollt und sie umarmt und küßt, suchte sich Karla zu verteidigen. I
-]"" &WI von SsMeMfsch rn V&ma «#» w 2gmt*« fk den Augen der Baronesse.
„Meinen Sie nicht, liebe S&aM, flctg es Sert ar men , elternlosen Kindern wohl Int, wenn stch jemand liebevoll mit ihnen beschäftigt? Ich stcue mich, daß Ursula ihnen zuweilen eine frohe Stunde bereitet. Die kleinen Flachsköpfe find fo dankbar und jubeln jedesmal, wenn Ursula zu ihnen kommt!"
Die Baronesse hatte stch wieder in der Gewalt.
„Za, liebe, lei,re. gnädige Frau, ich versuche das wohl. Aber ich bin zu ernst und zu still und kann mich den Kindern nicht so anpassen, wie es Ursula ttch die ja in ihrer ganzen Art selbst noch ein Kind ist."
Das klang so weich und schmeichelnd, aber Frau von Frankenaus Ohren waren geschärft, und sie hörte den leisen grollenden Unterton.
Sie begann die Baronesse schärfer und richtiger zu bsnr- teilen.
Inzwischen war das Brautpaar Mit Hans Ullrich und Christa durch den Patt nach dem Kavalierhauso hinübergegangen. Graf Joachim ging mit seiner jungen Braut voran, Arm in Arm. und das folgende Paar konnte sehen, wie strah- lerrd und glücklich fie sich immer wieder in die Augen sahen.
Hans Ullrich seufzte.
„Zch habe eben eine schlimme Untugend in mir entdeckt," sagte er leise zu Christa.
Sie sah lächelnd zu ihm auf mit dem strahlenden, glücklichen Blick, den sie immer für ihn hatte.
„Was ist das für eine Untugend?" fragte sie.
„Der Neid. Ich neide den beiden Menschen da vor uns ihr Glück, zumal in diesem Augenblick, da ich formell an Ihrer Seite schreiten mutz."
Ehe Christa antworten konnte, wandte sich Ursula noch Ihnen um.
„Wir sind am Ziel, Fräulein Christa, nun sollen Sie etwas erleben."
Das Kavalierhaus lag vor ihnen, es war ein schmuckloser, grauer Bau, hatte acht Fenster, Front und zwei Stockwerke. Zn den oberen Stockwerken waren die Fenster mit Läden verschlossen, aber zur ebener Erde waren sie wett osten und frische, weiße Vorhänge blähten sich im warmen Sommerwind.
Ursula steckte den Kopf in eins der Fenster. Das Aimmer war leer
„Sie sind hinten im Garten, sagte fie lachend und führte ihre Begleiter durch den langen Hausflur und durch die hintere Türe in den kleinen Garten. Da faßen auf kleinen Schemelchen die vier Waisenkinder, eifrig mit leichten Handarbetten beschäftigt. Und vor ihnen saß Dörte und erzählte ihnen ein Märchen. Die Sonne spielte auf den vier lichten Dlondköpf- chen. Es war ein liebliches, friedliches Bild. Aber plötzlich kam Leben hinein. Ursula stieß einen leisen Lockruf aus. Da
-verwandten. Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß unser lieber Bruder. Schwager, Vetter und Onkel
zur Zeit auf verschieden ist.
Urlaub
Ero'g-Karben.
den 8. Juli 1918.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Die Beerdigung findet in aller Stille statt. — Kranzspenden und Beileidsbesuche dankend verbeten.
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fuhren die vier Blondköpfe empor, warfen ihre Arbeit hm und kamen auf llrfnla zugestürmt. Dörte rief sie zwar zur Ordnung, weil fie Äo anderen Herrschaften erblickte, aber schon hinge« die Kinder an Ursula, und diese umschloß fie lachend alle vier mtt den Armen.
„So, mm stillgestanden — hübsch in einer Reihe aufstelleih dem Alter nach. Seht Euch diesen Herrn an — das ist mein Bräutigam, und wenn Hochzeit ist, dürft ihr mir Blumen stteuen. Und da ist noch eine liebe, schöne Dame, die Euch besucht. Fräulein Hellmut. Macht Euer Knickschen und gebt ei« Händchen."
So kommandierte Ursula lachend. Dre Kinder folgten ihrem Gebot. Und dann teilte Ursula ihre sützen Gaben aus. Die anderen halfen ihr lachend dabei, und die Kinder verloren schnell alle Scheu und jubelten laut auf.
Christa Hellmut stteichelte leise dem kleinsten Mädelchen über das Haar. Sie plauderten fröhvrch und unbefangen mit den Kindern und lachte, wenn fie ihren Dialekt nicht verstand. Hans Ullrich machte dann den Dolmetscher. Die Kinder brachten ihre Schätze zu Dörte, die lächelnd der Szene zugesehen hatte.
„Dörte mutz auch was haben," erklärten fie einstimmig.
Und es entspann sich zwischen den Kindern und ihrer Pfles gerin ein edler Wettstreit.
Befriedigt hing Ursula nun den leeren Korb an ihren Arm. Nun die Waisenkinder zu ihrem Rechte gekommen waren, schien fie erst ganz stoh und zufrieden.
Christa hätte das reizende, liebe Mädchen gern in ihre Arme genommen und herzlich geküßt. Aber in ihrer Stellung durste sie das nicht wagen. Wenn Ursula auch sehr herzlich und zutraulich zu ihr war., so durste sie sich doch nicht gehen lasten. Aber sie sagte zu Hans Ullrich, als fie wieder nach dem Herrenhaus zurLckgingen:
„Graf Steinau ist zu beneiden um feine Braut. Sie ist ein goldiges Geschöpf.^
Herr von Bttkenheim und die Frankenaus hatten es herz^ W bedauert, daß Graf Rudolf Steinau feinen Aufenthalt fs jäh abgebrochen hatte. Am meisten bedauerte es aber Christa Hellmut.
Sehr stoh waren jedoch die Baronin und ihre Tochter darüber. Graf Rudolf war ihnen ein sehr unangenehmer Gast; weil fie sich vor seinen kritischen Augen fürchteten.
Ursula und Graf Joachim hatten es natürlich sehr schmerzlich empfunden, daß fie sich sobald trennen mußten. Graf Joachim hatte versucht, Nochurlaub zu bekommen, aber dieser war ihm energisch verweigert worden.
Als er es am Abend vor der Abreise feinem Onkel sagte» erwiderte dieser ernst:
Fortsetzung folgt.
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