Ausgabe 
8.7.1918
 
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Ausweise des KonnteeS -irr BÄffmpfirrrg der Gegenrevo­lution besaßen. Beide brachten das Gespräch auf eine» Prozeß eines ungarischen Grafen Robert Mirbach eines dem Gesandten unbekannten Mitgliedes der Familie, und legten die Akten über diesen Prozeß vor. Rach kurzer Zeit zog der eine einen Revolver und schoß auf den Grafen, den Geheimrat Riezler und den Offizier Leutnant Müller. Graf Mirbach wurde verletzt und stürzte in ein Nebenzimmer Der Attentäter folgte chm dorthin und schoß ihn von rück­wärts in den Kopf, während der andere auf Geheimrat Riezler und den Leutnant Müller weiter schoß, ohne sie zu verletzen. Dann sprangen beide, nachdem sie noch Hand­granaten geworfen hatten rnü, Graf Mirbach niedergestürzt war, aus dem Fenster und flohen in einem unten bereit- stchenden Auto.

Die Sowjetregierung hat ihre Empörung und ihr Be­dauern über den erschütternden Vorfall ausgesprochen. Um einen solchen handelt es sich in der Tat. um einen Vorfall von erschütternder Tragik, aber wir glauben, es ist von besonderem Wert, das vorwegzunehmen, ohne politische Folgen, soweit das Verhältnis zwischen der gegenwärtigen russischen Regierung und Derrtschland in Betracht kommt. Ob die Untersuchung, die leider ohne die direkt beteiligten Verbrecher geführt werden muß, tatsächlich nähere Anhalts­punkte für die Vermutung gibt, daß es sich um im Dienste der Entente stehende Agenten handelt, muß abgewartet werden; unmöglich ist es bei den moralischen Qualitäten der führenden Ententemänner nicht nan braucht nur an die Dingrmg eines Mörders gegen Sir Roger Casement durch die englische Regierung zu denken und wahrschein­lich konnte es der Umstand machen, daß die Entente, vorab England, kein Geld spart, um die gegenrevolrrtionärs Be­wegung in Rußland zu fordern.

Auffallend ist es, daß Kerenski?, der größte Schuft aus der russischen Revolutionszeit, gerade dieser Tage wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist und seine hetzerische Tätigkeit wieder ausgenommen hat. Noch auffallender ist es, daß er in Paris erklärt hat, Graf Mirbach, der inzwischen ermordet wurde, sei der eigentliche Herr in Rußland. Mit im Zusammen­halt steht es, daß an der Spitze des sozialrevolutionären Ke- renskijs S a w i n k o w, ein ganz verdorbenes Ententefubjett, steht, der urrter Kerensktj Kriegsminrster gewesen ist. Anschei­nend hat diese Verbiechergesellschaft die Zeit für gekommen er­achtet, um einen Putsch zu versuchen. Die Bolschewrki weisen alle Verantwortung von sich. Der russische Botschafter in Ber­lin, Joffe, der zur Zeit an der spanischen Grippe erkrankt ist, hat sofort auf die Nachricht über die Ermordung des deutschen 'Gesandten v. Mirbach ein handschriftliches Schreiben an den Staatssekretär des Aerrßeren im eigenen Namen und im Na­men seiner Regierung gerichtet, in dem er seine Empörung über die ruchlose Tat Ausdruck gab. Ebenso haben die Vertreter der Bolschewisten-Regierung dem deutschen Geschäftsträger ver­sichert, daß sie alles tun werden, bie Mörder zur Verantwortung zu ziehen. Die Regierung ist im Kreml versammelt und hat slle Sicherungstruppen um dm Kreml konsigmert. Dfiergynski, der Ehef der Polizei der Bolschewisten, der die Auslieferung der Mörder von den Sozialrevolutionären verlangte, ist von diesen als Geisel in dar Gebäude verschleppt worden, in dem die Sozialrevolutionären sich verkarrikadiert haben. Das Haus ist von den Bolschewistentruppetr uni» von Artillerie umstellt worden. Die Bolschewisten bestehen auf der Auslieferung der Mörder und ihrer schärfsten Verurteilung und drohen im Wei­gerungsfälle mit der Verhaftung des ganzen stzialrevolutio- naren Komitees. Sawinkows Beziehungen .zur Entente stehen nnzweistlhaft fest. Der Beweis, daß die Entente ihre Hände bei dem ruchlosen Attentat rm Spiele gehabt hat, ist deshalb mehr wie wahrscheinlich, sicher ist, daß sie indirekt daran betei­ligt gewesen ist. Diese Vorgänge sind geeignet, weiteren Krei­

sen in Rußland dt« Augen zu öffne« Üb« die Gestchren, tne von dieser Seite drohen, und sie werden den BolscherE wohl «ach. haltigere Unterstützung bringe», als dies alle Aufrufe der Sow. jetregierung bisher vermochten. Zunächst ober gilt es irwter allen Umstanden einmal abzuwarten, ob noch nähere Aufklär­ung über den Fall gegeben werden kann.

Rußland.

Die DorAange n« -er MnrmankMe.

Moskau, 3. Inli. (WB.) Die Presse veröffentlicht fol­genden Befehl Trotzkist: In Mnrman ist fremdes Militär oe- j landet, trotz des ausdrücklichen Protestes des Kommissars für die auswärtigen Angelegenheiten. Der Sowjet der Volkskom­missare schreibt mir vor. dorth'm die notigen Streitkräfte zu ent­senden, um die Küste des Weißen Meeres vor der Besitzerqreif- urrg durch die ausländischen Imperialisten zu schützen. Daher befehle ich folgeirdes:

1. Wer dem auswärtigen Militär Hilfe leistet, ob direkt oder indirekt, wird als Landesverräter betrachtet und nach dem Kriegsgesetz hingerichtet.

2. Der Transport von Kriegsgefangenen nach Archangelsk, ob in bewaffneten oder unbewaffneten Abteilungen' oder in einzelnen Leuten, ist unbedinat verboten. Jeder, der hiergegen verstößt, wird nach dem Krieosaesetz hingerick>tet.

3. Zu einer Fahrt an die Külte des WNßen Meeres be­nötigen russische wie ausländische Bürger unbedingt der Er. laubnis des nächsten Kreis-Kriegskommisiars. Passagiere, welche ohne eine derartige Erlaubnis an die genannte Küste reisen, sind zu verhaften.

K^enhagen, 3. Juli. (WB) Zn den Ra-chricksien von fin­nischen Trnp?>en1 rar,srorten nach der Murmonküste und nach Russüch-Karelien und der Answeifimg englischer Untertanen aus Fmlsnd kann die biessne finnische Gesandtschaft kategorisch erklären, daß die Meldungen jeder Grundlage entbehren.

Der KZrmpf gegen dke Trchecker-Slawakem.

Moskau. 2. Juli. (WB.) Die hiesige Presse meldet' Das Militirrkonrniissariat hat die sofortige Formierung von Batte­rien zum Kampf gegen die Tichecho-Slowaken verfügt. Die West-Ural-Do hn ist von den Gsgenrevolutio-naren gesäubert. Aus dem Abschnitt Slatoust haben ssch die Gegenrevolutionäre nach llstikinfk zurückgezogen. Die Raphta-Unternehmen in Ja. roslarv, Rnbinik, Kinfchma und Woleoda befinden sich im Aus- stunde. Die Naphlaverforgung der Nordbohn und der Schiff­fahrt auf der oberen Wolga ist fast eingestellt.

Haag. 3. Juli. Reuter meldet ans Londons Telegramme von britischer Seite aus Irkutsk berichtet, daß die Tschecho-Slo- waken die Bclschew'üteu well! ich von ^rkrrtsk vollständig ge­schlagen und sie aus Rifchnk-Ubinsk und Tulum, östlich des Bai- kalfees vertrieben haben. Die Bolschewisten haben Irkutsk verlassen.

Die KatWM« des kn^essliertraüts mit NnffünS.

53tin, 5. Zull. (WB.) Am 4. Juli hat in Berlin der Austausch der Ratifikationsurkunden zu dem Friedensvertrag zwischen Oesterreich-Ungarn und der russischen Sowjetrepublik sowie des dazugehörigen Zusatzvertrages stattgefunden. Der Austausch wurde vollzogen durch den ostecreickisch-unMrischea Geschäftsträger Botschaftsrat Grafen Lorisch in Berlin und den dortigen bevollmächtigten Vertreter der russischen Sowjetrepu- bkik Josse. lieber den Austausch der Ratifikationsurkunden wurde ein Protokoll ausgenommen.

Rumänien.

Die A»«a>,me des Friedensverirages durch den Senat.

Bukarest. K. Juli. (WB) Nachdem die rumänische Kam- mer am 28. Juni dem Friedens vertrag« zugestimmt Hai, hcM gestern auch der Senat, und zwar einstimmig, den Frisdensver. trag angenommen.

Ukraine.

Kiew. 3. Juli. (WB.) Die Presse meldet, daß in Dak» traurige Zustände herrschen. Die Wasserleitung ist abgeschnit. ten und die Verkehrsweg« nach außerhalb find unterbrochen. Brot ist seit drei Monaten nicht mehr vorhanden. Andere Lv- bensmittel sind sehr teuer. Auch in der Krim, besonders i» Kreise Jalta, soll ein Mangel an Lebensmitteln herrschen. Die ukrainische Negierung hat die Ausfuhr von Lebensmitteln bis zur Klärung der politischen Lage in der Krim verbalen.

VieSchiürsnlsffmide des Krieges"

Lollbou. 5. Juli. (WB.) Meldung des Reutersche» Bureaus. Bonar Law sagte in der Abschiedsansprache auf dem Bankett, das die Regierung zu Ehren der Delegierter, der interalliierten Konferenz gab, er glaube, daß die Schick» salsstnnde des Krieges bevorstehe.

Die amrikslillchkn &rujr|)! , nifiii>ii!wn.

23evlin, 6. Juli. (WB. Die amerikanische Propaganda der Entente, die in gleicher Weise als Schreckmittel für die Mittelmächte wie als letztes Trostmittel für das verblutende Frankreich gedacht ist. schlägt sich durch ihre Maßlosigkeit selbst. Bei aller Würdigung der amerikanischen Groß­zügigkeit. der es auf einige Hunderttausend oder Millionen mehr oder weniger nicht ankommt, wäre es doch zweckmäßig wenn sich die Leiter des Propagandadienstes in den ver­schiedenen Enterrtestaaten darüber einigten, wieviel Ame^ rikaner denn nun eigentlich auf französischem Boden bereits stehen sollen. Unter den heufigen Verhältnissen kommt eS vor, daß Funksprüche von verschiedenen Stationen sogar cm ein und demselben Tage einander widersprechen. Währen­der Funkspruch Lyon vom 4. Juli 1 000 115 Mann meldet^ spricht Lloyd George nach einem Funkspruch vom gleiche» Tage nur von 900 000 Mann. In einem anderen Funk» sprach vom 4. Juli wird die große Begeisterung hervor* gehoben, welche die amtliche Ankündigung hervorgerufe» habe, daß bis 1. September eine Million Amerikaner i» Frankreich angekommen sein würden. Noch weniger ist sich die Ententepropaganda über die Größe im klaren, welch? das amerikanische Heer jetzt oder in Zirkunst haben soll, den« in dem für. die Wahrheitsliebe und Genauigkeit der Ententefunkdienstes so bemerkenswerten Funkspruch vom 4. Juli heißt es einmal, der Generalquartiermeister plan« nach einer Mitteilung an den Kongreß die Einkleidung von 4 Millionen Soldaten bis 1. Januar, dann aber wird amtlich gefunkt, daß bis 1. Januar vier Millionen Amerikaner i« Frankreich angekommen sein werden. Die Erklärung dafür liegt vielleicht darin, daß beide Male bei der Datumsangabe vorsichtshalber die Jahreszahlen weggelaffen sind.

Air eSWndijche Mttjchast au Leu Kai!er..

Berlin, 6. Juli. Die in Reval versammelte estläm dische Ritter- und Landschaft hat ein Huldigungstelegram« an den Kaiser geschickt, in welchem sie ihre Befriedigung

Wm me dlllch Aehe Leid gejrhch.

Roman vo« EourthS.Mahler.

vH Nachdruck verbot^'.

Me war ihm Ehrista schöner erschienen, als in dem schlich­ten weißen Seidenkleid, dessen kleiner Ausschnitt den schlanken Hals und ei« Streifchen des herrlich«« Nackens freMetz. Er «tmete tief und schwer. Wie gern hätte er an Christas Seite ßejeffen.

Statt dessen mußte er die Baronesse unterhalte«.

Was habe« Sie zur Verlobung Ihrer Schwester gesagt, Herr von Frankenau?" fragte diese neckend.

Er riß seinen Blick von Ehrista los.

Ich habe ihr nur von Herzen Glück gewünscht, gnädigste Baronesse."

Run wird man wohl auch bald Veranlassung haben. Ihnen Glück zu wünschen," fuhr sie fort.

Er machte ein harmloses Gesicht.

JBtiz Glück wünschen? Darf ich wrssen, wozu?" fragt« er kühl.

Zu einer baldige« Verlobung. Ihre Frau Mutter hat uns ja verraten, daß Sie diesen Winter auf die Brautschau gehen wollen."

^lch, so meinen Sie bas Es ist söhr liebenswürdig» daß Tie mir einen Glückwunsch in Aussicht stellen."

Sie gehen im Winter längere Zeit nach der Residenz, nicht Mahr?"

Ja, das fft geplärrt, gnädige Baronesse."

Run, so werden wir auch dort Zusammentreffen. Mamma nnd ich, wir wollen diese« Winter auch einig« Wochen in der Residenz verbringen. Onkel Heinz hat jetzt Fräulein Hellmut zu ferner Verfügung, und so wird er uns «irrige Zeit entbehre« li ntn. Es war doch all di« Jahr« recht einsam für mich i» Birken heim."

Das glaube ich Ihnen," erwiderte Hans Ullrich, ohne recht zu wist i>, was die Baroncss« mit ihm sprach. Er war zu sehr ja HfyiHas Anblick vertieft.

Sie haben gar kcine Ahnung, Herr von Frankenau, wie langweilig so ein Winter auf dem Land ist."

Wirklich?"

O so können Sie mir fingen, well Sie seit langen Jah­ren im Winter irre zu Hause waren, wenigstens nicht auf lange Zeit."

Allerdings, ich werkte meist nur um die Weihnachtszeit zu Harrst. Aber da hat es mir doch immer recht gut gefallen, und ich muß sagen, daß ich mir unter Umstanden den Winter auf dem Land recht schön und kurzweilig vorstellen kann."

Ach Sie meinen vielleicht an der Seite einer jungen Frau?" neckte sie.

Hans Ullrichs Blick glicht« sthnsüchtig nach Ehrista hinüber.

Ganz recht, gnädigste Baronesse, das merne ich," erwiderte er wie rm Traum.

Die Baronesse lächelte sanft und liebenswürdig und sah mit großen, schmachtenden Augen zu ihm auf.

Dann wünsche ich Ihnen recht bald eine junge Frau."

Ja? Wollen Sie das wirklich tun?"

Warum sollte ich nicht?"

Er seufzte leist auf.

Wünschen Sie mir, daß ein Wunder geschieht."

Ein Wunder?"

Ja ein Wunder ich möchte so gern daran glauben, daß auch in unserer nüchternen Zeit noch Wunder geschehen können."

Was soll es denn für ein Wundsr sein?" forschte sie.

So ein Wunder, wie es sonst nur in Märchen vorkommt» wo aus einem Frosch ein Königssoha und aus einer armen Hirtin eine Prinzessin wird."

Ach, Herr von Frankenau, was rede« Sie für seltsame Sachen?"

Er ließ seinen brennende« Blick oou Christa und sah di« Baronesse zerstreut an.

Nicht wahr ich unterhalt« Sie recht schlecht. Ich bitte um Verzeihung, Madigste Baronesse."

Baronesse Karla sah ihn wieder sanft und schmachtend an.

Sie unterhalten mich im Gegenteil sehr gut, Herr von Frankenau."

Er verneigte sich.

Sie sind sehr gütig, gnädigste Baronesse. Also Sie wolle« im Winter nach der Residenz?"

Ja. Mamma und ich, wir haben es geplant, und Outet Heinz hat uns bereits Urlaub gegeben. Er wünscht, daß ich mich auch einmal amüsiere und mich austanze. Wollen Sie mir nicht ein wenig erzählen aus der dortigen Gesellschaft? Ist es amüsant? Der Herzog und stin« junge Gemahlin sollen j« sehr glänzende Feste stiern. Man sagt, weil sie einander nicht lieben, suchen sie Ersatz in der Geselligkeit. Ist es wahr, daß der Herzog seine Gemahlin nur sehr widerwillig an seine Seit» gestellt hat? Sie waren doch mit ihm sehr befreundet?"

Allerdings, gnädigste Baronesse. Aber selbst wenn mir der Herzog in dieser Angelegenheit stin Vertrauen geschenü hätte, dürfte ich es doch nicht mißbrauchen, indem ich ausplao- dere, was er rnir anvertraut hat."

Die Baronesse lächelte schelmisch.

Nun mit könnten Sie es schon sagend

Er sah sie kühl an.

..Nein auch Ihnen nicht. Ich bedauere, Daroneß." ^

Mnb schnell lenkte Hans Ullrich das Gespräch auf ein am deres Thema.

Ursula hatte alle Toaste und Glückwünsche mit strahlende» Gesicht überstanden. Nun war die Tafel aufgehoben worden und sie packte, von Christa und ihrem Verlobten unterstützt, ob, nen Korb voll von den Leckereien, di« zum Dessert gereicht wo« den waren.

Die bekommen Mumuschkas Waistntinder, Sie müsse« doch merken, daß heute ein Festtag ist. Komm mit ga ihn««, Joachim, ich dich Ihnen al» meine« verlobt«« vorstell«^ dann bekommen Sie Respekt vor mir."

Ist das so sicher?" neckte er und gab ihr sch«L «ch Wst stöhlen einen Kuß. ~ f

Sie drohte schelmisch.

Jetzt nehme ich zur Strafe otn-e Gardedame mV. damit Gz Wbsch artig bist," Sortsetzung MöU[,