Ausgabe 
8.7.1918
 
Einzelbild herunterladen

iifcer die benmächstige Dererntgmrg von Estland und land mit dem mächtigen Deutschen Reiche zum ArrSdr«cke bringt. Dom Großen Hauptquartier a«S hat der Kaiser ein Antworttelegram an die Vertreter des alten deutschen ,Kulturlandes im Osten erlassen. Die Antwort des Kaisers lautet'

Großes Hauptquartier, 4. JuL, i Ritterschaftshauptmann v. Dellingshausen. Reval.

Den Treugruß der estländischen Ritter- und Landschaft habe ich mit Freude und Dank entgegengenommen. Es ist mir eine hohe Genugtuung, im alten deutschen Kulturlande wieder deutscher Art und deutscher Sitte zu kraftvoller Ent­faltung geholfen zu haben. Gott wird dem deutschen Va­terlande die Kraft geben, sich siegreich zu behaupten und die ihm anvertrauten Glieder in sicheren Schutz zu nehmen.

Wilhelm L R.

Die föubkrfife als festeste Grundsteine.

DerBerliner Lokalanz." meldet: Aus Anlaß des

100jährigen Bestehens des Landkreises Elbing richtete der Kreistag ein Huldigungstelegramm an den Kaiser, auf das dieser u. a. folgendes erwiderte:Der Gutsherr von Ca- dinen dankt herzlich für den treuen Gruß. Die Landkreise haben sich als einer der festesten Grundsteine unserer preu­ßischen Verwaltung hervorragend bewährt und haben sich immer größeren Aufgaben im Kriege und Frieden gewach sen gezeigt. Großes werden sie zu leisten haben, wenn der eiserne Zwang unserer Waffen den Feind zu dem Frieden gezwungen hat, den unser Volk zur freien und starken Wei­terentwicklung braucht. Daß dann Mein lieber Landkreis Elbing treu mrd erfolgreich mitarbeite an der Schaffung und Erhaltung eines starken, glücklichen Bauernstandes und eine? seßhaften, zufriedenen Landarbeiterschast, an der Heilung der Kriegswunden und den großen Aufgaben der ländlichen Wohlfahrtspflege, ist der herzliche Wunsch, mit dem Ich ihn in sein neues Jahrhunhssrt geleite!"

Deutscher Reichstag.

Fm Reichstage wurde am Samstag das Gesetz zur Ergänz­ung des Kapitalabftndungsgesetzes (Erweiterung auf Teilneh­mer früherer Kriege) und das Kapitalabsindungsgefetz für Of­fiziere in zweiter und dritter Lesung angenonunen. Das Gesetz gegen Unfruchtbarmachung und Schwangerschaftsunterbrechung wutt»e dem Ausschuß für Vevölkerungspolitrk überwiesen, des­gleichen das Gesetz zur Abänderung des Gesetzes über den Absatz von Kalisalzen. Auf der Tageordnung stand dann der Bericht der Lweschüffe über Ernährungsfragen, über Kohlenförderung und Kohlenverforg-ung und über die Tätigkeit der Reichsbeklei- dungsstelle. Ttzr Ernährungsausschuß legte Richtlinien für die Erfassung der öffentlich bewirtschafteten Nahrungsmittel vor. Danach dürfen solche Nahrungsmittel vom Erzeuger nur an Be­hörden geliefert werden. Verbotswidrige Transpotte verfallen tem Kriegsernährungsamt. Die Landesbehörden haben diese Vorschriften streng durchzuführen. Hinsichtlich der Preisrege­lung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wird gefordert, daß in der Preisgestaltung mehr Beständigkeit und Gleichmäßigkeit herrsche. Auch soll auf die Kosten der landwirtschaftlichen Er­zen gungsm Mel Rücksicht genommen werden. Bei den Nahrungs, mittelpreisen soll auf die Kaufkraft der breiten Massen Bedacht genommen werden. Das Hinterkorn soll in bestimmten Mengen dem Erzeuger verbleiben. Zur Förderung der Fettversorgüng soll der Anbau der Oelsamen begünstigt, weiterer Anbau von Raps angeordnet werden. Bezüglich der Kohlenversorgung lag eine Entschließung vor, die eine möglichste Steigerung der Koh­lenförderung forderte. Für die Wasserstraßen sollen genügend Schiffe bereitgestellt werden. Zur Bekleidungsfrage lag nur eine Eingabe, wonach Personen mtt einem Einkommen unter 1209 Mark von der Verpflichtung zur Abgabe von Kleidungs­stücken befreit werden sollen. Abg. W e i l nb ö ck (kons.) berich­tete über die Verhandlungen des Ernährungsausschusses. Den Bericht über die Kohlenfrage erstattete Abg. Schmitt -Würz- burg (Soz.), über die Kleiderfrage der Abg. Astor (Zentt.). Staatssekretär v Waldow führte aus. daß der Kreis der öf­fentlichen Bewirtschaftung immer weiter gezogen werden müßte. Schwäche und Mängel seien natürlich vorhanden und werden nach Möglichkeit beseittgt. Der vermehrte Anbau von Kartof­feln wird hoffentlich bei der nächsten Ernte bessere Ettolge zei­tigen. Die kalte Witterung hat setzt die Kartoffelernte um etwa zehn Tage verspätet Die Mißernte an Futtergewächsen rst für unsere ganze Biehwirtichaft von der nachteiligsten Wir­kung gewesen. Unser Viehbestand ist herabgedrückt, und viel­leicht werden wir auch in gewissen Zwischenräumen eine fleisch­lose Woche einführen müssen. (Hört, hört!) Ein Ersatz wird in Mehl gegeben werden. Die sttaffe Bewirtschaftung unserer Getreidevorräte sei notwendig und solle nun auch in Oesterreich erngcfühtt werden. Größte Vorsicht sei auch im neuen Ernte­jahr notwendig, Experimente dürfen nicht gemacht werden. Die Forderungfteier Handel, fteie Erzeugung" würde das Ver- trarren in unsere Ernährungswirtschaft schwinden lassem Die Ernte im vergangenen Fahre sei eine Mißernte gewesen, die Zufuhren aus Rumänien und der Ukraine seien ungenügend gewesen; aus letzterem Lande würden sie auch noch nicht in Gang kommen. Eine gewisse Spannung zwischen alter und neuer Kartoffelernte habe sich nicht vermeiden lassen, immerhin werde die neue Ernte nun bald erfolgen können. Die Erhaltung der heimischen Erzeugung sei erste Kriegsnotwendigkett. Ein Grund Aum Pessinnsmus liege für das neue Jahr nicht vor und das deutsche Volk werde aus allen Schwierigketten siegreich hervor- 4ehen. (Beifall.)

Abg. Dr. M e tz i n g e r (Ztr.): Die Erzeuger müssen genü­gende Preise erhalten. Jetzt stehen sie im bestem Verhältnis Nun Wert derselben. Der Viehbestand bedarf dringend der Schonung. Wie steht es mir den Nachrichten, daß weitere Men. ven an Oesterreich abgegeben werden sollen? Ich muß weiter M« dringende Bitte aussprechea, daß die Förderung und Be­

förderung Mtt Kohlen nach SLddeutschlmtt» möglichst beachten, rügt worden und daß mäßige Preise gestellt werde».

Abg. W«l» (So-.): Der Schleichhandel Ist die ebn-ig tu folgreich« Organisation. (Sehr richtig.) Wir find an dem Tief, stände unserer Ernährung angekommen. Die Presse müssen an­gemessen sein. Auch gut verdienende Arbeiter könne» ihre Fa­milien nicht ernähren, und da soll noch die Brotration verkürzt werden. Die Kartoffeln fehlen ganz. Wenn die Schweine da­mals nicht abgeschlachtet worden wären, wären wir schon am Ende unserer Ernährung angelangt. Jede Abkürzung des Krie­ges ist ein größerer Gewinn als die Eroberung einer Provinz.

Abg. Dr. Rölicke (kons): Ebenso wie die Industrie­

arbeiter sollte die Landwirtschaft mit Kleidungsstücken bedacht werden. Schuld an den Ernährungsverhältnissen sirür nicht die Konservativen. Sie haben gegen dieses System stets Einspruch erhoben. Das System der Gleichmachung ist nicht durchführbar. Die Fehler des sozialdemokratischen Systems zeigen sich hier deutlich. Das Volk wird diese ettennen. Wir alle leiden da­runter. Es kommt immer noch vor, daß Landwirte für teueres Geld Waren einkaufen müssen, die ihnen billig abgenommen worden sind. In Rumänien und in der Ukraine werden höhere Preise an den Erzeuger bezahlt als bei uns. Der Landwitt- schaft ist die Produktion zur Last geworden. Gehen wir von dem System der sozialdemokratischen Produktt"'nsweise ab. Es ist nicht möglich, daß der Milchpreis dauernd 50 Proz. unter dem Produktionspreis steht. Nichts ist der.Produttion so not­wendig wie die Freiheit. (Beifall rechts.)

Abg. F e g l er (Vpt.): Den Landwirten sollen nur so viel zur freien Verfügung verbleiben, als sie in der eigenen Wirt­schaft verbrauchen.

Nach weiterer Erörterung wurden in später Abendstunde die Richtlinien des Ausschusses angenommen. Montag: Ver­hältniswahl und Verlängerung der Legislaturperiode des Reichstags.

Die lpmnfche Grippe.

Berlin, 6. Juli.' Ueber die spanische Grippe wird der Nordd. Allg Ztg." von fachkundiger Seite mitgeteilt: Die

Annahme, daß es sich um Influenza handelt, stiitzt sich vor allem auf die bisherigen Untersuchungen und erhält dadurch, daß es tassächlich den verfchiodcnen Stellen gelungen ist, den Influenza- Bazillus einwandfrei nachzuweiscn, eme ziemlich sichere Stütze. Auch die sonstigen Wahrnehmungen vom wissenschaftlichen Standpuntt aus sprechen entschieden für Influenza.

Als harmlos kann man vom ärztlichen Standpunkt aus die Krankheit insofern betrachten als nicht etwa Lungen­entzündung oder eine ernste Erkrankung dazuttttt. Aller­dings muß zugestanden werden, daß hin und wieder auch einmal ein Todesfall eintreten kann. Die Zahlen, die man bisher^ über die Verbreitung dieser Jnfluenzakrankheit bei uns in Deutschland gehött hat, sind jedoch übertrieben. Zahlen können bislang überhaupt nicht angegeben werden, auch nicht über Todesfälle. Wir können uns nur etwa danach richten, was wir durch die Aufnahme erkrankter Personen in Krankenhäuser wissen. Nach den bishettgen Feststellungen beläuft sich die Zahl der in die größten Krankenhäuser Ber­lins Charlottenburgs und Schönebergs eingeliefetten Kranken auf ungefähr 500 bis 600 Personen. Man darf aber nicht etwa glauben, daß diese Zahl auf eine schwere Erkrankung in der Bevölkerung schließen ließe, denn unter diesen 500 bis 600 Erkrankungen war nur ein einziger Todesfall zu verzeichnen und zwar bei einer älteren Person, die bereits mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

Nun liegt allerdings die Frage na§e, was die Medizinal­verwaltung in Preußen hierbei zu tun gedenkt. Die Frage, ob es zweckmäßig und notwendig ist, entsprechende Maßnah­men zu treffen, muß vorläufig aus mannigfachen Gründen verneint werden. Man würde z. B. durch sanitätspolizeiliche Maßnahmen, die eine Absonderung der einzelnen Er­krankten mit sich brächten, nichts erreichen, sondern das Pub- likuiu belästigen, da es sich ja bei der sogenannten spanischen Krankheit nicht um eine Erkrankung gefährlicher Att handelt da die daran Erkrankten schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit wiederhergestellt sind. Zudem kann bemerkt werden, daß Sonnenschein und Trockenheit dazu beittagen, die Zahl der Krankheitsfälle wesentlich zu vermindern. Daß jedoch die Erkrankungen an der spanischen Krankheit mit den der­zeitigen schlechten Ernährungsverhältnissen znsammen- hängen, davon kann nicht die Rede sein; vielmehr ist die Verbreitung der spanischen Krankheit wie überhaupt aller andern Erkrankungen nur auf die Uebertragung von Krank­heitserregern zurückzuführen.

Wem: man die 5nße m\ dm Siftuntbaniier Mi.

Ein amerikanischer Altkleiderhändler in Newyork wurde dieser Tage von einer erregten Volksmeirge zu einem Polizei­gericht geschleift, weil er, der als amerikanischer Patriot osten­tativ ein kleines, seidenes Sternenbanner im Knopfloch ttug, mit diesem ahnungslos in der Sttaßenbahn seine Brille putzte. Diese ungeheure Mißachtung der geheiligten Flagge mußte so­fort geahndet werden. Bor dem Polizeigericht erschienen meh­rere seiner Mitpassagiere als Belastungszeugen. Trotz der Be­teuerungen des Zitternden, daß er keine Vaterlandsbvleidigung im Sinn gehabt habe und daß er obendrein der stolze Besitzer einer Aktie der Freihettsanleihe und von 30 Kriegssparmarken sei, verdonnerte ihn der in seinen heftigsten Gefühlen verletzte Polizeirichter zu einer Eeldsttafe von 300 Dollar. Bei uns in Deutschland, so bemerkt dieB. Z. a. M." zu dem Geschichtchen, kann man ungestraft auf Hindenbuvg Bierseidel stellen und sich mtt sämtlichen regierende» Fürste» die Roft putze»

Ans der Heimat.

er.Hanan, 8. Juki. In dem Konkurse Über das Vermögen der Firma Hessische Flugzeugwerft Herrmann Demuth in Bruch­

kobel bei Hanau fand heute vor dem Amtsgericht Hanau di» erste Eläubigerversannnlung statt. Die vorhandenen Schulde, beziffern sich auf etwa 100 000 Mark, der Wert des Fabrik« mrwesens mtt Maschinen wird auf 300 000 Mark veranschlagt. Et« Flugzeug ist ßettiggestellt.

AuS Starkeaburg.

FC. tkberstadt, 5. Juli. In der Gemeirrderatssitzung wurde mttgeteilt, daß der Umsatz der Gemeindeapotheke in dem Rech, nungsjahr 1916-17 32 606 Matt ergeben hat Der Gewinn- antell der Gemeinde betrage 6060 Mart (im Vorjahre 50 « Mark.)

AuS Rheinhessen.

FC. Mainz. 6. Juki. Am Brückenkopf Kaftol versuchte gestern Abend eine Frau aus Wiesbaden auf einen im Fahre» begriffenen Wagen der Straßenbahn zu steigen. Sie glitt aus, stürzte zu Boden und kam mit dem Kopf unter die Räder. Der Frau wurde dabei der Kopf zerdrückt, jodaß sie sofort tot war.

Ans Hessen- Nassau.

FC. Wiesbaden, 5. Juli. Beim Bürgermeister ln Bermbach im Taunus wurden in einer Märznacht ds. Js. aus der Scheune drei Schafe im Werte von sechshundert Mark gestohlen, im Stalle abgeschlachtet und auf einer nahen Wiese Köpfe, Eingeweide, Felle und Füße der Tiere ge­funden. Einem anderen Landwirt kamen zwei Treibriemen in derselben Nacht von der Dreschmaschine weg. Mit dein Fünfuhrzug des kommenden Tags sah ein Dorfbewohner zwei verdächtige Persnen mit großen Paketen und Ruck­säcken dort in den Zug einsteigen, er erkannte den einen als den Arbeiter Wilhelm Lenz, der bei dem letzbestohlenen Landwirt erzogen worden war. Vor der Strafkammer versuchte Lenz fein Alibi nachzuweisen, das ihm aber nicht ganz gelang. Der Staatsanwalt beantragte für den Dieb, der schon nianches auf den) Kerbholz hat, eine Gefängnis- strafe von einem Jahr und sechs Monaten. Das Gericht sah diese Diebstähle, besonders in der Jetzzeit den Diebstahl der Schafe strenger an und nahm Lenz in eine Zuchthaus­strafe von zwei Jahren-und drei Monaten. Zu sechs Monaten Gefängnis wurde der 19 jährige Arbeiter Albett Baer aus Breckenheim wegen Notzucht von der Strafkammer verurteitt.

FC. Wiesbaden, 5. Juli.Sind Sie der Arbeiter Joseph Pellmeyer aus St. Ingbert?" Nein. Ich heiße Gottlob Karl Morgenstern genannt derStern von Morgen."Welcher Religion?"Alles".Wann ge­boren?"Bin nicht geboren".Was sind Sie?"Ich bin der Friedensbringer, mir ist aber meine Macht gestohlen worden." Mit solchen Antworten versuchte der 33 jährige Arbeiter Kellmeyer heute vor der Strafkannner den Ver­rückten zu spielen. Das Gericht ging aber darauf absolut nicht ein und nahm ihn kurzer Hand wegen Diebstahls eines Anzuges in der Logierherberge in Höchst a. M. in eine Ge? fängnisstrafe von neun Monaten.

FC. Wiesbaden, 5. Juli. Landgerichttctt Fusbahn von hier ist plötzlich infolge einers Schlaganfalles gestorben. Er war seit dem 1. Januar 1907 am hiesigen Landgericht, tätig, vorher in Frankfurt a. M. Seit Kriegsausbruch steht er als Hauptmann im Heeresdienst und zwar beim Be- kleidungsantt in Mainz-Kastel.

FC. Aus Niederhessen, 5. Juli. Die vier Kinder des Land­wirts und Bäckers Karl Albrecht in Volkmarsen suchten in ei­ner Lehmgrube Schutz vor dem Regen, als plötzlich sich ein« Wand von der Grube loslöjte und die Kinder verschüttete. Drei waren sofort tot, eines wurde von in der Nähe arbeitenden Larrdwirten gerettet.

FC. Wetzlar, 5. Juli. Bei einem Gewitter schlug der Witz kalt in das Pfarrhaus in Blasbach und durchschlug es vom Kamin bis zum Keller. Die Hausbewohner wurden verschont.

FC. Dorfweil, 4. Juli. Eine Fliege stach der 15jährige» Berta Löw von hier ins Auge. Es entstand M-utoergiftung und das bedauernswerte Kind erlag derselben.

Aus der Pfalz. Ein heiteres Stückchen spielte sich am Bähnchen im Speyergau ab. Das Bähnchen war wie ge» wöhniich bis zum letzten Platz mit männlichen und weibliche» Personen besetzt, die mit ihren wohlgefüllten Milchkanne« nach Hause fuhren, darunter auch eine in der ganzen Um­gegend ihres gefürchteten Mundwerkes wegen allgemein be­kannte Frau, die ebenfalls vier Schoppen Milch mtt sich führte. Auf der Station angekommen, mußte man Me schmerzliche Erfahrung machen, daß wieder einmalKon­trolle" war. Wohl oder übel lieferten die Leute ihre Milch den Hütern des Gesetzes ab. Nicht so Me oben erwähnte Frau. Als diese die Gefahr bemerkte, blieb sie ruhig rm Wagen sitzen und sing an, ihre vier Schoppen Milch zn trinken, bis sie endlich vom Gendarmen bemertt wurde. Dieser forderte sie nun auf, schleunigst herauszukommen und abzuljefern.Ehr werren doch warte kenne," war die Antwort,ich kumm schun, awer erst werd mei Millich gsoffe." Damit ttank sie den letzten Rest und verließ den Wagen.Ja," sagte sie zu den Umstehenden,hettn ehr eier Millich norre a gsoffe, do Helten se eich die rüt abnemme kenne. Wissen'r, 's war jo e bissel viel in dere Gschwindig- keil: die erschte zwee Schoppe find glatt enunner gerutscht die waren for de Dorscht, aber bei de zwee letschte Hab 1 doch e bissei dricke misse." Dabei schluckt sie und schluckt, aber vergebens, die hinuntergewürgte Milch konmtt unter dem Hallo der Umstehenden wieder zum Vorschein. Als Mes er­ledigt war, sagte die Frau zu den Gendarmen:So, bo henn'r jetzt Me Millich Widder, jetzt kennen'r je ureinctwegM beschlagncchnre."

Verantwortlich-für den politischen und lokalen Teil: OttM Hirschel. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedberg. Druck und Verlag der »Reuen Tageszeitung", A G., Friedberg i, H,