Ausgabe 
26.6.1918
 
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Nummer 147 _ WMmoch. den 36. Juni 1918 11 . Jahrgang

Di- -rlch-int jeden Werktaz. Regelmatzige BeilagenNrr Sauer aus Lessen".Die Spinnstube». Kenigspreis: Bei den Pdstanjtalten oieneljährlich Ml 2 4L

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Die Steilung des Herrn v. Kühlmunn. Heftige Kämpfe in Italien. Gejarrchulst der gefangenen

Italiener: 50000. 17 500 Tannen versenkt.

Der deutsche Generalslav meldet: ==:

M. T. K. Großes ZanptqrraeUer. den 2S. Juni. Amtlich.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Das tagsüber mäßige Artilleriefeuer wurde am Abend in einzelnen Abschnitten lebhafter. Die Erkun­dungstätigkeit blieb rege. Südlich der Scarpe und auf dem westlichen Avre-Ufer machten wir Gefangene.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Nach starker Feuerwirkung griff der Feind mit meh­reren Kompagnien auf dem Nordufer der .Aisue an. Im Gegenstoß wurde der Angriff abgewiesen.

H e e r es g r u pp e H e r z o g A l b r e cht. /*>

Die Zahl der gestrn früh von brandenburgifcher und thüringischer Landwehr östlich von Badonvillers einge- brachten gefangenen Amerikaner und Franzosen hat sich

auf mehr als 60 erhöht.

* j_

Leutnant 58 1 IItf errang seinen 20. Luststeg,

Der Erste General«,,«artier»ieister: Ludendorff.

Adendliericht.

BerNn, 26. Fun!, abends. MDB. Amtlich.) Von den Kampffronten nichts Neues.

Der österreichische Generalstad -= meldet:

Ueber 50 000 Gefangene.

Wien, 25. Juni, veilautbart:

(WTB. Nichtamtlich.)' Amtlich wird

Gestern war die Gebirgsfrant zwischen Astago und der Piave wieder der Schauplatz heftiger Kämpfe. Der Feind bot alles auf, um die am 15. Juni verlorenen Höhenstellungen zurückzuerobern. Auf dem Monte de Val Bella, Col del Roffo, Asolowe, Srlarolo und Monte Pertien wurde den größten Teil -es Tages erbittert gerungen. Die Italiener wurden überall, an mehreren Stellen durch Gegenstöße zurückgeworfen. Die vor­liegenden Meldungen schildern das über alles Lob erhabene Verhalten der an den Kämpfen beteiligten Infanterie und Ar­tillerie und erwähnen besonders die Jnfanteriereg imenter 9 (Galizisches), 53 (Kroaten), 11-1 (Ober- und Niederösterreicher), 120 (Schlesien) und das 4. Bcsnisch-Herzegowinische. Im Mon- tellogebiet und südlich davon fiel der Feind mit Patrouillen gegen die Piave vor. Im Raume von San Dona hatten die den Uferwechsel unserer Divisionen sichernden Deckungsgruppen in den letzten Tagen starke Angriffe abzuwehren. Unsere Be­wegungen vermochten auch hier planmäßig und ohne Verlust an Kriegsgerät durchgeführt zu werden. Seit dem-15. Juni büßte der Italiner über 50,000 Mann an Gefangenen, darunter etwa 1100 Offiziere ein. Die Gefamtvorluste des Feindes sind bei strengster Schätzung auf 150.000 Mann zu berechnen.

Der Chef des Gencralstabes.

Das türkische Hauptquartier ß meldet: J

Sonjtnntinopcl, 24. Juni. (WB. Nichtamtlich.) Genera stabsbericht.

Palästinafront'. Bon der Küste bis zum Jordan stelle meist lebhafte Artilleriekämpfe. Feindliche Lager und B wegungen im Jordan-Becken und bei Jericho wurden von u serer Artillerie mit beobachteter guter Wirkung beschossen. D rege Fliegertütigkeit hält an. Die Rebellen, welche die He fchasbahn nördlich von Kalats el Hefa angriffen, wurden dur unseren Gegenstoß zurückgeworfen.

Osten: Bilman am Urmia-See wurde von uns in eine Kampf mit Banden, die von unseren Feinden unterstützt wn , efetzl. Auf den übrigen Fronten ikt die Lage unveränder

17 500 Tonnen versenkt.

Berlin, 24. Juni. (WTB. Amtlich.) Unsere U-Boote haben auf dem nördlichen Kriegsschauplätze vorwiegend im Kanal wiederum

17,500 Bruttoregifterionnktt feindlichen HandelsschiffranmeZ versenkt.

Der Chef des Admirnlstnbes der Marine.

Rußland.

Eine Bewegung gegen Lenin.

Haag, 25 .Juni. Holländische Blätter erfahren aus London: Nach Meldungen au's Newyork scheint Lenin vor dern Sturz zu stehen. Man fürchtet sogar sein Leben. Es hat sich eine starke Bewegung aus antibolschewistischen und sonstigen Elementen gebildet, die auf den Sturz der maxi- malistischen Regierung hirnarbeitet. Die Moskauer Ar­beiter haben vor einigen Tagen eine Entschließung ange­nommen, worin sie einer Entschließung der Petersburger Arbeiter beitreten, die den sofortigen Rücktritt der Sowjet- regierung und die unmittelbare Einberufung der Konsti­tuante fordert. '

Die Tscheche-Slowaken in Jekaterinbnrg.

Moskau, 25. Juni. (WB.) Nach einer Meldung her Presst sollen die tschecho-slowakischen Truppen in Jekaterin­burg eingedrungen sein. In der Stadt sollen schwere Kämpfe entbrannt sein.

Ermordung eines russtichen Ministers«

Haag, 25. Juni. Aus Moskau wird gemeldet: Ser bolschewistische Minister für Presse-Angelegenheiten Bois- darski ist in Petersburg auf der Straße getötet worden.

*

Die Flucht des Großfürsten Michael. Zunehmende Unruhen.

Moskan, 23. Juni. (WB.) Die hiesige Presse meldet: Die Flucht des Großfürsten Michael aus Perm erfolgte am 15. Juni nachts. Eine Abteilung, angeblicher Roter Gardisten entführte den Großfürsten in einem Kraftwagen unter Vorzeigung eines gefälschten Sowjet-Befehls, wonach er nach Moskau übergeführt werden sollte.

Infolge der zunehmenden gegenrevolutionären Um- tnebe und Hungerrevolten wurde der Kriegszustand über Krestzy im Gouvernement Nowgorod, über das Gebiet von Perm und über Stadt und Gouvernement Ufa verhängt. Der Belagerungszustand wurde über Nowgorod erklärt. Die Lage im Gouvernenient Saratow ist besorgniserregend. Schnellste und ernste Maßnahmen zur Organisation des Selbstschutzes sind erforderlich. Die energische Beschleunig­ung der Bewaffnung und der militärischen Ausbildung der arbeitenden Klassen wird dem Exekutivkomitee des Sara- tower Gouvernements auferlegt. Ein Dienst-Telegramm von der Murmau-Bahn meldet, daß 60 Prozent der Bahn­beamten wegen des Nahrungsmangels an Typhus und Skorbut erkrankt seien. Moskau sei von jeder Verbindung mit Turkestan abgeschnitten. Nur auf Urnwegen kämen Nachrichten über die Bewegung für die Abtrennung von Rußland und über, die Autonomst. In Omsk soll Großfürst Michael an der Spitze des Gegenrevolutioänre ein Manifest an das russische Volk erlassen haben, worin er bei seiner Ab­dankung beharrt und dem einzuberufenden Semskij Sobor die Entscheidung über dst Regierungsgewalt überläßt.

Japans Eingreifen in Sibirien.

Haag, 25. Juni. Aus London meldet Hollandsch Nieuwsbureau: Aus Tientsin wird gemeldet: Nachrich­

ten aus Peking bestätigen, daß das japanische Parlament wahrscheinlich demnächst zu einer Sondersitzung zusam­mentreten soll, zpecks Verhandlung der Frage der Aus­schickung eines ExpeditionsheereZ nach Sibirien.

Ciömenceaus Schreckensherrschaft

Droit du Peuple" vom 29. Mai bringt folgenden interes­santen Bericht Ehastanets über den Kampf gegen den Defaitis­mus in Frankreich.Hört, liebe Leser es ist kein Märchen' ein flcrotn« Darredeau, Ehauffe-m ln Paris, rief vor einem

Haus, des durch ein deutsches Geschoß zerstört war:Diese

Schäden sind schrecklich." Wegen Defaitismus angezeigt, wurde er zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Der Badergehilfe Ehcroelain kam beim Einsei fer; seiner Kunden auf die Politik zu sprechen. Eines Tages behauptete er, der Prozeß Eaillau; sei ein politischer Prozeß? Folge: der Badergehilfe Ehavelain kam vor ein Kriegsgericht, das ihn zu einem Jahr Gefängnis und 1000 Frank Buße verurteilte. Auch das ist kein Märchen .... Wenn man sagt: ..Das geht nicht," riskiert man einge. - sperrt zu werden, denn es kann sich auf das Wohl des Lander l und die Kriegoperationen beziehen. Wer beim Kogelspiel oder Kartenspiel sagt'Wir sind verratzt", läuft Gefahr, denn e» kann ein Urteil über die Kriegslage sein. Wenn dir einer keir Geld leihen will, und du nennst ihn ganz einfach ein Schwein so gehts dir an den Kragen: denn nichts leichter als anzuneh. men, daß ein General oder Minister damit gemeint ist. Aber nichts zu sagen, kann dir auch gefährlich werden. Er sagt nichts) Das ist ein Boche, ein Spion, ein Schuft!"

Ein wies. sMänditts JftoiOfnt.

Brüssel, 23. Juni. Das zentralvlämische Pressebureau verbreitet in den vlämischen Blättern folgende Mitteilung: Ter Rat von Flandern hat in seiner Vollversammlung vom 20. Juni 1918 einstimmig eine Kundgebung beschlossen und beauftragt seine Bevollmächtigten, sst dem Generale gouverneur zu übermitteln:

Seit dem 3. März 1917, dem Tage, an dem der Kanzler des Deutschen Reiches unseren Abgesandten die feierliche Erklärung abgab, die deni vlämischen Brudervolk Deutsch­lands starken und dauernden Schutz auch nach dem Friedens- schlrrß verhieß, ist mehr als ein Jahr vergangen. Geftiitzt auf die starke Entwicklung, die die Idee eines freien selb- ständigen Flanderns feit jener Erklärung des deutschen Kanzlers bei uns genommen hat, hat am 22. Dezember 1917 der Rat von Flandern die Selbständigkeit Flanderns be­schlossen und damit das alte Ziel der vlämischen Bewegung erneut in feierlicher Form verbündet. Wessen Auge den Charakter unseres Vplkes zu erkennen vermag, wessen Ohr seine Stimme kennt, der sieht jetzt das Wesen unseres Volkes wieder sich durchringen, ein jubelndes Durchbrechen neu- bewußter Volkskraft. Tausende haben in den Versamm­lungen zur Neuwahl des Rats von Flandern das Recht ihres Stammes und ihrer Freiheit gefordert, viele Tausende mehr müssen noch schweigend ihre Hoffnung in sich bergen, weil die Zukunft unsicher vor ihnen liegt. In Notwehr hat das deutsche Heer den Boden unseres Landes als Feind be­treten, im Lause des Krieges aber haben die Vlamen trotz der Härten, die dieser den Bewohnern des besetzten Ge­bietes auferlegt, erkannt, daß nicht das Deutsche Reich ihr wahrer Feind r,p, sond-ern die belgische Regierung. Trotz der schwierigen Verhältnisse, in denen die besetzende Macht sich befindet, hat die deutsche Venoaltnng den Vlamen die Venvirklichung eines großes Teiles ihrer Wünsche aus dem Gebiet der Sprache, Schule und Verwaltung gebracht. Die belgische Regierung dagegen hat für alle Wünsche des vlämischen Volkes stets nur ein hochmütigesNein" gehabb Wir alle wissen, daß eine in die alte Machtstellung zurück- kehrende belgische Regierung, mag sie auch am Friedens­tische dem deustchen Protektor Flanderns goldene Brücken schöner Versprechungen für die Vlamen gebaut haben, für uns Vlamen doch nur den belgischen Haß, für unsere Kultur französischen Spott, für unser staatliches Leben englisch« Vormundschaft, und für unsere Wirtschaft amerikanisches Kapital mit arnerikanischen Gläubigern bringen wird Preisgegeben an Frankreich, an England und an Amerika würde unser Volk zerfallen, seine Art verderben, seine Ge« schichte erlöschen. In dieser tiefernsten Stunde vertrauet wir, ein Volk, das unabhängig sein will, aus Gottes Hilfe^ auf unsere unbeugsame Entschlossenheit und mrf Deutsch lands starken Willen und klaren Zukunftssinn. Wirtschaft« lich, politisch und strategisch an der Schwelle Deutschlands gelegen, weiß Flandern, daß seine Selbständigkeit eine reale Sicherung Deutschlands ist, aber auch nicht ohne Deutsch­lands Hilfe zustande kommen kann. Diese Selbständigkeit ist nur dann eine sichere und für alle Zukunft unangreifbare Grundlage unseres Volkstums, wenn sie eine politische Selbständigkeit ist, welche eigene gesetzgebende Körperschaften eigene Regierung und eigene richteriche Gewalt besitzt mrd uns ermöglicht, unsere politischen, wirtschaftlichen und kul­turellen Belange jo zu gestalten. wie die .natürliche Be-