Ausgabe 
11.6.1918
 
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Sinn nie durch Liebe Leid geschah.

Roman von Courths-Mahler.

^9) Nachdruck verboten.

"Das. ist wahr. Das Bild gibt nicht annähernd den Zauber wieder, der von ihr ausging. Hier siehst Du nur die reinen, schönen Züge. Aber dies Gesicht wurde be. zaubernd durch den belebten Ausdruck, durch das wechselnde, reizvolle Mienenspiel. Sie hatte ein wundervolles Lächeln,' und ihre Augen blickten stolz und lieblich zugleich. Sie war eine vielgefeierte und vielbegehrte junge Dame, trotz ihrer Armut, und ick habe Herrn von Birkenheim wohl verstehen können, daß ihr Verlust ihn so sehr niederdrückte und er ihr keine Nachfolgerin geben wollte. "

Hans Ullrich sah noch immer auf das Bild herab.

Sie sieht auch nicht aus, als sei sie ein treuloses Ge­schöpf."

D»e Dame nickte.

Lte-.^Meusch hätte sie dafür gehalten. Und wer kann . wissen, wie sie dazu kam, ihre Verlobung aufzulösen. Leichten Herzens hat sie es sicher nicht getan."

»Du warst wohl sehr befreundet mit ihr?"

"Nicht eigentlich befreundet. Sie war ja etwa zwölf Jahre jünger als ich, und ich war schon lange Frau und Mutter, als sie eine erwachlene junge Dame geworden war. Aber ich mochte sie immer sehr gern, und Du weißt, für schöne Menschen habe ich immer eine Schwäche gehabt. Deshalb erbat ich mir auch dies Bild von ihr. Sie brachte es mir eines Tages, gleich in diesem Rähmchen. Und ich saß ge­rade hier am Nähtisch, da hing sie eS selbst hier auf und sagte lächelnd:So liebe Frau Sabine da lassen Sie mich Gängen, damit ich Ihnen auf Ihre fleißigen Hände sehen kann. Es ist hier ein so trautes Plätzchen." Nun ich habe das Bildchen hängen lassen, und Du, mein Sohn, hast es als Jüngling so oft betrachtet und ganz in Andacht ver­sunken in das schöne Gesicht gesehen."

Hans Ullrich lächelte. |

»Ja, Mama, ich erinnere mich heute sehr lebhaft daran. Auch an das Original des Bildes. Maria von Birkenheim hatte einmal ein Kleid von duftigem Stoff, dessen Muster zarte Heckenrosen bildeten. Dazu trug sie einen breiten Florentiner Strohhut mit langen schwarzen Samtbändern und Heckenrosen garniert. Das sah wundervoll aus."

Frau von Frankenau nickte eiftig lächelnd.

Das hast Du nicht vergessen? Ja, es stimmt, Hans Ullrich, das Kleid trug sie, als sie Braut war."

Hans Ullrich lächelte vor sich hin.

Weißt Du, Mama, daß diese schöne junge Dame mit dem Heckenrosenkleid und dem Florentiner Strohhut, in dem sie ein^m Gemälde von Gainsborough glich, meine erste Liebe war, die lange eine Rolle in meinen Träumen spielte?"

Frau Sabine sah lächelnd auf und nickte.

Ob ich es weiß, mein Sohn! Mutteraugen sehen scharf. Und wenn Du hier zu meinen Füßen saßest und dos Bild an- schautest, dann habe ich Dir manchmal die Hand aufs Haupt gelegt und gedacht: Wie schön ist es, daß mein Junge in seiner ersten Herzensnot, den Weg zu mir findet. Mag es immer so sein."

Hans Ullrich küßte ihr die HanU

Meine liehe Mama! Was man so als Zunge für große Gefühle mit sich herumschleppen kann und wie glücklich man in aller Herzensnot sein kann! Aber einen guten Geschmack habe ich jedenfalls auch danmls schon gehabt nicht wahr?"

Das hast Du. Und nun schaue mir nicht zu lange in das schöne Gesicht Marias. Du weißt doch, es gibt ein franzö­sisches Sprichwort: Man kehrt immer zu seiner ersten

Liebe zurück," sagte die alte Dame lächelnd.

Hans Ullrich sah versonnen vor sich hin. Er malte sich aus, wie Christa Hellmut wundervoll aussehen müßte in solch einem duftigen Heckenrosenkleid mit einem großen Florentiner Strohhut airf dem schönen Haupt.

Er atmete ttef auf. Seine Augen brannten. Langsam hing er das Bild auf seinen Platz.

.Vielleiäst würde rch auch heute noch mein Herz an eine Frau verlieren, die Maria von Platen gleichen würde."

Meinst Du? Ein Jüngling hat aber andere Ideale als ein Mann."

Er ließ sich wieder auf den Hocker nieder.

Manchmal bleibt er auch seinen ersten Idealen tvcm bi§ er ein Greis ist." ' w

"Das will ich nicht bestreiten. Zlber jetzt würdest Du Dich kaum, wie damals, in eine Frau verlieben, die gut sechs Jahre älter war, als Du," sagte die alte Dame lackend Hans Ullricht lachte mit.

.Von dem Standpunkt aus betrachtet, hast Du nun wieder recht, Mama."

ort Mrttter und Sohn kamen nun auf ein anderes Thema. Wer Hans Ullrich behielt Maria von Platens Bild im Auge. Und als er sich dann von seiner Mutter verabschiedet hatte und in seinem Arbeitszimmer saß, um sich in Rechnungs- bucher zu vertiefen, da gaukelte vor seinem geistigen Auge ein reizendes Frauenbild. Es trug ein Heckenrosenkleid und «inen breiten Florentiner. Und unter dem Hut schärften Christa Hellmuts Züge hervor, und ihre Augen sahen ihn strahlend und leuchtend an. Um ihren Mund aber spielte das süße, bezaubernde Lächeln, und ihre Lippen bewegten sich, als sprächen sie:

Wahre Liebe kann Berge versetzen."

Er schrak empor und sah sich um.

Ganz deutlick hatte er diese Worte gehört von Christas weicher, dunkler Altstimme.

Er schloß einen Augenblick die Augen.

Christa Christa!"

Sein Herz rief nach ihr. So kurze Zeit er sie auch erst kannte dennoch schien es ihm, als habe er sie schon immer gekannt, als habe sein Herz nur der Stunde entgegen- geharrt. da es ihr liebliches Bild umschließen konnte.

Forffetzung folgt.

verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß mein lieber, herzensguter Mann, der treubesorgte Vater seines Töchter'chens, unser unvergeßlicher Sohn, Schwiegersohn, Bruder. Onkel und Schwager

.-Mv. Karl Stoffel

in einem Reserve-Jnsanterie-Regiment Inhaber des Eisernen Kreuzes 2.Kl., Hess.Tapferkettsmedaille a. des Kriegsehrenzeichens

nach treuer Pflichterfüllung fett Anbeginn des Krieges am 31. Mai infolge schwerer Verwundung im blühenden Alter von 33 Jahren als drittes Kriegsopfer unserer Familie in einem Kriegslazarett den Heldentod jürs Vaterland gestorben ist.

2n ttefer Trauer:

Hilda Stoffel geb. Sion Familie Eg. Stoffel Eg. Stoffel II.

Echzell, den 10. Juni 1913.

Keiranntmachung

Die Rechnungen

der Stadt Friedberg, des Gaswerks Frievberg, des Wasserwerks Friedberg, der Elektrizitätsanlage Friedberg,

der Schillerjchule und der Armenkaffe

für das Ja r 1916 liegen vom 12. Juni bi 5 19. Juni 1. Js. acht Tage lang auf dem Geschäfts­zimmer des Unter eichneten nir Einsicht offen, wo auch schriftliche Bemerkun en gegen dieselben em- gereicht werden können. Fr.eober.i, den 10. Juni 1916.

Der Bürgermeister 2. V.: Dam m.

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v..

Für die uns erwiesene Aufmerksamkeit anläßlich

unserer goldenen Hoch­zeit danken herzlichst

tt Kelter IX e. Frau.

Rodheim v. d. H.

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Keiranntmachung.

über den Bezug bestellter Nährmittel.

Die auf unsere Bekanntmachung vom 25. Mai ds. Js. bei den Kleinhandelsgeschäften bestellten Mengen

Haferflocken, Erleb, Kindergerktenmehl, Teig­waren, Graupen, und Suppen

können von den Bestellern vom 12. ds. Mts. ab be ogen werden. Der Bezug kann nur bei dem Geschäft erfolgen, bei dem die Be­stellung aufgegeben wurde. Dabei ist die NährmitteUarte mit vor­zulegen. Nährmittelkarten ohne die betreffenden Marken berechtigen nicht zum Bezug; einzeln abgetrennle Quittunas- und Bezugsmatten sind wertlos.

Es entfallen auf:

Nahrmittelkatte 6 (rot) Marke 42.

250 Gramm Haferslocken zu 34 Pfa.

Nahrmittelkatte B (rot) Marke 43.

250 Gramm Grieß zu 16 Pfg.

Nahrmittelkatte B (rot) Marke 44,

100 Gramm Kindergerstenmehl zu 16 Pfg., und 1 Suppen­würfel zu 10 Pfg.

Nährmittelkarte C sblau) Marke 51

. 125 Gramm Teigwaren (Auszugsware) zu 20 Pfa.

Nahrmittelkatte C (blau) Marke 52

. . 125 Gramm Graupen zu 9 Pfa.

Nährmittelkatte C (blau) Marke 53

Ä2 . _ , 100 Gramm Suppen zu 16 Pfg.

ars Gastwirtschaften zustehende Menge Suppeneinlagen

wnnen Donnerstag, den 13. d. Mts. von 89 Uhr bei uns in Empfang genommen werden.

Mit dem 15. Juni verlieren die Marken ihre Gültigkeit. Wer die von ihm bestellten Waren bis zu diesem Zeitpuntt nicht bezogen hat, verliett den Anspruch darauf.

Die Kleinhandelrgeschäfte haben die betreffenden Quittungs- und Bezugsmarken abzutrennen und getrennt nach Nummern und Farben, auf Bestellbogen aufgeklebt, bis spätestens 17. d. Mts. bei uns alpuliefern.

Bis zu dem vorstehenden Zeitpunkt, also dem 15. Juni, von den Bestellern nicht abgenommene Warenmengen sind bis zum 17. ds. Mts. anzuzeigen. Nichtbeachtung dieser Vorschrift hat den Ausschluß von dem Vertrieb der Nährmittel zur Folge.

Friedberg, den 10. Juni 1918.

Der stellvertretende Bürgermeister

(Stadt. Lebensmittel-Ausschuß) _ 2. A.: Langsdorf.

Kelranntmnchnng.

Nächsten Mittwoch, den 12 . d. Mts, verkaufen wir in der alten Post, durch die hiesigen Kolonialwarenhändler

Camembertkäse.

Bormittags

von 910 Uhr für die Nummern 501909 des Bezirks II 1011 n n n von 901 aufw. II 11-12 des Bezirks III

Für jede auf der Lebensmittelkarte verzeichnete Person werden 50 Gramm z» 23 Pfennig verabfolgt.

Die Lebensmittelkarten sind als Ausweis vorzulegen' das Geld ist abgezählt bereit zu halten.

Friedberg, den 10. Juni 1918.

Der stellv. Bürgermeister (städt. Lebensmittel-Ausschuß) _ I. A.: Langsdorf.

Mobiliarversteigerung.

Mittwoch, den 12. Juni, nachmittags 1% Uhr anfangend,

versteigere ich im Aufträge der Erben von dem verstorbenen Rentier Ludw. Falk im Hause Kaiserstr. Nr. 32 gegenüber der Reichskrone reiwillig gegen bare Zahlung:

1 Pianino mit Stuhl, 2 Sofa, 2 Sessel, 1 Kleider- schrank, 1 vottft. gutes Bett, 1 Regulator, 1 silb. Taschenuhr, Spiegel, Bilder, Vorhänge, Gallerten, Vorlagen, IBadeofen, 1 Badewanne, Tische, Stühle, 1 Nachtschrank mit Marmorpl. 1 kleinen Schrank, 1 Waschtisch mit Marmorpl., Gläser, Porzellan, 1 GaSherd, 1 Ofenschirm, 1 Kommode und noch sehr vieles andere.

Nuppel,

beeid. Taxator und Auktionator.