Ausgabe 
11.6.1918
 
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besser gelingen wird, je kühner es angefaßt wird. Aber es gilt noch unendlich viel Mißtrauen zu überwinden, wenn auch nur dies Mindeste von unserer Verbrauchermehrhert angenommen werden soll. Darum wollen wir uns mit der Einfügung dieses einzigen neuen Grundsatzes begnügeru Geordnete Erfassung einer bestimmten Menge, daneben und dahinter etwas mehr Freiheit, aber wirkliche Freiheit in Produktion und Verkehr!

' Die Führer der Landwirtschaft sind es gewesen, welche der Reicksregierung das Ziel der Fixierung der Brotpreise im Interesse der minderbemittelten Bevölkerung gezeigt haben. Will man heute ihren Rat nicht hören, da sie eine gewisse Aenderung in der Technik für nötig halten? Was früher dem Volke eine Wohltat war, wird jetzt zur Gefahr. Das ist es, was wir aussprechen müssen. (Deutsche Tages­zeitung.)

Wir ßüüfrn hlidrn Keine Kundedeinnl.

Lebhafte Beschwerden und Klagen wurden im weimarischen Landtag von den bäuerlichen Vertretern vor­gebracht. Es ist die alte Geschichte: Verweigerung des Zuckers bei ungenügender Eierabgabe, Riesengewinn der Kommissionäre: so ^wurde ein Fall vorgebracht, daß das Einkommen des Hauptvieheinkäusers im Neustädter Kreise zwölf- und sünfzehnmal so hoch sei wie das des. Staats­ministers. Dabei erfolge die Zahlung an die Landwirke erst nach langer Zeit, so daß es den Eindruck macke als ob sich die Kommissionäre auch noch an den Zinsen bereichern wollten. Ein Redner schloß seine Rede mit den Worten: Vergessen Sie eines nicht, Herr Minister, wir Bauern haben keine Hundedemut, wir lecken die Hand nicht, die uns mit der Peitsche schlägt. Geh. Staatsrat Dr. Unteutsch erklärte in seiner Antwort u. a., der Unwille der Bauern allein könne kein Anlaß für die Regierung zum Einschreiten sein. Natür­lich, wenn es sich um Sozialdemokraten handeln würde, dann möchten wir Herr Unteutsch ein böser Name! dienern sehen!

Gimsehöchstpresie 1918.

Aus dem Kriegsernährungsamt:

Entsprechend der vorjährigen Regelung hat das Krieasernähmngsamt auch für das laufende Jahr durch eine im Reichsgejetzblatt Nr. 61 veröffentlichte Verord­nung Höchstpreise für lebende und geschlachtete Gänse festgesetzt. Die Preise entsprechen, soweit es sich um die Erzeugerpreise handelt, den vorjährigen Sätzen und bringen nur hinsichtlich der Handelszuschläge eine durch die Steigerung der Handelsunkosten gerechtfertigte, mäßige Erhöhung. Für lebende Gänse, die regelmäßig als Magergänse zu Mastzwecken veräußert werden, sind die Preise zeitlich abgestujt. Sie betragen:

im Mai .... 12 Mk. für das Stück im Juni . . . . 14

inx -^vli » ... 16 n n n

im August . . . 17

und später . . . 19

Der Handel darf zu diesen Preisen jeweils einen Betrag bis zu 3 Mk. einschließlich der Besörderungs- kosten zuschlagen. Der Preis für geschlachtete Gänse ist einheitlich nach Gewicht bemessen: er bewegt sich zwischen 3,50 Mk. (Erzeugerpreis) und 4.50 Mk. bezw. 4.75 Mk. (Kleinhandelspreis) für das Pfund. An der Be­fugnis der Landeszentralbehörden, niedrigere Höchst­preise sestzusetzen, und auch für lebende Gänse den Ver­kauf nach Gewicht vorzuschreiben, ist nichts geändert. Ebenso bleibt die bisherige Zuständigkeit der Einzel­staaten, Höchstpreise für Eänseteile und Erzeugnisse aus Gänsefleisch festzusetzen, unberührt.

Die Rücksicht auf unsere Getreide- und Kartoffel- wirtschast zwingt auch in diesem Jahre dazu, die ge­werbsmäßige Mästung von Gänsen, für die weder Körnersutter noch Kartoffeln zur Verfügung gestellt werden könnnen, nur solange zuzulassen, als sie durch Ausnutzung der Stoppelweide möglich ist. Da diese Möglichkeit nur bis höchstens Ende Oktober zu bestehen pflegt, ist diesmal die entgeltliche Abgabe geschlachteter Gänse durch den Züchter oder Mäster beteits vom 1. No­vember 1918 ab untersagt. Der Verkauf lebender Gän­se nach diesem Zeitpunkt könnte nur zu dem erheblich niedrigeren Preise für Magergänse erfolgen und wird daher ohnehin unterbleiben.

' Parlamentarisches ans Hessen.

RMK. Darmstadt, 9. Juni. Ein von sämtlichen Abgc ordneten Unterzeichneter Antrag der Abgg. Adelung, Brauer, Henrich, Dr. Schmidt und Stephan betr. die Rück­vergütungen an die hessischen Zeitungen ist an die zweite Kammer gegangen. Es wird däriü beantragt: Die Kammer wolle befckließen, die Regierung zu ersuchens den Hessischen Zeitungen in demselben Umfange, und für dieselbe Zeit Rückvergütungen auf Zeitungspopier zu gewähren, wie dies in den Bundesstaaten Preußen, Bayern, Württemberg und Baden geschieht.

Die Abgg. Köhler und v. Brentano haben eine Anfrage an die Negierung gerichtet, in welcher sie zu der Zentraü- fierung der Kriegswirtschaft in Berlin und baldtunlichfte Be­seitigung der Zwangswirtschaft seitens der Behörden, ins- besonderes auf die von den südwestdeutschen Handels­kammern in Frankfurt a. M. einstimmig angenommenen Entschließungen hierzu Stellung nehmen und anfragen:

Welche Stellung nimnrt die Gr. Regierung zu diesen Entschließungen ein?" 5 . *

Zur Ludendorff Zpende!

Zum dritten Male, seit der Lenz begann,

Stieß deutsche Sturmkrast durch die Feindesreihen, Zerbrach das herrlich sieghaft deutsche Heer Zum dritten Male des Westens trotz'gen Wall Und schlug aufs Haupt des Vielbunds Divisionen Mit unveßgleichbar fürchterlicher Wucht. Unglaubliches ist wiederum vollbracht!

Die Front durchdrungen und der Feind geworfen. Der Schlachtenbeute unermeff'ne Fülle An Mannen. Wagen, Roß und Troß,

Welch eine Wundertat des deutschen Schwertes 1 Ein frommer Schauer rieselt durch die Adern Und heißer Dank loht auf euch Siegeshelden,

Die ihr mit Gott das stolze Werk vollbracht:

Hindenburg! Ludendorff!

Nie sah die Welt solch Heldenzwiegestirn So kraft- und glutvoll wie des Mittags Sonne, So reich und stark an deutscher Mannestugend, An hoher Wüsheit wie an scharfen Sinnen,

An heilgem Ernste ungeschmückter Worte,

An klarem Wägen und an kühner Tat,

So unerbittlich in des Sieges Willen.

So heißgeliebt von jedem deutschen Herzen.

Hindenburg! Ludendorff!

Run rief dich Ludendorff, mein deusches Volk,

Wie allzeit e.ins mit seinem großen Meister,

Auf daß vor Gott Du und der Welt bekennst,

Ob du des Heilgen deutschen Namens wert Von dem, was blutend deine Heldensöhne Dir treu beschirmt im grausen.lenkampf,

Von Deinem sicheren Besitze sollst Du bringen Ein blutlos Opfer heilgec Dankesschuld.

Daß, die dich retteten, nicht darben müssen,

Nicht klagend einst vor Gottes Richtstuhl stehn. Das ists, was Ludendorff mit edlem Sinnen Für seine todesmutgen Helden heischt.

Wer diesem Ruf die Seele kann verschließen,

Der ist nicht wert, daß deutsche Luft er atme,

Der ist der Größe seiner Zeit nicht wert!

Wohlan drum, eh die rasche Frist zerronnen,

Zu deutscher Tat laßt euch die Namen spornen:

Hindenburg! Ludendorff!

Nidda, den 6. Juni 1918.

R o e m h e l d.

Ehre ihrem Andenken.

Friedberg. Dem Schützen Friedrich Dönges würde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen. Der Tapfere ist schon seit 3 Jahren ständig in der vordersten Linie, erst im Osten und dann im Westen, wo er die Ofsensioe an der Somme mitmachte und schwer verwundet wurde. Die oben­erwähnte Auszeichnung wurde chm ins Lazarett nachge­schickt. *

Blofeld. Der Fahrer Albrecht Schultheis bei einem Feld-Artl.-Regt. erhielt wegen besonderer Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Die Hes­sische, Tapferkeitslnedaille erhielt er schon früher.

Ans der Heimat.

sr. Bergen, 8. Juni. Im Januar gingen bei der Gendarmerie in Bergen und bei der Staatsanwaltschaft zu Hanau zwei unterschriftlose Anzeigen ein, wonach bei dem Metzger Moritz Hahn, in Bergen eine Geheimschlächterei be­stehe. Es würden wöchentlich mehrere Stücke Vieh ge­schlachtet und das Fleisch heimlich in großen Körben offen­bar nach Frankfurt geschafft. So stand es in den Briefen. Die Behörden griffen natürlich ein, und es wurden tatsäch­lich auch ein geschlachtetes Rind, von dem bereits ein be­trächtlicher Teil fehlte, sowie eirx lebender Bulle, der mit ver­bundenen Augen offenbar der Schlachtung harrend im Schlachthause gefunden. Die weiteren Ermittelungen führ­ten zur Erhebung der Anklage gegen Hahn weil er dem Ver­bot zuwider Schlachtvieh in den Landkreis Hanau einge­führt und Fleisch ohne Marken abgegeben habe. Ter An­geklagte gab in der Schöffengerichtssitzung in Bergen zu die beiden Rinder in der Hanauer Vorstadt von einem Un­bekannten, aber nicht zu Schlacht- sondern zu Zuchtzwecken gekauft und sie ohne Einfuhrerlauünis nach Bergen gebracht zu haben. Da das eine Tier nicht fraß so Hube er es schlachten müssen. Ohne Fleischmarken habe er aber kein Fleisch abgegeben, sondern das Fleisch nur auf Marken an die Bevölkerung in Bergen verkauft. Er habe in dieser Lebensmittelperiode 120 Fleischmarken mehr abgeliefAt, als er hatte abzuliefern brauchen. Da der als Zeuge erschienene Bürgermeister diese Angabe nicht ohne weiteres zu wider­legen vermochte, dies Moment dem Gerichtshöfe aber äußerst wichtig erschien, so wurde die Verhandlung vertagt.

Hochstadt (Kreis Hanau). (Aepfelwein und Gansbraten.) Bei einer Hochstädter Aepfelweintour ließ der Schulpedell Joseph Einmuth aus Frankfurt die Zuchtgans des Wirtes Wilhelm Rauch im Werte von 70 Mk. nritgehen. Das Verschwinden der Gans wurde gleich be­merkt uird auf dem Bahnhof der Dieb ermittelt. .Er sagte, beim Heraustceten nach dem Hofe habe die Gans aus dem Stalle gesehen und er habe ihr aus Versehen mit der Tür den Kopf abgedrückt. Da dies Malheur nun einmal ge­

schehen, habe er die Gans gleich mitgenommen. Der Spass kostete den Einmuth 2 Wochen Gefängnis.

Oberroden. Die von amtlicher Stelle s. Zt. gemeldete Meldung über einen Einbruchsdiebstahl in der Bürger- meisteret Oberroden, die zunächst dementiert winde, scheint sich in anderer Weise aufzuklären. Wie wir vernehmen, hat sich der größere Teil der dem Beigeordneten (der dr, Bürgermeistereigeschäfte versieht) angeblich gestohlenen nam. haften Geldbeträge wieder aufgefunden, sodaß sich voraus, sichtlich die ganze Angelegenheit auf andere Bahnen lenkt, wenn sie auch vorerst nicht ganz geklärt erscheint.

Aus Starkenburg.

RMX. Darmstadt, 6. Juni 1918. Der Bürovorsteher des hiesigen Polizeiamtes, Polizeiseb-etär Wilh Kaiser begeht am Samstag, den 8. Juni den Tag, an dem er vor 50 Fahren in den Staatsdienst eintrat. Im Jahre 1854 zu Dorn-Assenheim bei Friedberg in Oberhessen geboren trat er im Jahre 1868 in Vilbel in das Steuerbüro ein, kam dann auf die Kreisamter Dieburg und Heppenheim a. B. Im Jahre 1883 kam er auf das Polizeiamt nach Darmstadr als Leiter des Polizeibüros, wo er sich allgemeiner Achtung und Wertsckätzung erfreut. Möge der in geistiger Frische seinen Dienst versehenden Jubilar sich noch recht lange einer guten Gesandheit erfreuen.

RMK. Darmstadt. Allgemeines Aufsehen erregen in hie­sigen Kreisen die Begleitumstände des in diesen Togen durch Einnehmen von Salzsäure nach qualvollen-Leiden erfolgten Selbstmordes der etwa 38 Jahre alten Frau eines hiesigen Schlossermeisters. Der Ehemann hat vor einigen Jahren das gutgehende Geschäft seines Vaters übernommen. Als seine Frau krank wurde hatte der Mann sich eine Buch­halterin angelegt, mit der er /n sehr intimen Beziehungen . gelebt haben soll, sodaß die unglückliche Frau> als ihr die deshalb fortwährend herrschenden Fomilienzwistigkeiten unerträglich wurden und die Buchhalterin nicht wich, ihrem Leben durck Salzsäure ein Ende machte.

RMK. Me siel. In dem Betrieb der Gewerkschaft Mesiel bei Darmstadt, die aus geförderten Braunkohlen, Oel und ölhaltige Stoffe aller Art herstellt, brach gestern Nacht ein großer Brand aus wodurch der Inhalt eines etwa 15 Hek­toliter großen Behälters verbrannte. Durch energisches Eingreifen der Feuerwehren konnte größerer Schaden ver­hindert werden. Der Betrieb ist nicht gestört.

Ans HesienNasiau.

Homburg v. d. H., 6. Juni. (Gefängnis für Geheim­schlachtungen.) Ein hiesiger Arbeiter mit sehr starker Familie hatte sich in einem Nachbarorte für 1500 Mark eine Kuh beschafft und sie-zu Hause geschlachtet. Das Fleisch hatte er zu 2.50 Mark das Pfund verkauft und nur das Feti für sich behalten. Bei der Haussuchung fand man zwei Kuh­häute und das Fett. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten wegen Vergehens gegen die Schleichhandels­bestimmungen zu drei Wochen Gefängnis.

FC. Biedenkopf, 6. Juni. Der Landrat des Kreises Dr. Daniels ist als Geheimer Oberregierungsrat und vor- tragender Rat in das Reichsschatzamt berufen worden.

Aus Rheinhesien.

207,200 Mark für ein Stuck Mein.

Mainz, 9. Juni. Die am letzten Freitag hier abge­haltene Weinversteigerung der Großh. Hess. Weindomäne brachte ein Ereignis, das im gesamten deuffchen Weinhandel bis heute unerreicht dasteht. Für ein Viertelstück 1915er Nackenheimer Rotenberg Beerenauslese wurden 51,800 Mark erzielt, also 207,200 Mark für das Stück. Die Flasche von diesem kostbarenGöttertrunk" stellt sich mithin auf 172 Mk., ein Preis, der allerdings nur für wenige Sterbliche zu er­schwingen sein wird. Käufer ist die Finna Groß zu Bingen.

Stack i. Rheinh., 6. Juni. In hiesiger Gemeinde wurde in letzter Zeit eine ganze Reihe schwerer Einbruchsdiebstähle ousgefühct wbei eine große Menge Wasche. Kleider, Schuh­werk und Lebensnüttel aller Art den Spitzbuben in die Hände fiel. Alle Nachforschungen nach den Tätern blieben erfolglos. Da entdeckte die Polizei dieser Tage im Wald­ein Versteck, das deutliche Spuren einer Diebsherbertze auf- wies. Bei näherer Untersuchung entdeckte man einen un­scheinbaren Fetzen Papier, der die Adresse eines Mainzer Althändlers enthielt. Diese neue Spur führte rasch zur Entdeckung der Täter, als welche zwei Damen und zwei Herren in Betracht kommen. Die saubere Gesellschaft wurde wfort verhaftet und hinter Schloß und Riegel gebrackt. Der Wert der gestohlenen Sachen beläuft sich auf mehrere tausend Mark.

Kirchliche Nachrichten.

Gottesdien st in der Stadtkirche. 'Mittwoch, 12. Juni, abends 8*4 Uhr: Kriegsandacht.

Herr Pfarrer Kleberger.

Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Mittwoch, 12. Juni, abends 9. Uhr: Kriegsandacht.

ArbkilsMlktliiiMtt

dev Kreisarl»ett»nachweikes u. d. HUfs-ienftrrrel-estelle Frirdbers-

Offene S tel len r

Mehrere Fabrikarbeiter und -Arbeite :ouen, mehrere Platten­leger für Baugeschäft, 1 Knechtefamilie, 9 Knechte. 2 Arbeiter­familien, 1 Schäfer, 1 Nachtwächter, 5 Tagelöhner, 2 Heizer, 1 Müller. 1 Wärter, 2 Lehrlinge. 1 Hausbursche, 8 Dienstmägde» 10 Hausmädchen, 1 Flickerin, 1 Lehrmädchen.

EteHenfuchender

Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 1 Büroftäulein.

Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche l, Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyn er. Fnedberg. Druck und Verlag der »Neuen Tageszeitung-, A- G Friedberg j, &