rnrt alledem efntrcte, seien die Verbündeten sick'er, den deutschen Vormarsch aufzuhatten. Aber es sei unumgänglich nötig, dem Leinde kein weiteres Gelände mehr abzutreten.
Ein neutrales Urteil.
Rotterdam, 4. Juni. (WTV. Nichtamtlich.)" Der „Nieuwc Notterdamfche Courant" schreibt zu der deutschen Offensive: Es ist vorläufig für die Entente, besonders für die Franzosen, beruhigend, daß die Deutschen aufgehalten werden, bevor sie noch gröbere Vorteile errungen haben. Es ist aber auch so gerade schlimm genug. Der Gewinn hat dieselben Matze wie die Offensive bei St. Quentin. Während des Stillstandes nach der Flandernschlacht hörten wir gar cft die Versicherung, datz die Ententetruppen jetzt auf alles vorbereitet seien, daß sie dank ihrer Ileberlegenheit in der Luft ausgezeichnet über alles, was der Feind beabsichtige, unterrichtet seien, endlich, datz Foch mit einem großen Gegenschlage überrasck)en werde. Aber die Tatsache zeigte, daß eine Gegenoffensive unmöglich war, daß man sich aufs Abwarten beschränken mußte, daß der Angriff einen Punkt traf, an dem nmn ihn am wenigsten erwartete, und daß die Heeresleitung der Entente keine Ahnung von den Plänen des Feindes hatte. Da die Alliierten keine Gegenoffensive während der ersten Pause haben unternehmen können, da es ihnen nicht gelungen ist, während der zweiten Offensive die Lage zu ihren Gunsten zu ändern, und da sie sich auch zum dritten Male haben überrasck)en lassen, ist zu furchen, daß sie auch während der nun zu erwartenden Pause nicht viel ausrichen werden, und daß sie in Unsicherheit abwarten müssen, ob die Deutschen nach einiger Zeit wieder mit einer dritten und vierten Offensive Hervorbrechen werden, die vbenso erfolgreich sind wie ihre früheren Offensivem
Die Krschicjflmg van Daris.
Täglich 40 Granaten.
Schweizer Grenze, 5. Juni. Wie aus Paris berichtet wird fallen dort jetzt täglich etwa 35 bis 40 feindliche Granaten. Bei der ersten Fernbeschießung wurden täglich «JO Granaten gezählt, die sich auf 15 Granaten erhöhten und bei der neuen Wiederaufnahme der Beschießung auf 36 Granaten.
Die französische Regierung hat weiter die Fortschvsfung der bürgerlichen Bevölkerung aus der Kriegszone ange- ordnet. Die zu räumenden Ortschaften werden mit Reserve, truppen belegt.
Ter Militärgouverneur von Paris hat am Sonntag eingehende Bestimmungen übet- den Verkehr in Paris er- lassen. Man sieht darin das erste amtliche Zugeständnis der Bedrohung des Seinedepartements,
Rußland.
Die Kämpfe iu Ostasien.
. London, 4. Juni. (WB.) Reuter erfährt auS Peking: Semenows Artillerie wurde durch Vernichtung der Brücke über den Onon aufgehalten, sodaß er nur imstande war kleine Kavallerieabteilungen auszuserrden, um die Eisenbahn tie an Karinskaja vorüberführt, zu besetzem Da die Bol- -chewiki in Tschita so wenig Widerstand fanden, nahmen sie Jngoda und warfen Semenows Abteilungen über das rechte User de§ Onon zurück. Eine Kavallerieabteilung rückte aus dem Amij,gebiet zwischen Silka und Argoon vor und bedroht Semenows Verbindungen
Rumänien.
Bukarest, 4. Juni. (WB.) Meldung des Wiener Tele-
gravheu-Korrespondenzburcaus. Die rumänische Negierung bat angeordnet, daß die von der früheren Negierung über das Vermögen von Ausländern eingesetzte Zwangsverwaltung, die noch nicht ordnungsgemäß Neckvnschaft über ihre Der- waltung abgelegt hat, in den Anklagezustand versetzt wird.
Kßnist frnnffontin wieder rrhranhf.
. , ^ch einem Basler Telegramm der „Deutschen Ztg? ist König Konstantin neuerdings an einem Brust- und Herz- leiden erkrankt.
Griechenland als Feind.
Sofia, 3. Juni. Das „Echo de Vulgarie" bespricht die griechischen Angriffe auf das Lumaplateau und schreibt:
Der müßige, wir möcksten sagen skandalöse Streit um die' Frage, ob Griechenland im Kriege ist, muß aufhören. An den Wardar-Ufern fallen Vulgaren und Deutsche Seite an Seite unter griechischen Kugeln, griechisch^ Divisionen, die von der Entente ausgerüstet sind, greifen die von Bul- E garen und Deutschen gemeinsam gebauten und verteidigten Stellungen an. Wenn das kein Feind ist, so muß man eine neue Definition und neue Formeln für Krieg suchen. Die mazedonisch Kämpfe sind eine Ergänzung der Kämpfe an der Westfront. Sie bekräftigen mit Blut die Einheit der Front, die gemeinsanien Ziele und Interessen von Freunden und Feinden.
Holland.
Die Gctreidczufnhr aus Amerika.
Washington, 3 Juni. (WB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die niederländischen Dampfer „Stella" und „Java", die vor einiger Zeit die Erlaubnis bekamen, für Holland Getreide landen zu dürfen, werden, obwohl sie zur Ausfahrt bereit sind, auf Anordnung der Reeder nicht aus- fahren. Diese Maßnahme ist bezeichnend für die Hilfsmaß. nahmen der Vereinigten Staaten für die Versorgung Hollands. Außer dem von den beiden genannten Dampfern geladenen Getreide liegen noch mehr als 15 000 Tonnen feit zehn Tagen in amerikanischen Häfen für Holland bereit.
ÜFtialanb „kan Fmdenshin'sttliis".
Rotterdam, 5. Juni. Aus London wird gemeldet, daß Lord Cecil in Vertretung Lloyd Georges die Vertreter einiger Gewerkschaften, darunter der Hafenarbeiter, empfing. Er gab ihnen die Erklärung ab. datz Frankreich keinen Grund zu einem Friedensschluß haben werde, da England seine ganze Kraft für Frankreich einsetzen werde. England werde aber im übrigen kein Hindernis für einen Frieden sein. In den Kreisen der Alliierten sei die Hoffnung aus eine baldige Beendigung des Krieges vorhanden.
Ablehnung direkter önnbeskeuern in der Zchwej,
In der Schweiz fand die Volksabstimmung über das von 115 000 Bürgern Unterzeichnete, von der sozialdemokratischen Partei gestellte und von einem Teil der linksstehenden bürgerlichen Parteien unterstützte Volksbegehren auf Einführung einer direkten Bundessteuer auf Cinkom- men von 5000 Franken an und Vermögen von ‘-'0 000 Franken an. statt. Das Volksbegehren wurde mit einer Mehr-
Wem nie M Liebe Leid gejchch.
Roman von Courths -Mahler.
20) Nachdruck verboten.
„Zwischenstufen läßt wohl Dein Instinkt nicht gelten?"
Sie lachte.
„Darauf reagiert er nickst. Was so dazwischen hin- und herpendelt, das sind eben Durchschnittsmenschen, nicht gut und nicht böse."
Er streichelte über ihr goldblondes Kraushaar.
„Also kann ich miä) der beruhigenden Sicherheit hingeben, daß Fräulein Hellmut km Greuel ist," neckte er.
Sie zuckte die Achseln.
„Das kannst Du gewiß! Mach Dich nur lustig über mich, Hans Ullrich. Du denkst natürlich, ich bin noch ein dummes Baby und weiß vom hellen Tag nichts. Aber Du irrst, i(/, besitze viel Menschenkenntnis. Und ich gehe jede W'.'tte rm 1 Dir ein, daß Fräulein Christa Hellmut ein wahrhafter Adelsmensch ist, wenn sie auch nur einfach Fräulein Hellmut heißt." ,
"Woher weißt Du denn, daß sie Christa heißt?" fragte Haus ^Ulli ich Er hatte Christas Vornamen noch nicht gehört
,,^as ist doch einfach — sie hat mir ihren Vornamen selbst genannt, weil ich sie darum bat. Findest Du nicht, daß er sehr hübsch) klingt und gut zu ihr paßt?"
Er lächelte. „Wenn ich nein sage, bist Du mir doch voie," erwiderte er ablenkend.
„Ach, Unsinn, Hans Ullrich, so bin ich doch nickst. Es darf doch jeder eigene Meinung haben. Und ich bin nun einmal ganz vernarrt in Fräulein Hellmut und bleibe dabei daß sie ein Adelsmensch ist. Mamusckcka hat mir so oft ge- sagt, daß der Adel der Geburt nur ein glücklicher Zufall ist, aus den sich kein Mensch etwas einbilden darf, wenn er auch da,.tr dankbar sein muß. Aber der Adel des Herzens, der Gesinnung, das ist der richtige, und darauf kann man swlz sem. Ohne diesen Herzensadel ist der feudalste Aristokrat tin Plebejer. Barone^ Karla ist kein Adelömensch^ trotz
ihres Titels und ihrer vornehmen Geburt, aber Christa Hellmut ist einer, da verlaß Dich drauf."
Hans Ullrich zog seine Schwester fest in seine Arme.
„Kleine Weisheit, ich mache mich gewiß nicht über Dich lustig. Es freut mich, daß Du eine so lobenswerte An- schauung vom wahren Adel hast. Unsere liebe, herrliche Mutter hat reckt getan, Dir das Wesen desselben so zu erklären. Ich wollte, unsere Vorfahren hätten auch so gedacht, dann gäbe es keine törichten Majoratsbedingungen, die mich knebeln."
Ursula nickte.
t „Du meinst die Bestimmungen, die Dir bei der Wahl Deiner künftigen Frau vorgeschrieben sind?"
„Ja, Urselcken, die meine ich."
„Ich finde sie auch sehr töricht. Denke mal, wenn Du Dich zum Beispiel in dieses entzückende Fräulein Hellmut verlieben würdest, was doch wahrhaftig kein Wunder wäre,
■ dann dürftest Du sie natürlich nicht heiraten."
Er sah starr vor sich hin.
„Ja, das wäre so ein Beispiel."
Ursula wurde auch nack-denklich.
„Zu dumm! — Und diese garstige Karla zu heiraten, verbietet Dir kein Gesetz. Da siehst Du, wie dumm so \dyt Bestimmungen sind. Ach weiß Du, Hans Ullrich, wenn ich ein Mann wäre, in Fräulein Hellmut würde ich mich blindlings verlieben und sie vom Fleck weg heiraten."
Er streichelte ihre Wangen.
„Vorausgesetzt, mein Urselchen, daß Du nicht Majorats- herr von Frankenau wärst. Aber nun muß ich Dich der- lassen, mein Kleinchen, ich will Mama aufsuchen."
„Da komme ich natürlich mit." v
Er hielt sie zurück.
„Nein — komme jetzt nicht mit, ich möchte mit Mama allem sein."
>,Ach — habt ihr Heimlichkeiten?"
„Nein. Ich will Dir sagen, was ich mit Mama besprechen will, dann wirst Du mich gehen lassen."
heit von rund 40 000 Stimmen abgelehnt. Die industriellen Zentren der deutschen Schweiz stimmten dafür, während ländliche Kreise, vor allem die romanische Schweiz, gegen das Begehren stimmten, hauptsächlich weil eine dauernde direkte Bundcssteuer als Gefahr für das selbständige poli- tisch'e Leben der Kantone betrachtet wird, da direkte Steuern bisher ausschließlich den Kantonen als Haupteinnahmeguelle Vorbehalten waren, während der Bund seine Ausgaben aus indirekten Abgaben (hauptsächlich Zolleinnahmen) bestritt.
Die „Deutsche Tageszeitung" bemerkt hierzu:
Die von 'der Sozialdemokratie eingebrachte Bundes- steuer-Jnitiative, der Antrag auf Schaffung einer dauernden Bundeseinkommen- und Vermögenssteuer ist damit durch die denkbar demokratischste Entscheidung dem Volkswillen zum Opfer gefallen. Das schweizerische Beispiel ist darum besonders interessant, als, natürlich in verkleinertem Maß» stab, die Verhältnisse dort ähnlich liegen, wie in Deutschland. Hier der Kamvf zwischen Reichstag und Bundesregierungen um die Aufrechterhaltung der 'finanziellen EristenzfähigkcO. der Einzelstaaten,, dort der gleiche Gegensatz zwischen oer Eidgenossenschaft und den Kantonen. Gegen die dauernde Ausfolgung direkter Einkommens- fund Vermögenssteuer an den Bund werden alle die Argumente ins Feld geführt, die auch in Deutschland geltend gemacht werden . Man wird die Schweiz und insbesondere die geistesverwandte romanische nicht gerade als Hort der Reaktion ansehen wollen. Und sollte sich daher nach dieser neuesten Lehre aus der Schweizer Steuergesetzgebung — es ist nicht die erste — endlich dazu aufschwingen, Steuersragen nicht unter die Herrschaft starrer Parteidogmen zu stellen und den politischen Gegner in solchen Dingen eigennütziger Jnteressenpolitik verdächtigen. Sollte darüber hinaus aber auch sachlich dis Gründe auf fick wirken lassen, die dazu führten, daß in der Schweiz gerade auf Grund des souveränen Volkswillens, wie er im Referendum zum Ausdruck kommt, genau entgegengesetzte Wege in der Abgrenzung der Steuerguellen gegangen werden, als man sie auf der Linken in Deutschland eingeschlagen sehen will.
Deutscher Reichstag.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Lesung zur Abänderung des Gesetzes betreffend die Gewährung einer Entschädigung an die Mitglieder des Reichstages. Danach sollen die Abgeordneten statt der bisherigen 3000 Mark 5000 Mark erhalten. Dementsprechend soll auch bei Versäumniffen ein höherer Betrag, statt 20 Mark 30 Mark in Abzug gebracht werden.
Abg. Dove (Bpt.) empfiehlt die Bewilligung einer Aufwandsentschädigung für den ersten Präsidenten.
Abg. Gras Westarp (Kons.): Wir wünschen nicht, daß der rein ehrenamtliche Charakter des Präüdenten- posten irgendwie beeinflußt wird. Auch zur Zeit der größten Sparsamkeit und der persönlichen Einschränkung glauben wir nicht diesem Gedanken zustimmen zu können.
Staatssekretär Wallraf: Ich glaube hoffen zu dürfen, daß wir dem Grundgedanken beistimmen können.
Die Vorlage wird in sofortiger zweiter und dritter Lesung einstimmig angenommen.
Danach wird die Aussprache über
Belagerungszustand und Zensur
forgeseht.
Abg. Cothein (Dpt.) schimpft über die Vaterlandspartei.
General v. Wrisberg: Daß von den Militärstellen der Versammlungsfreiheit entgegengearbeitet würde, trifft nicht zu. Es haben im letzten'Jahre 8011 Vev sammlungen stattgesunden. Verbo ten waren 99 Vev
>,Nun?" ~
„Ich will ihr sagen, daß ich Varoneß Karla nicht heiraten werde."
Sie küßte ihn stürmisch
„Ja Du — da lasse ich Dich gern mit MamuMa allein. Ach, bin ich froh, daß Du es nicht tun willst! Dieser Freude muß ich Ausdruck geben. Weißt Du, was ich jetzt tue?"
„Nun?"
„Ich bettle mir von Fräulein ein Körbchen mit Leckereien und die verteile ich an Mamuschkas Waisenkinder."
„Mamuschkas Waisenkinder? Was ist denn das?"
„Davon weißt Du wohl noch gar nichts! Mamuschka hat dock) drüben im Park, im alten Kavalierhaus, die vier Dorfwaisen, lauter kleine Mädels, unterbringen lassen. Sie läßt sie dort auf ihre eigenen Kosten großzielien. Deine alte Amme Dörte führt die Aufsicht über die Kinder, lehrt sie allerlei, auch Haus- und Gartenarbeiten. Sie hoben hinter dem Kavalierhaus ein eigenes Gärtchen, in dem sie alles allein besorgen. Sie besuchen natürlich die Dorfschule, und ick gebe ihnen jede Woche zweimal Unterricht in Hand-' arbeiten. Jawohl, ich bin Respektsperson — aber freilich manchmal tolle ich auch mit den Kindern herum. Du glaubst nickst, wie sie an mir hängen! Es ist jedesmal ein Jubel, wenn ich komme. Aber ich bringe ihnen auch immer etwas Gutes mit. Heute sollen sie nun eine besondere Leckerei haben, weil ich froh bin, daß Du Karla nicht heiratest."
Hans Ullrich sah lächelnd in ihr rosiges Gesicht.
„Nun. dann beglücke also die Waisenkinder. Wie alt sind sie denn?"
„Zwischen sechs und zehn Jahre, lauter Flachsköpfe. Zwei sind Geschwister, das jüngste und das älteste. Du mußt sie Dir einmal ansehen. Ich werde Dich bei ihnen ein* führen, dann bist Du einer guten Aufnahme sicher,"
Er lachte. L
Lortsetzung folgt.


