Ausgabe 
5.6.1918
 
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<Stn wildes Handgemenge.

Berlin, 8 Juni. (WB.) Westlich des Bogens, den dir Marne zwischen Jaulgonnes und Chartreyes macht, liegt im Knick der großen Straße nach Chateau-Thierry eine be­waldete kleine Anhöhe. Auf dieser Höhe versuchte der aus dem Walde von Fere vertriebene Feind nochmals, den un­gestüm stürmenden deutschen Grenadieren den Weg zur Marne zu verlegen. Die achte Kampagnie der Grenadiere trieb ihn jedoch in scharfem Anlauf in das Dorf Chartreyes hinunter. Sofort auf halbem Hange eingesetzte Maschinen- gewehre rickteten unter den noch Westen und über die Marne nach Süden fliehenden Feinden ein furchtbares Blutbad an. Zum Entsatz der Abgeschnittenen rasten auf der Chaussee Panzerkraftwagen mit den 19. französischen Jägern heran. Sie wurden von dem .Hagel unserer Ma­schinengewehre getroffen zur Umkehr oder zum Halten ge- zwungen und zum Teil von den entgegenstürmenden Grenadieren erobert. Hiernach ergab sich ein Teil des zwischen Hügel, Fluß und unserem Maschinengewehrfeuer eingeklemmten Gegners. Ein anderer Teil raffte sich zu verzweifeltem Widerstand auf und suchte nach Osten hin - durch unsere Grenadiere durchzubrechen. Ter Führer des tapferen französischen Vorstoßes sprang mit wilder Tapfer- teit dem Kompagnieführer der Grenadiere an den Hals. In einem sekundenlangen Ringen Mann gegen Mann gelang cs dem deutschen Führer, den Franzosen mit dem Kolben seiner Pistole zu erschlagen. Entmutigt ergaben sich nun die Franzosen. 700 Mann kletterten als Gefangene der Gre­nadiere die Straße nach Le Charmel empor.

Der französische Rcserven-Einsah.

Berlin, 4. Juni. (WB.) Schon in der Schlacht zwi­schen Novon und Roye hatte General Humbert seine Re­serven überhastet und tropfenweise in den Kampf werfen müssen. Damals fochten jedoch die Franzosen immer noch in geschlossenen Verbänden. Der Einsturz der Front am Chemin des Dames wirkte jedoch so gewaltig, daß der ge­ordnete Aufmarsch der geringen französischen Reserven von der unaufhaltsamen deutschen Verfolgung gefaßt und zer­schlagen wurde. Die Truppen des Generals v. Conta be­kämpfen in den letzten Tagen ein buntes Gemisch von Divi­sionen. In einem Wäldchen westlich von Ch^ry wurden Gefangene von allen Truppengattungen gemacht: Neger vom 12 madagassischen Bataillon, das gewöhnlich als Ar- bcitstruppe- diente, in der bedrängten Lage aber als Kampfgruppe eingesetzt wurde, Angehörige der 10. Kolonial- division, der 73. und 164. Division und einige Leute von der 43. die sich in tagelangen Kämpfen verblutete, ferner fran­zösische Kavalleristen von der'4. und 6 . Kavalleriedivision. -

Die Angriffe in Flandern.

Berlin, 4. Juni. (WB.) In Flandern richtete sich der gemeldete feindliche Angriff gegen die ganze Front von Meterem einschließlich bis in die Gegend von Merris. Der Gegner wurde unter blutigen Verlusten abgewiesen/ Nur südwestlich Merris konnte er sich in kleineren Grabenstücken feftsetzen. Tagsüber hielt starkes Artilleriefeuer vom Mr- kanal bis in die Gegend Merris an und richtete sich auch mit größerer Stärke gegen das Kemmelgebiet. Zahlreiche feind­liche Patrouillen wurden abgewiesen und Gefangene ein­behalten. Die feindlichen Anlagen lagen unter schwerem deutschen Feiler. Südöstlich Arras holte sich der Feind bei mehrfachen Erkundungsxorstößen blutige Schlappen. Ein eigenes Unternehmen in der Gegend von Beaumont brachte ^wei englische Offiziere und zahlreiche Gefangene ein.

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Flucht aus Paris.

Gknf, 4. Juni. DerSecolo" meldet, daß das Seine- departement mit FlücktHnffm überfüllt ist. Aus Paris sind in den letzten Tagen 12,000 Familien ausgewandert.

der Roten Armee einen erbitterten Widerstand geleistet. Da-

zu wäre zu bemerken:

AuS tschechischen Kriegsgefangenen und Neberläufern hatte sich während des Krieges eine nicht unbeträchtliche tschechische Kampftruppe auf russischer Seite gebildet, die noch während der letzten russischen Angriffe in der vordersten Linie gegen österreichische Tri'ppcn kämpfte. Eine überaus rege Werbung geführt von dem ehemaligen Abg. Duerich, hatte fast jeden tschechischen Soldaten zu erfassen gewußt^ sodaß mehrere Brigaden auf die Beine gestellt werden konn­ten. Noch während der Kämpfe in der Ukraine fochten die Tschechen. Jetzt, wo sie den völligen militärischen Zusammen- bruch Rußlands nicht mehr aufhalten konnten, wollten die tschechischen Truppen auf den westlichen Kriegsschauplatz gehen um dort die Kämpfe gegen die DeutMn, die Der- bnndeten Oesterreich-Ungarns. fortzusehen. Rußland, das sich zur Demobilisation verpflichtet hatte, konnte dies rnwo weniger zugeben, als auch die Gefahr vorlag, daß diese ge- sährlichen Verbündeten sich General Semenow gegen Ruß­land selbst verpflichteten und innerhalb Rußlands eine neue Kämpft rupp^ des Verbandes bildeten. Die tschechischen Truppen, die durch gute Schulung in ihrem verratenen Vaterland den Truppen der dortigen Roten Garde wahr­scheinlich überlegen sind, müssen als eine ernste Gefahr für die Herrschaft der Sowjets betrachtet werden, die sich natür­lich mit den äußersten Mitteln dagegen zur Wehr setzen.

Finnland.

Stockholm, 4. Imtt. Di? Zahl der zur Zeit wegen Teilnah-' me an der Revolution in Finnland in Haft genommenen Perso­nen, die non den Gerichten abaeurteilt werden sollen, wird auf P0~ *0 000 geschätzt. Doch ist die Zahl der wirklichen Revolu­tionäre viel geringer. In vielen Gegenden des Landes hatten die Roten die ganze männliche Bevölkerung zum Anschluß ge­zwungen.

PieKronprmrenWffeusme."

dieser Ueberschrist sagen dieN. Zürcher Nach- richten" über die neuesten deutschen Siege:

Die blutige Woche neigt sich zu Ende, in der die deutsche Offensive in der Champagne begann. Sie ist gekennzeichnet durch ein einziges, beispielloses Siegen der deutschen j Armeen. Auch der größte Optimist wagte beim Bekannt­werden des Losbrnches des Vorstoßes nicht zu glauben, daß dre Deutschen schon am Donnerstag Soissons wiirden be­zwungen haben und sich an den Ufern der Marne festgesetzt hätten, dies umso weniger, als die leitenden Männer in Paris und London sich in feierlichen Beteuerungen über- boten, Generalissimus Foch habe sicherste Sorge dafür ge­tragen, daß es an keiner Stelle der Front mehr Ueber- raschungen geben werde. Das vor wenig Tagen noch Un­glaubliche ist heute Tatsache, für die Entente niederschmet­ternde Tatsache geworden. Dabei zeigten einerseits die Deutschen in höherer sowie unterer Führung und in der Leistungsfähigkeit der Truppen aller Waffen eine derartige Ueberlegenheit. anderseits aber die englisch-französische Truppenführung und Truppen ein solches Versagen, daß für jeden Denkenden nunmehr der letzte Zweifel ausgeschlossen bleiben muß daß das, was derfranzösische Krieg", d. h. der Hauptkrieg im Weltkrieg, ist, für die Entente jetzt endgültig verloren ist. Dagegen gibt es kein Auskommen mehr, auch wenn die Vereinigten Staaten samt Japan ihre gesamten Kräfte einietzten. Ob nun die Deutschen einen Sttllstand eintreten lassen oder nicht: Paris, Amiens und Calais find bereits als verlorene Posten zu betrachten. Das ist gleich­bedeutend mit dem glatten militärischen Endsieg der Deut­schen in Frankreich.

Die Seschietznnfl von Poris.

Paris. 3. Juni. (WB.) Havas. Die Beschießung des Pa­riser Gebietes durch das weittragende Geschütz hat heute wieder begonnen.

Friede mit Nnmnmeir.

D?rlin, 4. Juni (WB.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde der Friedensvertrag zwischen Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Bulgarien und der Türkei einerseits und Rumänien andererseits angenommen.

Rußland.

Kriegszustand in Moskau. Ein Aufruf Lenins.

Moskau. 4. Juni. (WB.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. In Verbindung mit der Erklärung des Kriegszustandes in Moskau und der Berufung von 12 mobili­sierten Jahr sklaffen unter die Fahnen hat Lenin einen Aufruf an die revolutionäre Bevölkerung gerichtet, in dem er den Ernst der politischen Lage auseinandersetzt und auf die unmittel­baren Gefahren hinwe-ist, die der Revolution von seiten reaktio­närer Elemente drohen.

Der Aufruhr der Weihen in Roland.

Petersburger Telegraphenagentur meldet, daß e Erhebung der tschechisch-slowakischen Truppen, die in Rrchtung auf Wladiwostok ziehen, um von dort nach französischen Front übergeführt zu werden, zu großen ' mit Sowjettruppen geführt hat. ; Tschechen und Slowaken haben den Entwaffnung verfui

Die Schandtat von Reste.

Ueber die französischen Schandtaten im Friedhof zu Nesle haben einige Kriegsberichterstatter bereits der Heimat Kunde gegeben. So Dr. Osborn in derVoss. Ztg." und Adolf Köster imVorwärts". Was dieser letztere darüber in Nr. 112 schreibt, möchten wir unseren Lesern wiedergeben:

Auf dem Friedhof dieser zwischen St. Quentin und Montdidier gelegenen Stadt waren Hunderte von deutschen Soldaten begraben im Lazarett verstorbene wie in der Umgegend gefallene in der langen Zeit von 1914 bis zu unserem Rückzug im vergangen Frühjahr. Die Gräber die­ser Soldaten waren mit Holz- und Steinkreuzen geschmückt, die unter dem Eisernen Kreuz Namen, Geburts- und Todesdaten der Gefallenen, oft einen religiösen Spruch, nie­mals ein die französische Nationaleitelkert irgendwie ver­letzendes^ Mort enthielten. Die deutschen Soldaten waren in zwei, drei Friedhofsabschnitten beieinander begraben. Von emigen Regimentern waren Massengräber angelegt, zu deren Häupten ein größerer Denkstein stand. Dieser Friedhof mußte im Frühjahr 1917 mit der Stadt und dem ganzen umliegenden Gebiet den Franzosen übergeben wer­den kampflos. Wir haben ihn jetzt im Gefolge der gro­ßen Schlacht wiedergewonnen wieder ohne Kampf. Der Friedhof, den ich gestern besuchte, befand sich in folgendem Zustand:

Um die deutschen Abschnitte hatten die Franzosen eine Wand von schwarzer Teerpappe gezogen. Uebermannshoch, o daß der Besucher von diesen Gräbern nichts sehen konnte als nur die schwarze Scheidewand. Unsere Toten waren also abgeschlossen worden von den übrigen Toten. Gleich­sam als wären sie ein anderes Geschleckch ein Geschlecht von Pestkranken, die noch im Tode zu meiden sind, waren sie den Blicken und der Berührung der ganzen Welt entzogen. Wkut fcfkuute keine Lecken von LebeuSbäumen. um Grimm

I cm** ouch über den Tod hinaus zu dokumentterenr

Man zog eine sckßvarze Pappwand um sie eine Wand bei ^^ 08 , der Verachtung, des Ekels um diese unschuldigen Toten, die das brennende Schicksal verzehrt hatte, wie tausend andere auf allen Stetten, in allen Völkern Aber dies war nur der Anfang. Wir bettaten die Grabstätten, he uns teuer sind. Daß die Gräber verwahrlost waren wunderte uns nicht mehr. Aber von allen Steinen wäre» dre Eisernen Kreuze abgemeißeltl Die Namen von viele» waren mit dem Hammer herausgeschlagen. Die schwarzen Marmorplatten zertrümmert. Die Kreuze abgehauen. Die Kruzifixe entfernt. Die rührend einfachen Holzschilde der Aermsten ausgerissen und auf den Hügel geworfen. Grabsteine umgehauen. Die Denkmäler über den Massen­gräbern in Schutthaufen verwandelt. So sah der deutsche Frredhof aus: schwarz eingepfercht wie ein Henkersplatz und innerhalb der schwarzen Umrahmung ein teuflisches Theater der Schändung an dem einzig Heiligen, was über ollen Nationen steht der Ruhe der Toten."

Welchem Deutschen steigt es nicht würgend die Kehle herauf, wenn er diefe Schilderimg liest? Sehr richtig weist der Berichterstatter desVorwärts" darauf hin, daß die Schandtat von Nesle nicht im Rausche des Augenblicks, sondern in der Ungestörtheit eines ganzen Jahres weit hinter der Front unter den Augen der französischen Be­hörden, unter der Duldung der gesamten Bevölkerung ge­schehen ist.Die Schande von Nesle klebt an dem ganzen französischen Namen." Jawohl das ganze französische Volk ist dafür verantwortlich. Nicht die Zuchtlosigkeit eines Ein­zelnen, nein, das heillos verdorbene Hirn der ganzen Nation hat diese Niedrigkeit ansgcheckt.

Wer sehen wollte, konnte über den französischen Geistes- zustand nicht im Unklaren fein. Seit 40 Jahren war das amtliche Frankreich bemüht, den Deutschenhaß planmäßig in den Herzen des französischen Nachnuchses groß zu ziehen. Wir wissen von den französischen Schulen, daß sie im Un­terricht die Lächerlichkeit, die Roheit, die Schändlickckeit des deutschen Soldaten, des deutschen Volkes gegenüber der strahlenden Tadellosigkeit des Franzosentnms durch Bilder- tadeln der französischen Jugend anschaulich und handgerecht machte. In den französischen Witzblättern, den mit Ab­bildungen versehen Wochenschauen wurde immer wieder zu- sämmengetragen. was irgend Läpwisches, Dummes. Ge- hastiges sich den Deutschen andichten ließ. Selbst ihre bester Schriftsteller schämten sich nicht, all ihre Erfindungsgabe einzufetzen, um die Deutschen als ausgemachte widerliche Scheusale abzumalen. ^ Ist es da verwunderlich, wenn die Vorstellungtzgabe des im Grunde genommen herzlich unge­bildeten und beschränkten französischen Volkes schließlich so einseitig verkrüppelte, daß sie bei Kriegsausbruch zuerst nach einem besonderen Schmutzwort suchte, um an der Ver­ächtlichkeit des deutschen Todfeindes den Mut zu kühlen? Selbst der Tod setzt ihrer Wut keine Grenze. Bis über das Grab hinaus hassen, beschimpfen, besudeln sie uns.

Kriegsverlangerer.

Hindenburgs Feldherrnkunst erringt mit unseren herrlichen Truppen einen großen Sieg nach dem an­dern, unsere U-Boote fahren mit gleichbleibend gutem Erfolge fort, den feindlichen Frachtverkehr zu vermin­dern und bedrohen ihn mit völliger Vernichtung. An­gesichts dieser Sachlage hätte man erwarten sollen, daß auch unsere Feinde im Westen an der Möglichkeit, Deutschland niederzurinaen, verzweifeln und durch Frie­densangebote bestrebt sein müßten, weitere vergebliche Opfer an Gut und Vlut von sich abzuwenden. Bei den feindlichen Negierungen (die Völker selber haben in diesen angeblichfreiheitlichen Musterstaatett' bei der Entscheidung für Krieg oder Frieden nicht mitzu- reden) macht sich aber bisher nicht die geringste Neigung dazu geltend. Wie erklärt sich das? Auf diese Frage gab Kapitän z. S. Vrünninghaus indirekt. Antwort in Vorträgen, die er in verschiedenen Großstädten gehalten, und in denen er vorgerechnet hat, daß unser U-Boot- Krieg sein Ziel erreichen mutz. Redner schilderte in diesen, auch im Druck erschienenen lehrreichen Vorträgen die wachsenden Schwierigkeiten und die der Verzweif­lung nahe Lage Englands, dieses eigentlichen Mutter- Hauptes der gegen uns ausgerichteten Entente-Hydra. Er berichtete, wie Vertreter der englischen Kaufmannschaft sich schon Ende Dezember v. I. an Lloyd George in schärfster Tonart gewandt und ihn gefragt hätten, wes­halb er nicht auf Kosten von Englands Verbündeten (eine bei den Engländern von alters her beliebte Me­thode) mit Deutschland einen für England vorteilhasten Frieden schließe, wenn er doch nichts mehr weiter als Phrasen zur Abhilfe gegen die ungeheuren Verluste der englischen Handelswelt und gegen den für die englische Kriegsgeschichte unerhörten kläglichen Zustand im Lande ins Treffen führen könne.

Lloyd George habe den Handelsherren geantwortet dazu sei immer noch Zeit, denn er habe die absolut« Gewißheit, daß Deutschland jederzeit zu einem solcher Frieden, der England schonen würde, auch im Fa!!r eines völligen deutschen Sieges, bereit sei. Er (Lloyd George) schätze die Hilfe Amerikas auch nur gering ein und verkenne teineswegs die wachsende Gefahr des U-Voot-Krieges. Aber die Herren möchten nur noch ganz kurze Zeit Geduld haben. Nach ganz zuverlässigen Nachrichten stehe die innere Revolution Deutschlands unmittelbar bevor. Die ganze Bewegung in Deutsch­land sei so stark, daß man auf diesem Wege, ohne die eigenen Verbündeten preisgeben zu brauchen, mit Si­cherheit zu einem Frieden gelangen werde, der Eng­lands Kriegsziel, die wirtschaftliche Vemichtung Deutsch, lands, ohne daß Deutschland es selber merke, voll er- Lullen werde.-