Ausgabe 
4.6.1918
 
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Uummer 128 Dienstag, den 4. Juni 1918 11. Iaqrganfl.

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Ueu iu den Kampf geführte französrjche Dervande weither gelegener Fronten geschlagen. Die Höhen westlich Chateau-Thierrg genommen. SG000 Tonnen versenkt.

Der deutsche Generalstak ...... meldet:_-= s

W. T. B. Großes Harrptquartier» den 3. Juni. Amtlich.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Zeitweilig auflebender Artilleriekampf. Feindliche Teil­angriffe westlich von Bailleul und nördlich der Lys wurden abgewiesen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Zum Ersah der durch unseren Angriff zerschlagenen französischen und englischen Armeekorps und zur Stützung der bisher von den Nachbararmeen eiligst auf das Schlacht­feld herangeführten und stark gelichteten Divisionen sind neue französische Verbände weither gelegener Fronten in den Kampf getreten.

Nördlich der Aisne versuchten sie vergeblich, die ihnen angewiesenen Stellungen zu halten. Wir schlugen sie in hartem Grabenkampf auf Moulin - sous ° Teuvent - St. Christophe-Vingre zurück. Südwestlich von Soissons wurde Ehaudun genommen. Wir stießen im Angriff über den Saviöres-Grund bis an den Ostrand der Wälder von Villers-Cotterets vor. Südlich vom Ourcq führte der Feind heftige Gegenangriffe. Sie wurden blutig abgewiefen. Ueber Courchamps und Monthiers hinaus gewannen wir Boden und nahmen die Höhen westlich von Chateau- Thierry.

An der Marne, zwischen Marne und Reims ist die Lage unverändert.

Die aut das Schlachffeld führenden, mit Truppenbe­wegungen stark belegten Bahnen wurden durch unsere Bombengeschwader erfolgreich angegriffen. Wir schossen 31 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Menkhoff errang seinen 29. und 30., die Leutnants Löwenhardt und Udet ihren 25. Lufffieg.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

Abendbericht.

Berlin, 3. Juni, abends. (WTB. Amtlich.) Südwest­lich von Soissons neue Forffchritte. Französische Gegen­angriffe beiderseits der Ourcq.

Der österreichische Generalstak »== meidet:

Wien, 3. Juni. (WTB. Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart.

Bei Fossalta an der unteren Piave vereitelten wir einen italienischen Uebergangsversuch durch Geschütz- und Minen­werferfeuer. An vielen Stellen der Südwestfront wurden feindliche Erkundungsabteilungen zurückgewiesen und eine derselben wurde bei Bezzecca abgefangen. Die Artillerie- tätigkeit war überall sehr lebhaft.

Der Chef des Generalstabes.

Das türkische Hauptquartier - - meldet:

Konstantinopel, 1. Juni. (WB. Nichtamtlich.) Gene­ralstabsbericht.

Am späten Abend lag feindliches Artilleriefeuer auf unseren Stellungen und im Hintergelände. Westlich der Straße JerusalemNablus nahmen wir feindliche Artillerie und Anlagen mit unseren schweren Geschützen unter wirk­sames Feuer. Im Jordangebiet war nur geringe Gefechts­tätigkeit Anhaltender gesteigerter Verkehr war im Raume Wadi AudscheJericho zu beobachten. Im Hedschas wurden mehrfache Angriffe der Rebellen gegen die Eisenbahn abge­schlagen. Die Rebellen ließen auf ihrer Flucht viel Vieh in unserer Hand. Das in Mesopotamien gestern zum Absturz gebrachte feindliche Flugzeug wurde von Hauptmann Schütz und Unteroffizier Quoos abgeschossen. Auf der übrigen Front ist die Lage unverändert

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Der bulgarische Geireralstak j meldet: = = A

Sofia, 1. Juni. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabs­bericht.

Mazedonische Front: In der Moglenagcgend war die Artillerie eine Zeitlang lebhaft. Eine feindliche Kompagnie, die sich einiger unserer Posten westlich vom Dorfe Sborsky zu bemächtig-n suchte, wurde durch Feuer vertrieben. Süd­lich vom Dorfe Huma zerstreute unsere Artillerie mehrere französische Truppen. Wir drangen in die feindlichen Stel­lungen an den Südabhängen des Monte Krucha ein und brachten gefangene Engländer zurück. Im Wardartal leb­hafte Lufttätigkeit des Feindes.

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26 000 Tonne»! verjenkt.

Berlin, 2. Juni. (WTB. Amtlich.) Nach Meldungen aus See beträgt der durch unsere Unterseeboote im Mittel- meer versenkte Schiffsraum

26,000 Bruttoregistertonnen.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Die Schlacht im Westen.

lieber die Marne geworfen.

Berlin, 2. Juni. (WTB. Nichtamtlich) In den letzten Abendstunden trieben die Deutschen den Feind über die Marne. Der Franzose hatte sich in den fünf Quadrat­kilometer breiten Forsten festgesetzt. Die Division umging kurz entschlossen den Wald auf den beiden Seiten. Grenadiere stießen von Le Charme! auf der Uferstraße gegen Jaulgonne vor. Die Hohenzollern-Füsiliere marschierten östlich um den Wald herum und jagten den Feind in eiliger Flucht aus dem Walde. Gegen acht Uhr wurden die Höhen von Treloup am Ufer der Marne erstürmt. Die Lei­stungen dieser einen erwähnten Division in Zahlen aus- gedrückt werfen ein Licht auf die Gesamtleistungen der Armee Böhn. Diese Division hat vom 20. bis 30. Mai fast 60 Kilometer Tag und Nacht kämpfend zurückgelegt, 12 Batteriestellungen mit 50 bis 60 Geschitzen erstürmt und 3000 bis 3500 Gefangene eingebracht. Seit der Schlacht bei Cambrai hat die Division 135 Durchbruchskilometer hinter sich gebracht, fünf in der Cambrai-Schlacht, 70 an der Somme und 60 vom Winterberg bis an die Marne. Der tapfere Führer dieser Division, der Prinz von Buchau, ist kurz vor der Marne, als er zu seinen Truppen vorrückte, ge­fallen.

Die Verteidigung von Reims.

Berlin, 3. Juni. (WB.) Nachdem die Deutschen die starken Abschnitte der Ailette, Aisne und Vesle innerhalb vier Tagen in siegreichem Vordringen überwunden und die Marne-Linie erreicht hatten, verkündete derEisfelturnchericht der Welt als Frankreichs Trost: Wir halten Reims! Es sind jedoch nicht Franzosen, die hier kämpfen, sondern Frankreich hat den Schutz der alten Krönungsstadt und der ehrwürdigen Kathedrale seinen braunen und schwarzen Soldaten anvertraut. Die Deutsck-en wollten Reims schonen: ihr Angriff ging an der Stadt vorbei. Von drei Seiten hal- ten sie jetzt Reims umfaßt. Aber die Franzosen klammern sich an den Fleck Erde, der keinerlei taktischen oder strate­gischen Wert hat, denn die die Stadt umschließenden sorts- gekrönten Höhen sind fast restlos in deutscher Hand. Statt die Stadt zu räumen, lassen die Franzosen sie völlig in Trümmer schießen und opfern sie. Die gewissenlose Ver­teidigung von Reims kostet ja keinen Tropfen französischen Blutes. Neger sind es, die man für eine zwecklose Prestige­politik hinopfert. Die Verluste der Schwarzen sind furcht­bar. Ans den Wein- und Schnapsvorräten der großen Stadt betrunken gemacht, vor sich die Deutschen und hinter sich die von weißen Franzosen besetzten Maschinengewehre, so liegen die Neger von Senegal, von Madagaskar und Martinique in den Gräben um Reims. Vor sich, hinter sich den Tod wehren sie sich verzweifelt. Furchtbar schlägt der Granathagel zusammengefaßter deuffcher Artilleriegruppen in ihre Stellungen. Fassungslos sieht man sie in den Gräben hin und herrennen. Für sie gibt es kein Entrinnen. Sie

wagen nicht überzulaufen, da man ihnen versicherte, daß die Deutschen ihre Gefangenen zu Tode martern. So wer­den ihre Verluste schwerer und schwerer. In einem schmalen Grabenstück bei Schloß Malle kamen aus über hundert Tote nur vier Gefangene. Alle Schwarzen tragen das Corrpe- Coupe, das große schwere Schlächtermesser. Wehe dem Deutschen, der in ihre Hände fällt! Dennoch werden die Neger von den Deutschen wie andere Gefangene behandelt. Die Masse der im Artilleriefeuer gefallenen Neger erinnert an die russischen Leichenfelder am Stochod und bei Tarnopol. Zu Tausenden liegen hier die leblosen Leiber. Die große französische Stadt geht in Flammen auf und der franzö­sische Funkspruch verkündet der Welt:Wir halten Reimst

Der französische Widerstand.

Berlin, 3. Juni. (WB.) Zwischen Aisne und Marne' zeigen kilometerweit die breiten Straßen und ihr Nachbar­bargelände keine Spur des Kampfes. Am schärfsten tritt das zwischen Aisne und Vesle zu Tage. Hier wandelte sich der Rückzug der Franzosen in eiligste Flucht. Erst an der Vesle, wo sich herangeeilte Reserven des Feindes zu stellen suchten, mehren sich die Anzeichen des Kampfes. Hier liegen die toten Franzosen in Haufen. Weiter südlich sprechen Pferdeleichen, zusammengestürzte Wagen und zerschossene Autokolonnen von neuem von einer verwirrten Flucht des Feindes. Je näher man an die Marne kommt, desto mehr häufen sich dann wieder die Spuren verzweifelter Gegen­wehr. Auf der letzten Höhe vor dem Marnetal bei Le Char­me! mußte der zähe Gegner von im Galopp auffahrenden deutschen Baterien erst völlig znsammengeschossen werden, ehe die Infanterie die ins Tal führende Straße erreichen konnte.

Die Marnebahn unter Feuer.

Berlin, 3. Juni. (WB.) Die waldgekrönten Höhen, die das Nordufer der Marne begleiten und die breite Fluß­niederung beherrschen, fielen bereits am'Spätnachmittag des Donnerstags sowohl bet Jaulgonne wie bei Treloup in die Hand der in einem Zuge nachdrängenden vordersten deut­schen Divisionen. Damit ist die Ausnutzung der für die französischen Truppenverschiebungen entschiedcnd wichtigen und darum auch im Laufe des Krieges zur erhöhten Leistungsfähigkeit ausgebauten Marne-Bahn, der stärksten Frontwechsellinie des Gegners zwischen der Chamy-.e und der Nordfront, praktisch ausgeschaltet. Die ^ . liegt aus dem wichtigen Südufer der Marne, zw. t Kilometer vor den Mündungen unserer Geschütze wie aus dem Präsentierteller. Sie ist damit, selbst wenn wir darauf verzichten, die Schienenspur zu besetzen, praktisch gesperrt. Das Gewicht dieses mit beispielloser Schnelligkeit eingebrach- ten Erfolges kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Der Erfolg, der sich in der mit der Erreichung Montdidiers gegebenen Avre-Tal-Verbindung ParisAmiens zeigte, ha- im Marnetal eine glückliche Abrun^mg erfahren.

60 Kilometer vor Paris.

Karlsruhe, 3. Juni. Der Londoner Korrespondent des Corriere della Sera" meldet seinem Blatt, man müsie ficf auf den unvermeidlich scheinenden Verlust von Reims g« - saßt machen.

Weiter meldet derCorriere della Sera", der Feind stehb noch knapp 60 Kilometer von Paris entfernt. Man könne nicht leugnen, daß die französische'Hauptstadt sich in ernster Gefahr befinde. Deuffche Vortruppen stehen an der Marne nur noch 55 Kilometer von den Autzenforts von Paris enffernt.

Die taktische Ueberraschung an der Aisne.

Der Kriegsberichterstatter desCorriere della Sera^ gibt nach derVoss. Ztg." folgende Darstellung der Schlacht in Frankreich: Zum dritten Mal ist es den Deutschen ge­lungen. einen der furchtbarsten Angriffe, die die Geschichte kennt, durch Ueberraschung siegreich durchzuführen. Nichts ( von ihrer Absicht ist vorher bekannt geworden. Die Deut-- schen hatten ihre wesentlichsten Vorbereitungen an allen Teilen der Front schon vor dem Beginn der Märzoffensive begonnen. Der Anmarsch der znm Vorstoß bestimmten Truppen vollzog sich erst in der Ir ten Nacht, als das Trommelfeuer und die Gasbomben l üts unsere Linien wütend überschütteten. Die taktische : .'erraschung ist also vollkommen gelungen wie die strategisch.'. Um 11 Uhr war der Damenweg in der Hauptsache in der Land der Feinde.