Wem nie üiirdj Liebe Leid geschah.
Roman von CourthS -Mahler.
23) Nachdruck verboten.
„Ich wünsche, Herr von Frankenau, daß Sie diese Begegnung überhaupt verheimlichen und vergessen. Auf der Reise hierher standen wir uns auf neutralem Boden gegenüber, als ztvei Menschen, die sich nur flüchtig zu begegnen meinten und eine langweilige Stunde mit einander verplauderten. Hier in Birkenheim stehe ich außerhalb Ihrer Gesellschaftskreise und entbinde Sie von jeder Rücksichtsnah me auf mtfeffe Begegnung."
Er sah sie seltsam an.
„Sie scheinen mich mißzuverstehen, mein gnädiges Fräulein. Es war mir ein Vorzug. Ihnen begegnet zu sein, und ich hätte annehmen dürfen, daß Ihnen das nicht unangenehm war. Ihr Wunsch ist mir natürlich maßgebend Aber darf ich mir erlauben, Sie zu fragen, weshalb Sie mir heute so schroff und abweijend gegenüber stehen? Habe ich mir durch irgend etwas Ihren Zorn zugezogen? Sie würdigten mich gestern eines liebenswürdigeren Tones."
Ihre Augen blitzten auf wie im verhaltenen, schmerzlichen Zorn.
„Vielleicht hätte ich es nicht tun sollen. Aber ich konnte natürlich nicht ahnen, daß wir uns nach dieser gemeinsamen Reise je wieder begegnen würden."
Seine Augen forschten unruhig in ihrem abweisenden Gesicht.
„Das scheint Ihnen leider sehr unangenehm zu sein."
Sie sah ihn fast spöttisch an.
„Ihnen doch gewiß auch. Ich kann nur nicht denken, önß es Ihnen sonderlich angnehm sein würde, wenn Sie nüch Ihrer Frau Gemahlin oder Ihrem Fräulein Braut, die Sie gestern am Bahnhof erwartete, als Ihre Reisegefährtin vorstellen müßten, mit der sie sich außerordentlich angeregt unterhalten haben."
Bei ihren Worten blitzte es in seinen Augen auf wie dämmerndes Verstehen. Also das war es, was sie heute so schroff und abweisend erscheinen ließ! Sie hatte Ursula für seine Gattin oder für seine Braut gehalten. Es war seltsam ober diese Erkenntnis verursachte ihm ein freudiges Gefühl.
Er atmete tief auf und legte seine Hand auf den Hals seines Pferdes. Streichelnd frchr er darüber hin — und lächelte.
„Ach, nun weiß ich wenigstens, was mich bei U>nen so bodenlos in Ungnade fallen ließ. Sie sehen in mir eineu leichtsinnigen Gatten oder Bräutigam, der huldigend in
KeKaiintmachnng.
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Friedberg. den U Juni 1913.
Der stellvertretende Bürgermeister.
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andere schone Frauenaugen blickte, wenn bkt Gattin oder Braut abwesend ist. Sie nehmen a», daß ich mich ein wenig als Schwerenöter aufspielen will. Damit haben Sie mir unrecht getan, und Sie dürfen mir das gern abbitten. Ich bin weder verlobt noch verheiratet. Mein Herz war, als ich gestern den Zug bestiegen, dem Sie sich befanden, vollkommen frei. Ob das jetzt noch der Fall ist — danach wage ich mich selbst nicht zu fragen."
Seine letzten Worte klangen sehr leise; aber Christa vernahm sie doch. Und ein dunkles Rot stieg in ihr Gesicht.
„So befand ich mich in einem Irrtum. Ich hielt die junge Dame, die Sie begrüßte, für Ihre Frau oder Ihre Braut."
„Nein, das war meine Schwester, mein gnädiges Fräulein. Hat sich damit Ihre Meinung über mich ein wenig verbessert?"
Ihr Antlitz verlor den kalten abweisenden Ausdruck. Sie lächelte, und dies Lächeln trieb Hans Ullrich das Blut sehr unruhig durch die Adern.
„Ich gestehe ein. daß ich Ihnen Unrecht tat, Herr von Frankenau — und — es freut mich, daß ich mich irrte. Aber nun lassen Sie uns, bitte, diese Unterredung beenden, und ich bitte Sie, zu vergessen, daß wir uns gestern für kurze Zeit als gleichstehende Menschen betrachteten. Ich befinde mich hier in einer Stellung, die einen gleichberechtig- tigten Verkehr zwischen uns ausschließt. Deshalb ist es besser, wir datieren unsere Bekanntschaft erst seit heute, seit mich Ihnen Herr von Birkenheim als seine Sekretärin vorstellte."
Er sah ihr mit einem Blick in die Augen, der ihr Herz höher schlagen ließ.
„Sie weisen mich kurzerhand in die Schranken zurück, die ich — zu meinem tiefen Bedauern — respektieren muß. Glauben Sie mir, mein gnädiges Fräulein, daß ich sehr schmerzlich bewegt resigniere. Ich würde viel — sehr viel darum geben, wenn Sie eine Standesgenossin von mir wären und nicht das bürgerliche Fräulein Hellmut. Als solche stehen Sie mir unerreichbar fern, denn dem Majorats- Herrn von Frankenau sind für seine Wünsche einige Grenzen gesteckt worden. Vielleicht gönnt mir das Schicksal nicht wieder den Vorzug, Ihnen ohne Zeugen gegenüber zu stehen. Deshalb benutzte ich kühn diese Gelegenheit, um zwischen Ihnen und mir eine klare Lage zu schaffen. Ich möchte von Ihnen — gerade von Ihnen — um keinen Preis verkannt sein. Lassen Sie mich aussprechen, daß ich das Empfinden habe, als müsse es wunderschön sein. Sie für das ganze Leben als Reisegefährtin zu haben. Dies Bewußtsein kam mir gestern schon. Und als ich Sie in einem Birken-
Gelmer Wagen an mir vorüberfahren sah, da erwcuhfte ein freudiges Hoffen in mir. Ich hielt Sie für einen Gast der Baronin Haßbach und ihrer Tochter — und glaubte. Sie seien eine Standesgenossin. Mit welchen Gefühlen ich heute hierher kam. kann ich Ihnen nicht beschreiben, aber ich will Ihnen sagen, daß es mich schmerzte, zu erfahren, daß Sie mir unerreichbar sind. Der Majoratsherr von Frankenau muß eine Frau heimführeu, die eine so große Ahnenzahl besitzt, als er selbst. Daß ich Ihnen das sage — soll Sie vot meinen Wünschen schützen. mein gnädiges Fräulein. Ich will es mir selbst unmöglich machen, um ein Gefühl bei Ihnen zu werben, das Sie mir nicht schenken dürfen. Und ich sage Ihnen das alles noch aus einem anderen Grund. Ich werde gezwungen sein, mich eines Tages zu verheiraten^ imd lange darf ich diesen Termin nicht mehr hinausschiebew Sie dürfen dann versichert sein, daß ich kaum eine Lebensgefährtin finden werde, mit der ich so gern eine gemeinsame Lebensreise angetreten hätte als mit Ihnen. Bitte, halten Sie meine Worte nicht für leichtsinnig. Ich glaube, mir ist' in meinem ganzenLeben noch nicht so ernst gewesen wie heute Sie werden denken, daß ich nach so kurzer Bekanntschaft solck»e Behauptungen nicht aufstellen dürfe, aber oft entscheidet eine einzige Stunde über das Schicksal eines Menschen, und starke und tiefe Gefühle werden zuweilen int Augenblick geboren. Ich habe bisher dem Leben immer nur die leichte Seite abgewonneu — nun sieht es mich plötzlich mit sehr ernsten und trüben Augen an. Es wäre ja auch möglich gewesen, daß meine Gefühle hoffnungslos blieben, wenn Sie mir ebenbürtig gewesen wären. Aber ich hätte doch wenigstens um Ihre Liebe werben können. Dun kann ich es nicht tun — ich muß mich bescheiden — aber daschmerzt mich — schmerzt mich unsagbar."
Die letzten Worte stieß er von seinem Gefühl überwältigt hervor.
Christa hatte sichtlich bewegt seinen Worten gelauscht. Einigemale war es, als wollte sie ihn unterbrechen mit einem schnell hervorgestoßenen Wort. Sie preßte jedoch immer wieder die Lippen zusammen, als müsse sie dies Wort zurückhalten. Aber in ihren Augen leuchteten goldne Funken, und je länger er in diese Augen hinein sah, je heißet strömte das Blut burch seine Adern.
Als er nun schwieg, sah sie ihn noch eine Welke schweigend an als wolle sie ihm bis ins innerste Herz blicket! Und dann erschien plötzlich ein Lächeln, ein süßes, wundervolles Lächeln auf ihrem Antlitz, das er hätte sortküssen mögen. Es lag eine reizende Schelmerei in ihren Angen und doch zugleich ein feuchter Schimmer.
Fortsetzung folgt.
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Drucksachen
kann der Geschäftsmann auch während der Kriegszeit nicht ganz entbehren, wenn auch der Papiermangel und die Teuerung eine gewisse Einschränkung mit sich gebracht haben. Die Eeschäftsdrucksache ist und bleibt nun einmal für jeden Geschäftsbetrieb unentbehrlich, sei es. daß man sie braucht zur Uebermittlung geschäftlicher Angelegenheiten, oder zwecks Regelung von Ausständen usw. Wie kein Geschäft seinen Vertreter oder Reisenden in schäbigem Gewände zum Besuche seiner Kundschaft hinausgehen läßt, so sollte es auch darauf bedacht sein, daß die von ihm verbrauchten Drucksachen die es ja doch auch bei dem Empfänger derselben vertreten sollen, ein einwandfreies Aussehen haben. Auch familiäre Mitteilungen jeder Art lassen in ihrer äußeren Aufmachung einen Schluß auf die Persönlichkeit des Absenders zu. Wir empfehlen uns zur Anfertigung von Drucksachen jeder Art in sauberer und geschmackvoller Ausführung und sichern schnellste Lieferung und billigste Berechnung zu. Bei eintretendem Bedarf bitten wir Muster und Preisberechnung von uns einzufordern.
Neue Tageszeitung
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Bekanntmachung
betreffend:
Kontrolle von Wehrpflichtige,»
Zwecks Durchführung der rest. lofen Kontrolle aller im wehrpflichtigen Alter stehenden Personen ist angeordnet worden, daß alle diejenigen Leute, die: a) zu Zuchthausstrafe verurteilt, d) durch Straferkenntnis aus dein Heere oder der Marine entfernt und
c) mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf bestimmte Zeit bestraft
waren, soweit sie sich noch im wehrpflichtigen Alter befinden, der militärischen Kontrolle und den Bestimmungen für die Landsturm- pflichtigen unterworfen sind.
Ich fordere deshalb alle in Frage kommenden, nach dem 2. August 1869 geborenen Wehrpflichtigen, soweit sie in Friedberg wohnen, aus. sich sofort und spätestens bis zum 8. Juni ds. IS. im hiesigen Stadthauie, Zimmer Nr. 10. ll. Stock zur Landsturmrolle anzumelden. Unterlassene Anmeldung wird nach de« Kriegsgesetzen bestraft. Friedberg, den 1. Juni 1918.
Der Bürgermeister 2. V.: Damm.
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