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Das Ringe« um Soissons. >

Berlin. 2. Juni. (WB.) Die gemeldeten horten ört­lichen Kämpfe bei Soissons haben sich zu einer großen Schlacht entwickelt. Der Gegner hatte alle verfügbaren Kräfte in einem groß angelegten Flankenstoß mit der Ab­sicht zusammengefaßt, Soissons wieder zu nehmen. Die dort befindlichen alten Stellungen gaben ihm vorzügliche Stiitzpunkte. Er ließ nichts unversucht. So attackierte seine Kavallerie bei Bucancy deutsche Begleitbatterien, die unserer Infanterie auf dem Fuße folgten. Es gelang ihr, die Be- spannung zu erreichen; dann wurde sie durch wohlgezieltes Maschinengewehrfeuer aufgerieben. Am Nachmittag griff ein großes Lankgeschwader, aus der Linie MissyChaudun kommend, zu beiden Seiten der großen Straße Paris Soissons erfolglos an. Fünf der Tanks liegen westlich Vaurbuin zerschossen im Gelände. Ueberaus starke feind- liche Schwchtgeschwader griffen unsere Artillerie und In­fanterie an, während zu gleicher Zeit Bombengeschwader das Jnnnere der Stadt Soissons bewarfen. Die besten Truppen Frankreichs. das 1. Eiserne Korps mit einer marokkanischen Division, sind südwestlich Soissons eingesetzt worden. Es hatte schwere Verluste. 2400 Gefangene wurden schon ge­meldet. In der Nacht zum 1. Juni flaute das Feuer bei Soissons ab. Mächtige Brände wüten im Stadtinnern. Die beiden großen Herde befinden sich nördlich der Kathedrale und im östlichen Stadtteil an der Aisne. Sechs 24-Zen- timeter-Geschiitze wurden an einer Stelle erbeutet, und bei Terny-et-Serny wurden nicht weniger als sechs schwere 24- Zentimeter^Geschütze erbeutet, die in einem kleinen Raum fest eingebaut waren. Diese außergewöhnliche Anhäufung von schwersten Geschützen, die sonst nur vereinzelt auftveten, und der Zweck der Geschütze, nämlich die wirksame Be­schießung unseres nach Paris feuernden Geschützes, beweisen, wie unangenehm den Feinden unsere Beschießung von Paris ist.

In n h n Wochen 8 er 175000 Gefangene,

weit über 2000 Geschütze, unzählige Maschinengewehre.

Berlin, 1. Juni. (WB.) Vom 21. März bis 1. Juni 1918, also in 10 Wochen, sind in den Kämpfen an der West­front den Deutschen über 175 000 Gefangene und weit über 2000 Geschütze in die Hände gefallen. Die Zahl der Ma­schinengewehre, die unzählige Tausende beträgt, und»der Um­fang des sonstigen unübersehbaren erbeuteten Kriegs­materials läßt sich vorläufig auch nicht annähernd angeben. Dazu kommen die großen Bekleidungs-, Verpflegungs- und Gerätedepots, die Lazarette, ferner ausgedehnte, unver­sehrte Munitionslager schwersten Kalibers, Grabenwaffen, Flugzeuge, Flugzeughallen, Lokomotiven, Eisenbahnwagen. Kraftfahrzeuge. Tanks und Feldlager. Don den in der Aisnegegcnd Vorgefundenen Munitionslagern enthielt ein einziges allein 100 000 Schuß aller Kaliber. Die Werte, die die Entente an eingebautem Material,an Holz, Draht, Beton Feldgerät. Telephonleitungen usw. an den mehreren Hun­dert . Kilometer langen Angriffsfronten in den zahlreichen übereinander liegenden Verteidigungslinien verloren hat, lassen sich ebenfalls kaum abschätzen. Die weiten von den Deutschen eroberten Gebiete mit den bebauten Feldern ver- Schärfen die Ernährungsschwierigkeiten Frankreichs, zumal eine große Reihe der wichtigsten Bahnen der Benutzung ent- roaen ^ ^ ie Zufuhrmöglichkeiten erschweren. Mehr als je muß der Ueberseetransport zur Ergänzung der ver­lorenen Bestände in Anspruch genommen werden, was bei dem Schiffsraummangel doppelt ins Gewicht fällt. Die hohe Zahl der Gefangenen und der blutige Verlust ver-' mindern jedoch gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der Kriegs- Industrie und der Schiffsbauwerften. Die Zertrümmerung t^er feindlichen Mittel und Kampfkraft ist damit ihrem End­ziel wieder einen großen Schritt nähergekommen.

Erbeutete Truppenlager.

Berlin, 2. Juni. (WV.) Als ein Zeichen dafür, welche Planlosigkeit hinter der französischen Front hervorgerufen war und wie über Erwarten schnell der Vormaffch unserer Divisio­nen durchgeführt wurde, müsien die gewaltigen Truppenlager gelten, die der flüchtende Feind uns völlig unversehrt hinter­ließ. Erweckt es schon Erstaunen, daß auf den Flugplätzen so viele Flugzeuge unversehrt vorgefunden wurden, so ist es geradezu unerklärlich, daß unter den flüchtenden Franzosen niemand mehr den Entschluß oder die Zeit fand, die so leicht zu vernich­tenden großen Truppenplätze zu zerstören. Bei Fismes ist eine riesige Barcckenstadt ohne die geringste Beschädigung in deutsche Hand gefallen. Noch größer vielleicht, ganzen Regimentern be­quemste Unterkunft gewährend, ist eine wahre Metropole aus Lagerbaracken, die uns der Franzose zwischen Eherp und MareuU überlassen hat. Man muß daher der Organisations­gabe des Gegners vollauf Gerechtigkeit widerfahren lasten. Die Anlagen können als Musterbeispiele großer Truppenunter, bringungsplätze gelten. Sie sind mit Weitblick nach einheit­lichen Plänen angelegt und nichts fehlt an den Einrichtungen.

Den nachrückenden Divisionen und Kolonnen kommt diese Sol- daten-Villenkolonie jetzt zugute. Bei Fere-en-Tardenois ist uns ein reich gs.üllles Pionierlager von riesenhaftem Ausmaß zu­gefallen, mit mächtigem Wagenpark und allen Arten von Wagenorsatzt.üle^ - n b Brmnstoff-

foßet, die zu vernichten der Gegner bei der überall offenkundigen Planlosigkeit seines Rückzuges die Zeit nicht fand.

Das Ende der russischen Legion.

Berlin, 2. Juni. (WB.) Unter den Gefangenen einer Marokkanischen Division befand sich auch ein Arzt des dritten Bataillons der russischen Legion. Das Bataillon wurde von russischen Offizieren befehligt und 500 Mann stark in den Sommekämpfen eingesetzt, aus denen es jetzt mit 92 Mann turückgekehrt ist. Es kann somit als aufgerieben gelten.

Das Bataillon war der Rest des russischen Expeditionskorps fcn Krankreich. Die darin kämpfenden Russen batten ver­

langt, daß fis «ach Frbedensschlnß entlassen würden. Frankreich lehnte aber die Entlassung ab mit dem Bemerken, daß der Friedensvertrag ungültig sei.

Die »ene Front an der Marne.

Berlin, 2. Juni. (WB.) Mit der Einnahme des Rord- teils von Chateau-Thierry und der Erstürmung von Der­neul ist die Marneffont bereits auf mehr als 25 Kilometer verbreitert. Der spitze Stoßkeil hat sich zur breiten Kampf­linie geformt.

Kanonendonner in Paris.

Rotterdam, 1. Juni.Daily Mail" meldet aus Paris: Nicht nur in den nördlichen Vorstädten, sondern auch auf den freien Plätzen und den nach Nordosten laufenden Straßen der inneren StcM Paris vernimmt man seit Freitag mittag deutlich den ncberkommenden Geschütz, donner von der Front. Die Eisenbahnzüge sowohl nach dem Norden wie nach dem Osten sind feit Freitag früh für jeden privaten Verkehr gesperrt.

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Die Wirkung des deutschen Vorstoßes.

Aus dem Haag wird demBerl. Lokolanz." gemeldet. Reuters Sonderberichterstatter von der französischm Armee meldet am 31. morgens: Noch ist kein Zeichen des Weichens des feindlichen Druckes zu sehen. Am reckten Flügel ist es den Deutschen trotz des außerordentlich tapferenWiderstandes der Franzosen gelungen, ihre Linien bei Soissons auf beiden Seiten vorwärts zu bringen. In der Mitte konnten diese vorgeschobenen Truppen weitere Fortschritte machen. Am Nachmittag sah man die Granaten der deutschen Feldgeschütze auf den Höhen zerplatzen. Im Norden schweben die deut­schen Beobachtungsballone in der Luft. Längs der ganzen Front drängen andauernd die Infanteriekolonnen durch den Wald und in den Tälern. Sobald die feindlichen Truppen einen schwachen Punkt in den französischen Linien entdecken ! können, stoßen sie dagegen. Die- Wege ünd angefüllt von flüchtigen Landleuten, von^ Kolonnen und M^orwagen. Die Flüchtlinge sind meistens ganze Familien mit ihrem Hab und Gut auf Karren, die von einem Pferde vorwärts gezogen werden. Ganz Alte und ganz Junge sitzen oben auf dem Hausrat. Oft trägt ein Packesel die letzten Ueberreste ihres Eigentums. Viele können nichts anderes mitnehmen, als was sie auf ihrem Rücken und Ihren Armen tragen können. Flauen schieben Kinderwagen mit Säuglingen oder führen Kinder an den Händen, während Männer die Hab­seligkeiten auf denk Rücken schleppen. So geht es den gan­zen Tag vorwärts in dem erstickenden Staub der Motor­wagen, der britischen Infanteriekolonnen und der Artillerie- transporte. Die Unglücklichen lassen Haus und Hof und die Früchte ihrer jahrelangen Arbeit zurück und blicken mit sehnsuchtsvollen nach Freiheit dürstenden Augen in das militärische Getriebe.

Valkanng der franMihkrl Negierung?

Karlsruhe, 1. Juni. Wie dieNeuen Zürcher Nach- richten" erfahren, wird die französische Regierung bereits in den nächsten Tagen zum zweiten Male Paris verlassen, um neuerdings nach Bordeaux überzusiedeln.

Die Archive von Nancy.

Karlsruhe, 1. Juni. Der Schweizer Preßtelegraph meldet: In Befürchtung eines deutschen Vorstoßes gegen Nancy wurden die Archive von Nancy nach Lyon überführt, wo man sie in Sicherheit hofft.

Klnignendouner an da belgilchen KM.

Haag, 31. Mai. Aus London wird gemeldet: Ein Tele­gramm aus Ramsgate meldet: Von 11 Uhr gestern abend bis 4 Uhr morgens hörte man schweren Kanonendonner von der belgischen Küste her. Kurz nach Mitternacht haben ver­schiedene fürchterliche Explosionen stattgefunden und grcßer Feuerschein in der Nähe von Zeebiügge wurde wahrge- nommen. An der ganzen Küste entlang bis Dünkirchen waren die Abwehrgeschütze tätig. Diese Erscheinungen sind auch an der holländischbelg schen Küste wahrgenommen worden.

Die Kejchießnng von Paris.

Paris, 31. Mai. (WTB. Nichtamtlich) Havas. Eine der von dem weittragenden Geschütz heute abgeschosseuen Granaten fiel auf eine Kirche im Bezirk von Paris.

Fliegerangriff auf Paris.

Paris, 31. Mai. (WTB. Nichtamtlich) Amtlich. Havas. Einige feindliche Flugzeuge überflogen gestern abend unsere Linien und steuerten auf Paris zu. Von un­seren Wachposten gemeldet, wurden sie alsbald von den Verteidigungsbatterien beschossen. Der Alarm begann um 10 Uhr 69 und endigte um Mitternacht. Es wurden Bom­ben auf das Gebiet von Paris abgeworfen. Opfer wurden bisher nicht gemeldet.

Erneuter Fliegerangriff auf pari».

Paris, 2. Juni. (WTB. Nichtamlich) Amtlich wird mitgeteilt: Heute nacht um 12 Uhr 8 Minuten wurde Alarm gegeben. Mehrere Abteilungen feindliche Flugzeuge griffen die Gegend von Paris an. Sie wurden sehr lebhaft von den Abwehrbatterien beschossen pnd die Verteidigungs­mitte! wurden in Tätigkeit gesetzt. Es wurden Bomben ab­geworfen. Man meldet nur einige Verwundete. Um 2 Uhr war der Alarm beendet.

Finnland-

Kowno, 1. Juni. (WV.) Nach einer Meldung der Baltisch-Litauischen Mitteilungen" aus Finnland machte« dieser Tage deutsche Offfziere, die als Instrukteure der kürz­lich ausgehobenen Truppen in Finnland tätig sind, ihre Auf. Wartung bei General Mannerheim. Der General dankte namens der finnischen Armee und des Landes für ihre gro­ßen Verdienste bei der Niedeiaversung des Aufruhrs und all die Mühen, die sie sich bei der Unterweisung der jungen finnischen Krieger gaben. Bei dieser Gelegenheit überreicht« er einer Anzahl Offiziere das Band des Freiheitskreuzes.

OeKerreilh-Unulirn und Finnland.

Wien, 1. Juni. (WB.) Der österreichisch-irngarische und finnische wirtschaftliche Zusatzvertrag zum Friedens- Verträge enthält im wesentlichen analoge Bestimmungen wie die mit der Ukraine, Rußland und Rumänien abge­schlossenen Zusatzverträge. Der Zusatzvertrag basiert auf der Meistbegünstigung. Er soll zwei Wochen nach dem Aus­tausch der Ratifikationsurkunden in Wirksamkeit treten und bis zur Inkraftsetzung des neuen Handels- und Schiffahrts­vertrages in Geltung bleiben, doch steht den Vertrag­schließenden frei, den Zusatzvertrag von 1919 an mit einer sechsmonatigen Frist zu kündigen.

plWand und Frankreich.

Moskau, 28. Mai. (WB.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. Im Namen der russischen Regierung ließ der Volksbeauftragte für die auswärtigen Angelegen- heiten Tschitscherin der französischen Regierung folgende Mitteilung zugehen:

Die Erklärrmgen des französischen Botschafters N o u l e n s in den schweren Togen, die das russische Volk jetzt durchlebt, können nicht zur Verbesserung der Bezieh­ungen zwischen Frankreich rmd Rußland beitragen und nicht geduldet werden. Die Sowjetregierung gibt der festen Ueberzeugung Ausdruck, daß Noulens sofort abbs- rufen wird."

ffine Kedrahnng pnstlands.

Moskau, 1. Juni. (WB.)Noinaja Schisu" schreibt über ein neues Abkommen zwischen Japan und China zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen Deuffchland auf rus- sischem Gebiet, das als ein Versuch gewisser Kreise in Lon­don und Washington aufgefaßt werden könnte, die Ereignisse im fernen Osten zu forcieren. Das Abkommen werde in Moskau als eine Bedrohung Rußlands angesehen.

Amerika.

Washington, 1. Juni. (WB.) Reuter. Das Reprä­sentantenhaus hat einen Kredit von 12 Milliarden 42 Mil­lionen Dollars bewilligt und den Präsidenten ermächtigt, alle Männer, die ausgebildet und ausgerüstet werden können zum Militärdienst heranzuziehen. Die Bill geht jetzt an den Senat. s

Die amerikanischeFreiheit".

Von durchaus zuverlässiger Seite wird uns geschrieben! In der Schweiz wurde einer jungen Amerikanerin seitens des Vertreters der amerikanischen Regierung die Erneue­rung des Passes verweigert, weil sie dasschwere Vergehen" begangen hatte, mit einem Herrn aus dem Gefolge des als Deutschenfreund vertriebenen Königs von Griechenland Tennis zu spielen! Da glücklicherweise die Macht des Dik- tators Wilson und seiner Liktoren noch nicht bis zur freien Schweiz reicht, ist die junge Dame zu ihrem Heil wahr­scheinlich vor einer schweren Gefängnisstrafe wegenVer­kehrs mit dem Feind" bewahrt geblieben. Immerhin hat der Vertreter Amerikas in diesem neutralen Lande getan, lvas er tun konnte, um seiner Patriotenpflickff zu genügen und seiner Landsmännin einen Denkzettel zu verabreichen. Er hat nämlich obendrein der Mutter der jungen Dame nach Amerika eine photographische Aufnahme ihrer im Kreise der Griechen Tennis spielenden Tochter mit entsprechender Randbemerkung zugesandt in der Hoffnung, daß von seiten der Mutter gegen die verirrte Tochter eingeschritten werde!

Derunglücklichen" Mutter ist zu wünschen, daß sie nicht an Stelle der unerreichbaren Tochter einem amerikani­schen Gericht in die Hände fällt!

Der Klnleriprnch für die (OIHrh.

Königsberg i Pr., 31. Mai. Für die Vaterländische Gedenkhalle in Lötzen hat der Kaiser folgenden handschrift­lichen Ausspruch gestiftet:Die deutsche Ostmark soll und muß gesichert werden.

Mai 1918. Wilhelm I. R.

Kenn Zchndenilinns Inlainmenarbeit mit dem Feinde.

Wir erhalten folgende Zuschrift, die wir mit einigen Kürzungen wiedergeben, um zu zeigen, welchen Eindruck die Umtriebe des Abg. Scheidemann bei uns im Lande Hervorrufen:

Die Mittelmächte haben mit der Regierung der sogen. Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik" zwar einen Vertrag geschlossen. wonach Mischen Berlin.