Ssheidemnim fur Erzberger:
Der soz. Führer Philipp Scheidemann eilt inl -.Vorwärts" seinem getreuen Gehilfen und Gesinnungsgenossen Erzberger zu Hilfe. Er spricht von einem „alldeutsch-vaterländischen Spektakelstück", von einer „vaterlandsparteilichen Erzbergerhetze", die nach ihm den Zweck haben soll, den deutschen Michel nicht mehr an $r''L)en§mÖ0lKf)fetten, an die Vrotrationsverkürzung. an das preußische Wahlrecht, an die Vorgänge in Livland, Esthland, Kurland, Litauen, Polen, Ukraine und andere wichtige Fragen denken zu lassen Scheidemann bescheinigt Erzberger, daß er sich mit seiner Friedensentschließung offen zur sozialdemokratischen Politik bekannt habe, und daß jene Friedensentschließung in erheblichem Maße der Erzbergerschen Rührigkeit zu danken sei. Am Ende aber gelangt Scheidemann zu dem Schluß, daß die ganze Erzbergerhetze eine „recht unbedeutende Sache" sei. Warmn aber hält er es dann für erforderlich, einen ganzen Leitartikel auf Erzbergers Ehrenrettung zu verwenden? Vermutlich deswegen, weil Scheidemann die Gefahr fürchtet, daß Erzberger kaltgestellt und so ihm und der Sozialdemokratie einer ihrer wirksamsten Handlanger entzogen werden könne.
Ci»r Zeichen der Zeit.
Die Sektkneiperci der Siebzehnjährigen. In welch unsinniger Weise jugendliche Munitionsarbeiter, die sich offenbar auch schon als „Kriegsgewinnler" fühlen, ihre hohen Löhne vergeuden, zeigte wieder einmal eine Verhandlung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte.
Wgen Uebertretung der Polizeistunde war der Geschäftsführer der Gastwirtschaft „Zum Gerstensaft" in der Chausseestraße, Louis Rehra, angeklagt. Der Angeklagte war durch amtsgerichtlichen Strafbefehl in eine Geldstrafe von 150 Mark genommen worden, weil er wiederholt sein Lokal jugendlichen Munitionsarbeitern zur Veranstaltung von Sektgelagen, die sich bis 2 llhr mrgens hinzogen, zur Verfügung gestellt hatte. Wie der Kellner Zahl, der die Anzeige erstattet hatte, bekundete, sei es gar keine Seltenheit gewesen, daß drei 16 jährige Bengel mit ihren „Brou- lens" eine Sektzeche von 5—600 Mark machten. Die Erzählung eines 17 jährigen Arbeiters, der in jeder Woche rund 200 Mark verdient, rief insbesondere bei dem im Dienst ergrauten Gerichtsdiener, der mit 170 Mark monatlich eine ganze Familie ernähren muß. Kopfschütteln hervor. — Der von dem Angeklagten gegen den Strafbefehl erhobene Widerspruch wurde auf Grund der Zeugenaussagen zurückgewiesen.
Zur Fudendorff-Zpende.
O(n)m nechsde Samsdog un Dogs druff Sucht unser Jungwehr jeden uff Un gibt reichlich Gelegenheit,
Zu zeige woahre Dankboarkeit Dene, die drauß schwer mitgenomme,
Un invalid sinn haamgekomme.
E jeder, wo net geizt mi,m Geld,
Vom Ludendorff e Bild* erhält;
Druff sieht-mr'n mit dem Hindenborg: Sie schwätze grob ihr'n Kriegsplan dorch Die Muster von dene Geschenke Duhn in veschiedne Läde* henke.
E braun Bild gibt's fer zehe Mack,
Wer ower dieser greift in Sack Un zwanzig Mack dezu bezohlt,
Der kriet's hibsch bündig ausgemolt.
Wer mehr als zwanzig will beschdreide, Derf sich aans wehle zwische beide.
Spendiert, ihr Leut, net lang besonne! Deß unser Volk seither gewönne,
Un deß es bahl lebt ganz im Friede,
Des dankt es aach de Invalide!
Die hälfe all de Feind bezwinge;
Losrt uns fer die e Opfer bringe!
Uom Feld»
der Ehre.
Södel. Der Unteroffizier Konrad Bender, feit Kriegsbeginn im Felde, wurde zum Sergeanten befördert. Herzlichen Glückwunsch.
Södel. Dem Ersatz-Reservisten Jakob Graulich, Sohn des Landwirts Karl Graulich, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt er schon früher.
* Aushang bei Bindemagel, Scriba. Stern, Scheuer, Hirsch und Reue Tageszeitung.
Aus der Heinrat.
Rückgabe russischer Wertpapiere. Die bei der Reichsbank zur Abstempelung eingereichten russischen Wertpapiere können gegen Rückgabe der mit Rückempfangsbescheinigung zu versehenden Quittungen abgeholt werden.
Taubstuwmcngottesdicnst. Nächsten Sonntag findet in der Burgkirche Taubstummengottesdienst statt. Prediger Herr Professor I). Dr. D i e h l. Der Gottesdienst beginnt ausnahmsweise um 3 Uhr.
Zur Koßlensrage. Man schreibt uns: Die Kohlen- knnppheit, über die bereits schon so v eles geschrieben wurde, hat sich speziell bei unseren landwirtschaftlichen Großbetrieben zu einer wahren Kalamität herausgebildet, verursacht heule wohl die größten Sorgen, um den Betrieb ausrecht zu erhalten. Man ist sich wohl der schwierigen, durch den Krieg geschaffenen Lage vollauf bewußt, man kennt die beschränkte Kohlenförderung und die erschwerten Besörderungsverhältnisse. ober man weiß auch von berufner Seite, daß durch das allzuviele Organisieren bei der Kohle, die Verhältnisse nicht besser, sondern schlechter geworden sind (Wie überall! Die Schristl.) und bei einer gerechten und nicht einseitigen Verteilung der Kohle bei den sogen, kriegsindusiriellen Betrieben Kohle genug für alle Betriebe zur Verfügung ständen. Fast täglich kann man sagen entstehen sogen, neue Kriegsbetriebe, denen die Kohlenlieserung sichergestellt wird, während für die landwirtschaftlichen Großbetriebe, die doch sicher auch kriegswichtig genug sind, keine Kohle vorhanden ist. Die Lage ist geradezu verzweifelt und wo man an- klopst, nichts als verbindliche Worte — und keine Kohle. Man kennt keine Instanz, wo man sich mit Erfolg hinwenden kann, man füllt monatlich die in allen Fachen erscheinenden Kohlenkarten aus und schickt solche an die ausgegebenen Adressen, man scheut weder Zeit, Mühe, noch Kosten und alles hat keinen Zweck. Man hätte sicher schon erwarten können und wir erachten es sogar für seine heiligste Pflicht, daß das hessische Ministerium bei den maßgebenden Stellen in Berlin energisch auf seinem Recht besteht und verlangt, daß die landwirtschaftlichen Großbetriebe mindestens in gleicher Weise wie die sogenannten kriegswichtigen Betriebe, wie Trockenanstallen und Kraftfutterfnbriken, bei der Kohleirlieferung berücksichtigt werden. Wie gesagt, ein Hauptgrund an der ungleichen Verteilung der Kohle scheint die bei uns typisch gewordene an Menschen und Geld verschwenderische Ueberorganisation zu sein, gegen die anzukümpfen ich heute für eine Hauptaufgabe der Presse halte und gegen die sich bereits eine am Samstag im Franlsurter Römer abgehaltene Versammlung der Vertreter von Handel und Industrie Südwest- Deutschlands kräftig zur Wehr gesetzt hat. Durch die atut gewordene Kohlennot wird die Arbeitsfreudigkeit bei den Landwirten gewiß nicht gefördert und dürste es sehr fraglich erscheinen, ob hierbei die vaterländische Aufgabe, die Ernährung der Bevölkerung sicher zu stellen und zu gewährleisten, voll und ganz erfüllt werden tann. Fiat justitia!
Ein wahrhaft salomonischer Bescheid für Aepfelwcin- trinker wurde, wie der Frankfurter General-Anzeiger berichtet, diesen durch ein Schreiben der städtisck-en Preisprüfungsstelle gegeben, das ein Leser zur Verfügung stellt. Dieser hatte sich über einen Wirt beschwert, der vor der Abgabe von Aepfelwein dem Gast zuerst ein Schoppen Bier verordnet^ Der Gast, ein älterer Herr, der solä)es Durcheinander von Bier und Wern nicht verträgt, beschwerte sich, und die Preisprüsungsstelle antwortete: „Bei den geringen Aepfelweinbeständen der Wirte kann denselben ihr Verlangen an die Gäste, vor Verabreichung von Aepfelwein erst ein Glas Bier anznnehmcn, nicht untersagt werden. Nicht
verlängert 'dagegen Vars der Wirk, Faß Aas zu bezahleüE Bier vom Gast auch getrunken wird. Der Wirt erklär^ ein Verwandter von ihm, der in der Wirtschaft ausgeholfen, habe nicht den Auftrag gehabt, von dem Gast das Trinken des Bieres zu verlangen." — Dieser Bescheid ist selbst in unseres Herrgotts wunderlichem Paragraphengarten, der jetzt allenthalben aufgetan ist, noch eine prachtvolle Blüte. Dazu also hat man eine „städtische Preisprüfungsstelle", damit sie die zwangsweise Vernichtung der knappen Biervorräte verordnet, selbst durch Leute, die gar keins trinken wollen. Weil der Aepfelwein knapp ist, deshalb muß Bier fortgeschüttet werden. Wir fürchten, die städtische Preisprüfungsstelle wird sich mit diesem mustergülügen Bureau* kratenbescheid arg den Unbilden der Witzblätter aussetzen.
FC. Bad-Nauheim, 27. Mai. Hier waren die ersten Kirschen auf dem Markt. Sie kosteten das Pfund 1.20 Mark
FC. Butzbach, 27. Mai. Da sich die Besucherzahl der oberster Klasse der Realschule wesentlich vermehrt, hat der Stadtvorstand an die Negierung auf einem früher von derselben gegebenen Versprechen fußend, das Ersuchen gerichtet, wieder die seinerzeit aufgehobene Obersekunda neu der Schule anzugliedern.
FC. Alsfeld, 27. Mai. Wegen zu hoher Beirievskosten soll die Postverbindung Alsfeld—Loshausen eingestellt werden.
FC. Schwanheim, 27. Mai. Am 29. Mai begeht Bürgermeister Diefenhardt dahier sein 25 jähriges Amtsjubiläum.
Auß Starkcnburg.
TO. Arheilgen, 26. Mai. Das Korn blüht, somit dürfte aus eine Roggenernte zu rechnen sein In der hiesigen Gegend dürfte somit der Roggen in zirka sechs Wochen reif und mit dem Schnitt kann begonnen werden. Das Legen der Kartoffeln ist ebenfalls beendet, zum Teil stehen sie sehr schön und hat man mit dem Hacken bereits begonnen.
FC. Dieburg, 27. Mai. Nachdem erst vor kurzem die Gemeinde Münster infolge Krankheit ihren Bürgermeister verloren hatte, ist nunmehr der langjährige Beigeordnete Braun unerwartet schnell gestorben.
Babenhausen. (Aus Bayern kommt nichts heraus.) Bös hereingefallen sind zahlreiche hessische Landwirte der hiesigen Gegend, die nach benachbarten bayerischen Orten zum Einkauf von Ferkeln gefahren waren. Sie erstanden dort zu den bekannten fabelhaft hohen Preisen von 100—125 Mark Ferkel oder junge Läuferschweine zum Preise von 200 bis 240 Mark das Stück. Als sie mit den Tierchen an die Grenze kamen, wurden alle Schweinchen beschlagnahmt. Alle Bitten und Beschwerden halfen nichts, denn aus Bayern darf nichts hinaus, wie ja auch kein Paket über die blauweißen Grenzpfähle hinaus darf, ohne daß die fürsorgliche Polizei erst hineingeschaut hat. Bis jetzt ist den Landwirten für ihre beschlagnahmten Ferkel noch keine Entschädigung gezahlt worden. Die Aufregung der Leute ist begreiflicherweise aufs höchste gestiegen.
FC Aus Nheinhefien, 26. Mai. Der Stand der Reben ist in allen Weinorten zurzeit ein ganz vorzüglicher und haben die Winzer infolge der raschen Entwickelung welche die aller früheren Jahre weit überholt, alle Hände voll zu tun. Die Wein- bergsarbeiten sind fast allenthalgben erledigt. Der Austrieb der Reben ist gleichmäßig und die Gescheine find zahlreich vorhanden so daß die Grundbedingung für einen guten Ertrag gegeben. Viele Winzer und Spekulanten halten mit dem Meinverkau? noch zurück, weil ihnen Preise von 6000—6000 Mark für 120v Liter immer noch nicht genügen.
Kirchliche Nachrichten.
Gottesdienst der Katholischen Gemeinde.
Donnerstag, den 30. Mai 1918: Frohnleichnam. Beicht- gelegenheit am Vorabend von 5 Uhr an und Feiertags früh von 6 Uhr.
4/27 Uhr Frühmesse.
8 Uhr Militärgottesdienst '(Singmesse mit Predigt^.
% 10 Uhr Feierliches Hochamt mit Segen und danach Prozession.
Nachmittagls 2*4 Uhr Sakramentalischo-Andacht mit Segen.
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg-, fiir den Anzeigenteil: R. § evner, I riedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*, _ _ A- G.. Friedbera i ^
Wetr.: Die Vertilgung der Blutlaus und der Naupennester der Apselge,pinstmotte.
Kckauntmttchnttg.
Die Blutlaus ist in ausgedehnter Weife an den Apfel- und sonstigen Obstbäumen in den Hausgärlrn der Stadt unb des Stadtteils Fauerbach und ebenso auch an solchen Bäumen in den beiden Feldaemarkungen aufgetreten.
Eine gründliche Reinigung der mit der Blutlaus behafteten Bäume ist dringend erforderlich geworden.
Durch die Witterung begünstigt ist außer der Blutlaus auch noch die Apfelgespinstmotte an den gleichen Bäumen ausgetreten. Es haben sich Naupennester gebildet, durch die den Bäumen uub der diesjährigen Ernte außerordentlich großer Schaden zugefügt wird. Ein sofortiges Eingreifen zur.Vertilgung auch dieses Obstbauinschädlings ist notwendig.
Die Besitzer von Obstbäumen oder die Nutzungsberechtigten dezw.deren Vettrelerfordereichhierdurch miteinerFrtst von 14 Tagen aus. sowohl die Blutlaus als auch die Ralipennester der Apfelge- fpinstmotle von ihren Bäumen gründlich ent,einen zu lassen.
Die Vernichtung der Raupennester erfolgt am wirksamsten unter Benutzung von Raupenfakeln.
Der Befolg wird durch das Feldschutzpersonal kontrolliert.
a Der Richtbefolg dieser Aufforderung wird nach Maßgabe des L6v Ziffer 2 des Str. G. B. und nach der Verordnung vom 19. uni 1900 best vft. ' *
' Lriedberg. den 27. Mai 191SL
Le, Bürgermeister 2. L: Damm.
He'ranntmachnng.
Von Donnerstag, den 30. d. MrS. ab, verkaufen wir in den hiesigen Kolonialwarengeschäften
MagermilelipiiIvGr
Preis pro Mund 2.25 Mk.,
Migemilch in Dosen
Preis per Dose 1.20 Mk.
Fricdderg, den 28. Mai 1918.
Der stcllvcrtr. Bürgermeister, fitädt. Lebensmittel-Ausschuß)
I. A.: Langsdorf.
NiOch-Versttigemil
imWchrheimcrGemeindewald (Distrikt 6, 12 a u. Totalitäten.) Montag, den 3. Juni, vormittags 10^/2 Uhr, in der Gastwirtschaft „ZumTaunus"zuWehr- heim:
338 Fichtenstämme I. bis II. Kl. 208,98 fm
681 Fichtenstangen I. Kl.
200 Fichtenstangen II. Kl.
172 Ftchtenstangcn 11L Kl. Wehrheim, den 24. Mai 1918.
De, Bürgermeister r veity - H
ÜMpiiMif»
das die Kurz- und Modewarenbranche erlernen will, zum baldigen Eintritt gesucht.
Clementine Stern,
Friedberg. Kaiserstraße Nr. bl, gegegenüber der Engel-Apoth.
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|Uii jriliia Qnättti
Landwirte sorgt für Erünfutter!
Besonders in diesem futterarmen Kriegsjahre wird jede landwirtschaftliche und jede Kleinvieh haltende Familie Deutschlands Griinfutter, eine gesunde Tiernahrung, doppelt hoch einschätzen. Viel Griinfutter auf einer kleinen Fläche schafft man sich auf 30 Jahre hinaus durch eine
Comsiey-Anlage.
Beste Pflanzzeit: Mal. „Comfrey" wird von Schweinen, Rindvieh,Pferden,Ziegen,Schafen, Kaninchen und Geflügel gern ge- freffen. J 00 Stecklinge 1 Mark, 1000 Stecklinge 8 Mk., 10 000 Steck- linae 70 Mk. „Comsrey-Pflanzen" gleich wachsend, ein Drittel mehr. Deutscher Reis für 200 Pflanzen» famea 1 Mark. Helianthlkuollen 100 Stück 2 Mark.
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Die Herren Landwirt»
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