Stellungen glSckte im vollsten Maße Düs Mederhalkeü der feindlichen Artillerie, die bald nur noch mit einzelnen D^chützeu antwortete, war gelungen.
Zahllose Gefangene unb unermeßliche Deute fiele* den nachfolgenden Jnfanteriewellen in die Hand. Bei Dally wur- den vier Klauengeschütze erobert. Noch am 26. Mai beschossen sie Laon und hätten auch diese Stadt in einen Trümmerhaufen verwandelt, wäre der deutsche Angriff nicht rettend erfolgt.
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V«e Meldmri Loa Kaisers.
Berlin, 28. Mai. (MTV. Nichtamlich.) Der Kaiser richtete vom Schlachtfelde südlich Laon folgendes Telegramm an ore Kaiserin:
„Ihrer Majestät der K^' .In. Neues Palais Wildpark. Wilhelm hat heilte di? Engländer und Franzosen auf dem Chemin des Do cö angegriffen.-Die stark auf- gebaute Höhenstellung ist nach gewaltigem Artilleriefeuer von unserer herrlichen Infanterie erstürmt worden. Wir haben die Aisne überschritten und nähern uns der Veste. Fritz mit der Ersten Garde-Jnfanterie-Division hat als einer der Ersten die Aisne erreicht. Auch die 28. Division hat stch wiederum ausgezeichnet. Engländer wie Frau- zosen sind vollständig überrascht worden. Unsere Verluste sind gering. Morgen geht es weiter! Gott hat uns einen Sieg beschert und wird uns weiter helfen. Gruße. Wilhelm."
Mm HÄ gesehen, tote lange England dazu geknmcht hat.
um ungefähr eme ebenso große Zahl über den Kanal zu bringen. Und wenn die Truppen dann auch endlich dort stehen, dann muß man erst mit ihnen siegen: denn daß d--S Ausrusten und Befördern von Truppen noch nicht dasselbe ist wie der Sieg, das hat man an dem Beispiel Englands gesehen,. ganz zu schweigen von der Tatsache, daß die Schwierigkeiten im Verhältnis zu dem Abstand, den die amerlkaniscken Truppen auf dem Meer zurückzulegen haben, wachsen. Die Amerikaner gelten als Menschen der Reklame und man ist infolgedessen nicht geneigt, ohne weiteres zu glauben, was Amerika ankündigt. Es ist aber sicher ebenso gefährlich, jetzt die militärischen Anspannungen Amerikas zu unterschätzen, wie es sich als gefährlich erwiesen hat England zu unterschätzen. Jedoch Amerika beginnt jetzt erst,' und es wird noch lange dauern, bis es seine Kräfte ent- wickelt hat.
Pujrland.
Amerikas Versagen.
. Basel, 28. Mai. „Daily Mail" meldet über die Verteilung der Kräfte an der Westfront, daß die Alliierten das Gleichgewicht in der Artillerie und Munition wieder hergestellt hätten. Das Mannschaftsmaterial sei wegen der ge- nngen Zufuhren der Amerikaner noch nicht dem Gegner gleich stark. Man dürfe daher den neuen deutschen Angriff Nicht als unbedenklich bezeichnen, zumal die englische Front auf einen schmalen Streifen längs der Küste zurückgedrängt
Sie DWiing tiun Paris. — Ein nnirr fnttangriff.
Sa fei, 28. Mai. Hava- meldet aus Paris, daß das' weittragende Geschütz, wie den Blättern berichtet werde, nur geringen Schaden angerichtet habe. Es würden Maß-' vahmn zur Zerstörung des Geschützes ergriffen werden.
Havas meldet weiter: Paris wurde am Montag abend gegen 11.35 Uhr durch die Fliegerwache alarmiert. Das Sperrfeuer setzte ein, als sich ein Dutzend feindlicher Flug- zeuge Paris näherte. Mehrere Bomben wurden in der weiteren Umgebung von Paris obgeworfen. Kein Flugzeug konnte jedoch die eigentliche Stadt überfliegen. Um 11.45 Uhr war der Alarm zu Ende.
Perms und Soissons beschossen.
Genf, 28. Mai. Die französischen Blatter melden die erneute Beschießung von Reims und SoissonS.
Sie Kttresonnikliriing in Amerika.
Rotterdam, 25. Mai. (WB.) ..Nieuwe Rotterdamsche Courant" schreibt über die amerikanische Heeresvermehrung: Bevor die drei Millionen Mann amerikanischer Truppen in Frankreich sein werden, werden noch einige Jahre vergehen.
Rotterdam, 27. Mai. Die „Deutsche Tageszeitung" meldet: Der „Daily Telegraph" berichtet aus Petersburg
vom 19. Mai, daß die deutschfeindliche Gesinnung in den unteren Volksklassen in Rußland zunehme, daß aber die bürgerlichen Kreise Hilfe von den Deutschen ersehnten, jedoch nicht aus Zuneigung, sondern aus Eigennutz. In den gro- ßen Städten würden die wirtschaftlichenZnstände immer ver- zweifelter, und es sei zu Hungeraufständen gekommen. In Pawlowsk und anderen Städten sei ein Aufstand gegen die Sowjets losgebrochen, der aber von den politisch zusammen- geschlossenen Teilen der Arbeiterschaft unterdrückt wurde. Die Kirche und die gegenrevolutionären .Kreise bedienten sich jetzt der Hungerzustände für ihre Zwecke. Die Ursache für diese Zustände in den großen Städten seien der Mangel an Verkehrsmitteln und die Weigerung der Bauern, Getreide abzugeben.
Aus dem Haag, 27. Mai. Das „Erchange Bureau" meldet aus Moskau: In verschiedenen Städten der Provinz kam es Donnerstag zu ernsten Unruhen wegen der Lebens- mtttelnot. In Nischni-Nowgorod faßten 10.000 Arbeiter einen Beschluß, der sich gegen die Sowjet-Negierung richtet. Sie fordern darin die sosorttge Einberufung der Konstituante und drohen mit einem eintägigen Streik.
Drrliattung Drg nripsliilrijm fionlnlg in Sinn.
Stiem, 28. Mai. (WB.) Nachdem bereits seit längerer Zeit eine starke Entente-Propaganda in Kiew festgestellt worden war, deren Spuren nach dem hiesigen griechischen Konsulat wiesen, sind unter Mitwirkung der ukrainischen Behörden durch die deutsche Feldpolizei der griechische Wahl- konsul Gripari und der griechische Wahlvizekonsul Wassiliadi unter Spionaaeverdacht verhaftet worden. Letzterer wurde nach der Feststellung seiner Persönlichkeit zunächst wieder entlassen.
' RD ? Zusammenfassung des StaaLsaedankerrL
~ r Staatseinheit und schließlich die For- !Einführung der deutschen Staatssprache feierlich erhoben werden. Die Errichtung von Kreishaup^ Mannschaften in Böhmen bedeute wohl eine zweckmäßi« Vereinfachung der Verwaltung, sei jedoch für iÄS nur unter der Voraussetzung annehmbar, daß sie den Wün. scheu der Deutschen entsprechend erfolgt. Laß die Sprachen, frage im Sinne des Osterprogramms gelöst und die deuttch, Staatssprache eingeführt werde. Rur eine starke zentralü- stifche Staatsgewalt könne auch die deutschen Minderheiten wirksam schützen. Die Sicherung des Weges zur Adria für das gesamte Deutschtum sei eine unbedingte Staatsnot.
"d'Skelt. Alle Bestrebungen nach einer tschechisch slowakischen Autonomie müßten ans das allerentscknedcnst^ bekampst werden. Die EntMießung verlangt weiter die Wahrung der Interessen der deiltschen Minderheiten sowie der österreichischen Gesamtinteressen bei der Neuregelung «. er polnischen und ukrainischen Frage und begrüßt die Ver- tiefung des deutsch-österreichischen Bündnisses. Schließlich wurde mit einem einstimmigen Beschluß die Gründung de» deutschen Vorrates für Oesterreich vollzöge»
Pr. KraMrjlh ang Prag nng^rtnifirn.
SBteit, 28. Mai. (WB.) Die Blätter melden aus Prag: L-r. Kramarsch wurde von der Polizei auf unbestimmte Zeit aus Prag ausgewiesen. Er hält sich gegenwärtig in einem kleinen Orte bei Prag auf.
Dr. Kramarsch wurde bekanntlich s. Z^ wegen Hoch- verrat zum Tode verurteilt. Unbegreiflicher Weise be- gnadigt, setzte er in Prag sein Hetzhandwerk mit ungeschwächten Kräften fort.
Generaloberst von Kessel ch.
Berlin, 28. Mai. (WTV. Nichtamtlich.) Der Oberbefehlshaber in den Marken und Generaladjutant des Kaisers, Generalberst v. Kessel, ist kurz vor Mitternacht rn seiner Wohnung verschieden, nachdem er gestern ftüh einen Schlaganfall erlitten hatte, von dem er sich nichr wieder erholen konnte.
Oesterreich-Ungarn.
Die Forderungen der Deutschen.
Dien, 27. Mai. (WB.) In der am 25. und 26. Mai in Wien abgehaltenen gemeinsamen Beratiing der deutschen Kronlandsvolksräte, in denen die deutsck)en Volksräte für Böhmen, Wien, Niederösterreich. Mittel- und Untersteier, mark, Kärnten, Krain, Tirol, Triest, das Küstenland und Galizien sowie der in der Bildung begriffene deutsche Volksrat für Obersteiermark vertreten waren, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der die Forderungen
Mm me krifi Liede Leid yeschah.
Roman von Courlhs-Mahler.
^ Nachdruck verboten.
Noch einmal betrachtete er lange und aufmerksam die Photographie.
„Wenn Du nur glücklich geworden bist, Maria!" sagte er leise und strich wie liebkosend über das Bild.
Dann legte er Brief, Bild und Ring wieder in das Fach zurück und ging im Zimmer auf und ab.
Gleich darauf huschte Karla zu ihm ins Zinrmer.
„Tu bist allein, liebes Onkelchen! Ich sah Fräulein Hellmut draußen spazieren gehen und eilte zu Dir."
„Ich habe Fräulein Hellmut auf ein halbes Stündchen beurlaubt," erwiderte er.
„Wird Dir Fräulein Hellmut auch alles recht machen, Onkelchen? Liest sie gut vor? Ist Dir ihre Persönlichkeit angenehm? Wir sorgen uns sehr, Mama und ich, und bei- nahe machen wir uns Gewissensbisse, daß wir es zulüßen, daß Du eine fremde Person zu Deiner Hilfe herbeirufen mußtest," sagte sie schmeichlerisch.
„Ihr könnt ganz gut beruhigt sein, Karla. Fräulein Hellmut ist mir sympathisch und wird, nach meinem Ermessen,^ ihr Amt zu meiner Zufriedenheit ausfüllen. Jeden- falls ist es mir ein beruhigender Gedanke, daß ihr. Deine Mutter und Du, euch meinetwegen nicht mehr anzusttengen braucht."
„Wir haben es doch so gern getan, lieber Onkel, das toeiftt Zu bock"
"£a, Karla, ich weiß es. Aber ich bin ärgerlich auf mich, »aß ich es so selbstverständlich hinnahm. Erst Frau von Frankenau mußte mir die Augen darüber öffnen, daß ich eure Zeit so egoistisch mit Beschlag belegte. Nun fteut euch und genießt sie, Ihr könnt mich ganz unbe- sorgt Fraulern Hellmut überlassen, sie scheint sehr vernünftig und pflichttreu zu fcin, trotz ihrer Jugend. Graf Steinau hat sehr umsichtig fir mich gewählt."
Massenerbranknngen in Spanien.
Madrid, 27. Mai. (Reuter.) Der König, der Ministerpräsident und andere Minister sind unter rätselhaften Erscheinungen erkrankt. Von dieser Krankheit, die sich über ganz Spanien verbreitet, wurden dreißig Prozent der Bevölkerung befallen. Die Krankheit wird nicht als ernst angesehen.
Madrid, 27. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Meldrmg de» Neuterschen Bureaus. Viele Theater bleiben, geschlossen, da das Personal an der unerklärlichen Krankheit leidet. Der Dienst auf den elektrischen Bahnen ist gestört, da die meisten Barnten angesteckt sind. Die Aerzte raten an, ernste Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, da im Jahre 1899 die Pest auf dieselbe Weise begann wie diese Krankheit. Die Blätter verwenden einen großen Teil ihres Raumes, um Einzelheiten über die Krankheit zu geben. Der Bevölkerung wird angeraten, alle Zimmer gut zu lüften und oft an die frische Luft zu gehen. Die öffentlichen Vergnügungen werden so gut wie nicht besucht. Außer dem Ministerpräsidenten sind auch der Finanzminister, der Marineminister, der Unter- richtsminister und ibre Beamten krank. Man vermutet, daß der König cmgesteckt wurde, als er gestern in der Schloßkapelle dem Gottesdienste beiwohnte.
„Das freut mich für Dich, liebes Onkelchen. Aber nun etwas anderes. Ich wollte Dir sagen, daß gestern Herr von Frankenau zurückgekehrt ist von seiner Reise."
. „Ach richtig seine Mutter sprach mir davon. Da wird ja wohl nun das Leben in Frankenau noch geselliger werden, als bisher. Das freut mich für Dich. Da wirst Du auch etwas Amüsantes haben. Birkenheim ist ein wenig zu still für so ein junges Blut, wie Du bist."
„Ach, das mußt Tu nicht glauben, Onkel Heinz. Ich liebe Virkenheim so sehr und möchte nirgends anders sein als hier."
„Es soll auch immer Deine Heimat sein, Karla; aber über ein wenig Zerstreuung wirst Du nicht böse sein."
Karla stieg eine freudige Röte ins Gesicht bei den Worten ihres Onkels. Das klang doch wieder wie ein Der- sprechen, daß sie einst seine Erbin sein würde. Sie sah noch viel liebenswürdiger und madonnenhafter aus als sonst und umschmeichelke den alten Herrn w^ ein Kätzchen.
Seltsamerweise empfand Heute Herr von Birkenheim das Wesen seiner Nichte mit einem Gefühl leisen Unbehagens. Er merkte zuni erstenmal, wie spröde und klanglos die schmeichelnde Stimme war. Der warme Herzenston fehlte. Und in ihren Augen sah er zum erstenmal bei aller Zärtlichkeit ein seltsames kaltes Flimmern.
Als jetzt, nach genau einer halben Stunde, Fräulein Hellmut das Zimmer betrat, entließ er Karla.
„Du kannst mich unbesorgt Fräulein Hellmut über- lassen, Karla. Ich habe ihr einige Briefe zu diktieren. Bei Tisch sehen wir uns wieder," sagte er.
Die Baronesse verabschiedete sich zärtlich von ihm. Sie sprach einige sanfte, liebenswürdige Worte zu Fräulein Hellmut, wobei jedoch ihre Augen mtt einem kalten, hoch- mutigen Blick über das schöne Antlitz derselben flogen. Dann ging sie hinaus.
Als Herr von Virkenheim mit Christa allein war, hob sich seine Brust in einem tiefen Atemzug, als sei ihm jetzt freier und leichter zumute,
„So, Fräulein Hellmut," sagte Herr von Birkenheim' mit einer einladenden Handbewegung, „nun nehmen Sie an' meinem Schreibtisch Platz. Hier ist Schreibzeug und Papier Mit Schreibmaschine kann ich mich nicht befreunden, das Geräusch macht mich nervös. Sie müssen also mit der Hand schreiben."
Christa sah lächelnd zu ihm auf.
„Ich habe auch gar nicht gelernt, mit der Maschine zrl' schreiben, Herr von Virkenheim."
„So! Nun, dann ist uns ja beiden geholfen. Alsa bitte schreiben Sie."
Er diktierte ihr ein kurzes geschäftliches Schreiben und dann einen Brief an Graf Steinap. Dieser lautete:
„Mein lieber Rudolf! Herzlich danke ich Dir für die Sorgfalt, die Du darauf verwendet hast, mir eine Vorleserin und Sekretärin zu suchen, die in jeder Weise meinen Wünschen entspricht. Die junge Dome ist mir sehr sympathisch und ich hoffe und wünsche, daß sie recht lange in meinem Hause bleibt. Sehr freue ich mich, daß Du mir für bald Deinen Besuch hast ankündigen lassen. Du weißt, wie dankbar ich Dir bin, daß Du in Deinem viel beschäfttgten Dasein noch zuweilen Zeit findest, Deinem verdrießlichen, alten Freund noch zuweilen einige Wochen Deiner kostbaren Zeit zu opfern.
Es geht mir jetzt leidlich gut. Meine Augen schmerzen weniger als sonst, und da ich sie jetzt dank Fräulein Hell- muts Hilfe noch mehr werde schonen können, als zuvor, so wird dieser erfreuliche Zustand hoffentlich anhalten. Ich hatte sä)on längst auf den Gedanken kommen sollen, mir eine Hilfe zu suchen, aber man denkt so oft an das Zunächst- liegende zuletzt. Erst Frau Sabine mußte mich darauf bringen. Du weißt, Frau von Frankenau, unsere verehrte Freimdin, ist immer klüger und umsicMger, als andere' Leute. Sie wird stch auch freuen, wenn ich ihr sage, daß Du bald nach Virkenheim kommst. Also, nochmals herzt lichen Dank, mein Alter, und auf baldiges Wiedersehens Mit herzlichem Grich.7, Fortsetzung folgte


