Ausgabe 
17.5.1918
 
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Wem nie !mch Liede Leid itrlrtjnfi.

Roman von Courths-Mahler.

H) Nachdruck verboten.

Fräulein Hellnint achtete nicht weiter auf das Menen­spiel des Dieners. Sie schritt aufrecht und elastisch neben ihm her durch die große Vorhalle und stieg im Hintergrund derselben eine breite, mächtige Steintreppe empor, die schnee­weiß getont und mit breiten Teppichläuferu belegt war. Vmnk geputzte Mcssingstangen hielten diese Läufer fest, und ein goldbronziertes Geländer, das Arabesken im Barockstil zeigte, säumte zu beiden Seiten die Treppe ein.

Im ersten Stock führten zwei breite Gänge nach beiden Seiten des Hauses. Sie waren mit den gleichen Teppich- läufern belegt und führten zu den beidcu Flügeln. Rechts und links mündeten zahlreiche Türen auf die Gänge, die in diese Gemächer führten.

Das alles überflog Fräulein Hellmut mit einem forschenden Blick. Der Diener zeigte ihr jedoch durch eine Handbewegung, daß sie noch weiter emporsteigen müsse. Er führte die junge Dame in den zweiten Stock. Dieser war genau so angelegt wie der erste.

Zur rechten Hand öffnete nun der Mener eine Tür und machte eine einladende Bewegung.

Hier ist Ihr Wohnzimmer, Fräulein Hellmut, das Schlafzimmer stößt links daran. Ihre Koffer werden sofort heraufgebracht werden."

Ich bitte darum," antwort/te die funge Dame, ihr Zimmer betretend.

Haben Sie sonst noch Wünsche?"

Augenblicklich nicht."

Sollten Sie etwas brauchen, bitte ich Sie, zu klingeln, einer Stunde werde ich Sie abholen und zur Frau Baronin führen."

Es ist gut."

Damit enließ Fraulein Hellmut den Diener und war nun allein. Sie sah sich im Wohnzimmer um. Es war sehr hübsch und freundlich eingerichtet mit guterhaltenen alten Möbeln, die wohl schon Jahrhunderte aus ihren Plätzen Landen. Das nebenan liegende Schlafzimmer zeigte indes eine ganz moderne Einrichtung: Ein weißes Reformbett

mit geblümten Vorhängen, weiß lackierte Möbel und an Türen und Fenstern denselben Blnmenstoff, unter dem an den Fenstern weiße Mullvorhänge hervorsahen. Ganz eigenartig wirkten diese beiden Zimmereinrichtungen neben einander

Fräulein Christa Hellmut war zufrieden. Ihr neues Heim gefiel ihr. Sie trat an eins der Fenster, die tiefe Nischen bildeten, und sah hinaus. Vor ihren Augen lag ein gutgepflegter Rasenplatz, in dem drei große Blumenrondells angebracht waren. Das mittelste Rondell war mit wunder­vollen Centifolien bepflanzt, die in voller Blüte stairden. Rechts und links davon waren sternförmig andere Blumen gepflanzt worden. Jenseits des Rasenplatzes sah man die hohen Baumriesen des Parkes emporragen in den wolken­losen tiefblauen Himmel.

Crista meinte den Vlumendrrft zu spüren. Sie atmete tief auf und sah einige Minuten sjnnend auf das hübsche Bild.

Dann wurde ihr Gepäck gebracht. Sie wandte sich schnell um und gab Anordnung, wo man es niedersetzen sollte. Entschieden verriet dabei ihr ganzes Wesen, daß sie gewohnt war. Befehle auszuteilen, wenn sie auch ruhig und freundlich blieb.

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Als sie wieder allein war, regte sie schnell Hut und Jacke ab. Sie öffnete die beiden Rohrplattenkoffer und nahm zuerst ihre Kleider heraus, die sie sogleich in den Schrank hängte. Schnell packte sie auch die anderen Sachen heraus und legte sie sogleich an Ort und Stelle. Mit ge­schickten Händen schaffte sie Ordnung und Behagen um sich her.

Dann zog sie ihr Kleid aus, säuberte sich Gesicht und Hände und o'dnete ihre einfache, aber sehr kleidsame Frisur, die das herrliche .Haar zur, Geltung brachte. Eine Weile stand sie dann überlegend vor ihrem Kleiderschrank und ent­nahm demselben schließlich ein schlichtes, aber sehr gediegen gearbeitetes Kleid von schwarzem Seidenkrepp, das keinen andern Schmuck zeigte, als einen kleinen, 'sehr schönen Spitzenkragen um den sehr kleinen Halsausschnitt.

Als sie das angelegt hatte und sich vor die, einen Spiegel bildende Schranktüre stellte, sah ihr eine sehr schöne und vornehm wirkende Erscheinung entgegen. Diese junge Dame in ihrer selbstverständlich stolzen Haltung niachte so gar nicht den Eindruck einer Untergebenen. Und doch war sie nur die durch Graf Steinau für Herrn von Birkenheim angestellte Sekretärin und Vorleserin. Sie hätte aber sehr wohl trotz ihres einfachen Kleides für die Herrin dieses Hauses gehalten werden können.

Als sie nun fertig war, bereit den Damen des .Hauses ihre Aufwartung zu machen, trat sie an den Schreibtisch heran, der an einem der Fenster stand. Auf die Platte des­selben hatte sie eine Kassette gestellt. Diese öffnete sie durch Druck auf eine verborgene Feder. Ter Teckel sprang auf. In dieserKassette lag nichts, als ein verschnürtes, versiegeltes Päckchen, das scheinbar nur Papier enthielt. *

Crista nahm dieses Päckchen heraus und sah darauf nieder. Es trug eine Aufschrift. Darauf ruhten ihre Augen eine Weile inr nachdenklichen Sinnen. Dann legte sie das Päckchen sorgfältig, als sei es ein Wertgegenstand, wieder in die Kassette, verschloß dieselbe und stell:e sie in ein Fach des Schreibtisches. Das schloß sie sorgfältig ab und nahm den Schlüssel an sich.

Gerade als sie sich von dem Schreibtisch abwandte, klopfte es an die Türe. Auf ihren Zuruf öffnete der Diener der sie heraufgeführt hate.

Frau Baronin wünschen. Sie zu empfangen."

Christa Hellmut neigte das Haupt.

Bitte, führen Sie mich zu ihr," sagte sie.

Der Diener ließ seinen Blick mit unverhohlenem Er­staunen über die vornehme Erscheinung gleiten. Unwillkür­lich trat er zur Seite um sie Vorbeigehen zu lassen. Er führte sie die Treppe hinab nach dein ersten Stock und dort rechts den Gang entlang bis ungefähr zur Mitte. Dort öffnete er eine Tür, die zu den Zimmern der Baronin Haßbach führte.

Christa Hellmut betrat einen mit königsblauen Möbeln imd Vorhängen dekorierten Salon. Am Fenster saß in einein Lehnsessel die Baronin Haßbach, eine Dame in der Mitte der Vierzig. Sie hatte ein nicht unschönes, aber etwas kaltes und unbeseeltes Gesicht, in den: ein sonderbares Lächeln festgebannt schien ein Lächeln, von dem die Augen nichts wußten. Dies Lächeln und eine eigenartig verbind­liche Kopfhaltung erweckten den Eindruck, als habe man eine sehr liebenswürdige, sanfte Persönlichkeit vor sich.

Sie hatte hellblondes, etwas farbloses Haar, das sorg- sältig frisiert war und nur zu sehr an die Brennschere ge­mahnte. Jedenfalls hatte man den Eindruck, als ob die Varonin noch nicht darauf verzichtet hatte, durch ihr

Aeußeres Gefallen zu erregen. Sie war jeffv elegant unff nach der neuesten Mode gekleidet.

Ihr gegenüber saß, in einen hochlehnigen Sessel ge- schnnegt, ihre Tochter, Baroneß Karla. Sie war eine ver­jüngte Kopie ihrer Mutter. Es wirkte fast lächerlich, wie genau der Gesichtsausdruck und die Kopfhaltung der Mutter abgelauscht war. Ihre Augen waren etwas dunkler, und die Jugend verklärte manches, was an der Mutter nsißfiel. Ohne Zweifel war die Baronesse eine sehr hübsche, junge Dame, und sie schien das zu wissen und sich etwas darauf zugute zu tun.

Christa Hellnmt hatte zunächst nicht Zeit, Mutter unt Tochter genauer zu betrachten. Sie merkte nur, daß bei ihreni Eintritt die beiden Damen sich zugleich sehr überrascht

unangenehm überrascht aufrichteten und sie in wenig taktvoller Weise austarrten.

Die Baronin griff sofort nach ihrem Lorgnon und hielt es vor dle etwas kurzsichtigen Augen. In den Madonnen­augen der Baronesse erschien ein eigenartiges, flimmerndes Leuchten, das entschieden etwas Falsches, Katzenartiges hatte. Christas Augen glitten mit einem ruhigen, aber forschenden Blick über die beiden Damen hin. Sie verneigte sich an­mutig und höflich, aber ohne Unterwürfigkeit, so, als de* grüße sie gleichstehende Menschen.

Sie sind Fräulein Hellmut, die Sekretärin und Vor­leserin, die Graf von Steinau für meinen Vetter, Herrn von Birkenheim, eingestellt hat?" fragte die Baronin ziem­lich verblüfft.

Ja, Frau Baronin, ich heiße Christa Hellmut und Graf Steinau war so freundlich, mich für dieses Amt zu bestellen."

Mutter und Tochter sahen sich an, als wollten sie sagen:

Da hat Graf Steinau einen argen Mißgriff getan."

Christa deutete diesen Blick sehr richtig, aber sie nahm scheinbar keine Notiz davon.

Eine Weile herrschte tiefes Stillschweigen. Dann sagte die Baronin, ziemlich deutlich ihr Mißvergnügen verratend:

Sie sind so jung und jedenfalls ganz anders, als ich mir gedacht habe."

Sie hatte sagen wollen:und viel zu schön", aber das hielt sie doch lieber zurück.

Es zuckte leise um Christas Lippen.

Graf Steinau glaubte, daß mein Alter Nebensache sei. Er meinte sogar, daß ich meinen Posten besser ausfüllen könne, als wenn ich älter wäre."

Aber ich hatte ihn ausdrücklich darum gebeten, eine Dame im gesetzten Alter einzustellen. Ich weiß doch nicht, ob Sie die geeignete Persönlichkeit sind. Herr von Birken­heim ist sehr reizbar und nervös und braucht eine Persön­lichkeit um sich, die viel Ruhe und Geduld hat. Da Sie viel in seiner Gesellschaft sein müssen, wäre viel Takt und Fein- gefiihl nötig und eine große Zuriickhaltung. Bei Ihrer Jugend ist es doch fraglich, ob Sie über die nötige Selbst­beherrschung verfügen werden."

Christa Hellmut behielt ihre ruhig, sichere Haltung.

Ich glaube in dieser Beziehung für mich einstehen zu können, Frau Baronin. Sie dürfen außer Sorge sein."

Die Baronin hatte sich wieder in der Gewalt und wech­selte wieder mit ihrer Tochter einen Blick, der zu sagen schien:

Es läßt sich vorläufig nichts dagegen tun."

Sie lehnte sich in ihren Sessel zurück.

9cun, da Sie nun einmal hier sind, muß man wohl den Versuch machen," sagte sie mit einem für Christa recht wenig schmeichelhaften Seufzer. (Fortsetzung folgt.)

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die uns bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen zuteil wurden, dankt

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen

Frau Lina Sprado Wwe.

Nieder-Wöllstadt, den 17. Mai 1918.

Holzversteigerung.

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Ober-Rosbach, den 14. Mai 1918.

Erotzh. Bürgermeisterei Ober-Nosbach.

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