Ausgabe 
16.5.1918
 
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Englische Minen.

Stockholm, 14. Mar. (WB.) Am vergangenen BoNnLag

ein schwedischer Dampfer vor der schwedischen Westküste arch eine Mine und sank. Acht schwedische Seeleute find um- gAommen. Nachdem verbandsfreundliche Blätter wie der »Dagens Nyeter" zunächst behauptet hatten, daß in letzter Zeit die vor der schvedischen Westküste treibenden zahlreichen Minen deutschen Ursprungs seren, veröffentlichen heute die Zeitungen eine amtliche Erklärung des Flottenamtes, nach der es sich um englisck-e Minen handelt. Im Anschlüsse hieran bemerkt dasStock' ms Dagblad": Das fürchter» lrche Mrnenunglüch-das aa wedis-che Leben gekostet hat. rst dre Folge der Auslegung es für die sckwedische Schiff­fahrt und Fischerei äußerst gefahrlosen ÜÜnenfeldes un­mittelbar vor unseren Küsten, wenn nicht sogar innerhalb der schwedischen Gewässer. In Gotenburg und an der ganzen Küste von Bohns rief die Minenlegung tiefste Ver­stimmung hervor. Zum mindesten ist auffallend, daß man rn London dieses Minenfeld nicht ansagte, sondern ohne Warnung auslegte. Man kann nicht unchin, an die Minen- legung in der Scheldemündung zu denken, die ein hollän­disches Scksiff und seine nichts ahnende Besatzung ins Un­glück stürzte. Die Maßnahme ist ein neuer Beweis für die Verwilderung der Kriegsführung.

CugMche Klagen.

Die ZeitschriftJohn Bull" schreibt: Wir sind jetzt 3y 3 Jahre im Krieg. Er hat uns 150 Milliarden Francs gekostet, mehr als eine Million Tote und iy 2 Millionen Verwundete. Wir haben unsere Armee von 260.000 Mann auf 7 Millionen gebracht. Frankreich, Italien und jetzt Amerika gehen mit uns. Rußland war über zwei Jahre auf unserer Seite, ebenso Rumänien, Serbien und Montenegro. Portugal und China stehen uns bei. Alle unsere Tochter­staaten und Kolonien haben uns glänzend unterstützt. Fast unsere gesamte Industrie ist auf die Munitionserzeugung umgestellt worden. Unsere Flotte ist für alle praktischen Zwecke noch unberührt, und heute sind wir in schlim- merer Lage, als wir es vor 3% Jahren waren.

Die irilche Frage.

... (WB.)Manchester Guardian" ver-

offentlrckt eine lange Zuschrift des irischen Schriftstellers George Rüssel, der auf das eindringlichste vor den Gefahren warnt, welche dre Durchführung der Politik der Leute, die man an dem Staatsruder belasse, keineswegs nur über Ir- kand, sondern auch über England und das britische Reich bringen werde. Irland sei nur theoretisch ein Teil des Bereinigten Königreichs. es habe tatsächlich die Union nie­mals akzeptiert, vielmehr schweigsam und grollend von eirrer Rebellion zur anderen auf die Stunde gewartet, da Groß­britannien wie die anderen großen Reiche fallen werde. England habe die irische Seele gegen sich; wenn es darauf bestehe, den irischen Willen zu brechen, werde in jeder Ge­meinde Blut fließen und unauslöschlicher Haß für. Generationen entstehen, der sich über das ganze Britenreich sowie die so vrele Verbannte Jrensöhne beherbergenden Vereinigten Staaten verbreiten und überall Aufruhr und Feindschaft gegen England erzeugen werde. Insbesondere würden gewaltsam gepreßte Soldaten, die ebenso bereit­willig ihre Waffen gegen die englischen Offiziere wie gegen

den Feind kehren würden, für England keinen militärischen Wert haben.

Manchester Guardian" empfiehlt diesen Brief allen, welche die von der Regierung Lloyd Georges geplante Der-' getvaltigung Irlands als unbedeutende vorübergehende Sache ansehen.Wir glauben nicht," sagt die Zeitung, daß die Masse des englischen Volkes zu tadeln ist. Sie versteht nicht, daß der Mord einer Nation im Gange ist. Was aber, tun die liberalen Führer? Sicherlich ist es jetzt an der Zeit, zu reden oder fiir immer zu schweigen."

D/r», 14. Mai. (WB.) WieJournal" aus London erfahrt, übernahmen Sinnfeinerbanden in der Graffchaft Cork Streifzüge, um, als Polizisten verkleidet, die in den Prwachausern befindlichen Feuerwaffen zu erlangen

- Das Schicksal des Dare«.

Kopenhagen, U. Mai. DieTimes" melde« aus fybcm

fmtQ: Der Aar rmd eine Zarin-Tochter find nach Iekaterinev- burg übergeführt worden. Die Regierung befürchtete, daß mr- ter den Bauern in der Umgegend von Tobolst ein« Erhebung zu Gunsten des Zaren ausbrechen würde und man soll eine Ver­schwörung entdeckt haben, die die Befreiung der Zarerrfamilie zum Ziele hatte. Die Zarin und der Thronfolger, sowie die übrigen Töchter verbleiben vorläufig in Tobolst, infolge des un­genügenden Gesundheitszustandes des Thronfolgers. In Jeka- terinenburg bewohnt der Zar ein kleines Prioatgebäude. Er hat sich oft über das unverschämte Verhalten seiner Diener zu beschweren. Man erwartet, daß über sein endgültiges Schicksal in nächster Zeit entschieden werden wird.

Schweden und die Aalandoinseln.

Stockholm, 15. Mat. (WTB.) WieRy° Dayligt All°- hcrnda" erfährt, wird die schwedische Regierung am nächsten Donnerstag von den noch auf Aaland befindlichen 300 schwedi­schen Soldaten die Hälfte zurückziehen. Am 25. April sprach in einer Versammlung in Mariohamn Dr. Gylling als Bevoll­mächtigter der aaländifchen Bevölkerung der deutschen Ve. satzung seinen Dank aus und betonte zugleich die warme Sym­pathie für Schweden und das Bedauern über die Entfernung der schwedischen Truppen.

Das polnische Heer.

Berlin. 15. Mai. (WTB.) Von zuständiger Seite geht uns dre Nachricht zu, daß entgegen allen anders lautenden Mittei­lungen über das polnische Heer, welche in den letzten Tagen durch die Presse gingen, nur folgendes zutrifft: Die Ausbildung ist mit Ruästcht cmf das geringe Ausbildungspersonal vorläufig mir eine friedensmäßige. Von irgend einer Verwendung kann daher keine Rede sein. Die Frage der Rekrutierung ist noch ! mcht entschieden. ' ^ 1

lüc Wehrpflicht in Irland.

15 Mai. DasPetit Journal" meldet ans London: Entgegen anderen Mitteilungen versichert das Krregs.amt. daß unter allen Umständen Ende dieses Monats dre Maßnahmen zur Durchführung der allgemeinen Wehr- Pflicht in Irland ergriffen werden.

Rntzlmrd.

Siratzentämpsr in Moskau.

Hass, 15. Mai. Aus Petersburg wird gemeldet: Der

Kampf zwischen Bolschewiki und Anarchisten hat am 11. Mai ak-nds in Moskau angefangen. Die Truppen der Sowjets um­zingelten das Gebäude der Anarchisten, darunter auch das Hauptquartier, wo früher der Kaufmannsklub war. Auf die-

ff * mar cine große schwarze Flagge mit dem Wort

Anarchist entfaltet. Die Anarchisten weigerten sich, ihre Ka­nonen und Panzerautos auszuliefern, und bombardierten die Truppen mit Handgranaten. In anderen Stadtvierteln fand em ähnlicher Kampf statt. Die sogenannten anarchistischen Fö­deralisten, die Bomben und Handgranaten benützten, .zeigten.

sie eine halbe Stunde mit Maschinengewehren beschossen w««n, die weiße Flagge. Usber die Verluste verlautet bis jetzt «tchts Auf dem Kreml, wo die Volkskommissare ihre Der- smnmlungen abhalten, sind viele Kanonen aufgestellt. Am 12. Mar um 32 Uhr dauerte der Kampf noch weiter fort..

Poimires Eroüermr^spo'MK.

... ^ den Verhandlungen der französischen Kommission sur auswärtige Angelegenheiten über die Friedensbemüh­ungen im Jahre 1917 schreibt dieNordd. Allg. Ztg." in einemEroberungspolitik des Herrn Poincars" betitelten Artikel u. a.:

Trotz aller Vorsicht erfährt man jetzt aus den Beratungen der französischen Kommission von einem Aktenstück, das Herr Clemenceau rn den Enthüllungen vorsichttgerweise nicht er. wohnt hatte, das aber den Mitgliedern der Kommission nicht verborgen werden konnte. Es handelt sich um den Brief des Präsidenten der ftanzösischen Republik an Prinzen Sixtus von Parmo.in dem Herr PoincarS die Riickgabe von Elsaß- Lothringen als ungenügend bezeichnet, die Wiederherstellung der Grenzen voy 1814 und das linke Rheinufer verlangt.

h. sich völlig auf den Boden der mit dem zaristischen Ruß- land geschlossenen Geheimverträge stellt. Man erfährt noch manch andere Dinge über die völlig selbständige Polittk des Herrn Poincarö in der ganzen Angelegenheit, so auch, daß er dem eben in den Krieg eingettetenen Präsidenten Wilson den Briefwechsel verheimlichte und auch Kerenski und die belgische Regierung vollständig in Unkenntnis über die richtigen Vorgänge ließ.

Es ist Sache des ffanzösischen Volkes, sich mit seinen Machthabern auseinanderzusetzen. Für uns sind aber die ffanzösischen Kommissionsberatungen ein neuer Beweis für den annexionistischen Charakter der ffanzösischen Politik. Sre zeigen, warum der Krieg weitergeht und sie zeigen, wie es um die Freiheit, das Recht und die Demokratie bei unseren westlichen Gegnern bestellt ist.

TrIkgra:mVklh!k! Milchen Kaiser Karl uri) Kailer Wilhelm.

Wien, 15, Mai. Kaiser Karl richtete an Kaiser Wilhelm folgendes Telegramm:

In dem Augenblicke, da ich auf der Heimkehr den gesegneten Boden des Deutschen Reiches verlasse, ist es mir ein wahres Herzensbedürfnis, Dir mit nochmaligem wärmsten Gruß den herzlichsten Dank für die nicht nur so gütige, sondern auch wahrhaft ffeundschaftliche Auf­nahme auszusprechen, die ich gestern bei Dir gefunden habe. Hochbefriedigt über unsere einverständliche Aus­sprache rufe ich Dir von Herzen und in ffeuer Freundschaft Auf baldiges Wiedersehen" zu. Kar l."

Hierauf antwortete Kaiser Wilhelm mit nachstehender Depesche:

Vielen Dank für Dein ffeundliches Telegramm. Ich ffeue Mich herzlich, daß Du von Deinem hiesigen Besuch so beledigt bist.. Auch Mir war es eine große Freude, Dich gesehen und in unseren eingehenden Besprechungen aufs neue unsere volle Übereinstimmung über die uns lertenden Zrele festgestellt zu haben, Ihre Verwirklichung wird unseren Reichen großen Segen bringen. Ich hoffe bald in der Lage zu sein. Deiner gütigen Aufforderung nachzukommen. Herzliche Grüße Zita und Dir. In ffeuer Freundschaft Wilhelm."

Der geschmähte Vizekanzler.

Graf Reventlow schreibt tu derDeuffchen Tages-

zerrung u. a.:

Der Vizekanzler Exzellenz von Pay« sagte im Haupt- auSschnß d°z Reichstags:

SBtr müssen aus der Kchtigkeft unserer Information bestehen. Sie aber weiten, was mit iüren Gedankenaänam»

«W Wereinsümmt oder von ihr« Nachrichten abweicht, mtt einer Handbewegung oder einem Kraftwort zurück. Damft bildet man keine geeignete Grimdlage für' die Be» sprechung."

Besser als durch diese Worte konnte der Vizekanzler v. Payer dre Unfachlichkeit der Angriffe nicht charakterisieren welche die Sprecher der Verzichtmehrheit, die Herren Scheidemann, Erzberger, Noske, Gothein usw. gegen di« Politik der deutschen Regierung im Osten und in de, Ukraine und gegen das militärische Vorgehen dort machten. So rst es in der Tat: Was mit denGedankengängen", oder denNachrichten" der Mehrheit nicht übereinstimmt, wird von rhren Verffetern mit einer Handbewegung oder einem Kraftworte zurückgewiesen. Dabei hat sich der Vizekanzler außerordentlich maßvoll ausgedrückt und sehr schonsam charakterisiert, sonst hätte er nicht nur von Gedanken­gangen und Nachrichten, sondern in erster Linie von Zielen und Methoden sprechen müssen. Der Vizekanzler v. Payer rst aus der Mehrheit hervorgegangen und bildet nach dem danralrgen Urteile seiner Parteigenossen den feinsten und kräftigsten Extrakt, die schönste Verkörperung freisinnig' volksparteilrchen Geistes. Er hat im vergangenen Sommer und Herbst mit beredten und werbenden Worten die Ber- zichtresolutron verherrlicht und gepriesen und mit unermüd- lrchem Erfer die Politik der Hungerfriedensmehrheit im Lande verfochten: Herr v. Payer war es, der das Panier der neuen Zert erfassen und mit der Freiheit dem Frieden eine Gasse bahnen sollte. Wir bedauern nur, daß uns die Lob» Preisungen des künftigen Vizekanzlers von damals in der fferstnnrgen Presse nicht zur Hand sind. Sie waren nichi nur schön in ihrer Ueberschwenglichkeit, sondern würden eine noch viel schönere Folie bilden für die Beurteilung welche letzt die ffelsinnige Presse und ebenso die sozialdemo ffal.^che und Erzbergersche der deuffchen Ost- und Südost PollUk angedeihen läßt, die eben derselbe Herr v. Payei vertritt und ausdrücklich für richtig erklärt. Man merktt aus allerlei Versuchen, wie peinlich der Verzichtmehrheit, und insbesondere der freisinnigen Volkspartei, das öffent- liche Sichtbarwerden der tm übrigen nicht alten Wahrheit ist, daß mit politischen Parteiprogrammen, mit allge- meinen Doktrinen und Phrasen weder auswärtige Politik getrieben noch Krieg geführt, noch Frieden geschlossen, noch Friedensverträge wirksam und dauerhaft gemacht werden können. Wir bestreiten nicht, daß dieses Gefühl des Pein- üchen vollkommen am Platze ist. Im gleichen Gefühle und un ängstlichen Bestreben, das Gesicht zu wahren, wählen die Presse und die Sprecher der Verzichtmehrheit allerhand untaugliche Mittel. Sie behaupten, die Regierung wäre mcht unterrichtet, ja sogar der Vizekanzler spräche eigentlich nicht für sich, sondern als unzureichender Kühlmann-Ersah Herrn v. Payer könne man natürlich nickt folgen man brauche ihm aber vielleicht die Sache nicht übelnehinen DerVorwärts" freilich deutet schon an, Herr v. Payer sollte lieber gehen. Gerade jene Versuche. Herrn v. Payer durch die Andeutung der Inkompetenz und Unkenntnis der Materie zu rechtferffgen, sind aber besonders spaßhaft. Man will ihm gewissermaßen seinen politischen Glauben zur Ge­rechtigkeit anrechnen. Der sozialdemokratische Abgeordnet- NoSke kam im Ausschüsse auf den genialen Gedanken, zu erklären, man müsse diese Dinge mit dem Verantwon- lichen, nämlich mit Herrn v. Kiihlmann besprechen, nidy mtt demunverantwortlichen" Herrn v. Payer. Berank wörtlich ist nun bekanntlich der Staatssekretär nicht, sondern der Reichskanzler, mithin kann der Vertreter des Reichs- kanzlers, der Vizekanzler, doch nicht als unverantwortlich oder im Sinne seiner Kritiker ausgedrückt, unerheblich, abge-' tan werden.

Äußerndem Vizekanzler haben der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amte Herr von dem Bussche und der Unterstaatssekretär Edler v. Brr-.n einmal über das andere und von ganz verschiedenen Gesichtspunkten ausgehend, erklärt, die Politik und das militärische Vorgehen im Osten und in der Ukraine sei das einzig Mögliche und Not­wendige gewesen. Das hilft aber alles nicht, denn die Sache paßt der Linken und Herrn Erzberger nicht in ihre inneren rnnerpolitischen Programme: Herrn Erzberger auch nicht in das feiner persönlichen Politik. Wenn das Vorgehen auch hundertmal richtig und zweckmäßig wäre, es kann und darf nicht gebilligt werden, weil dasMilitär" sich an der Majestät der ukrainischen Rada vergangen hat, um dem deutschen Volke die Zufuhr von Nahrungsmitteln zu sichern. Das Militär mag zehnnral das Vaterland unb die Existenz des Reiches retten, es bleibt das rote Tuch für den Demo­kraten, und er wird um so entrüsteter, wenn er durchfühlt, daß die Generale recht haben. Es ist da, wie beim Schneider Boeck:Aber wenn er dies erfuhr ging's ihm

wider die Natur."

Der Vizekanzler v. Payer hat sich in seiner Verteidigung der Fragen der Ukraine und des Ostens auf den Boden der Tatsachen und einer realen Politik gestellt. Herr v. Payer hat, wenn wir von der schon mehrfach besprochenen Ukraine- Angelegenheit absehen können, für das Vorgehen und das deutsche Kriegsziel im Osten genau die gleichen Beweis­gründe angeführt, wie dieAnnexionsfanattker", die schwerindustriell beeinflußten" Konservativen undAll­deutschen" ins Feld geführt, nämlich im wesentlichen bis Notwendigkeit realer Sicherungen. Der Vizekanzler hat diesen Standpunkt eingenommen und verffitt ihn, nicht weil er Annexionsfanatiker oder schwerindusffiell 'beein­flußter Konservativer geworden ist, sondern weil niemand, der sich fachlich und eingehend mit diesen Fragen beschäftigt, zu einem anderen Ergebnisse gelangen kann. Da zerfliegen dieResolrttionen", Phrasen und Doktrinen, weil ste nichts anderes sind als parteitaktische Mittel mit auswartigpol» trschem Etikett»,

ti L-