Ausgabe 
16.5.1918
 
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Muriner 113

Donnerstag, den 16. Mai 1918 n. Jahrgang.

DiePeue Tagesreituna" erscheint seden Werktai. Negelmätzige BeilagenDer Dauer ans Kessen".Die Kpinnssube". Ke?ugspreis: Bei den Postanstalten v.ertclsährlich Ätt. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aaenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. An?eigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Po-tnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftteitrmg und Dertag Friedbecg (Hessen), ^anauer,kratze 12. Ferniprecher 48. Postj Heck-Lonto Rr. 1859. ilmt Frauckurt a. M.

Der Kampf um den Kemmrlderg.

Hohe blutige Uerluste der Fran;ojen; 120 Gefangene. Fünf FehelbnUone abgeschohen.

Calais und Dünkirchen mit Komlren beworfen. ll-Zool-Angriss aufCarloforte; 33000 Tonnen versenkt.

Der deutsche Generalstab == meldet: -

W. T. H. Großes Harrplqnorrier. den 15. Mai. AmUrch.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Nördlich vom Kemmel hatten örtliche Angriffsunterneh. mungen vollen Erfolg und brachten 120 Gefangene ein. Unser Angriff traf in der Ablösung befindliche Truppen und kostete den Franzosen hohe blutige Verluste. Der Artilleriekampf blieb im Gebiet des Kemmel gesteigert. Heute früh haben sich dort mit französischen Vorstößen neue Jiffanteriegesechte ent­wickelt.

Zwischen der Lys und dem La Baffee-Kanal, an der Scarpe und bei Ducquoi war die feindliche Artillerie namentlich wäh­rend der Nacht rege.

Zwischen Ancre und Sonrme drangen wir in kurzem Stoß an der Straße Bray-Corbie in englische Linien ein und behaup­teten das gewonnene Gelände gegen zweimalige starke Gegen­angriffe des Feindes. Zur Unterstützung der Infanterie hielt lebhafte Artillerietätigkeit an.

Bei Villers-Vretonneux, beiderseits der Luce mrd Avre lebte der Feuerkampf vielfach auf. Auf dem westlichen Aore- Ufer griff der Feind unsere Linien bei Castel an. Unter schwe­ren Verlusten wurde er zurückgeschlagen.

Zn einzelnen Abschnitten Crkundungsgefechte.

Unsere Flieger schossen gestern fünf feindliche Fesselballone ab. An den Kampffronten sehr rege nächtliche Fliegertätigkett.

Wir bewarfen Calais, Dünkirchen und andere rückwärtige Munitionslager und Bahnanlagen des Feindes ausgiebig mit Bomben.

Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

Akendkerilht.

Berlin, 15. Mai, abends. (WTB. Amtlich.) Bei Abwehr des heute früh erfolgten feindlichen Angriffs nördlich vom Kem­me! blieb eine begrenzte Einbruchsftelle in unserer vordersten Linie zurück. Ein erneuter starker Teilangriff der Franzosen nordwestlich von Moreuil scheiterte unter schweren Verlusten.

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|| Der österreichische Generalstab meldet: = <

Wien, 15. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver- lautbart: Im Gebiete des Monte Corno haben sich erneut ört­liche kleine Kämpfe entwickelt, bei denen sich der Italiener in einem unserer Feldwachnester festfetzte.

Der Chef des Eeneralstabes.

Ereignisse zur See.

Bor dem Hafen von Pola wu-rde ein italienisches Torpedo- Motorboot versenkt.

Flottenkommando.

Der bulgarische Generalstab J- meldet: - s

Sofia, 13. Mai. (WTB.) Generalstabsbericht.

Mazedonische Front' Nördlich von Bitolia an der östlichen Cerna und südlich von Gewgh^i war die beiderseitige Artille- rietätigkeit zeitweilig heftiger. Oestlich des Wardar versuchten englische Abteilungen an unsere Vorposten bei dem Dorfe Mat- schukowo heranzukommen, wurden jedoch durch Feuer zerstreut. Nördlich des Tahino-Sees Patrouillenzufammenstöße. Im War­dar- und Struma-Tal lebhafte beiderseitige Fliegertätigkeit.

Das türkische Hauptquartier j - meldet:

Konstantinopel, 13. Mai. (WTB.) Tagesbericht. Palästinafront: Eine an der Straße von Jerusalem - nach Rsblu«*« »n» erfolgreich durchgeführte Stoßtruppenunterneh­

mung führte zur Besitznahme der feindlichen Vorstellungen. Vom Feinde blieben ein Offizier und 31 Mann tot in der Stellung. Ein Maschinengewehr wurde erbeutet. Auf dem östlichen Jor- danufer wurde eine starke feindliche Patrouille abgewiefen. Im übrigen nur geringe Artillerie- und Fliegertätigkeit.

Mesopotamien: Vor unserer linken Flügelgruppe beschränkt sich der Feind auf Erkundungen. Sonst nichts Wesentliches.

Konstantinopel, 14. Mai. (WTB.) Tagesbericht.

Palästinafront: Von der Küste bis zum Jordan nur geringe Gefechtstätigkeit. Auf dem Ostufer des Jordan zunehmendes Artilleriefeuer.

Mesopotamien: Keine Kampfhandlung. Auf den übrigen Fronten nichts Neues.

Die Schlacht im Westen.

Berlin, 15. Mai. (MTV.) Heute ftüh hat in der von den Franzosen schon oft angegriffenen Gegend am Vyverbach eine glänzend gelungene Unternehmung unserer Infanterie statt­gefunden. Die Franzosen haben hier in der letzten Nacht eine erst seit wenigen Tagen eingesetzte Division, die bereits schwere Verluste erlitten haben muß, zurückgezogen und durch ftische Truppen ersetzt. Welchen großen Wert sie dem Besitz des Ge­ländes hier beilegen, geht daraus hervor, daß es diesmal fran­zösische Jäger find, die an der wichtigen Stelle eingesetzt wur­den. Noch hatten diese keine Zeit gehabt, sich in den Löchern und Trichtern am Westhange des Höhenzuges einzurichten, als etwa 5 tthr morgens ein gewaltiger Feuerüberfall der deutschen Artillerie auf siei-niederprasselte. Bald darauf brachen von drei Seiten zugleich die deutschen Stoßtrupps vor und überfluteten in raschem Anlauf das ganze Gelände vom Höhenkamm bis zur Talsohle. Der Widerstand, den die Überraschten Gegner lei­steten war nur noch gering, da sie durch unseren Feuerüberfall zusammengeschossen und erschüttert waren. Selbst um die so häufig zäh verteidigten Maschinengewehre spielten sich keine schweren Kämpfe ab, denn der größte Teil der Franzosen lag tot oder verwundet am Boden. An unverwundeten Gefangenen wurden noch 120 Mann zurückgebracht, die zunächst einen völlig verstörten Eindruck machten. Bei einem von ihnen wurde ein abgeriffeuer Zettel gefunden, auf dem in der Form einer kur­zen Bleistiftnotiz der Befehl eines höheren Offiziers stand, das anvertraute Gelände um jeden Preis zu halten. Darunter stan­den die Worte:Les Boches ne pasieront pas". Jetzt ist das ganze Gelände mit gefallenen Franzosen bedeckt und restlos in deutschem Besitz. Der schöne Erfolg wurde von unseren Truppen dank der eingehenden Vorbereitung und kraftvollen Durchfüh­rung des Unternehmens ohne merkliche Verluste erfochten.

Berlin, 15. Mai. (WTB.) Die Schächte von Grenay und Noeux, die Förderanlage im Stahlwerk Grenay sowie einige andere Zechen wurden von den deutschen Batterien mit erkenn­bar guter Wirkung beschaffen.

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Die Verteidigung Yperns.

Die Schweizer Blätter melden: Die Verbündeten VereNen an der Ypernfront den Abschnitt von Reninghelst zur Verteidi­gung vor, um im gegebenen Augenblick Ypern zu räumen und ihre Front auf die Linie BoesingheReninghelstWestoutre zurückzunehmen und den Scherpenberg, den Schwarz- und Rot­berg als Außenfesten zu behaupten.

DasBerner Tagblatt" meldet, daß der Verband innerhalb 5 er letzten vier Wochen auf dem Abschnitt von Ypern nicht we­niger als 132 Divisionen eingesetzt hat, nämlich 52 französische und 80 englische. Dieser maßlose Einsatz von Menschen, die sich hauptsächlich am Kemmel und desien Umgebung verbluteten, vermochte, wie das Blatt ausdrücklich feststellt, bis jetzt keinen Erfolg zu erzielen, der in irgend einem Verhältnis zur Zahl der eingesetzten Truppen steht.

Neue Verschiebungen.

Zürich, 15. Mai. Aus der gleichzeitigen Sperre des Eisen­bahnverkehrs in Oberitalien und Südfrankreich ist mit Sicher, heit auf den Beginn neuer Truppenverschiebungen zwischen Frankreich und Italien zu schließen. Der Militürkritik des Seeolo" ist das Zugeständnis zu entnehmen, daß sich französische Kolonialtruppen auf dem Wege nach der italienischen Front be­finden. ' it .

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Rückkehr der fiandrische« Ginmohner.

Berlin, 15. Mai. (WTB.) Seitdem durch die großen deut­schen Schlachtersolge in Flandern dis Räumung- des Yperns

bogens erzwungen und dadurch das unmittelbar hinter den Ge­fechtsfeldern liegende Gebiet dem Haupffeuerbereich der feind­lichen Artillerie enttückt wurde, konnte deutscherseits planmäßig daran gegangen werden, die flandrischen Einwohner in ihre Heimstätten, soweit diese nicht zerstört waren, wieder Zurückzu­führen. Allerdings ist dies zunächst nur in sehr beschränktem Maße möglich. Das englische Artilleriefeuer hat zu viele Dör» fer und Gehöfte, auch wenn sie nicht von deutschen Truppen be­setzt waren, dem Erdboden gleichgemacht. Da die Heftigkeit der englischen Beschießung die abziehenden Einwohner in der Regel an der Mitnahme ihrer Habe verhindert hatte, und diese dann später durch englische Beschießungen und die dadurch verursach­ten Brände der Vernichtung anheimfiel, hat jetzt die deutsche Verwaltung bereitwilligst eingegriffen, um die Rückwanderer zunächst wenigstens mit dem Nötigsten zu versehen,

Die Kriegslage.

Rotterdam, 14. Mai. Oberst Repington schreibt in der Morning Post", daß man bald den Anfang der kritischsten Pe­riode des deutschen Angriffes erwarten müsse. Die Konzentrie­rung der deutschen Armeen in Frankreich sei vollendet, aber die Lage an der Ostfront sei weniger klar, als Ludendorff gehofft hatte. Die Verzögerung in der deutschen Offensive sei für die Alliierten vorteilhafter als für die Deutschen gewesen und seit der Zeit, da der große Angriff begonnen habe, habe sich vieles geändert. Es könne fein, daß es noch zu einer tattischen Ueber- raschung komme, aber Repington glaubt, daß strategische Über­raschungen wenig Aussicht haben, es sei denn, daß die Deutschen das Gebiet der Schweiz verletzen oder über See einen Angriff auf England unternähmen. Trotz der Ungeduld der Deutschen, daß die Oesterreicher in Italien beginnen möchten, sei es noch nicht sicher, daß die Oesterreicher diesem Wunsche ihrer Freunde so schnell, wie diese er verlangten, Nachkommen werden.

H-Koot Angriff ans Carloforte.

33000 Tonnen versenkt.

Berlin, 14. Mai. (WTB. Amtlich.) Im kühnen Drauf, gehen vernichtete Kapitänleutnant Steinbauer mit seinem bewährten U-Boot im Sperrgebiet des westlichen Mittelmeers neuerdings innerhalb weniger Tage sieben wertvolle Dampfer, meist unter erheblicher Gegenwehr, und mehrere kleinere Fahr­zeuge von zusammen rund 33 000 Bruttoregistertonnen, mit ihnen etwa 10 Geschütze.

Im Morgengrauen des 29. April drang Kapitänleritnant Steinbauer in die stark befefttgte Durchfahrt von San Pietro (Sardinien) und griff im Hafen von Carlosorte zu Anker lie­gende Schiffe an. Er versenkte im Feuer mehrerer Landbatte­rien den englischen bewaffneten DampferKingstoniyn" (6564 Bruttoregistertonnen) durch Torpedotreffer und vernichtete mit seiner Arttllerie zwei große bewaffnete Seeschlepper, schoß einen französischen Viermastschooner in Brand und bekämpfte das feindliche Artilleriefeuer. Alsdann erzwang sich das Boot trotz des Sperrfeuers der Landbatterien und der Angriffe eines be­waffneten großen Motorbootes die Ausfahrt. Im Abläufen von Carlosorte führte das U-Boot ein halbstündiges Artillerie» gefecht gegen einen starkbewaffneten Bewacher und beschoß dis F. T.- und Signalstation von Kap Sperone (Insel Antioco) mit beobachteter Trefferwirkung.

Der Ehes des Rdmiralstabs der Marine.

Cngiands Schiffsraumnot.

Die Ankündigung des englischen Schiffahrtsamtes, daß im April in England nur 106 000 Tonnen Schiffsraum fertiggestellt wor­den sind, also mehr als 60 000 Tonnen weniger als im März, hat die Besorgnis der öffentlichen Meinung Englands aufs neue erregt. Die ganze Presse beschäftigt sich mit alarmierenden Nachrichten über den Stand der Tonnagefrage. Man weist darauf hin, daß den offiziellen Erklärungen zufolge im Jahre 1918 mindestens 1800 000 Tonnen gebaut werden müßten, um die minimalen Bedürfnisse tu England einigermaßen zu decken, daß hingegen in Wirklichkeit der Bau von 8 Millionen Tonnen außerhalb der Grenzen des Möglichen und Wahrscheinlichen liege. Um nur 1800 000 Tonnen zu bauen, müßte Englands 150 000 Tonnen in jedem Monat fertigstellen. Dieses Quan^ tum sei noch nie erreicht worden, und die Aprilleistung sei um 44 000 Tonnen zu Nein.