Um nie durch Liebe Leid geschah. 1
Roman von Courihs-Mahler. V f 10) Nachdruck verboten.
Vielleicht sprach bei Maria auch die Erwägung mit, daß ihr Vetter ein reicher Großgrundbesitzer war, während Herr von Platen wohl aus einem alten Adelsgeschlecht stammte, aber nur ein sehr mäßiges Vermögen besaß. Sie selbst war arvch vermögenslos und besaß nach dem Tode ihrer Eltern nichts als eine Freistelle in einem adligen Fräuleinstift. Diese hatte sie auch bereits anßetreten; aber sie durste jedes Jahr einige Monate außerhalb des Stiftes verbringen. Ich habe Zwar Maria von Birkenheim nie einer Berechnung für fähig gehalten, und es ist leicht möglich, daß nur der Einfluß ihrer Tante sie bestimmte, sich mit ihrem Vetter zu varloben, denn ihr Herz muß doch wohl, nach den Ereignissen zu urteilen, Herrn von Platen gehört haben, trotz- dein sie ihn sicher erst abgewiesen hat. Doch wer kann in Menschenherzen lesen, ohne sich zu irren? Also — Maria war Heinz von Birkenheims Braut geworden, und alles scbien in schönster Ordnung. Nur Helene schien mir nicht sehr entzückt davon, daß ihre Kusine ihr den Rang streitig gemacht hatte. Doch das siird nur Vermutungen von mir für die ich keine Beweise habe. Helene und ihre Mutter blieben aber trotzdem in Birkenheim. Sie wollten bis zur Vermählung des jungen Paares, die in« wenigen Monaten erfolgen sollte, bleiben. Einige Wochen vergingen, und mir fiel bei unfern nachbarlichen Zusammenkünften auf, daß das Brautpaar durchaus keinen glücklichen Eindruck machte. Maria war füll und blaß geworden, und Heinz von Birkenheim erschien mir unruhig und nervös. Er ließ Maria kaum aus den Augen und wenn sie einmal mit Herrn von Platen einigeWorte wechselte, wurde er bleich und finster Einmal sah ich, wie Helene ihn am Arm faßte und so dirigierte, daß er im Nebenzimmer in einem Spiegel Maria und Herrn von Platen beobachten konnte, die nebeneinander standen und plauderten. Nun — Herr von Platen sah Maria an, wie eben ein unglücklich Liebender die Frau ansieht, die seinem Herzen teuer ist. Was ich sah, sah auch Heinz von Birkenheim, und da ich hinter ihm stand, hörte ich einen tiefen schmerzlichen Seufzer aus seiner Brust empor- fteigen. Und Helene sah ihn voll tiefen Mitleids an.
Am Tag darauf sah ich Maria im Wald. Sie schien mir sehr verstört und hatte verweinte ^ v-m Und als ich weiter ging, begegnete ich Herrn von Platen. Ich hatte dabei ein unbehagliches Gefühl, als stehe eine Katastrophe bevor. Zuhause erklärte mir Herr von Platen, daß er am nächsten Tage abreifen wolle. Dein Vater wollte in halten, weil er noch einige Tage Urlaub hatte, aber er ließ nicht mrt sich reden und reiste am nächsten Tage wirklich ab.
Ant nächsten Tage hörten wir, daß auch Maria von Mrkenheim abgereist war — ganz plötzlich war sie nach dem Stift zurückgekehrt. Was vorgefallen war, haben wir nie recht erfahren. Jedenfalls hatte Maria ihren Verlobungs- ring zurückgelassen und ihrem Vetter geschrieben, sie habe sich mit ihren Gefühlen geirrt und könne nicht seine Frau werden. Das erzählte mir Helene. Sie sagte mir auch, daß Tante Anna über den Schimpf außer sich sei und daß sie und Heinz von Birkenheim Martas Namen nicht mehr hören wollten.
Kurze Zeit darauf erhielten wir schnell nacheinander erst die Verlobungs- und dann die Vermählungsanzeige von Maria und Herrn von Platen. Sie hatten sich in aller Stille trauen lassen und waren nach Schweden abgereist. Maria schrieb noch einmal einen kurzen Brief an mich, ihr Gatte einen an Deinen Vater. Sie baten uns kein Urteil über sie zu fällen; sie hätten nicht anders handeln können. Wir möchten ihnen trotzdem ein gutes Andenken bewahren und es ihnen nicht übel nehmen, wenn sie jede weitere Verbindung mit der alten Heimat abbrechen würden. Sie hätten ihre triftigen Gründe dafür. Diese Gründe haben wir natürlich respektiert, ohne sie zu kennen, und so haben wir nichts mehr von ihnen gehört. Auch nach Birkenheim ist, wie mir Helene wieder und wieder versichert hat, nie mehr eine Kunde von ihnen gedrungen. Heinz von Birkenheim hat aber Marias Treubruch nie verwunden; er hat sie wohl zu sehr geliebt. Er wurde der stille, etwas menschenscheue Mann, der er noch heute ist. Frau von Schratt war furchtbar böse auf Maria. Sie starb übrigens ein halbes Jahr nach Marias Flucht. An ihrer Stelle führte dann Helenes Mutter ihrem Nefien den Haushalt. Helene hoffte wohl von neuem, daß sich ihr Vetter mit ihr trösten würde. Aber dieser dachte nicht daran, neue Bande zu knüpfen. Und als sich dann ein Jahr später Baron Haßbach um Helene bewarb, nahm sie seine Hand an. Baron Haßbach galt für reich, weil er auf großem Fuße lebte. Aber nach der Hochzeit erfuhr Helene, daß er nichts als Schulden hatte. Er hatte geglaubt, daß Helene sehr vermögend sei. So hatten sich beide bitter getäuscht. Heinz bezahlte wohl die Schulden des Barons und gab einen Zuschuß, aber bei den Neigungen des jungen Paares reichte der nicht weit. Nach Jahresfrist wurde Karla geboren und, als sie ein Jahr alt war. verunglückte ihr Vater auf der Jagd und starb. Zwei Tage nach ihm starb auch Helenes Mutter und so war es natürlich, daß Heinz von Birkenheim der Baronin anbot, bei ihm zu bleiben und seinem Hauswesen vorzustehen. Das nahm Helene dankbar an. Ich glaube, sie hat sich auch später noch Hofinng gemacht, die Gattin ihres Vetters zu werden.
Aber er dachte nicht daran, Maria eine Nachfolgerin zu geben. So hat sie sich damit begnügt, sein guter Hausgeist zu sein. Sie geht ja mit bewundernswerter Geduld auf
alle seine Stimmungen ein und sucht ihm das Leben keichk zu machen. Das ist eine schwere Aufgabe, denn ein schweres Augenleiden, das Herrn von Birkenheim befiel, bald nachdem die Baronin ihren Gatten verlor, quälte ihn zuweilen sehr und machte ihn oft recht unleidlich. Er nimmt die Baronin und ihre Tochter stark in Anspruch und daß er es tun muß weil ihn sein Augenleiden oft hilflos macht, wie ein Kind' quält ihn nur noch mehr. So, mein lieber Hans Ullrich nun weißt Du alles, was ich selber weiß und wenn ich Dir nun noch sage, daß Herr von Birkenheim in meiner Gegenwart davon gesprochen hat, daß er in Karla seine Erbin sieht, so wirst Du gleich mir, davon überzeugt sein.
Hans Ullrich hatte sinnend zu gehört.
„Allerdings, Mama, wenn Herr von Birkenheim es selbst gesagt hat, besteht wohl kein Zweifel."
, „Und ich glaube, er würde es sehr gern sehen, daß Du Dich mit Karla verlobst. Er war mit Deinem Vater herzlich befreundet, und sicher wäre es ihm lieb, wenn Du dereinst Herr arif Birkenheim würdest."
Hans Ullrich ^sah vor sich hin.
„Er war mir gegenüber stets sehr herzlich und freundlich gewesen und ich habe ihn immer gern gehabt. Trotzdem er ein wenig Sonderling war, habe ich doch immer empfunden, daß er ein wertvoller Mensch ist. Ich kann mir auch gar nicht denken, daß er unleidlich sein soll."
„Nun, die Baronin klagte mir oft genug ihr Leid — natürlich nur im Vertrauen. Sie würde sonst zu keinem Menschen darüber sprechen, und ihrem Detter gegenüber ist sie von rührender Geduld. Karla ebenfalls. Es ist be- wundernswert, mit welcher Sanftmut und Opferfreudigkeit sie alle Launen ihres Oheim» trägt. Sie ist ein liebes, gutes Kind und sucht ihn avfzuheitern, wo sie nur kann. Die beiden Damen verdienen es redlich, daß er sie zu seinen Erbinnen macht. Es ist kein leichtes Amt, dem alten Herrn immer zu Diensten zu sein. Er braucht ja immer jemand um sich, seiner Augen wegen. Lesen und schreiben kann er nicht mehr, ohne heftige Augenschmerzen zu bekommen. Ich habe ihm neulich in aller Freundschaft gesagt, er mute den Damen ein bißchen viel zu, und er möge sich doch eine Vorleserin und Sekretärin halten, damit die Baronin und ihre Tochter etwas entlastet werden. Du weißt ja, er hat die Freundschaft für Deinen Vater auf mich übertragen und ich darf ihm schon einmal' so etwas sagen. Er war auch sehr vernünffig. Sichtbar war es ihm unangenehm, daß er nicht selbst darauf gekommen war. und er versprach mir, sogleich an unfern gemeinsamen Freund, Graf Steinau schreiben zu lassen, damit ihm dieser in Berlin eine passende Persönlichkeit für diesen Posten engagierte.-
Fortsetzung folgt.
Schmsichttilllg.
Donner:tag. den 16. Mat l. Zs., ton,men in dem Freiherr von Ritter' chen Wald. Hof Hasselheck. zur Versteigerung:
4004 schwere (Lichen-Wellen. Zusammenkunft vorm. 10 Uhr am Hasselhecker-Feld.
Friedberg, den 11. Mai 1918. Für die Freiherr!. von Ritter'sche Gutsoerwaltung: Fourier.
Von Mittwoch, den 15. d. Mts. ab empfehle ich
liijiliKi
Regierungs-Mare,
«z-Samen
halblange Elite Eckendörfer
Samenhandlung
Jacob Hemn,
Ln?). Balth. Schneider, istiefc&erg i. H.
Kartons
Ilvd gdiJ|iopfat?on§
in allen Größen wieder eingetroffen,
Strumpfe unD Sotfen
in großer Auswahl
CIgmentine Stern,
Friedberg i. H. Kaiferstr. 51, gegenüber der Engel-Apotheke.
Eine frischmelkende
Kuh
Simmentaler Rasse, (Rotscheck) welche vor 14 Tagen zum erstenmal gekalbt hat. zum Fahren »eicht lernbar, steht zu verkaufen bei Richard Metzger. Landwirt, Münzen-era bei Butzbach.
Holzversteigerung.
Dienstag« den 21. Mai d. Zs., von r/z10 Uhr vormittags ab. werden aus den Domanialwalddistrikten Langeloh 3—6 der Forst- wartei Ulfa und aus Volkhards 4 der Forftwartei Stornfels sowie Dürr- und Windfallholz aus verschiedenen Distrikten der Forstwartei Ulfa versteigert:
a.) Nutzholz: 95 nn Fichtennutzreisig,
d.) Brennholz: Scheiter rm: 166 Buchen I. Kl., 127 Buchen II. K!., 2 Erlen. Knüppel rm: 80 Buchen. 3,Eichen, 1 Birke. 1 Erle. 2 Kiefern. 136 Fichten. Reisig rm: 553 Buchen (hiervon 219 rm aus Borkhards 4 ), 6 Eichen. 3 Fichten. Stöcke rm: 33 Buchen (aus Bork- hards 4). 7 Fichten.
Die Versteigerung findet im Saale des Gastwirts Döll zu Ulfa statt. Blau unterstrichene Nummern werden nickt verkauft. Kaufliebhaber wollen das Holz vorher einsehen. Nähere Auskunft erteilt der Großh. Förster Zimmer zu Ulfa und der Eroßh. Forstwart Zakob zu Stornfels.
Eichelsdorf, den 11. Mai 1918.
Erotzh. Oberförsterei Eichelsdorf
Walter.
UM- i Mi!-f n WSU
kWMW Giusiall mit SwlÄw Haliit
Gegr. 1864. Reichsbank-Giro-Conto. Te!.-No. 15.
Entgegennahme von Spar-Einlagen.
zo den höchsten Zinssätzen.
at
Provisionsfreier Checkverkehr.
a*
Conto-Corrent-Credit-
Gewährung.
ar
Diskontierung von Wechseln.
Verwahrung u, Verwaltung von Wertpapieren.
Beleihung von Werl- papieren.
An- und Verkauf von
X
Einlösung von Coupons etc.
X
Vermittelungallerin das Bankfach einschlagenden Geschäfte zu den mässigst. Bedingungen.
Feuer- und diebessichere Stahlkammer, in der eiserne Schrankfächer (Safes) in verschied. Grössen vermietet werden.
Zeichnungen auf alle an den deutschen Börsen zur Auflage kommenden neuen Anleihen jeder Art werden von uns zu den Ausgabe-Bedingungen angenommen, ohne daß dies in den einzelnen Fällen besonder*« bekannt gemacht wird.
Am Pfingstsommbend den 18. Mai 1918
bleiben unsere Kassen und Büros
= geschloffen. =
mm
Filiale Friedberg.
Depositenkasse u. Wechselstube Friedberg:.
Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 4L (Kronprinzenbau.) — Fernruf Kömer 4208. Bürsstunden: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, nachmittags von 2—4 Uhr. — Eefchästsanzeigen in diesem Raum nur fäv unsere Mitglieder; dieselben sind kostenlos, jedoch mutz bei Aufgabe der Anzeige auf die Mitgliedschaft hingewiesen werden.
Ein zugfest gelernter
Fahrochse
2*/a Jahre alt, zu verkaufen.
Zu erftagen in der Eefchäfts- __stelle der „Neuen Tageszeitung".
Drucksachen aller Art
in sauberster Ausführung liefert schnell und billig
Neue TaMeiluiig, Merei 11 . Verlaß A.-G.
Verkaufe einen guterhaltenen
Laudauer.
Wo? sagt die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung".
1 Stamm Kajeu
zu verkaufen.
Zu erfragen in der Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung".
HeirM-Gesich!
Landwirt, in der Nähe von Frankfurt, 60 Jahre alt, Witwer mit einem schönen Anwesen und Vermögen, wünscht sich zu verheiraten.
Ernstgemeint!!
Gesetztere Mädchen oder Witwen (karh.) ist hier Gelegenheit zu einem schonen Heim gegeben. Es wird nur auf wirtschaftliche Tüchtigkeit und nicht auf Vermögen gesehen. Vermittlung von Verwandten erwünscht.
Ernstgemeinte Angebote untei Nr. an die Geschäftsstelle der . Neuen Tageszeitung".
Buchen, ofenlang geschnitten, den Ztr. zu Mk. 4.50 franko, empfiehtt
Ff. Schmitt,
Schellnhof. »
Post Schotten, Fernsprecher 216.
1 großer, scharfer u. wachsamer
Mund
(1 Jahr alt), zu verkaufen.
Zu erftagen in der Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung"..
Zu verkaufen!
Ein guterhaltenes Klavier, ein Schlafzimmer und Eßzimmer fast neu, ein Kassenschrank, ein kleiner Eisschrank, mehrere einzelne Betten, Teppiche, Tische, Stühle, Spiegel, Kokosläu- fer, Kleiderschränke, ein KL- chenschrank, 2 Klubsessel ufroj Bad-Nauheim, Schnurstratze, * Talysienhof. >,
Villa
zum Alleinbewohnen^
modern erbaut und mit allen Bequemlichkeiten, Zentralwarm- wasserheizung, istzuvermietenoder zu verkaufen. k
Offerten unter l¥r. ©55 an die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung".


