Ausgabe 
8.5.1918
 
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Unmmer 107 Mittwoch, den 8. Mai 1918 11. Jahrgang

Die ,»Me«r Tag-s?-it«ns" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen ..Der Kauer aus Hessen",Die Spinnstube". V-xirgspr-is: Bei den Poftanftatten vleckelsährttch ML 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzette 25 Psg., totale 20 \i\q H Anzeigen von auswärts werden durch Po tnachnahm« erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftleitung und Verlag Friedberg (Hessens, -^anaueritraße 12. Ferniprecher 48. Zoitjcheck-Lonto Ar. 4359. Int Frankfurt a. M.

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Englische Angriffe abermals gescheitert. Die Mederlage der Dolen Garde in Finnland. Die fünftägigen Kämpfe am Jordan zum Ilachteil der Engländer entschieden.

16500 Tonnen versenkt.

Der MedeimerlW mit Rilimmeil

llilterstllijU!!

Bukarest, 7. Mai. (WTB. Amtlich.) Der Friedens- Vertrag mit Rumänien ist heute um 11 Uhr vormittags Von den Bevollmächtigten der vier verbündeten Mächte unter­zeichnet worden. Die feierliche Schlußsitzung, in welcher die Unterzeichnung erfolgte, fand unter dem Vorsitz des Staatssekre­tärs von Kühlmann in Cotroceni und zwar in demselben Raume statt, in dem seinerzeit der Eintritt Rumäniens in den Weltkrieg beschlossen wurde. Der Friede wird den NamenFriede von Bukarest" führen. Der Wortlaut des Vertrages »ird alsbald Veröffentlicht werden.

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Bukarest. 7. Mai. (WTB.) Die Verhandlungen in Bukarest waren am Abend des 6. Mai zum endgültigen Abschluß gelangt, so daß die Unterzeichnung des gesamten Vertragswerkes für den Dornrittag des 7. Mai angesetzt werden konnte. Am Vorabend hatte der Generalfeldmarschall v. Mackensen alle hier an­wesenden Delegierten zu einem Mahl geladen, an dem auch der Ministerpräsident Marghiloman, der Minister des Aeu- ßern Arion sowie die übrigen rumänischen Unterhändler teil- nahmen Der Generalfeldmarschall feierte in einer Ansprache die Bedeutung der geleisteten staatsmännischen Arbeit und be­glückwünschte die Bevollmächtigten zu dem erzielten schönen Er­folg, indem er hervorhob, daß mit dem rumänischen Frieden der Krieg im Osten seinen Abschluß gefunden habe. Zugleich ver- lich er der Hoffnung Ausdruck, daß Rumänien auf der Grund­lage dieses Friedens einer glücklichen Zukunft entgegengehen werde und schloß nrlt der Aufforderung an die Anwesenden, auf das Blühen und Gedeihen und die Freundschaft ihrer Heimat­länder zu trinken.

Des Kaisers Dank.

Bern«, 7. Mai. (MTB. Amtlich.) Der Reichskanzler hat Seiner Majestät dem Kaiser den Abschluß des Friedens von Bukarest durch folgendes Telegramm gemeldet:

Eurer Kaiserlichen Majestät melde ich alleruntertänigst, daß heute der Frieden in Bukarest abgeschloffen worden ist. Damit ist auf der gesamten Ostfront der Kriegszustand been­det. Unter der festen und siegreichen Leitung Eurer Majestät hat die hingebungsvolle Opferfreudigkeit des ganzen deutschen Volkes besonders seiner von ruhmreichen Führern befehligten Wehrmacht einen Erfolg errungen, deffen weltgeschichtliche Größe erst spätere Generationen in seinem vollen Umfange wahrnehmen werden. Eurer Majestät bitte ich, aus diesem Anlaß meine ehrerbietigen Glückwünsche huldvollst entgegen­nehmen zu wollen. Sie sind getragen von dieser Dankbarkeit für das, was wir mit Gottes Hilfe vollbracht haben und von unerschütterlicher Zuversicht darauf, daß auch auf den übrigen Kampfplätzen der Krieg mit einem Siege unserer gerechten Sache endigen wird. Alleruntertänigst gezeichnet

Graf von Hertling."

Seine Majestät der Kaiser hat dem Reichskanzler mit fot­zendem Telegramm geantwortet:

Der durch den Frieden mit Rumänien vollendete Ab­schluß des Krieges im Osten erfüllt auch Mich mit stolzer Freude und Dankbarkeit. In nie versagender Vaterlands­liebe erkämpft sich das deutsche Volk dank Gottes gnädigem Beistand unter glänzender militärischer Führung und mit Hilfe einer kraftvollen Staatskunst Schrttt für Schritt den Weg zu einer glücklichen Zukunft. Meinen Dank auch Ihnen und Ihren Mitarbeitern aus diesem Anlaß zu übermitteln, ist Mir ein aufrichtiges Bedürfnis. Gott wird uns helfen, den Kampf, zu dessen Weiterfiihrung uns die friedensfeind­liche Haltung der noch gegen uns die Waffen führenden Mächte zwingen, auch weiterhin zu bestehen und zum Wohle Deutschlands und feiner Verbündeten siegreich abzufchließen.

gez. Wilhelm I. R.

Seine Majestät der Kaiser hat an den Staatssekretär von t^ühlmann folgendes Telegramm gerichtet:

Der Abschluß der Verhandlungen mit Rumänien gibt Mir Veranlassung, Meine fteudige Genugtuung darüber aus- zufprechen, daß nunmehr dem ganzen Osten der Frieden wie­

dergegeben worden ist. Möge dem Volke aus der Wiederauf­nahme der Friedensarbeit, der es sich jetzt zuwenden darf, rei­cher Segen ersprießen. Ich danke Ihnen und Ihren Mitarbei­tern für die im freien Zusammenwirken mit unseren Verbün­deten geleistete Arbeit und verleihe Ihnen als Zeichen meiner Anerkennung den Kronen-Orden 1. Klaffe.

gez. Wilhelm I. R.

Zer deutsche Geueralstab ---7" meldet: : = =

W. T. S. Großes Hauptquartier» den 7. Mai. Amtlich.

Westlicher Kriegsschauplatz.

An den Kampffronten war die Artillerietätigkeit ln den Morgenstunden lebhafter. Tagsüber blieb sie meist gering.

Auf dem Nordufer der Lys scheiterten Vorstöße englischer Kompagnien. Zwischen Ancre und Somme fetzte der Feind Australier zum nächtlichen Angriff an. Beiderseits der Straße SorbinVray konnten sie unsere vordere Linie erreichen, im übrigen brach der zweimalige Ansturm schon vor unseren Posten verlustreich zusammen. Der Artilleriekampf hielt hier bis Tagesanbruch in großer Stärke an.

Südlich von Vrimont ftteßen Sturmabteilungen über den Aisne-Kanal in die feindlichen Stellungen bei Courcy vor und brachten Gefangene zurück.

An der übrigen Front vereinzelte Vorfeldkämpfe.

Osten.

In den Hafenanlagen von Mariupol wurden wir durch russische Schiffe beschoffen.

Mazedonische Front

Starke englische Abteilungen griffen gestern abend bulga­rische Stellungen südlich vom Doiransee an; sie wurden ab­gewiesen.

Asiatischer Kriegsschauplatz.

Der Vorstoß englischer Brigaden von Jericho aus über den Jordan nach Osten und Nordosten ist zum Scheitern gebracht worden. Nach erbitterten fünftägigen Kämpfen wurde der Feind in feine Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Teile deutscher Truppen haben sich hierbei an Seite ihrer türkischen Kameraden hervorgetan. Die den Engländern abgenommene Beute ist er­heblich.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

Alicnddrrlcht.

Berlin. 7. Mai, abends. (WTB. Amtlich.) Von den Kriegs­schauplätzen nichts Neues.

Der österreichische Generalstab ~ - meldet:.

Wien, 7. Mai. (WTB. NichÄuntlich.) Amtlich wird ver­lautbart:

Südwestlicher Kriegsschauplatz.

Infolge ungünstiger Witterung ist das Arttlleriefeuer ab- geflaut.

Der Chef des Seneralstabe».

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16 500 Tonnen versenkt.

Berlin. 6. Mai. (WTB.) An der Westküste Englands wurden neuerdings oersentt 16 500 Bruttoregistertonnen. Sämt­liche Schiffe waren tief beladen. Einer der Dampfer wurde aus einem stark gesicherten Geleitzug herausgefchoffen.

De, Ehef des Admiralstabs der Marine.

-^Die Schlacht Im Weste».

Die Zerstörung A,niens.

Lugano, 4. Mai. Der Berichterstatter desSecolo" meldet: Der Anblick der Stadt Amiens ist niederschmetternd: Amiens geht feiner völligen Vernichtung entgegen. Der fünfte Teil aller Gebäude wurde bereits getroffen, darunter die Präfektur, das Rathaus und das Museum. Die Straßen liegen voller

Trümmer und Scherben. Die Bevölkerung hat fett vierzehn Tagen die Stadt verlaffen und nur sehr wenige Personen find zurückgeblieben. Auch die Dörfer der Umgebung sind geräumt und ihre Bewohner haben sich im Innern Frankreichs zerstreut. Die Deutschen haben ihre schweren Geschütze in Stellung gebracht und halten sowohl Amiens wie auch die umliegenden Ortschaften unter ihrem beständigen Feuer.

Fochs Reserven verbraucht.

Die Größe der deutschen Erfolge wird wirksam dadurch be­legt, daß auf den Schlachtfeldern der Somme und in Flandern General Foch gezwungen war, den größten Teil seiner Heeres­reserven zur Unterstützung der geschlagenen Engländer einzu. setzen. Es wurden bereits 44 Infanterie-Divisionen, darunter drei zum zweiten Male, und außerdem fünf Kavallerie-Divi­sionen in den Kampf geführt, in Summe also 52 französische Divisionen infolge der englischen Niederlagen eingesetzt. Jede dieser Divisionen hat während der deutschen Offensive und ebenso im Laufe der zahlreichen, stets vergeblichen Gegenangriffe aufs schwerste bluten müffen. Wie nöttg die französische Hilfe für die Engländer war, geht daraus hervor, daß von den gesamten 59 englischen Infanterie-Divisionen in Frankreich bereits 53 an den großen Kampffronten und von diesen 23 zweimal und zwei Divisionen dreimal eingesetzt werden mußten, im ganzen also hat der Engländer während der kurzen deutschen Offensive 80 Divisionen in den Kampf geworfen. Engländer und Fran­zosen haben im ganzen bereits 132 Divisionen an der von der deutschen Führung erzwunge^rn Front in die Schlacht geführt, die belgischen portugiesischen und amerikanischen Truppen find hierbei nicht mitgerechnet.

Britifche AbschSffe.

Berlin, 6. Mal. (WTB.) Die Unzuverlässigkeit der eng. lischen Berichte über die Lustkampferfolge ist bekannt. Amtliche englische Schriftstücke, die bei den letzten Angriffen erbeutet wurden, liefern dafür neue schlagende Beweise, weil sie mehr­fach den Ort der angeblichen Abschüffe nennen und dadurch eine genaue Nachprüfung ermöglichen. Die englischen Meldungen vom 25. September 1917 find besonders bezeichnend. Ein« Pattouille der 20. Squadrons will am 25. September 1917 über Becelaere zwei Albattos-Iagdflugzeuge abgefchoffen und zwei steuerlos heruntergetrieben haben. Tatsächlich verloren di« Deutschen am genannten Tage weit im Umkreise dieses Ortes kein Flugzeug. Eine Patrouille der 54. Squadrons behauptet» drei deutsche Jagdflugzeuge Über Middelkerke zerstört zu haben, wovon eins ins Meer stürzte. In Wahrheit verloren die Deut­schen in dieser Gegend nur ein Flugzeug. Dieses stürzte tat­sächlich ins Meer. Leutnant Berlow vom 56. Squadron bean­sprucht zu Unrecht einen Sieg über dem Houthoulsterwalde, des­gleichen eine Flugzeugbesatzung der 46 Squadrons in der Gegend von Selves. Insgesamt wollen die Engländer am genannte» Tage 19 deutsche Flugzeuge zerstört und 13 steuerlos Herunter­getrieben haben. Tatsächlich betrugen die deutschen Verlust« an der englischen Front im ganzen 5 Flugzeuge.

Bevorstehende Räumung Aperns?

Genf, 7. Mai. Im Anschluß an einen Artikel des LondonerDaily Chronicle" bereitet auch derTemps" auf die Preisgabe von Dpern vor, indem er auseinandersetzt. daß die Verteidigung nur noch einen moralischen Zweck habe und daß diese im Todeskcnnps liegende flämische Stadt nur noch aus Trümmern bestehe.

Genf, 7. Mai. Clemenceau hat gestern dem Kaup^ quartier einen neuen Besuch abgestattet und ist wieder, wiv die Zeitungen melden, befriedigt zurückgekehrt.

Ucne Erfolge in Finnland.

Kopenhagen, 6. Mai. (WB.) Das finnische Haupk^ quartter meldet: Die Operationen zur Reinigung des Ge* biets westlich und südwestlich von Tavastehus werden fort­gesetzt. In den letzten Tagen wurden über 2000 Gefangene genracht. Unter der Leitung des Generalnwjors Lindner haben die Operationen gegen die noch kämpfende Rote Garde in der Gegend von Kotka und Frederiksham zu neuen ent­scheidenden Ergebnissen geführt. Bei Jngernis machten wir 1600 Gefangene und eroberten sieben Geschütze und zwanzig Maschinengewehre. Am Sonntag morgen wurde Kotka erobert. Die Zabl der Gefangenen Äea owf über