Ausgabe 
8.4.1918
 
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Eine Rede Wilsons.

Präsident Wilsan hat am 6. April in Balttmo« sei bet Jahresfeier des Kriegseinttttts der Vereinigten Staaten und der Eröffnung des Werbefeldzuges für die dritte Freiheiten», leihe eine große Rede gehalten. Der Präsident des iutermttio- nalen Eeldsacks brachte es fertig, gegen die Gewinnsucht zu wet­tern und erging sich sodann in seine üblichen Heucheleien.

Wilson schloß: Was sollen wir heute tun? Was mich be­trifft, so bin ich bereit, selbst jetzt über einen gerechten und ehr­lichen FriedenEgu sprechen und zwar zu jeder Zeit, wo dies auf­richtig gewünscht wird, über einen Frieden, Lei dem die Stärke «md Schwäche gleich gut abschneidet, und als ich solche Friedens- Vorschläge machte, kam die Antwort der deutschen Befehlshaber «ue Rußland, und ich kann die Bedeutung der Antwort nicht mißverstehen. Ich nehme die Herausforderung an und weiß, daß Ihr sie annehmt. Die ganze Welt soll wissen, daß Ihr sie »nnefant Deutschland hat noch einmal gesagt, daß die Macht -Nein entscheiden soll, ob ein gerechter Friede unter den Men­gen herrschen und ob das Recht, wie Amerika es auffaßt, dis Geschicke der Menschheit cnls-'nden soll, oder die Oberherrschaft »ie Deutschland sie auffaßt. Wir können deshalb nur eine Ant- »ort geben und dis ist: .,(!- ? alt, Gewalt bis zum äußersten, Gewalt ohne Maß und Grenzen, triumphierende Gewalt, die die Gesetze der Welt wieder in ihre Rechte einsetzf und jede selbstische Oberherrschaft in den Staub schleudert."

Das Wolffsche Telegraphenbureau bemerkt zu der Rede Wilsons: Diese Rede stellt bie geschichtlichen Vorgänge auf den K"pf- Alle Welt weiß, daß der gewaltige Kampf im Westen tzurchgefochten wird als Folge des Kriegswillens der Entente. Deutschland hat seine Bereitwilligkeit zu Verhandlungen un« Mißverständlich erklärt. Die Enteilte hat cs anders gewollt. Wäre cs Wilson um einen ehrlichen Frieden und um die Ver­meidung weiteren Blutvergießens zu um gewesen, so hätte er ferne Bundesgenossen entsprechend beeinflussen können. Statt dessen hat er nichts getan, um die Beschlüsse von Versailles zu verhindern. Seine alten Tiraden über Recht und Gerechtigkeit find durch sein Vorgehen gegen Holland aufs wirksamste wider­legt worden. Zwischen seinen Worten und seinen Taten klafft der Zwiespalt immer weiter. Jetzt ruft er unverhüllt die äu­ßerste Gewalt auf. Damit spricht er endlich klar aus, was Ame­rikas Politik und die seiner Bundesgenossen bedeutet: Gemalt gegen alles, was sich ihnen in der Welt in den Weg stellt. Deutschland wird sich das Joch der Gewalt nicht auflegen lassen^ Dafür kämpft es feinen heroischen Krieg. Wilsons Rede war rine Anleiherede, sie ist die beste Propaganda für unsere Kriegsanleihe, denn sie zeigt, was ein verlorener Krieg für Deutschland bedeuten würde.

fjflffninwn der iiMtilllmi Mismlistell.

Das Komitee der ägyptischen Nationalpartei, das feinen Sitz in Berlin hat, sandte aus Anlaß der großen Siege im Westen Glückwunschtelegramme an Seine Majestät den Kaiser, Seine Exzellenz dem Feldinarschall von Hindenburg und Seine Exzellenz den Reichskanzler Grafen Hertling. Der Wortlaut des Telegramms an Seine Majestät den Kaiser ist folgender:

Die Mitglieder der ägyptischen Nationalpartei geben fich die^ganz besondere Ehre, Euer Majestät die aufrichtigen Glückwünsche zu den von den tapferen deutschen Truppen im Westen erfochtenen glänzenden Siegen ehrfurchtsvoll zu Füßen zu legen. Sie flehen zu dein Allmächtigen, daß er diese wun­derbaren Leistungen deutscher Truppen durch eine vollständige Vernichtung der Feinde der Menschheit krönen möge, so daß Aegypten und die anderen unterdrückten Länder sich wieder der Freiheit und des Friedens erfreuen können."

Jfrlfiipfit ße ihre üeigliitilii! ?

Hlrschberg, 6. April. In einer Versammlung des Vereins -er Fortschrittlichen Volkspartei für den Wahlkreis Hirfchberg- Sckiönau hielt Reichstagsabegordneter Dr. Ablaß über die Friedeusresolution des Reichstages vom 19. 7. eine Rede, in der er ausführte: Die Resolution ist kein unabänderliches Pro­gramm. Sie ist keine Offerte, an die sich der Reichstag dem Femde gegenüber gebunden hat. Die Stunde, in der wir noch auf der alten Grundlage Frieden zu schließen bereit waren, ist vorüber. Wir sind nicht an unsere früheren Bedingungen ge­bunden.

Köln, 6. April. Abgeordneter Trimborn erklärte auf dem Delegiertentag der Rheinischen Zentrumspartei: Nachdem

Mlichs Knotarstamihungeu z» kerne« Gegebnis geführtöüifcV «uft mmnvchr der Steg tat Friede» bringen. Bezüglich der künftige» Friedensverhandlungen fei festgestellt, daß für sich dis Zentrumspartei völlig frei- Hand hat.

1670/71 entwand das geeinte Deutschland ben weljchen Krallen urgermamsches Land saA-Lothringen, einst geraubt» als unser Vaterland nnrrem Hader machtlos nach außen war. Englands Arid und Frankreichs blinder Haß beschworen neuen kkeieg herauf. Deutsche Streiter jeden Altera ans Nord und Süd stehen schirmend als lebender Grenzwall vor Msern Sauen. ~ Heimischer Herd und Hof ist frei von feindlicher Gewalt; ungestört, wenn auch unter schweren Lebensbeduiglmgen, gehen Städter und Bauern ihrem Beruf nach. Wißt Shr im Elsaß, ln Lothringen» in der Pfalz, an dyn Ujern des Rheines und des Neckars» was es bedeutet, den Feind im Land zu haben? Erzählen Euch zerstörteBurgsn nicht genug aus jener Zeit deutscher Aneinigkeit? Wißt 2hr, die 2hr täglich das ferne Donnern der Kanonen hört, was es heißt, stets gewärtig tines überlegenen Angriffes in ruverstchtiichem Wut, im Kampf gegen zähen Feiud und tückische Raturelemente, Fahr für Fahr durchzuhaltsn?Deutschland muß leben, auch wenn ich sterbe", das ist die Überzeugung eines jeden der Streiter amBogesenkamzu, von der Saar bis zur Waas. Aber der in jenen welthistorischen Augusts tagen 19)4 geschlossene Burgfrieden, der Deutschland in seiner vollsten Einigkeit sah, er ist gefährdet. Unsere Feinde, die uns militärisch nicht vernichten könneri, sehen erneut ihre Hoffnung auf deutsche Uneinigkeit. Doch es vertraut der deutsche Soldat seinem Bruder daheim, daß auch er diese auf Uneinigkeit berechnete feindliche Offen­sive siegreich abwehrt. Es ist an der Zeit, unseren Feinden die rechte Antwort zu geben:Gut und Blut demBaterlande!" Gebt Ahr dem Heere die Waffen zum Endsieg durch emmütig hohe Opjerwilligkeit bei der Axiegs-Äu.Wx^ Wir halten indessen die Greprwachlt

Hessischer Kaudtag.

Die Mgeordneten v. Brentano und Genossen, darunter sechs bimdlerifche Abgeordnete, haben in der Hessischen Kammer folgenden eiligen Antrag eingebracht:

Unter Bezugnahme auf anliegende Eingabe der Spargel­züchter von Rheinhessen, Kreis Bingen, beantragen wir:

Die Kammer wolle beschließen Großh. Ministerium zu ersuchen, den berechtigten Wünschen alsbald nachzukommen.

Es handelt sich um die alte Klage der Landwirtschaft, welcher trotz vieler Ersuchen aus der Kammer heraus Großh. Ministerium noch keine Abhilfe geschaffen hat.

Vertreter der Städte nehmen Stellung zur Preisfrage landwirtschaftlicher Erzeugnisse, es werden bei der Hessischen Landesgemüsestelle Preiskommissionen gebildet, berufene Ver- tretr der Landwirtschaft werden aber nicht zugezogen.

Ebenso handelt es sich wieder um die allseits beklagte Heranziehung von ortsfremden Konlrollbeamten.

Dis Eingabe spricht für sich selbst, jeder der die Verhält­nisse auf denl Lande und die berechtigte Mißstimmung dorten kentt, wird sie billigen.

Ans der Heimat.

Der Bruder draußen in dem Graben Will deine Unterstützung haben,

Drum tu auch diesmal deine Pflicht Und fehle heut als Zeichner nicht.

»

Kindesmord.

Frirdbekg-Fauecbach. In der Ufa wurde die Leiche eines kräftigen, neugeborenen Knaben gesundem Der bewährten

Tiichtigkeit mäpui Poriserbehörde blieb die Mörderin nich) lange verbargen. Die »mmerijchliche Mutter ist eine verheiz ratete Frau, deren Manu im Felde steht. Sie har vüs Kind so­fort nach der Geburt durch einen Schlag auf den Kopf getötstz und die kleine Leiche ms Wasser geworfen.

Eine Kundgebung Herzog Albrechts von Württemberg. Die Grenzwacht", die er dem Verein Deutscher Zeitungs-Vev- leger zur Verfügung stellte, erinnert das deutsche Volk mit eige­nen Worten an die tteue Wacht, die seine Truppen an der heiß»* umstrittenen Grenzmark Elsaß-Lothringen schon feit beinah» vier Jahren mit zäher Ausdauer halten. Der unerschütterliche» Grenzwacht der Heeresgruppe des Herzogs Albrecht ist es mit z» verdanken, wenn deutscher Boden vor einem erneuten Einfalt der Franzosen verschont blieb. Unser Hindenburg hat es mu derholt ausgesprochen, daß nur die unerschütterliche Mauer un­serer Verteidigung im Westen den Siegeszug unserer Truppe» tm Osten und im Südosten ermöglicht. Der Friede im Osten ist gesichert und wieder hat unser tapferes Heer im Westen ia schnellem Siegeszuge größte Erfolge errungen, zu denen dia^ Grenzwacht in den Vogesen ihr Teil beigetragen hat. Danke» wir es den Helden, die so treu die Grenzwacht Halten, dadurch» daß wir Kriegsanleihe zeichnen.

Wo der Hindenburg-Speck hinkam. Es wurde fesigestellt» daß der für die Arbeiter bestimmte Speck bei der Firma Kn od 1 in Frankfurt-Vockenheim nicht an die rechtmäßigen Empfänger gelangt ist, sondern an sec^ gutbezahlte Angestellte verteilt wurde, von denen ein Jeder 15 Pfund » 4,10 Mark erhalte» hat. Der Direktor Kaiser stellte die Sache jüngst so hin, als ob er verreist gewesen sei und von dem Vorgang nichts gewußt habe. Jetzt wird behauptet, das sei nicht wahr, er habe viel­mehr auch sein Anteil von 15 Pfund erhalten.

FC. Butzbach, 5. April. Die Bewohner des nahen Dorfe» Griedel stifteten den Verwundeten im hiesigen Lazarett 52» Stück Eier. Die Einwohner von Hausen, Oppershofen und Hoch­weisel überließen den Verwundeten Obst und Eingemachtes.

FC. Büdingen, 4. April. In dem etwa 130 Einwohne» zählenden Dorfe Bellmuth wurden bis jetzt 10 000 Mark für dl» achte Kriegsanleihe gezeichnet. Der Fürstliche Gutspächter Rode auf dem Finndcrfer Hof erhielt den Titel Oberamt­mann.

FC. Schotten, 5. April. Nach Mitteilung der Landes. Eier­stelle ist die hiesige Stadt ganz erheblich im Rückstände mit de» Eierablieferung. Die Geflügelhalter wurden nunmehr ersucht^ ihrer Abgabepflicht restlos nachzukommen, da sonst gegen di» Säumigen mit Sttafen vorgegangen wird.

FO. Idstein, 4. April. In Bermbach fand durch zwei Be^ amte des Landratsamtes Untertaunus in Begleitung des Gen­darmerie-Wachtmeisters bei dem Bürgermeister a. D. Hahn da­hier eine gründliche Haussuchung statt, bei der in allen^ Uchen Winkeln versteckt gefunden wurden: 105 Pfund Korn,

837 Pfund Weizen. 824 Pfund Hafer, 466 Pfund Weizenmehl. 10 Pfund Erbsen, 35 Pfund Bohnen, 98 Pfund Zucker. 28 Pfunv Weizengries, 40 Pfund Graupen und 40 Zentner Kartoffeln. Außerdem wurden ungewöhnlich viele Fleisch- und Wurstvorräts festgestellt. Die Heu- und Strohvorräte werden noch einer ge­nauen Prüfung unterzogen. Die Frucht kam in das Lagerhau» Eamberg, das Mehl wurde dem Kcmmunaloerband überwiesen.

FC. Lom Taunus, 5. April. Prinz Wolfgang von Hessen, der Zwillingssohn des Prinzen Friedrich Earl auf Schloß Fried­richshof. wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Fechenheim am Main. (Verdorbene Nahrungs­mittel.) Für 5000 Mark Eelberüben sind der Stadt Fechen». heim verdorben. - .

Aus Starkenburg.

FC. Groß-Gerau, 4. April. Jugend von heute? Die Schü­ler Karl Kühl und Otto Stöckius aus Gustavsöurg hatten dort je eine Laterne mit Steinen eingeworfen. Beide erhielten vom hiesigen Schöffengericht eine Geldstrafe von je 10 Mark. De» Schlosserlehrling Nattermühler von hier hatte zwei grau» Stallhasen einer hiesigen Frau gesichten. Für diese Tat erhält er eine Gefängnisstrafe von einer Woche. Der Schmied Tor- doir und der Uhrmacher Gregoire, beide belgische Staa'san» gehörige, hatten französischen Kriegsgefangenen zur Fluchi ver- holfen, indem sie ihnen Karten und einen Kompaß übergaben. Das Schöffengericht nahm jeden in eine Gefängnisstrafe vs» zwei Monaten.

Verantwortlich.für den politischen und lokalen Teil: 47tt» Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyner. F riedberg. Druck und Verlag derNeuen Tageszeitung*, 9T- G.. Friedbera t ^

itf zur Stichwahl!

Morgen findet die Stichwahl zum Landtag im Wahlkreis ButzbachBad-Nauheim statt. Die Parole muß lamen: -

Alle Rann zur Wahlurne,

damit dem Zentrum, das sich 'schon Hoffnungen auf unseren Wahlkreis macht, nicht der Sieg zufällt. Bleibe keine Wähler zu Hause, sondern gebt Alle Eure Stimmen dem

- Bürgermeister Diehl zu HochWeisel.

Der Wahlausschuß des Hess. Bauernbundes.