Ausgabe 
3.4.1918
 
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Grane Gefahren.

Roman aus der Gegenwart von M. Gontard - Schuck. 96) Nachdruck verboten.

Sie sab den Schatten auf seiner Stirn.Das heißt natürlich, wenn Du erlaubst. Selbstverständlich habe ich hier nicht zu bestimmen."

Er fühlte die Bitterkeit in ihrem Ton und nickte ihr freundlich zu.Ein ganz guter Einfall, Helen, und gern würde ich Deinen Wunsch erfüllen. Aber vergiß nicht Dein Bruder ist zugleich Kriegsgefangener, und da ist es nicht so leicht, ihn hierher zu holen."

Gefangener! Der arme kranke Mensch Gefangener! ^lber das ist ja schrecklich!" Entsetzt starrte ne ihn an.

Ja, Kind, das ist der Krieg."

Aber Archibald ist krank! Wie können sie ihn denn da aucb noch gefangen nehmen?"

Du hältst uns nun natürlich für ganz grausame Bar­baren. Aber es ist bei euch drüben genau dasselbe. Selbst­verständlich ist Dein Bruder vorläufig krank verwundet. Er wird behandelt wie unsere eigenen Verwundeten. Ist er aber so weit hergestellt, daß die Gefahr des Ausreißens, der Flucht besteht, dann rst er nur Gefangener. Er kommt in ein Lager oder nach, einer Festung."

So dürfen wir ihn wirklich hier nicht gesund pflegen? Der arme, arme Mensch!"

Dem alten Herrn tat sie leid, die kleine Frau.

Na. wir können ja immerhin den Versuch machen. Ich werde an Regina schreiben, und wenn Herr Doug'.as stin Ehrenwort verpfändet, uns keine Unannehmlichkeiten ?u machen selbstverständlich müßte ich mich auch für ihn verbürgen, wenn ich ihn mir hierher bringen lasse, ein- lichten läßt es sich wohl. Ich werde noch heute an maß­gebender Stelle anfragen."

Ich danke Dir herzlich, Papa."

Bitte, mein Kind. Es ist selbstverständlich, daß ich xtt D einen Wunsch erfülle. Vor acht bis zehn Tagen wird natürlich cm eine Reise nicht zu denken sein."

Bei sich dachte er: Ich kann das Versprechen ruhig geben. Bis dahin ist uns wohl längst ein Mächtigerer zuvor­gekommen.

Doktor Littmanns Voraussage war nicht eingetrosfen. Ar­chibald Douglas befand sich auf dem Wege der Besierung.

Seit zehn Tagen lebte er bereits auf Dannenberg, und seine Genesung machte unter der guten aufmerksamen Pflege rasche Fortschritte. Für den alten Herrn war es ein starker Strich durch die Rechnung gewesen, aber er hatte sein Wort gegeben, und ein deutscher Mann hält fern Wort. Er hatte dem Urteil Reginas vertraut, nach dem der Verwundete seine Verletzungen nicht überstehen würde, und mußte nun sein Versprechen ein­lösen.

Mit Widerstreben! Warum sollte es der Mann bester als Tausende der Unseren, die elend in Feindesland schmach­teten^

Dazu gehörte er noch jenem Volk an. das nach Werkheims fester Ueberzeugung zu diesem blutigen Ringen das letzte und schwerwiegendste Wort gesprochen hatte.

Aber Helen bat so sehr, er konnte nicht so hart sein kurz und gut. er gab ihren Bitten schließlich nach.

Sieh mal, Papa, es wurden doch auch Fälle von uns drü­ben gemeldet, wo Kranke und Verwundete sehr sorgsam behan­delt worden sind."

Das ist Pflicht jedes Kulturvolkes. Bei uns wird der ver­wundete Feind wie der eigene Kämpfer behandelt, das ist für uns das beste Zeugnis. Vor unseren Aerzten und Pflegern sind alle gleich. Das ist unsere Menschlichkeit."

Du b'st sehr hart. Papa!" sagte Helen bitter.

Gar nicht. Kind!"

Aber es könnte doch der Militärverwaltung oder wer darüber zu bestimmen hat, ganz einerlei sein, ob Archie dort

c-, b-..I I ... ..

tfbct hier ist."

..Das soll ihnen eben nicht einerlei sein! Was berechtigt uns, als Ausnahme gelten zu wollen? Tun wir mehr für das Vaterland, als tausend andere? So etwas darf nicht sein! Wohin sollte das führen? Es ist mit Ausnahmevergünstigun- gen wie mit Ausnahmegesetzen sie laugen beide nichts."

Helen hatte hierfür nun zwar ihre eigenen Gedanken, hütete sich aber, sie laut werden zu lasten. Warum so dachte sie soll mein Bruder nicht bester behandelt werden als ein gewöhn­licher Soldat! Ein Mitglied einer der ersten englischen Fami­lien kann wohl erwarten, daß eine Ausnahme zu seinen Gunsten gemacht wird.

Sie bat:Laß ihn mir so lange hierher kommen, als er schwer krank ist. Ich nehme einen guten Pfleger für ihn. Zm Lazarett sind sie froh, wenn sie einen weniger zu betreuen haben."

Wenn ich auch wollte, Kind, es ist nicht so einfach. Es hängt doch nicht stur von meinem Willen ab. Ich sagte di: schon, daß dein Bruder Kriegsgefangener ist. Zch muß ein Gesuch ein­reichen und mich für ihn verbürgen. Und dann weiß ich immer noch nicht, ob man meinen Wunsch berücksichtigt."

Man ist sehr hart in Deutschland. Wenn Mann von Deinem Range bei uns um eine so einfache Sache bäte, man würde sie ihm ohne Besinnen gestatten."

Ja, ja. Du bist nun mal unter die Barbaren geraten Aber tch bin trotzdem stolz, daß es bei uns nicht so ist wie bei Euch."

Schließlich jedoch hatten Helens Bitten den Sieg davon­getragen und Archibald Douglas war nach Tannenberg geschafft worden. Aber nur für die Zeit der wirklichen Krankheit.

So mißtrauisch nun auch der alte Herr der unerwünschten Einquartierung entgegengesehen hatte, so höflich und zuvor­kommend behandelte er den Gast, nun er einmal in seinem Hause weilte.

Sah er in ihm doch außer dem gehaßten Feind auch Helens Bruder.

»^orttetzuna lolat

Bei den schweren Kämpfen im Westen erlitt nach 3%£)iicjec treuer Pflichterfüllung am 28. März mein heißgeliebter Mann, unser guter Bruder, Schwager, Schwiegersohn und Onkel

Leutnant d.R.

bei einer schweren Kanonenbatterie

im 39. Lebensjahre den Heldentod und ist zur himmlischen Ruhe heimgegangen.

Friedberg, Mühlheim a. d. Ruhr, im April 1918.

In großem Schmerz:

Maly Hake geb. Fertsch

Direktor Wallmann und Frau Mimy geb. Hake Bankdirektor Plett und Frau geb. Hake Fritz Nollcnsmann und Frau geb. Hake Tony Hake

Frau Kommerzienrat Fertsch und Söhne.

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