Parlamentarisches aus Hesse«,
Zweite Kammer der Stände. ?
EMK. Darmstadt. 14. März. Abg. Schott (Ratl.) bespricht die günstigen Einnahmen aus den Wetnbaudomänen, rver allerdings jetzt hinter dem warmen Ofen sitzen und einen guten Schoppentrinken will, der müsse es teuer bezcck' uch aus den Steuern habe man gute Einnahmen erzielt. 'Di. Leue- rrurgszulagen der Beamten solle man steuerfrei lassen. Die Einnahmen aus den Eisenbahnen geben schlechte Aussicht für die Zukunft. Man werde sich überhaupt mit starken Stevererhöhun. gen vertraut machen müssen. Ganz besonders groß seien aber die Leistungen unserer Landwirtschaft, die trotz der grossen Schwierigkeiten das Möglichste getan habe, um den von England geplanten Hungerkrieg unmögttch zu machen. Trotzdem sei man gerne bereit, ihr unberechtigte Vorwürfe zu machen. Die angeblich grossen Gewinne seien gewiss auch auf anderen Gebieten gemacht worden. Das vorzeitige Abschlachten der Schweine war unsinnig. Die Einführung der Sommerzeit sei nur eine Konzession an die Städter. Der Landwirt werde nach seiner alten Zeit arbeiten.
Abg Dorsch (Vbd.) kritisiert die Art und Weise, wie in der Kriegswirtschaft mit dem Geld umgegangen werde, während auf der anderen Seite für die Kriegsanleche der letzte Pfennig zusammengekratzt werden soll Bitterstes Gefühl erwecke lne Art und Weise, wie die Verordnungen der Kreis- und Kommunalverbände d-urchgeführt werden. Bei Einschränkung der Oelmüh- len und bei der Eiererfassung geschehe großes Unrecht. Weiter verurteilt er dann noch das Vorgehen des Vizekanzlers von Payer im Reichstag, damit werde nur Nachteil entstehen, denn Preußen sei unter den Konservativen gross geworden. Die liberale Regierung dürste solche Mißgriffe nicht machen: man solle das Vismarrklche Regime nicht vergessen. Er wendet sich dann gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Ulrich, der ihm vorgeworfen habe, dass er die Begehrlichkeit der Landwirte unterstütze, er habe sich nur gegen die Uebermenge der Verordnungen wenden wollen. Der den Landwirten vorgeworfene Verdienst werde durch alle möglichen Nachteile beim Pferdeoerkauf und der Getrerdeabgabe an das Heer und durch andere Tatsachen wieder aufgewogen.
Abg. von Brentano hat de» Trost, daß es unseren Feinden nicht besser geht als uns. An eine ausreichende Kriegsentschädigung kann er nicht glauben. Er wolle keinen Verzichtfrieden. aber eine Verständigung unter Berücksichtigung aller Verhältnisse. Erfrrultch sei die einheitliche Auffassung aller Bundesstaaten bezüglich der Einkommen- und Vermögenssteuer. Wie das Reich ferne Steuern eindringt, sollte uns heute noch keine Sorgen machen, doch müsse er vor einer Konfislalion des Vermögens entschieden warnen. Sehr zu verurteilen feien die vielen, ost unmöglichen Verordnungen, die viel zu viel Leuie beschäftigen. Es fehle eben au der nötigen Energie. Zu vielen KrtegsgLfeüscha>ren seien noch manche brlllantgejchmücktea Hände, die besser rm Schützengraben wirkten. An eine friedliche Verständigung mit unsere» kriegerrschen Gegnern glaubt er allerdings nicht, wir müßten unseren Gegnern die Zähne zeigen, aber auch zu Hause einig fein, Rot und Entbehrungen tragen, es ist nicht unsere Schuld, denn Ehre gerettet, alles gerettet. (Bravo.)
Fincmzmrnfter Dr. Becker beginnt mit einer Be- grünourrg der späten Vorbringung des Vownschiags, die tcilÄ technischer Art, teils im Personal Mangel bei der Regierung liege. Man könne konstatieren, daß trotz der rasä)en Aroett, die notwendig war und ist. alle wünsck-enswerte Buntte besprocl>en wurden. Die steuerliche Kraft diirch die Einkommen habe in den letzten Jahren bedeutend zu getrommen. Es fei ein fortwährendes Schieben der unteren Klaffen nach oben zu verzeichnen. Die Einnahmen aus Domänen und Steuern werden ja wieder zurückgehen, auch dir Aufwendungen für Gehälter usux werden sich schwer wieder zurückManben Lassen, als Ausweg bleibe dann nur der Weg der direkten Einkommen- und Vermögenssteuer. Die großen Steuerzahler haben jetzt sck>on 15 bis 23 Prozent ihres Einkommens, welche jetzt etwa 6 Millionen Mark ein- bringen. Man dürfe ader dle Industrie nicht allzusehr betasten, doch werde sich einfach eine Verständigung finden lufsew Auch bei der Vermögenssteuer müsse man an die kleineren und mittleren Vermögen Herangehen. Ein sehr unsicherer Faktor bilden die Eisent-ahneinnahmen. Die gewaltige Entwicklung unseres Verkehrswesens nach dem Kl rege Lasse allerdings eine g^valtige Einnahmesteigernng erhoffen. Ten bargeldlosen Bekehr habe man nach Möglichkeit gefördert und bisher nur gute Erfolge erzielt. Leider sei der Gedanke noch nicht in weite Kreise hinreichend eingedrungen. Man solle nicht allzuviel auf Schlagworte, wie „Verzichtfrieden" usw. legen, sondern es mehr auf die Talsack-en ankonrnren lassen. Man solle unserem tapferen £rer und den Führern das Wort lassen. Die Entscheidung tr-erde sich zu geeigneter Zeit finden. Zum Schluß wolle er noch fest stellen, welchen ungeheuren Zuwachs unsere Spartasten, welche hauptsächlich doch von kleinen Sparern benutzt werd.n. gensmmen haben. Auch die städtischen Sparkassen zeigen die gleiche Zunahme. Ter Stand zeige sich auch bei den Kriegsanleihen. Er schließe sich im Namen der Ne- gierrmg allen Rednern an. welche im Vertrauen auf unser schneidiges Heer einen guten Flieden erhoffen, aber auch das Vertrauen zu unserer ausdauernden Bevölkerung in Stadt und Land, die mit Ruhe bisher durchhielt, auch ftir die nächste Zeit ansharrt und der nächsten 8. Kriegsanleihe zu einem gleich guten Erfolge verhilft, dazu mögen auch die Abgeordneten helfen. Schluß 1 Uhr. Nächste Sitzung: Freitag 9 Uhr.
Dit MUMeilkn tftrrrißffffiiffli.'
v Die Korespondenz des „Bundes der Landwirte" schreibt:
Neuerdings mehren sich wieder einmal die Klagen, daß
den Landwirten vermehrte Eierablieferung verlangt '
wirb, unter Androhung der Entziehung von Zucker usw. Wir haben an dieser Stelle schon oft darauf hingewiesen, daß dieses Vorgehen durchaus ungesetzlich erscheint, aber leider schreiten die höheren Verwaltungsbehörden nich ein, und so können die einzelnen Kommunalverbände immer wieder in dieser bedenklichen Weise Vorgehen. Was das für Verbitterung unter den Landwirten erregen mutz. liegt auf der .Hand! Immer wieder müssen wir darauf Hinweisen, daß die Hühner, vorläufig wenigstens, Bundesratsverordnungen noch nicht lesen können! Wovon sollen denn auch die Hühner ihre Eierproduktion vermehren? Von nichts ist bekanntlich nichts, und ein Huhn, das kein ordentliches Futter bekommt, insbesondere ke:n Körnerfutter, geht auch in der Eierproduk. kwn zurück. Dadurch, daß man den Besitzern der Hühner- Zucker, Petroleum und ähnliches vorenthält, wird die Eierproduktion sicher nicht gehoben, wenn auch mancher Kommunalverband dieser An'icht zu sein scheint. Es wäre sehr zu wünschen, daß die schon weitgehende Verbitterung der Landwirte, namentlich der kleinen Landwirte, durch Forderung direkt unmöglicher Leistungen nicht noch verschärft wird.
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Eine Wunderrasse von Hühnern.
Ein Pfarrer aus dem Vogetsberg schreibt uns.
Lieber Herr Schriftleiter! Nun tritt also die neue Eierverfügung in Wirkung, und bei allem was darüber schon geredet und geschrieben worden ist, wundert es nüch nur, daß noch niemand erkannt bat, was für eine phänonienalte Entdeckung die Herren von der Eierzentrale in Mainz da sichtlich gemacht haben. Tenn ich mag die Verfügung drehen wie ich will, ich konune mit dem besten Willen nicht darum herum, daß sie anfgebant ist. aus eine anscheinend Spezial-Mainzer Hühnerrasse, deren Hähne Eier legen. Und zwar nach neuester Berechnung rund 48 Stück das Jahr! Denken Sie doch mal, was für'ne nette Leistung für so einen Kikeriki! Ich möchte Sie und alle berufenen Vertreter der Hessischen Landwirtschaft bitten, doch ja der geeigneten Weiterz Lichtung dieser Wunderrasse vollste Aufmerksamkeit zu widmen! Was für glänzende Aussichten eröffnen sich z. B. bei dem Gedanken nur Hahne zu halten, damit dieselben nicht mehr durch die Sorge um ihre Hühner im Legen gestört werden!
Sie tun gewiß mir und allen Ihren Lesern gerne den Gefallen, bei der Mainzer Eierzentrale nach der Bezugsquelle für diese neue Nasse anzufragen, ich bin überzeugt. daß die Nachfrage nicht zu befriedigen sein wird.
» Und was werden die Hähne an Hühnerfutter sparen!
Mt bestem Dank im Voraus bleibe ich wie immer Ihr getreuer
Lateinischer Bauer.
Unliebsame Wirkungen.
, Aus Bingen wird den „Frankfurter Nachrichten" berichtet: In Gensingen lehnen es die Landwirte ab, in
diesem Jabre Stadtkinder in Pflege zu nehmen, weil der Kommunalverband von ihnen mehr Eier verlangt, als die Hühner legen.
Ein solches Vorgehen ist zu verstehen, denn wenn man die Landwirte in solch ungerechtfertigter Weise, wie es von der Landeseieichelle beabsichtigt ist. in der eigenen Er- nahrung beschränkt, so können sie nicht noch anderer Leute Kinder ernähren. Es wäre aber bedauerlich, wenn die armen Kinder für die Fehler weltfremder Paragraphenmenschen büßen sollten. Es ist übrigens bemerkenswert, daß selbst die „Frankfurter Nachnchten", also ein großstädtisches Blatt die bürokratischn Maßnahmen tadelt, in dem sie schreiben: „Leider ist die Tatsache nicht ans der Welt zu schaffen, daß einerseits die bürokratischen Bestimmungen über die Ablieferungspflicht, andeiitteils daS Kohlenelend, an dem die Städter gewiß keine Schuld haben, tiefgehende Verstimmungen erzeugen, die sich nun an der verkehrten Stelle entladen und Unschuldige treffen. Ansgerechnet die Kinder Mißstimmungen entgelten zu lassen, das ist eine Ungerechtigkeit. die in den betreffenden Ortschaften hoffentlich recht bald einer besseren Einsicht Platz macht.
Dom Felde
der Ehre.
Fricdberg-Fauerbach. Dem Hilfstelegraphisten Robert Hacker wurde das Eiserne Kreuz verliehen!
Burggrüfenrcdr. Schütze Hch. Hahn, zur Zeit in Frank« reich, erhielt das Eiserne Kreuz. Herzlichen Glückwunsch!
Melbach. Der Landsturmmann Ernst H e y e r erhielt das Hessische Kriegsehrenzeichen in Eisen. Das Eiserne Kreuz rrnd die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt er schon früher.
? ns der Heimat.
Praktische Mitarbeit bei der Erfassung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Die 82 Mitglieder zählende Bezugs- und Absatz- genossenschast HochWeisel (Kreis Friedberg) hatte im verstos- senen Jahre als Aufkäufer und Unterkommissionär bei der Er. fassung von Frucht. Obst und Kartoffeln mitgewirkt und damit für ihren Teil sich in die Erfassungsorganisation eingereiht. Durch die Genossenschaft wurden 8659 Zentner Körnerftucht. Obst und Kartoffeln im Werte von 121390 Mark abgesetzt. Der Wert der gelieferten Schweine betragt 6426 Mark, und der so«, stig« Warenabsatz beläuft sich auf 9313 Mark. Nach Abzug der Berwaltungskostea verbleibt ein Gewinn von 5824 Mark, wel- cher zur Zeichnung von 3000 Mark Kriegsanleihe und der Ress zur Stärkung des Vereinsvermöge«» diente. E» ist mit in erster Linie da» Verdienst der beide« verftandsmttgiieder. de» Bürgermeisters Dreht als Direktor »nd de» Rendant«« Lehrer Bretdenbach, welche von de» PfltchtgestchL »«-ge-aage.
sind, sich der Mitwirkung bei der Erfassung der landroirrschaft- lichen Erzeugnisse nicht entziehen zu können und die Einrichtu»^ gen der Genossenschaft nutzbar in den vaterländischen Dienst z» stellen. Solchen uneigennützigen, von echt genossenschaftlichem Geist beseelten Männern getübrt Dank für die geleistete Müh« und Arbeit, denn es fließen die erhaltenen Gebühren ungeschmälert der Genossenschaft und damit wieder dem Erzeugerort zu. Es ist das geschilderte Ergebnis wiederum ein Schulbeispiel dafür, daß es den Bezugs- und Adsatzgenossenschaften und landwirtschaftlichen Konsum rereinen überall dort gelingt, sich der Erfassungsorganisation freiwillig anzupassen, wo die richtige« Männer am richtigen Platz stehen, und an solchen mangelt es t* keiner Genossenschaft.
Nieder - Erlenüach, 14. März. Vize-Wachtmeister Han» Di'etz. Sohn des Gutspächters Georg Dietz. zur Zeit beurlaubt in Nieder - Erleliboch. hat gestern in der Vilbeler Gemarkung zwei aus der Gefangenschaft entwichene russische Offiziere ein. gefangen.
FC. Usingen, 12. März. Da der Kleingeldmangel sich hier immer nrehr bemettbar macht, beschlossen dle Stadtverordneten für weitere 2000 Mark Notgeld rn 10-Pfennigstücken prägen zu lassen.
sr. Hanau, 14. März. Heber die im Landkreise Hanau vorge» kommenen Schiebungen mit Brotgetreide. Fleisch usw. hat in der letzten Sitzung des landwirtschaftlichen Kreis- Vereins Hanau Landrat Frhr. Lavr Mitteilungen gemacht. Er führte u. a. aus: Grund zur Beunruhigung sei bisher nicht vor. Händen, eine Beunruhigung der Bevölkerung auch nirgends bemerkt worden. Der Kreiskommunalverband fei an den Vor. kommnissen nicht beteiligt. Walther habe ohne Wissen und Auf. trag des Kreises auf eigene Hand seine Geschäfte betrieben. Ueber die an und kür sich bedauerlichen Vorgänge könne er fol. gende Mitteilungen machen: Der mit der Revision der Mühlen betraute Ueberwachungsbeamte der Rcichsgetreidestelle hat bei einigen Mühlen mehr Mehlvorräte vorgefunden, als die Mahl, karten zu belegen vermochten und die Aufklärung erhalten, daß dieses Mehl für das vom Kommunalvsrband Hanau-Land bet der Firma Döring unterhaltene Lager bestimmt fei. Die wei. tcren Nachforschungen führten auf die Spur der vorgekommenea Machenschaften Das Getreide ist aufgekauft in den Kreise« Horms, Ems. Friedberg. Büdingen, sowie auch im Landkreis» Hanau und in einigen Mühlen mit 75 Prozent ausgemahle« worden. Während der Kommunalverband für den Doppelzent. ner 3 Mark als Mahlgebühr zahlt, wurde den Müttern für da» Auswahlen dieses „Auslandsgetreides" der Betrag von 20 bi» 25 Mark gewährt. Die Aussicht auf hohen Gewinn hat einige Aufkäufer bewogen, unlautere Machenschaften zu treiben, einig» von ihnen geben an. den Zweck nicht gekannt zu haben. Der Kreibeamte Walther hat auf eigene Hand gearbeitet, unlautere Geschäfte betrieben, unlautere Gewinne gemacht. Er ist jedoch nicht allein daran beteiligt, vielmehr hoben ihm noch auswär- ttge Helfer, gegen die die Untersuchung schwebt, zur Seite gestanden. Mühlenbesitzer Amend in Rendel hat sich auch als Auf. käufer betätigt. Die Schuld des Kaufmanns Ernst Döring ist noch nicht geklärt, sie wird möglicherwelfe nicht das Maß errei- chen. was ihm von einem Teil der Oeffentlichkeit zugeschobe« wird. Die Vieheinkäufe hat Walther ebenfalls selbständig und ohne Vorwissen des Landrats, angeblich aber auf Bestellungen einzelner Gemeinden, bewirkt und erst nach beendetem Abschluß dem Landrat Kenntnis gegeben, da er dessen Bescheinigung, daß die Tiere hier Zur Zucht verwendet werden sollten, für die Einfuhr benötigte. Er erhielt diese Bescheinigung, da er versicherte, daß die Tiere nur zur Wiederauffüllung der in einzelnen Gemeinden durch Schlachtungen stark gelichteten Bestände dienen sollten und der Aufkauf im Einvernehmen mit dem Viehhandels» verbände stattfinde und dessen Vertrauensmann hinzugezogen fei. Er hat aber dann, wie sich nun herausgestellt hat. mehr Vieh, als ihm zugestanden war. aufgekauft und hier eingesührt und einen Teil der Tiere, vor allem natürlich dieses Mehr, zum Abschlachten gebracht, davon auch eine Teilmenge, die über die Bestellungen der Gemeinden hinausging, für den Kreis, aber ohne Auftrag und Wissen des Kommunalverbandcs. in Wachen, buchen zu Dauerware verarbeiten lassen. Ebenso haben auch die Gemeinden größere Mengen von Dauerware von den eigenen Schlachtungen eingelegt. Die Preise für die Wurst schwankten zwischen 5—8 Mark für das Pfund. Auch hier hat Walther für je ein Pfund Wurst 10 Pfg. in die Tasche gesteckt. Auch über den Bürgermeister Mantel habe ein Teil der Presse bereits leicht, fertig ihr Schuldig gesprochen, ohne daß die bisherigen Feststellungen das gerechtfertigt erscheinen lassen. Uebrigens muss, konstatiert werden, daß sowohl beim Mehl wie beim Fleisch all. gemein eine Abnahmefreudigkeit vorhanden gewesen sei. Nicht zu verkennen sei. daß Walther sich, so lange er den rechten Weg nicht verließ, auch um die Lebensmittelversorgung der Bcvöl« kerung und insbesondere der Rüstungsurbeiter wohl verdient gemacht hatte. Es war ihm gelungen, größere Mengen herein- zubekommen, überall Quellen zu erschließen. — Landwirt N e u U Bischofshcim teilt mit. daß in seiner Gemeinde das Mehl in nur geringem Masse gekauft worden fei. da man den Preis zu hoch befunden habe. Um den Verkauf zu fördern, fei gesagt worden, wer kein Mehl kaufe, erhalte weder Nudeln noch Grieß. — Bürgermeister Lind- Niederissigheim begrüsst es. daß die Kreis- leitung Klarheit schaffe, ebenso, dass das Kornhaus an den un. lauteren Machenschaften nicht beteiligt sei und vollständig rein dastehe, ferner die Organisation des Wirtschaftsoerbundes nicht versagt habe. An den Vorgängen trage das spekulative Kapital die Hauptschuld. Walther sei ein Opfer desselben geworden. — Oekonomierat Wittmer - Dottenfelderhof bemerkt noch, daß er kein Mehl (,.Auslandsmehl") erhalten habe, weil er sich nicht, wie Walther ihm mitgetettt habe, zur Abnahme von Kaffee-: Ersatz und Suppeneinlagen verstehen konnte. — Der Vorsitzende bedauerte, daß ihm von diesen Vorgängen niemals Kenntnis ge geben wordensei. Damit schloß die Besprechung dieser Aw gelegenheit.
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirichel. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyn er, Friedberg, Truck und Vertag der »Neue« Tageszeitung"? A- G. Friedberg l H.


