Ausgabe 
9.2.1918
 
Einzelbild herunterladen

Amnmer 34

Samstag, den 9. Februar 1918

11. Jahrgang,

S:Ä SrSSeftj'wM I*'®tunb-!iU Btene « äWIÄ > m 2M

<W<, °Eung--r.°db-r. »ynUH.^ u> , w uj frieJr, , & jen

^Btcft'Sitoujsf, 9. Februar. (WTB. Nichtamtlich). Heute, am 9. Februar, morgens ist der Friede zwischen dem Vierbund und der Ukraine, der Selbstrepublick, abgeschlossen worden.

Der deutsche Generaistab meidet:

W. T. K. Großes Karrptqttartiep, derr 8. Februar. Amtlich.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Fast an der ganzen Front war die Eefechtstätigkeit gering.

Aus dem östlichen Maasufer bei Bezonvaux und südwestlich vM Ornes brachte unsere Infanterie von Erkundungeil eine Anzahl Gefangener zurück. Tagsüber blieb die Artillerie in die­sem Abschnitt tätig.

Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Eeneralquartiermeister: Ludendorff.

Abrud bericht.

«erlin, 8. 3«6r., abends. (WTB. Amtlich.) Von den Kriegs­schauplätzen nichts Neues.

n Der österreichische Generalstad -=-meldet: --

Wien. 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver­lautbart: Keine besonderen Ereignisse.

Der Chef des Eeneralftaber.

26000 Tonnen.

^ Berlin. 7. Febr. (WTB. Amtlich.) Neue U-Vooterfolge im westlichen Mittelmeer: 26 000 Bruttoregistertonnen. Die da­durch unseren Feinden zugefügten Verluste haben den Trans­portverkehr nach Frankreich und Italien schwer getroffen. Unter den versenkten Schiffen befinden sich zwei große Transport- dampfcr und ein Tankdampfer, der mitsamt seinem Vegleit- fahrzeuge vernichtet wurde und anscheinend Venzin oder Naph­tha geladen hatte, da er unter einer ungeheuren Feuersäule versank. Auch fünf italienische Segler fielen dem Angriff der U-Boote zum Opfer, unter ihnen die SchonerAttilio",Uxa- nia" mit Korkladung undMaria S. S. del Haradino".

An den vorstehenden Erfolgen war in erster Linie ein klei­nes Unterseeboot unter Führung des Oberleutnant z. S. N e u- m«nn beteiligt.

Der Chef des Adneiralstabs der Marine.

Berlin, 7. Febr. (WTB.) Die häufige Versenkung von Tankdampfern bildet ein besonderes Leidenskapitel für die feindlichen Kriegsmtrincn. Tankdampfer sind meistens recht große, eigens für den Transport von Oel eingerichtete Spezial- fchrffe. Sie versorgen die Entente mit Petroleum, Naphtha und Venzin, die als Kraftstoff für den Schiffsantrieb an Stelle von Kohlen im Verlause dieses Krieges eins gewaltige Bedeu­tung gewonnen haben. Auch die zur Abwehr unserer U-Voote ständig im Dienst gehaltenen, meist mit Oelfeuerung versehenen j zahllosen schnellen Fahrzeuge, Motorboote und Flugzeuge stei- j gelten den Ölverbrauch und die Abhängigkeit unserer Feinde von der überseeischen Zufuhr in ungeahnter Weise. Lloyds Re­gister von ' r i0 zählt nur 401 feindliche und neutrale Tank- dampfor. In -Anbetracht dieser Zahl LYcvAH jede Versenkung eines solchen Schiffes eine willkommene Schwächung der Schlag- fertigkeit der feindlichen Kriegsflotten.

Kein Mittel gegen den U-Bo-TTieg.

Bafel, 8. Febr. Die englischeNation" berichtet: Der Unter­stebootkrieg ist vom gegenwärtigen Standpunkt Englands aus der einzige wirkliche militärische Faktor, der Großbritannien Unheil zufügen kann.Tinies" undDaily Telegraph" bekla­gen in langen Artikeln die wachsende U-Vootnot und erklären, jetzt wisse man. daß alle Versprechungen der Regierung vergeb- ; lich seien und daß es kein Mittel gegen den U-Bootkrieg gebe.

Die Deiyenknug derTosrauia".

Der englische Bericht.

Haag, 8. Febr. Aus London wird gemeldet: Der große

DampferToscania", 14 348 Tonnen, ist in der Nacht vom 5. Februar in der Nähe der irischen Küste torpediert worden. Das Schiff hatte amerikanische Truppen an Bord. Von de-r Total­

besatzung von 2397 Personen sind 210 ertrunken. Die Beman­nung, die gerettet wurde, bestand aus 76 Offizieren. 1935 Mann­schaften, 16 Offizieren der Bemannung. 125 Matrosen, 3 Passa­gieren, 42 anderen Personen. Die Ueberlebenden derTosca­nia" wurden Mittwoch früh in irischen Häsen eingebracht.

Ein amerikanischer Offizier erzählte: Wir bildeten einen Teil eines kräftigen Geleitzugcs Ich werde nicht mitteilen, wie wir in diesem Konvoi verteilt waren, oder wie die verschie­denen Schiffe ausgestellt waren, aber alle anderen Schiffe sind glücklich davon gekommen. Die Deutschen haben nur einen Teil unserer Mannschaften getroffen, aber wir werden alles tun, falls die Gelegenheit sich bietet. Rache zu nehmen. Panik hat an Vord nicht geherrscht. Es wurde uns mitgeteilt, es existiert keine Gefahr, daß das Schiff untergeht, ehe alle Männer von Bord sind. Es wurden inzwischen Notsignale gegeben. Britische Torpedoboote befanden sich in unserer Nähe. Ich glaube, daß ein oder zwei Schiffsboote bei der Abfahrt zerschmettert wurden. Der Torpcdojäger hat unsere Leute in vorzüglicher Weise in größter Ordnung überuEmen. Kaum waren wir von dem Schiff enfferut, als ein Torpedo auf uns abgefchofsen wurde. Dieser verfehlte aber sein Ziel. Ein anderer Torpedojäger be­kam eine volle Granate. Es wird behauptet, daß das feindliche U-Boot versenkt worden ist.

Dos Jahr der Entlcheidmia.

Morning Post" meldet aus Rom: Orlando empfing nach seiner Rückkel^ von Paris die Vertreter der Presse und gab ihnen michttge Informationen. Er bezeichnete dieses Jahr als das entscheidene Kriegsjahr. Im Laufe trt nächsten Monate würden Yi Millionen Amerikaner an der italienischen Front ein. treffen und Italien die Möglichkeit geben, den Krieg siegreich zu beendigen.

*

Zürich, 8. Febr. DerSecolo" berichtet aus Paris, daß sich die Frühjahrsfchlachten bereits ankündigten. Clemenceau habe sich Parlamentariern gegenüber geäußert, daß der Krieg noch in diesem Jahre zu Endo ginge.

Die Furcht m der deMeu Offenßve.

Mailand, 8. Febr. In der englischen Oeffentlichkeit wird der Beginn der deutschen Offensive an der Westfront, nach dem Korrespondenten der Mailänder Blätter in London, als unmit­telbar bevorstehend angesehen. Es steht fest, daß die deutsche Heeresleitung umfangreiche Vorbereitungen treffe. Im Be­ginne dieses Jahres sehen sich die Alliierten nicht zu einer Offensive gezwungen. Sie müssen sich auf die Defensive beschrän­ken. Deutschland müsse dagegen notgedrungenerweise angreifen, wenn es nicht wolle, daß es sich später der ganzen amerikani­schen Hilfsarmee gegenübersähe. Der Versuch eines Front­durchbruches dränge sich als naheliegender Gedanke auf. Die Times" sprechen von der Rnhe vor dem Sturm. Die fieber­hafte Spannung sei noch nie durch so verhängnisvolle Möglich­keiten gekennzeichnet gewesen wie jetzt. Auch die Zivilbevölke­rung müsse für die Durchhaltung jetzt fester zusammenhallen. Einen neuen Schlag gegen Italien hält das Londoner Blatt für nicht ausgeschlossen, da ihm die Lage an der italienischen Front trotz der jüngsten Offensive noch als gefährdet erscheint.

inPrrrat in Do-m.

Lugano, 7. Febr. Orlando ist, nachdem er am Mittwoch früh in Paris eingetrofefn und zur Berichterstattung beim König an die Front abgereist war, nun wieder in Rom ange­kommen. Am Nachmittag wurde eine Sitzung des Ministerrats abgehalten, die sich mit den Ergebnissen der Verhandlungen der Pariser Enlentekonferenz beschäftigte.

Die Tricderisveichitrdlrmrml.

Brest-2'isk, 7. Febr. Staatssekretär v. Kühl mann und der Minister des Aeußern Graf Ezernin sind gestern abend wieder in Brest-Litowsk eingetroffen. Heute vormittag hielt die deutsch-österreichisch-ungarisch-russische Kommission zur Regelung der politischen und territorialen Fragen eine er­neute Sitzung ab. Zu Beginn der Sitzung kam von Kühlmann auf die angeblich gefälschten Telegramme zurück, denen zufolge Trotzki erllärt haben sott, es käme ihm nur darauf an, die Ver­handlungen hinauszuschleppen. Es sei wünsche,rswert zu wissen, wie und wo die Fälschungen entstanden seien. Trotzki-Braun-

stein erklärte sich dazu außerstande, er werde aber versuchen, kürzester Zeit die Mißverständnisse und Fälschungen aufzw klären. Entschieden verwahrte er sich gegen den Vorwurf der Verschleppung. Gerade Herr von Kühlmann habe eine theore- tische Erörterung der Fragen gewünscht. Kühlmann antwortet- und glaubte, Herrn Trotzki dahin verstanden zu haben, daß in ein# der allernächsten Sitzungen die bisherigen Ergebnisse der Verhandlungen zusammcngefaßt würden. Darauf folgte ein neuer Zwischenfall. Die Russen hatten zwei Polen mit. gebracht. Der eine, V o b i n s k i, verlas eine Rede in polni- scher Sprache, die sein Genosse Radeck sofort auf deutsch wieder­holte. Die beiden Kerle hatten die Stirne, sich als die ein­zigen berufenen Vertreter des polnische,, Volkes aufzuspielen und forderten die sofortige Entfernung der jetzigen Negierungsorgane in Polen: sie ergingen sich in Anklagen gegen die bisherige Entwicklung der Unabhängigkeit Polens. In der Aufzeichnung wurde des weiteren erklärt, daß bis jetzt einzig und allein das revolutionäre Rußland die wah­ren Interessen der Freiheit Polens verteidige. Herr Bobinski und Herr Radek beriefen sich in ihren Ausführungen auch auf die in der deutschen und österreichisch-ungarischen Armee kämp­fenden Polen.

Herr von Kühlmann richtete darauf an Braunstein die Frage, ob diese Aeußerungen als eine offizielle Mitteilung der russischen Abordnung anzusehen sei. Braunstein antwortete darauf gewohntermaßen mit Ausflüchten. Kühlmann erklärte es für merkwürdig, daß zu derselben Stunde, wo die Russen er­klärt hätten, die Verhandlungen nicht zu verlängern, neue Ver­schleppungen von dieser Tragweite würden. Er habe durchaus den Eindruck, als ob die Rede durchaus zum Fenster hinaus gesprochen sei. Die Geduld der Vorsitzenden der verbündeten Delegationen dürfte durch Vorgänge, wJe die eben gehörte» Reden eines Mitgliedes der russischen Delegation auf eine sehr harte Probe gestellt werden, und es werden jetzt nicht nur bei der deutschen Presse sehr ernste Zweifel darüber entstehen müs­sen, ob auf Seiten der russischen Delegation wirklich die Absicht vorliegt, die hiesigen Verhandlungen erfolgreich zum Abschluß zu bringen.

General Hoffman n fügte folgendes hinzu: Ich prote« -stiere dagegen, daß die Herren Bobinski und Radeck sich an­maßen, im Namen von Angehörigen des deutschen Heeres zu sprechen. Ich muß die Soldaten des deutschen Heeres polnischer Nationalität, die auf allen Kriegsschauplätzen ehrenvoll für ihr Vaterland, das Deutsche Reich, gekämpft haben, gegen derartige Versuche auf das energischste in Schutz nehmen.

Nach einer nichtssagenden Antwort Braunsteins wurde die Sitzung vertagt.

Die Zilßiinhe in WIM uniJ Finnland.

Hungerunruhcn.

Rotterdam. 6. Febr. (WTB.) DieDaily News" meid# aus Petersburg: Der Lebensmittelmangel ist vor allem in dev Hauptstadt und in den benachbarten Disttikten sehr groß. In vielen Fällen wurden Eisenbahnzüge mit Lebensmitteln nach Petersburg unterwegs angehalten mrd ausgeraubt. Am Frei­tag wurde bei einein Gefecht zwischen Bauern und Bewachungs­mannschaften eines Mehlzüges 10 Personen getötet und 25 ver­wundet. Die Bestandsaufnahme der vorhandenen Vorräte wurde vorläufig ohne viel Schwierigkeiten durchgeführt. Die Preise steigen noch immer. Kartoffeln kosten ungefähr 3 Mark das Pfund, Zucker etwa 17 Mark das Pfund. Der Mangel an Getreide wird immer fühlbarer, zumal die Bauern in Südruß­land kein Papiergeld mehr annehmen und ihr Getreide nur gegen andere Waren austauschen. Mit einem Zuge wurden Fa­brikwaren nach dem Süden geschickt, um dagegen Getreide und Mehl einzutauschen.

London, 7. Febr. (WTB.) Reutermeldung. DieTimes" be­richten aus Petersburg vom 1. Februar, daß in einigen Haupt­straßen Hungerunruhen pattgefunden haben, deren Ursache ein Gerücht war, nach dein die Brotration von y% Pfund auf ein Pfund täglich erhöht worden wäre. Große Menschenmengen versammelten sich vor den Bäckerläden und Gemeindevertei­lungsmagazinen. Sie waren sehr enttäuscht, als sich das Ge­rücht als verfrüht herausstellte. Die Rote Garde feuerte auf die Aufrührer. In einer der größten Brauereien Petersburg­hinderten in den letzten Tagen Soldaten und Rote Garde die hungernde Menge, sich der dort eingelagerten Kartoffelvorräte zu bemächtigen, die meist erfroren und für die menschliche Erniih.. rung ungeeignet ware-r- ->

>