Kntzlmrd.
Die Weiße Garde in der Offensive.
Petersburg, 5. Febr. (WTB.) Meldung der Petersburger Telegrapheuagentur. Die Abendblätter melden: Die finnische Weiße Garde, die von der Roten Garde aus der Gegend von Widorg nach Norden gedrängt worden ist. sammelte sich dort wieder und ergriff nach dem Eintreffen bedeutender Verstärkungen die Offensive. Sie bedroht Wiborg ernstlich, dessen Garnison Maßnahmen zur Verteidigung der Festung getroffen hat. Die Eisenbahnverbindungen sind abermals unterbrochen. Der Zug, in dem Kamenew und Salkind reisten, um sich nach Frankreich und die Schweiz zu begeben, konnte nicht über Tammers- fors hinaus gelangen.
Der russische Schrecke».
Nach den letzten Nachrichten aus Finnland bleibt der Machtbereich der Roten Garde trotz ihrer letzten Erfolge auf den kleineren Teil des südlichen Finnlands beschränkt. Zn den von ihr besetzten Gebieten herrscht nach russischen Vorbildern vollkommene Auflösung. Zn Helsingfors ist niemand seines Lebens sicher^ Die tierischen Ausschreitungen haben selbst in Arüeiter- .kreisen die größte Entrüstung hervorgerufen. so daß der Leiter der Roten Garde den Befehl erließ, die Gardisten, welche bei Verbrechen ertappt werden, zu erschießen. Alle bürgerlichen und rechtssozialistischen Zeitungen sind verboten. Man schreitet zur Beschlagnahme ihrer Druckereien. Wegen der großen Notlage in Helsingwrs hat die Räter^ierung die Beendigung des Ausstandes angeordnet. Die finnische Gesandtschaft in Stock. Holm forderte die finnischen Mitbürger in Skandinavien zur Bildung eines fieiwilligen bürgerlichen Korps auf. Die Anmeldungen der männlichen Finnländer gehen fast vollständig ein. Auch von schwedisch-nationaler Seite wird ein Hilfsunter- .nehmen zur Herstellung der Ordnung in Finnland vorbereitet. Für die' Bildung schwedischer Freischaren machte das Verbot der schwedischen Regierung. Waffen nach dem neutralen Finnland einzuführen, bedeutende Stimmung, weil hierin die Rechtsparteien die größte Unfreundlichkeit gegen Finnland erblicken.
Die russische Revolution in Gefahr.
Rach Meldungen von der finnischen Grenze hat die Nachricht von der Verhaftung Krylenkos und seines Stabes durch die Polen in Petersburg gewaltige Erregung hervorgerufen. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Nachricht trat der Rat der Volksbeauftragten zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen Der ftühere Befehlshaber Vrussilow wurde auf Befehl des Moskauer Sowjets von der dortigen Besatzung verhaftet. Die Agence Havas meldet aus Petersburg: Ein Telegramm des Oberstkommaudierenden der maximalistischen Truppen am Don erklärt, daß die Lage der gegen Kaledin kämpfenden Truppen ernst sei. Die maximalistischen Truppen seien unbedingt auf Verstärkungen angewiesen, widrigenfalls die Revolution in Geft^ fei. Achtzigtausend Mann der Roten Garde wurden in bet ©egenti von Charkow zusammengezogen und werden gegen Kaledin geschickt werden.
De IMnde ffinfrr irr rriMn, front.
Die Auflösung der russischen Front seit Abschluß des Waf. feustillftandes brachte reichliche Nachrichten aus dem Hinier- lande nach Deutschland und Oesterreich. Besonders an der Nordftorft waren die quer durch die deutsche Frontlinie aufgenommenen Beziehungen zahlreich. Flüchtlinge aus Wenden bertchteten: „Die russischen Soldaten sind ins Innere abgefah- ven. Unter dem Terror der russischen Maximallsten haben besonders die deutschen Gutsbesitzer viel zu leiden. Die Mehrzahl hat ihre Güter verlassen müssen und ist jetzt von allen Mitteln entblößt. ^ Einzelne Gutsbesitzer wurden getütet, viele verhaftet. Dte Zustande in Wenden und auf dem Lande werden immer unerträglicher. Die rote Garde stiehlt und raubt. Straßenraub ist häufig. Die lettischen Gesindewirte bringen nur selten Lebensmittel zum Verkauf in die Stadt, da sie befürchten, aus- geraubt zu werden. Zn den Häusern sind „Haussuchungen" an der Tagesordnung, die gewöhnlich mit dem Raub alles Wert- vollen enden. Auf Grund dieser Zustände warten die Balten sehnsüchttgst auf den Einmarsch der Deutschen. Aber auch alle besitzenden Letten, insbesondere die Gesindewirte, wünschen unter deutsche Herrschaft zu kommen, damit endlich wieder Ordnung und Sicherheit im Lande herrscht. Einige lettische Gemeinden beschlossen, Bittschriften an die deutsche Regierung um Hilfe gegen die Maximalisten zu richten." Diese Aussagen weiden durch Briefe von Deutschen wie Letten in überreichem Maße bestätigt. In einem Briefe in lettischer Sprache heißt es' „Es tji kaum mehr möglich, zu leben. Alle Lebensmittel werden fortgenommen. jeden Tag kommen Leute vom Komitee und suchen in allen Ecken, ob sie nicht etwas finden. Alles nehmen sie für die .Landlosen" und für die, die die ganze Zeit nicht gearbeitet haben, aber denen, die sich bis jetzt gequält haben, wird alles mit Gewalt abgcnommen. Dieses alles geschieht am hellen Tage, es gibt auch solche, die es des Nachts treiben. Aus dem Zimmer darf man sich nicht wagen, wenn man fein Leben be, halten will."
Die Dämpfe in Finnland.
Schweden und Finnland.
Bafel, 6. Febr. Die „Daily Mail" meldet aus Stockholm Der schwedische Ministerrat hat eine Note nach Petersburg gesandt, in der Maßnahmen zum Schutze der schwedischen Staatsangehörigen in Helsingfors und Finnland gefordert werden. Zn Helsingfors ist der schwedische Kaufmann Holdars von den Vol-chewisten erschossen worden.
Stockholm, 6. Febr. Der „Aftenposten" mewet in der gestrigen Ausgabe, die schwedische Regierung wäre bereit. Maßnah. men mit allen Mächten gemeinsam, die Finnlands Selbständigkeit anert.^'rnt hätten, im Interesse Finnlands zu unternehmen, die nur den Zweck haben könnten, eine Einstellung oer Kämpfe M veranlassen und die von dem finnischen Volke gewählte Regierung in ihren Rechten zu schützen. Der Ernst der Lage ergibt pch daraus, daß der Ministerrat sich in Permanenz erklärte urch
König Gustav aus Stockholm nicht abreist, sondern in der Stadt bleibt, um die Weiterentwicklung der Lage abzuwarten. Es find aber bis zur Stunde keinerlei militärische Maßnahmen Schwedens erfolgt. Es ist ausländischen Reisenden, ebenso Offizieren und Angehörigen des Heeres verboten, bis auf weitere das Land zu verlassen. Auch m Norwegen werden in den Grenzstädten und Orten keine Pässe mehr ausgegeben.
Stockholm, 6. Febr. Nach Telegrammen an die hiesige finnische Gesandtschaft sind in dem Kampfe bei Nleaborg 200 russische Soldaten, 150 Rote und 40 Weiße Gardisten gefallen. Kenn ist von den Regierungstruppen eingenommen. Am 6. Februar, 5 Uhr nachmittags begann der Kampf in Tornea.
t Der Sonderberichterstatter des Svenska Tlegram- weiter Personen, die mit der Weißen Garde sympathisie- weiter Personen, dit mit der Weißen Garde sympathisie. ren. Zwei Stockwerke des Hotels Kramp wurden als Krankenhaus des Roten Kreuzes eingerichtet. Man sagt, daß Männerheim mit seiner Weißen Garde Tamnrer'fors genommen hätte. Rote Garden beschlagnahmten alle Vorräte an Lebensmitteln auch bei Privaten, sowie ^Automobile mit Zubehörteilen für die Intendantur der Roten Garde, der schwedische Gesandte und der Aerzteverein erhoben nachdrücklich Einspruch gegen die Ermordung des Arztes Schybergson, der aus einem Krankenhaus von Roter Garde fortgeführt worden war und später ermordet aufgefundeu wurde, obgleich er das Abzeichen des Roten Kreuzes trug. Die Plünderungen werden fortgesetzt. Heute nachmittag 4 Uhr wurde das Pelzwarengeschäft Taxler unter dem Schutze von Roter Garde von Huliganen geplündert und die Lagerbestände in Automobilen fortgefiihrt. Auch iin Keller der Oper, deren Direktor ein Schwede ist, haben Plünderungen stattgefunden.
Da Mettoiß iw ffnilMn Im bkl-wIM.
$>a«8, 7. Febr. Aus London wird gemeldet: Jetzt sind E-nzelbeiten über das Gefecht, das am 17. November du>-ch britisch- leichte Streitkräfte bei Helgoland geliefert worden ist, eingetroffen. Das Ziel war, in die territorialen Ge- wäffer des Feindes einzudringen, damit größeren Streitkräf- ten begegnet werde, um die leichteren, die sich etwa unter- Wegs befanden, zu vernichten. Am Morgen des 17. Rovern- ber wurde der Feind gesichtet. Vor dem Zuge fuhr ein Minenleger und hatte ferner leichte Kreuzer und Torpedo- mcv, die in nordwestlicher Richtung sichren. Die britischen f fr -; 7 eröffnten sofort das Feuer. Darauf kehrten die ' l um, mit dem Kurse noch Haufe, in eine Wolke von • -aim gehüllt und wurden durch die brittschen Torpedojäger versorgt.. Sie wurden von den Torpedojägern einaeholt und haoen ernen felndlichen Minenleger versenkt. Während sie durch den Rauch des flüchtenden Feindes hinfuhren gelangten sie in eine verhältnismäßige Klarheit, wo si-> einen deutschen leichten Kreuzer in Sicht bekamen, der in Brand stand. Die Torpedojäger machten ein Torpedo bereit, sind aber zwei Kreuzern, die aus dem Wefi.n kamen begegnet. Drese ncktelen ein schweres Feuer auf die Torpedojäger^ die ber den zurückgebliebenen leichten Kreuzern Unterstt'itzung ™ Torpedojäger manövrierten mit großer
Geschicklichkeit' in den engen, durch Minen belegten Gewässern und haben unter heftigem Feuer den Rückzug an- getteten, ohne getroffen worden zu sein und ohne jedweden srdKthen. Inzwischen haben britische Kreuzer einen verzweifelten Versuch unternommen, den Feind abznschneiden und während zweier Stunden ist ein laufendes Gefecht geführt worden, solange bis Helgoland nur 26 Meilen süd- ostlrch gelegen . war. Der äußerste Rand des deutschen Minenfeldes lag nur 30 Meilen östlich, als die Masten und Schornsteine des deutschen Gefechtsgeschwaders, das sich in aller Este näherte gesichtet wurden. Die brittschen leichten Kreuzer zogen sich daraiffhch unter dem Feuer schwersten Kalibers zurück, nachdem sie die großen Schiffe des Feindes nahe herankommen ließen. Die feindliche Flotte wartete gleichfalls genau so lange, bis sie dessen sich vergewisserte, daß die Briten sich tatsächlich zurückgezogen haben, wonach ore deutschen sich auch zurückzogen. Feindliche Seeflugzeuge haben daraufhin die Seeoberfläche in einer Höhe von 200 Fikß über unseren leichten Kreuzer bestricken und warfen Bomben ab, die aber nicht trafen. Die Bemannung des gesunkenen Minenlegers wurde durch einen brittschen Torpedojäger gerettet. Der Marineleutnant sagte entrüstet: „Es ist nicht ehrlich, schwere Granaten aus kleine Schiffe abzuschießen". Trotz der gewagten Art der brittschen Unt-r. nehniung waren die Verluste klein. Beim Einbrechen des Abends kehrten die leichten Schiffe nach der Grenze des Minenfeldes zuriick. Da war aber nichts mehr von der deutschen Flotte zu sehen.
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Die amtliche Meldung des deutschen Admirakstabes vom 17. November 1917 über das Gefecht lautete:
Zum ersten Mal seit den ersten Kriegsmonalen ver- suchten am 17. November starke englische Seestreitkräfte in die Deutsche Bucht einzubrechen. Durch unsere Sicherungen wurden sie bereits auf der Linie Horns Riff—Terschelling - wstgestellt und durch den sofort angesetzten Gegenstoß unserer Vorposten-Streikräfte mühelos und ohne eigene Verluste ovgewiesen.
Dielen furdjfüamt Krieg einem Milchen Ende
Budapest, 7. Febr. (WTB.) Im Abgeordnetenhause erklärte m der Debatte über das Programm der Regierung Graf Julius Andrassy. daß die unter seiner Führung stehende Verfassungspartei sich vor einigen Tage» aufgelöst habe und die große Mehrheit dieser Parte» in die neue Regierungspartei eintrete. Andrassy wies sodamr auf die NoKoeMgkett hin» eine starke
einheitliche Regierungspartei zu bilden. Er sagte: Jetzt hau. delt es sich nicht um kleinliche Parteiwünsche, sondern die In- teressn der Nation stehen aus dem Spiel. Ich betrachte jede Frage, die jetzt ans der Tagesordnung steht, ob groß oder klein, nur von dem Gesichtspunkte aus, oH sie die Nation in den: großen Kampfe, der noch beoorsteht, stärkt. Es ist höchste Pflicht jedes Patrioten, bis zur Erreichung eines ehrlichen Friedens, desien Abschluß nicht einseitig von uns abhängt, die dem Lande innewohnende Kraft zu verstärken, die Kraft, die notwendig ist, durchzuhalten, solange das Land für seinen Bestand kämpfen muß. Viele wollen den Frieden um jeden Preis. Das wäre das größte Verbrechen gegen die Rauon. (Stürmischer Beifall aus beiden Seiten des Hauses.) Gerade jene würden am meisten büßen, die nran jetzt aufreizeu will. Ein Friede um jeden Preis würde die Vernichtung des Selbst02wußtseins der Nation fiir lange Zeit lähmen. Alle unsere moralischen Kräfte müssen wir vereinigen, um diesen furchtbaren Krieg einem glücklichen Ende entgegenzuführen. Die Aushungerungspolitik unserer Feirrde zeitigt in gewisser Beziehung Früchte. Sie we-den aber ihr Ziel nicht erreichen. Dadurch werden sie uns nie bezwingen. Sie vermehren vielleicht unsere Leiden, schwächen einigermaßen unsere Widerstandskraft, vermehren die Zahl jener, die unzuftieden sind, erleichtern die Arbeit derjenigen, die in gewissenloser Weise für den Frieden um jeden Preis werben. Unsere Feinde sehen ein, daß sie uns militärisch nicht bezwingen können und daß auch ihr Aushungerungsplan zu keinem vollen Erfolg fuhren kann. Jetzt versuchen sie durch gewissenlose Hetze und Aufteizung in Deutschlarw. Oesterreich und Ungarn revolutionäre Bewegungen zu entfachen. Ts ist die Pflicht der Negierung gegenüber dieser Gefahr bis zum äußersten zu gehen. (Stürmischer Beifall.) Der Redner zerpflückte dann das Schlag, wort von dem Selbstbestimmungsrecht der Völker und beleuchtet« das Vorgehen der Volschewrki. die die Freiheit mißbrauchten und jede ihnen entgegenstehende Meinung vergewaltigten. Graf Andrassy schloß mit der Erklärung, daß er das Programm der Negierung zur Kenntnis nehme (Anhaltender lebhafter Beffall und Händeklatschen.)
Mlr tt ftr* gllmkiWen Kahmtls.
7. Febr. (WTB.) Meldung des k. u. k. Korrefpon- demBureous. Das Abgeordnetnhaus setzte die Generaldebatte über den Staatshaushalt fort. Am Schlüsse der Sitzung erklärte Präsident Dr. Groß:
„Ich habe soeben vom Ministerpräsidenten Dr. von Seidler die Mitteilung erhalten, daß die Regierung dem Kaiser ihre Demission überreicht hat. Da die Regierung sich sonach im Stadium der Demission befindet, bleibt nach konstitutionellem Brauch nichts anderes übrig, als vorläufig die Sitzungen des Hauses zu vertagen. Dte nächste Sitzung wird auf schriftlichem Wege bekannt gegeben werden."
In parlamentarischen Kreisen verlautet, die Demission der Regierung sei auf einen Beschluß des Polenklubs zurückzuführen, der sich sowohl gegen den Eintritt in die Spezialdebatte wie gegen ein zweimonatiges Budgetproviforium aussprach, wodurch die Majorität für das Projekt in Frage gestellt wor* den sei.
Dir H-Sogjg-NglM dcs GroDmuls r>. tlirpjtz.
Durch einen Teil der deutschen Presse läuft in den letzten Tagen eine Reihe von Aussätzen, in welchen das Mitglied des Reichstages Dr. Slruve. Kiel, hefttge Angriffe gegen den Großadmiral von Tirpitz und die seinerzeit von ihm versolgtl U-Boots-Politik richtet. Diese Aufsätze beweisen im Grunde nichts weiter, als daß der Verfasser dem Schicksal der bekannten Ratsherren nicht entgangen ist, die ja immer klüger sind, wenn sie vom Rathause zurückkonnnem als wenn sie hineingehen. Welchen sachlichen Nutzen soll es haben, wenn Aeußerungen des Großadmivals, die er im Jahre 1904 im Reichstage, also in aller Oeffentlichkeit, gemn hat, jetzt der Oeffentlichkeit vorgeführt werden, damit „sie selber urteilen kann"? Und wa- hat Tirpitz damals gesagt? „Daß die Unterseeboote an der ganzen maritimen Situation viel ändern werden, insbesondere an der Frage, welches das Wichtigste ist, um einer Flotte und Marine Seegeltung zu schuften, das glaube ich nicht." Und weiter: „Eine große Umwälzung aber werden sie niemals hervorbrin- gen, wenn nicht noch große technische Mankos beseitigt werden und speziell die Frage des Sehens unter Wasser in weit höherem Maße gelöst wird als bisher." Ganz abgesehen d-won. daß diese Aeußerung in jeder Hinsicht dem damaligen Stande der Technik entsprach, besteht sie. in ihren, Hauptpunkt, nämlich der Ansicht, daß die Seegeltung einer Marcne nicht durch ihre U-Boote, sondern durch ihre EroßLampsschiffe bedingt wird, auch heute noch in vollem Umfange zu Recht. Das muß mit allem Nachdruck hervorgehoben werden!
Daß der Großadmiral damals, ein volles Jahrzehnt vor Beginn des Krieges, die Leistungsfähigkeit des U-Bootes vielleicht noch nicht bis in die letzten Entwicklungsmöglichkeiten übersehen hat, mag ohne weiteres zugegeben werden. Wer aber kann sich rühmen, klarer in die Zukunft geschaut zu haben? Man lese doch einmal die vielgenannte Schrift des Admirals Galster über die Seerüstung Deutschlands, aus dem Jahre 1907. Was dort über die U-Boote geschrieben wird, klirigt keineswegs vertrauensvoller als das, was Tirpitz gesagt hat. Die richtige Erkenntnis hat. das kann nran ruhig sagen, erst der Krieg gebracht mit seiner in Friedenszeiten unmöglichen Anspannung von Material und Personal.
Es ist richtig, daß unsere Marine-Verwaltung unter Leitung des Großadmirals von Tirpitz sehr vorsichttg an die Ausgestaltung der U-Bootswaffe herangegangen ist. Zuerst galt es, da man von vornherein Wert nur auf große, jeefühige Boote legte, schiffbauliche Schwierigkeiten zu Überwinden. Dann kam die Motorfrage, die mindestens von gleicher Wichtigkeit war. Die unsicheren Benzin- und Gasolinmotoren wurden abgelehnt, mit dem Erfolg, daß die vielen und schweren Menschenopfer. welche andere Marinen auf diesem Gebiet haben bringen müssen, uns erspart gblieben sind. Als ein brauchbarer Schwer-'


