Die rirssijchc Auflösung.
Reuter meldet aus Petersburg, daß die Ukrainer mb Maximalisten gegeneinander eifrig mobilisieren und daß man für die nächsten Tage allgemeine Gefechte in der Gegentz von Kiew zu erwarten habe. \ ä ,•
Russische Demobilisierung.
Paris. 30. Jan. Nach den Petersburger Blättern beschloß die marimalistifche Regierung, die Demobilisation der russischen Armee noch vor dem Frühling durchzuführen.
Die Kosaken im Kampf mit Kaledin.
Petersburg, 29. Jan. Zwanzig Kosakenregimenter erhoben sich gegen Kaledin und beschlossen, die gesamte Gewalt in der Dongegend an sich zu reiften. Sie bemächtigten sich der Bahnhöfe Zwerewo und Lichejra und nahmen 18 Mitglieder von Militärorganen fest.
Eine Armee der Kadetten.
Karlsruhe, 30. Jan. Der Schweizer Pretztelegraph meldet aus Petersburg: Der Militärrat der Kadetten hat den General Alexejew. der zeitweilig Oberbefehlshaber der ganzen Armee war. ermächtigt, eine Armee zur Verteidigung der National- -"rsammlung zu bilden.
Vollkommene Machtlosigkeit.
Berlin, 30. Jan. Die russische Presse veröffentlicht ein Telegramm des Generals Bentsch Bruyewitschy. des Stabschefs des Oberkommandos, das wörtlich lautet:
Vollkommene Machtlosigkeit. Viele Frontteile sind entblößt. Auf der Westfront kommen auf die Werst nur 160 Bajonette. Die Reserven lösen ihre Kameraden in den Schützen, grüben nicht ab. Sine ungeheure Zahl erfahrener militärischer Vorgesetzten ist bei den Wahlen ausgeschieden. Der jetzige Be. stand an Stäben ist ohne Erfahrung. Der Stab und die Behörden werden in Kürze zu arbeiten aufhören, da niemand mehr arbeiten kann. Generalstabsoffiziere sind nicht vorhanden. Die Arbeitsbedingungen in den Stäben sind entsetzlich. Wirtschaftlich herrscht eine vollkommene Auflösung. Ausbildung und Ordnung der Truppen sind nichts wert. Eine Ordnung tm Heere gibt es nicht mehr. Die Befehle werden nicht ausgeführt. Desertionen finden massenhaft statt. Beurlaubte kehren nicht zurück. Der Zusammenhang ist an vielen Stellen zerrissen Der Bestand an Pferden tst fast ganz vernichtet. Die Befestigungen der Stellungen zerfallen. Die Drahthindernisse sind zur Erleichterung der Verbrüderung und des Handels entfernt. Einen Angriff des Feindes anszuhalten ist unmöglich. Die einzige Rettung des Heeres ist der Rückzug hinter die natürlichen Grenzen.
Die russische Zeitung „Rjetsch" veri . lt die Reden Lenins im Ratekongreft. die auf die Instinkte der dunklen Massen rechnen und Anarchie und Vernichtung der Kultur als Erfolge des Arbeiterkampfes preisen.
Vorbereitung der Entente.
Gens, 30. Ion. Das ..Echo de Paris" schreibt, der am Freitag zusamrneiiLretende Kriegsrat der Entente wird zur Vorbereitung des Frühjahrsangriffcs die als notwendig zu bezeichnende Vermehrung des Mannschaftsbestandes der verbündeten Heere feststcllen. Im Anschluß daran dürften für alle Verbündeten umfassende Neueinberufungen zu erwarten fein.
Bern. 29. Jan. (WTB.) Die Beratungen des Pariser Rat: sollen sich Lyoner Blättern zufolge hauptsächlich mit ernsten Fragen politischer und militärischer Art. auch mit der Bildung eines Manöverierheeres für die Westfront befassen. Elemen- eeau wird, von den Generalen Foch und Weygand begleitet, den Beratungen beiwohnen.
Meldung der Agentur Havas: Nach B ättermeldungen wird der Ministerrat morgen Ionnart an Stelle Latauds zum Generalgouverneur von Algerien ernennen. Die Regierung wird Lataod einen wichtigen Posten bei einer der neuen anerkannten russischen Republiken anbieten.
Mtnillht fnrdjt uor tm mm?.
Die Schweizer Depescheninformatton meldet: Der Kriegsberichterstatter der „Idea Razicuale" schreibt- Aus den Trup- penberregrnu-.en an der italienische Front geht unzweideutig hervor, daß der Fcind schon zu Beginn des Frühlings sowohl an der italienischen als auch an der Weststont eine Offensive unter, nehmen werde.
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Der Rat der Bottskemmiflrre hat dt« Beschlagnahme einer -lerknztt gehörenden, bei der Staatsbank niedergelegten Summe von 1100 714 Rubel, sowie einer weiteren bei der Nationalen Handelsbank von 317 020 Rubpl, insgesamt also 1167 734- Rubel also nahezu 3 Millionen Mdrk?, angeordnet.
Kerensli war der Sohn unvermögltcher Eltern. Man sieht das Gewerbe eines sozialistischen Volksttiönnen ernährt seinen Mann!
ers Geb«rtstagsm m sche.
Die der.irakische „Kleine Presse" regt sich über einen Aus. satz auf. den vre „Deutsche Zeitung" zu Kaisers Geburtstag - .
bracht hat und der lautet:
Das Verhängnis der nunmehr dreißigjährLgen Regierung Kaiser Wilhelms II war es bislang, daß nicht die Männer an die Spitze der Regierung tm Reiche und Preußen gestellt narcn, dis festen zielsicheren Händen Bismarcks Politik fortgesetzt haben Die Regierung unseres Kaisers begann mit der ttebernehme Bismarcks des Einzigen, des Unersetzlichen. Ater Bismarck mutzte gehen. Seitdem hat über feinen Nachfolgern und ihrer zumeist antibismarckschen Politik die Nemesis gewaltet. Möge das deutsche Kaisertum alle Zeit behütet sein ror dem Schicksal heilloser Schwäche, wie jte dem urwerbesser- Dilettanten und Romantiker auf dem Hohenzollernthrone, Kör-ig Friedrich Wilhelm IV., eignete, der vor den gefallenen Barrlkad-nkämpsern, den Vorgängern dvo Roten I»rter,mlio-
nute. de« Hut ziehe» «chte; dessr»rr«Mck '«» ««, dah er — im Gegensatz zu seine» Bruder. Kaiser Wilhelm I. — nicht große Männer neben sich als Mitarbeit« stelle^ sie ertrage», sie frei schalte« und walten lassen konnte!
Der bekannte Ableger der »Frankfurter Zeitung" bemerkt dazu:
Fürwahr ein seltsames Elückwanschsprüchleink Wtt müssen gestehen, es mutet uns mehr an wie das Sprüchlein, das die „Frankfurter Zeitung" hersagte. Wir lesen da:
In gewissen Zeitpunkten vor dem Kriege hatten Kreise, die tm Gerüche einer Eemäßigtheit des Monarchismus (Ein guter Ausdruck?) standen, Abweichungen von kaiserlichen Ansichten bekundet. Diese Kreise haben eben die Gewohnheit. offen zu reden, statt wie andere, denen das die Po- littk verdürbe, nur zu raunen.
(Anmerkung der Cchriftleitung: Das Organ der goldenen Internationale denkt dabei offenbar an ihren Busenfreund Prof. Qutdde. - Der Mann hatte anfangs Wr 90er Jahre ein Büchlein geschrieben. „Ealigula" benamst. Für jeden Kenner war es nur zu deutlich, auf wen der Vergleich mit jenem römischen Cäsaren gezielt hat. Zur Rede gestellt, hat aber Prof. Quidde feierlichst eine jede dahingehende Absicht verleugnet. Das nennen die Demokraten: „offen reden!")
Es heißt dann weiter:
So ergab es sich wie von selber, daß das Diesseits und das Jenseits ziemlich klar geschieden waren. Aber nun kam der Krieg, der große Lehrer und Prüfer. Nichts Edleres kann man mm einem reifen Menschen sagen, als daß er immer noch lerne, auch nichts Erfreulicheres für ihn. denn es beweist, daß er jung ist, und trüge er hundert Jahre. . . . Man kann auf verschiedenes Hinweisen, gerade auch aus dem letzten Jahre: die Osterbotschaft und ihre Ergänzung, die Zustimmung zur Parlamentarisierung des Reichstages und anderes. Aber das allein ist es nicht. Das könnte immerhin Aenßerliches fein, hervorgegan. gen aus einer gewissen Nötigung des Augenblicks. Aber man hat gute Kunde, daß der Kaiser die Erfordernisse einer neuen Zeit mit innerlichem Sinn begleitet.
Wenn man sich in diesem Phrasen.Ivrgarten zurechtgefun- den hat, so findet man. daß gewisse Kreise einem zielbewußten Fürsten gege-niiber nur einer „Gemäßigtheit des Monarchismushuldigen. unmäßiger wird ihre Anschauung aber, wenn sie guten Grund haben, daß der Monarch sich für ihre Zanke „mit innerlichem Sinn" gebrauchen läßt. In diesem Fall kann man auch — in früheren Jahren tst das nicht geschehen? — den Kaiser zu seinem Geburtstag als Olerhaupt und Symbol der Deutschen Reiches „in unserer Weise" begrüßen.
Krmdesfiirste« nnd Kteichsiei-nng.
Unter Himl'eis auf die Meldung der „Deutschen Zeitung", daß der König von Bayern versucht habe, seinen Einfluß beim Kaiser im Sinne eines die Zukunft des deutschen Volkes und den Bestand des Reiches sichernden Friedens geltend zu machen, schreiben die „Leipziger Neuesten Nachrichten": Jedenfalls haben auch wir Grund zu der Annahme. daß die Meldung der „Deutschen Zeitung" richtig ist. Wir möchten sogar noch einen Schritt weitergehen und hii^ufügen. daß der Appell, den die „Deutsche Zeitung" an die anderen deutschen Bundessürsten richtete, sie möchten dem Beispiel des Königs von Bayern folgen, bereits überholt ist. Der König von Bayern tst nach unsrer Kenntnis nicht der Einzige gewesen, der mit ernster Sorge den Gang der Verhandlungen in Brest-Litowek verfolgt hat. und man darf vielleicht annehmen, daß die Entsendung des Herrn von Podewils nicht lediglich erfolgte, nur um ein längst vergessenes Reservatrecht auszuüben oder dem Herren von Kühlmann ein bloßes Vertrauensvotum auszusprechen.
Die Streikbewegung.
Berlin. 30. Jan. Ein großer Teil der heutigen Morgen. Zeitungen, darunter das „Berliner Tageblatt" und di- „Berliner Morgenpost", sind wegen des Ausstandes in Großbeilin nicht erschienen Die Zahl der Ausständigen soll, wie eine sozialdemokratische Korrespondenz meldet, im Laufe des gestrigen Nachmittags erheblich, zugenommen haben.
Spandau. 30. Jan. (WTB.) Die Lage hat sich gegen gestern $ nicht wesentlich geändert. In den meisten Staatswerken wird fast vollständig gearbeitet. In der Artilleriewerkstätte hat sich die Zahl der Streikenden, die gestern 3500 bis 4000 betrug, erheblich verringert, ebenso in der Orenstein und Koppel-A-G.. wo gestern etwa 600 Arbeiter streikten. Im ganzen dürsten heute noch nicht ganz 4000 Arbeiter von den hier beschäftigten 70- 80 000 Mann im Streik stehen. In der Siemens-Stadt wird in den Siemenswerken ebenfalls durchgängig gearbeitet.^ Die Belegschaften der einzelnen Werke haben sich gegenüber der Streikaufforderung meist völlig ablehnend verhalten und sich aus den Standpunkt des vom Kartelloerband deutscher Werk- vereine (der sogen. Gelben) verbreiteten Aufruf gestellt, der vor der Beteiligung am Streik warnt.
Kassel, 30. Jan. Eine Arbeiter-Versammlung beschloß, morgen den Streit auf sämtliche Rnstungsbetriebe übergehen zu lassen Ast dann würden mehr als 20 000 Arbeiter und Ar- beiterinnen streiken. Heute abend wurden 3200 Streikende gezahlt. Die hauptsächlichsten Betriebe, in denen gestreikt wird, sind die LoLomotivsabrik von Hentschel und Sohn, die Aktiengesellschaft Hahn für Optik und Mechanik und einige Betriebe der Textilindustrie.
Essen, 30. Jan. Die Streitbeioegung im Rheinisch-Westfälischen Jnd:ssiriebezirt hot keinerlei Fortschritte geinacht. Bei der Firma Krupp-Essen feierte ,i heute bei einer Belegschaft von 120 000 Mann nur 300 Mann, die beschlossen haben, morgen früh mit der Arbeit wieder zu beginnen. Im Kohlenbergbau sind nach den neuesten Meldungen von einer Geso.mtbelegschast von 420 600 Mann etwa zrvei Prozent der Arbeiter ausständig in 14 Betrieben, hauptsächlich im Dortmunder Bezirke. Bei der Rheinischen Metallwarenfabrik wird «icht gestreikt. Im übrigen ist alles ruhig.
Hamburg, 30. Jan. Aus Anlaß deB Streiks der Hamburger Werftarbeiter wurde vom stellvertretendeit Genera lkom-
man*» des 9. Armeetorps der verwarne Kr..gszujtand über Hamburg. Altona und Wandsbek verfügt. Die Zahl der Streikenden beträgt etwa 25 000. Ein heute erfolgter Anschlag des stellvertretenden Generalkommandos besagt, daß die Kriegs- betriebe unter militärische Leitung gestellt werden, und daß die Arbeiter, die am 31. Januar früh nicht zur Arbeit erscheinen, zum Heeresdienst eingezogen werden.
Ja Schlesien wird gearbeitet.
Breslau, 30. Jan. Die Ausstandsbewegung hat in Schlesien keinerlei Anhang gefunden. Sowohl in der Breslauer Rli, sinngsindufttie als auch im oberschlesischen und Waldenburger Grubenbezirk ist die Arbeit in vollem Gange. Arbeitsnied.'c- legungen haben nicht stattgefunden und sind auch nicht zu befürchten.
Wie der Kauer den Krieg erle' t.
Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht Johannes Weisser m der „Süddeutschen Zeitung" eine Reihe von 'Aufsätzen, die ganz vortrefflich geschrieben sind. Wir greifen nur einiges heraus:
Und wieder ein anderes Bild Es. ist Heuernte. Der Pfarrer geht früh morgens zur Bahn. Dort warten schon 30 Stadtkinder auf ihn. Sie sollen alle in unserem Dorf (von 1800 Seelen) untergebracht werden Ich wundere mich ja, daß so viele Familien bereit sind. Aber der Geistliche hat die Not der Mütter in der Stadt so warm geschildert. Im Konfirmandensaal werden die Kinder verteilt. Sie dürfen 1-2 Monate bleiben, wenn sie artig sind. Es wird eine harte Arbeit sein, bis alles klappt: fiir einige Kinder muß bald ein neues Haus gesucht werden. In 12 Familien muß einmal der Geistliche für ein einziges Kind anklopfen, und er hat's doch nicht unter- gebracht. Neben manchen häßlichen. egoistischen Abweisungen finden sich viele cffene Türen Dabei kann man wieder einen Blick in die ungeheure Arbeitslast tun. die während der Sommermonate auf den Schultern unserer Bauern liegt. Die eigenen Kinder finden kaum noch genügend Pflege, die Lebensmtt. tel, vor allem Brot, wurden den Bauern für diese Zeit viel zu knapp zug-emessen. — da soll er auch noch den Städtern ihre Kinder mtt durchfüttern? Er hat's getan: nicht gern, aber wenn er beim Herzzipfel gefaßt wird, und er sieht die Not. so teilt er doch wieder gern auch das letzte Stücklein Brot mit dem Bruder. Wie sind die blassen, mageren Stadtkinder gebräunt, mit festeren Backen und strahlenden Augen wieder in die Großstadt zu- rkickgekehrt. 4, 8, 12 Pfund haben manche zugenommen. Habt ihr nicht Grund, den Bauet« zu danken, ihr Städter?
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Noch ein Bild: In den letzten Iuliwochen kamen von
Mannheim, Schwetzingen. Heidelberg. Neustadt, Saarbrücken, und wer weiß woher, täglich Frauen und Kinder, um Kartoffeln zu taufen, zu betteln. (Dasselbe Bild hatten wir in nicht minderem Maße in der Wetteran und überhaupt in allen ländlichen E meinden des unteren Maingebiets Aus Frankfurt, Offenbach, Hanau Fechenheim, ja aus dem Siegerland sind sie in Scharen gekommen.) Von Haus zu Haus gingen sie — ein ergreifender Beweis der aufs Höchste gestiegenen Not. und zugleich ein Bild der Unseßhaftigkeit, Heimat- und Vodenlsswkeit vieler Volksgenossen. An manchen Türen wurden sie hart ab- gcwiesen gewiß! Aber wenn's Abend war. trugen sie doch alle ihr Säcklein voll Kartossel,; zum Dorf hinaus. Nicht mehr pfundn^eise, nur noch stückweise konnten die Bauern hergeben, aber gegeben haben sie doch? „Der Bauer hat immer noch mehr als der Städter'" Ist das wahr? — Ja natürlich! Me der Händler mehr hat als der Kunde, wie das ..Schokoladefraulein" im Geschäft immer noch etwas mehr in ihren Schubladen hat. als die feinste Dame, die in den Laden tritt, so auch der Bauer. Er gleicht einem Sack, der immer noch stäubt, wenn man draufschlägt. Und webe dem Volk, wenn's nicht so wäre! Jetzt können wir's offen sagen: Es wäre für unser Volk ein Unglück, vielleicht eine Katastrophe gewesen, wenn nicht all die Zelt über Tausende von kleinen Lebensmittelbächlein heimlich vom Land in die Stadt geflossen wären. Sie haben auch das Durch- haltcn ermöglichen helfen. Ueberhaupt, was bat der Bauer im Stillen und Verborgenen Gutes getan. Wohltat erwiesen. Darüber kann aber vermutlich niemand so offen reden, wie der Geistliche. Was wunder, wenn er auch der beste und sachkundigste Verteidiger des Bauern ist.
Etwas anderes und sehr Wichtiges zeigen die letzten Bilder noch' Den ungeheuren volkswirtschaftlichen und moralischen Segen des eigenen Grund und Bodens. W'lche Urlauber gehen kn diesem Sommer gern nach Hause? Die Bauern oder die Städter? Die Städter haben wohl nichts zu arbeiten, aber auch nichts zu essen. Der Bauer aber, der auf Urlaub kommt, kriegt Zwar alle Hände voll Arbeit — wett mehr als an der Front an ruhigen Tagen, aber er braucht sich nicht zu sorgen, ob den Kindern die Freude des Wiedersehens mit größerem Mangel verdorben wird. Die Urlauber vom Lande, die mit Päckchen reich beladen zur Front zurückkehren. sollten nicht nur den Neid der Kameraden aus der Stadt, sondern ihren Wunsch wecken' Wenn sie im Frieden heimwärts ziehen, möchten ihnen auch solche Heimstätten winken. Kriegerheimstätten, wo sie ihr Familienolück schöner und besser als vcrher wieder aufbauen und wo sie für die zwei wichtigsten sozialen Voltsfragen: Was sollen wir essen, wo sollen wir wohnen? die für einen deutschen Krieger glücklichste Lösung finden können: Eigenes Heim und Land.
Der Bauer hat im Krieg sein Wesen so wenig geändert, wie irgend ein anderer Stand. Er ist noch heute der zurückhaltende? bedächtige, beharrliche ruhige Mensch. Die Zukunst wird Männer aus solchem Holz nötig brauchen. Und noch etwa» ist beim Bauern im Krieg gleichgeblieben! Die starken sittlichen Kcäste, die tiefen, seelischen Schätze des Gemüts und der Frömmigkeit, die unter der rauhen, zähen Außenseite verborgen und geschützt noch ruhen. — Reserven der inneren Kraft für die ganze Na. tton. Das Land bleibt der Nibelungenhort des sittlich-religiösen Lebens eines Volkes, und die Vauernfamilie die Trägerin und Pflegerin der chri sil ich- i dea listi scheu Weltanschauuga in unserem


