Ausgabe 
18.1.1918
 
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Mcktritt v. UalenLini s.

Der Leiter des kaiserlichen Zivilkabinetts, Herr von Dalentini, ein Höfling vom reinsten Wasser, ist zurückge­treten worden. Sein Nachfolger wird der seitherige Ober- präfident von Ostpreußen, Herr Friedrich v. Berg.

MdkMe Kriiiir m Zer.Neichsleiimig.

Von der Presse der Linken ist es geflissentlich so hingestellt worden, als fei die Unzufriedenheit mit dem Kurs der Regie­rung und die daraus erwachsene Krisenstimmung der letzten ' Wochen eine künstlich von den alldeutschen Kreisen hervor- .gerufene Bewegung, darauf berechnet, im kritischsten Augen­blick Verwirrung zu stiften. In edler Gemeinschaft mit dem Vorwärts" hat sich insbesondere dieFrankfurter Zeitung" die erdenklichste Mühe gegeben, durch geflissentliches Verschieben der auf die Oberste Heeresleitung bezüglichen Vorgänge einen ihrer bewährten Verdächtigunasfeldzüge gegen die nationale Presse zur Durchführung zu bringen. Noch ihr Abendblatt vom 8 . d. M. enthält einen dahinzielenden von Verdrehungen und Verdächtigungen strotzenden Artikel. Da ist es denn doppelt interessant, daß von Süddeutschland her sich bemerkenswerte Stimmen vernehmen lassen, die nichts weniger als zufrieden sind mit der Politik des ewigen Halbdunkels, der versäumten Gelegenheiten und der unbestreitbaren Ungeschicklichkeiten, deren mir uns zu erfreuen haben. In derVoKfck)en Zeitung" ver­öffentlicht einhervorragender süddeutscher Politiker" eine sehr energische Kritik der Reichsregierung, die er in fünf hauptsäch­lichen Punkten zusammensaßt. Darin wendet er sich gegen die Rolle, die trotz der Ereignisse in der November-Krise immer noch Herr Helfferich spiele. ge.zen die Ueberaehung der Bundes­regierungen bei der Information über Vrest-Litowsk durch die Rcichsleitung. gegen Herrn von Kühlmanns Eilfertigkeit, die ihm nicht gestattete, selber im Hauptausschuß Bericht zu erstat­ten, und gegen die Art dieser Berichterstattung durch den Unterstaatssekrelär vcn dem Bussche bezw. die verkümmerte Uebermiltlung seiner Mitteilungen im Hauptausschusse an die deutsche Oeffentlichkeit. Man sei, meint dieser Politiker, in Siiddeullchland zu begriffsstutzig, um die Gründe für all diese Merkwürdigkeiten zu begreifen, und bei der Wichtigkeit der Tinge, die in Rede stehen, sei es höchste Zeit, offen zu reden.

Zu einem noch weit schärferen Vorstoß gegen die Regierung holen die alldeutscher Gesinnung wahrlich nicht verdächtigen Münchener Neuesten Nachrichten" aus.Wer weiß denn heute, was die Negierung rotE? Wieviel Kopfe sind? Zehn, fünf zwei oder am Ende feiner? Das ist das Unerträglichste des Un­erträglichen. daß der Eindruck entstehen kann, daß die Regierung selber nicht weißt, was sie will, daß sie Einflüssen zugänglich zu fein scheint, die ihren Willen von gestern heute umblasen." Das Blatt beschwört im Hinblick auf diese Verhältnisse den Schatten des Elends unter Bethmann Hollweg und fragt, ob die Aera Herlling-Kühlmann etwa um keine Haar besser sein solle. Im Interesse des Heeres, der Heimat, der Verbündeten, der Reu. traten und der Friedenswilligen unter den Feinden verlangt es mit aller Entschiedenheit endliche Klarheit. Man ersieht aus diesen Auslassungen, daß es mit den Beruhigungsaktionen von j mehr oder minder offiziöser Seite in diesem Augenblick der schwerstwiegenden Entscheidungen nicht mehr getan ist, daß das Gewissen der Oeffentlichkeil angesichts der Erfahrungen der letz­ten Wochen doch in einer Welle geschärft worden ist. die es als unmöglich erscheinen lassen muß. mit der ParoleRuhe ist die erste Bürgerpflicht" weiter auszukommen

Tcudeuzprokepore-n*

Aus akademischen Kreisen wird derSüddeutschen Zeitung" in Stuttgart geschrieben-

Die demokratischen Elemente im Deutschen Reich sind gegen- wartig mit einem fieberhakten Eifer an der Arbeit, im Sattel ' des Herrfchens sich festzufetzen. in den sie durch die Gunst einer unendlich wirren politischen Lage und durch die Nachgiebigkei einer immer mehr nach links neigenden Regierung herauf . gehoben sind. In welchem Maße sie besttebt sind, sich sattelfest zu machen, und wie weit ihre Zumutungen auf Anerkennung eines Rechts zur Vorherrschaft auch auf solchen Gebieten reichen, die ihrem Einfluß am allerwenigsten zugänglich sein sollten, wird durch die dreisten Einmischungen demokratischer Organe in die Besetzung von volkswirtschaftlichen Lehrstühlen an deutschen Universitäten bezeugt. Die neuesteAffäre" dieser Art wird in der sozialdemokratischen ..Leipziger Volkszeitung" aufgetischt, doch ist sie nicht die einzige jener anmaßenden Gattung von Vergewaltigung der Lehrfreiheit im Interesse einer ebenso öden wie vordringlichen Parteipolitik Das Leipziger Blatt hat er­kundet, daß die Großindustriellen und die Agrarierdie aka­demische Nationalökonomie zu einer Waffe im Klassenkampf gegen die Arbeiterschaft machen wollen" und tragt ihre Ent­deckung in einem längeren Artikel unter dem sinnreichen Titel Ein Streich der Reaktion" vor Den Grund der Entrüstung bildet die Berufung des Professors Dr. Ludwig Pohle von der Universität Frankfurt am Main zum Nachfolger Karl Vüchers auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie an der Universität Leipzig. Damit sei. so wird schlankweg erklärt, dieser Lehrstuhl in die Hände der Agrarier gefallen", sei die Situatton für die kommenden sozialen Kämpfe in Deutschland blitzartig beleuchtet. Großindustrielle und Großagrarier rüsteten sich zum Klassen­kampf. zur rücksichtslosen Durchsetzung des brutalen Unterneh- merftandpunktes gegenüber der Masse der Arbeiterschaft, indem sie auf den akademischen Nachwuchs und die staatliche Politik durch ihnen geeignet erscheinende Professoren Sinne ihrer schutzzöllnerischen und sozialpolitischen Ziele emzuwirken oer- . suchen. Zu diesem Zwecke wären an verschiedenen Universitäten Institute gegründet worden, die aus den reichen Geldmitteln der Jnteressenverbände gespeist werden, und zu dem gleichen Zwecke machten bei der Besetzung von Professuren die Mächtegruppen Aren Einfluß geltend.

Bezeichnend für den inneren Zusammenhang zwischen der i goldenen und der roten Internationalr ist auch die Tatsache, - sich dieVolksstimme" in eivM «ütenden ArtztzL gegen d^e

Berufung Pohles gewehrt yak. Die vielgerühmte Freche tt btt Wissenschaft ist bei diesen Herrschaften immer irur so zu ver­stehen. daß ste in ihrem Geist ausgelegt wird, daher der Vers: Freiheit, die i ch meine!

Das Gerede von der Patronage der Schwerindustrie für Prof. Pohle wird lediglich aufgebracht, um den mißliebigen Mann anzuschwärzen, weil er sich erdreistet, ein Kacheder ein- zunehmen, das der Sozialismus für einen der Seintgen bean. sprucht. Die Tendenz schlägt der Tüchtigkeit ins Gesicht das ist die Freiheit, wie das demokratische Intriganteirtum sie auf- faßt. Gleichzeitig mit dem Angriff auf Herrn Pohle folgt ein weiterer Beleg zum Kapitel der Tendenzprofessoren. Professor P l e n g e von der Universität Münster, ein rühriger Vor­kämpfer für die Sozialisierung des Staates, hat nämlich soeben als staatswissenschaftliche Preisaufgabe eine kritische Unter­suchung aufgegeben,wie weit die Förderung des Parlamenta­rismus den Grundanschauungen des wissenschaftlichen Sozialis­mus entspricht". Man müßte meinen, daß diese höchst über- flüssige Verquickung von Politik und Wirtschaft ganz nach dem Herzen der Leipziger Genossen vom Flüge! der Unabhängigen wäre. Aber weit gefehlt, auch Plenge muß an den Pranger, weil er an derGlocke", dem Organ der gegnerischen Richtung um die Clique Parvus, Mitarbeiter ist. Auch er wird in den Bann getan; der richtige Tendenzprofessor muß seine Ueberzeu- gung den Haase. Ledebour usw. verschreiben, sonst gilt er als Zuhälter der Reaktion und ist eines deutschen Lehrstuhles un­wert.

Abrechnung.

Ein Feldgrauer ersucht uns von der Front aus um Auf­nahme folgenden Gedichtes;

Drei Jahr am Feind, drei Jahr am Tod,

Drei Jahr wir kämpften's aus,

Doch bittrer noch als Tod und Not Ward uns die Schmach im Haus.

Wir bargen, blutend Tag um Tag,

Die Sieyesernte stumm.

Da traf im Rücken uns der Schlag:

Schwotzvolk ging wieder um!

Ihr war't es. ohne Art und Ehr,

Ihr raffendes Gezücht'

Wir glaubten schon. Ihr wär't nicht mehr Vorn sah man Euch ja nicht.

Da standet plötzlich Ihr im Land Und fälschtet Geist und Gut Und mengtet höhnisch Wort und Tand Wir zahlten es mit Blut

Kein Hoffnungstraum der ungestutzt Aus Euren Fingern fprana.

Kein Heiligtum, das unbeschmutzl

Aus Euren Händen sank.

Wenn unser Gleichschritt Sieg gestampft.

Habt Ihr'sVerzicht" getauft.

Wenn Flanderns Boden wir umkrampft.

Habt Ihr ihn längst verkauft.

Wenn einmal Eure Stimme fand Mut zur Entrüstungstat.

Dann schirmtet Ihr mit frecher Hand Empörung und Verrat.

Uns hielt der Stunde hart Gebot Im Elsenring der Schlacht.

Da stahlt in Volkes höchster Not #

Erpresser Ihr? Die Macht.

Wir kennen Euch, und Eu'r Gefchlecha,

Wir wissen, was Ihr wollt.

Ihr sprecht von Freiheit. Menschenrecht Und meint das harte Gold*

Erst schmältet Ihr, wenn ländchrgrotz Die Schwingen wir gespannt.

Nun macht Ihr uns noch heimatlos Im eigenen Vaterland.

Wir trugens Jahre, Stund um Stund,

Die Stirn feindwärts gekehrt,

Und bissen uns die Lippen wund Und glaubten an das Schwert.

Nun wächst im Glanz aus Not and Nacht Der Sieg uns. stark und reich,

Und nunRemis wird nicht gemacht!",

Auch nicht, bei Gott, mit Euch?

Im Felde, Dezember 1917.

Fritz Karl Badendieck.

Hochwasser.

Das Taumetter der letzten Tage hat et» gewaltiges Stet- gen aller Flüsse tn Süd-, West- und Mitteldeutschland zur Folg« gehabt. Gestern früh hatten wir Frost, am Mittag und Nach­mittag überaus starken Schneefall, gege» Abend und in der Nacht regnete es wieder, so daß ein weiteres Steige« der Flüge gu befürchten ist. Folgende Nachrichten liegen vor:

Aus der Wetteren Die Nidda. Nidder, Wetter und Hor­loff überschwemmen das wette Gelände so daß weite Strecke» einem See gleichen.

Der Mainwasserstand stieg gester» Nachmittag rapid, der Regen, verbunden mit warmem Südwinds brachte den Schnee in den bayerischen Bergen rascher zum Schmelzen al« zu erwar­ten war. Lehmgelbe Fluten wälzen sich durch dbtz Mettrestr

Alten Brücke. Heute werden wohl oie Kai-User überschwemillk werden.

Marburg, 16. z,an. Das dem Niedergang gewaltiger Schneemassen seit letzter Nacht folgende Regenwetter hat eine lleberflutung der Niederungen zur Folge gehabt. Südlich und nördlich der Stadt ist die Lahn aus ihren Ufern getreten, ebenso ist auch das Ohmtal von Bürgeln bis in die Kirchhainer Gegend überschwemmt.

Hanau. Die Kinzig ist seit gestern an vielen Stellen aus dem Ufer getreten. Von Langenselbold bis in die Gelnhäuser Gegend sind weite Geländestrecken überschwemmt. Langensel­bold ist von der Staatsbahmtation abgeschnitten, da die dort­hin führende Straße unter Wasser gesetzt ist. Ein weiteres Steigen ist zu erwarten.

Station Burghaun bei Hünfeld ist durch Hochwasser dom. gleichnamigen Orte getrennt worden. Desgleichen Station Wirtheim bei Gelnhausen. Nach beiden Stationen werden Fahrkarten bis auf weiteres nicht ausgegeben.

Bingen, 17. Jen. Der Rhein ist hier ein den letzten vier- ur.dzwanzig Stunden um mehr als einen Meter gestiegen. Gro- ßen Schaden hat das Wasser in einer Fabrik in Vallendar an- gerichtet, wo 1000 Fässer Marmelade fortgeschwemmt wurden.

Kreuznwh. Der Schaden, den die plötzliche Hochflut der Nahe angerichtet hat, ist größer, als ursprünglich angenom­men werden konnte. Am Unterlauf sind die Orte Grolsheim Sarmsheim, Maenter, Dietershcim und die Häuser der Neuenmühle bei Büdesheim ganz oder zum Teil unter Was­ser gesetzt. Pioniere sind zur Hilfeleistung emgettoften.

Köln, 17. Jan. Wie die städtische Verwaltung mitteilt, ist der Rhein von gestern Mittwoch aus beute Donnerstag von 2,55 Meter Kölner Pegel auf 6,85 Meter, also um mehr als vier Meter gestiegen und steigt noch weiter.

Essen, 17. Jan. Ruhr. Weser, Ems und Wupper führen schweres Hochwasser und überfluten die User.

Jena,17. Jan. Im Saalegebiet ist beute unerwartet starkes Hochwasser eingetreten. Weite Gebiete sind über­schwemmt viele Ortsverbindungen unterbrochen. In Jena sind ganze Stadtteile abgeschnitten.

Lein Remontennn'ranf.

Berlin, 16. Jan. (WB. Amtlich.) Für 1918 wird da? Knegsministerium den Ankauf von jungen dreijährigen Remonten wiederum ausfallen lassen.

Uom Felde

der Glfrr.

Holzhaufen. Dem Forstwart Heinrich Altenbeimer wurde das Kriegerehrenzeichen in Eisen verlieben. Der Landsturmmann Georg Fritz IN., der über 2 Jabre un­unterbrochen an der Front ist, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse.

Ans der keimst.

Melbach. 16. Jan. Morgen Samstag, den 19. Januar, weiden es 25 Jahre, daß Philipp Struth aus Queck bet Schlitz im Kreise Lauterbach in Diensten bei Landwitt Otto Keil dahier siebt. Es ist dies gewiß ein ehrendes Zeugnis so- wchl für Arbeitaeber wie Arbeitnehmer und sprechen wir bei- den hiermit zu ihrem Iubeltage unseren herzlichen Glückwunsch aus.

Frankfurt a. M. Die Frankfurter Pferdemärkte wm> den für dieses Jahr wie folgt festgesetzt: 6 Februar, 6. März 10. April. 1. Mai, 5. Juni, 3. Juli, 7. August, 4. September und 16 Oktober. Der Marktplatz beftndet sich gegenüber dem Ostbahnhof.

Ans Hessen.Nassau.

Eräfenhaufen. In der vergangenen Wocbe wurden bei einer Witwe wieder zwei Schweine in der Nacht heimlich abgeschlach­tet und in Säcken weggebracht, ohne daß man die Diebe bisher ermitteln konnte

FC. Brvubach, 15. Jan. Eine Wildsau wurde in den Hintcrwälderwohnungen durch den Jagdaufseher Schmidt zur Sttecke gebracht. Im Camper Walde wurde bei einer Jagd eine Bache, die noch sechs Junge bei sich trug. erlegt, ebenso im Weyerer Revier einen Keiler und eine schwere Bache.

FC. Bom Westerwald. 15. Jan. Nach Nutzhölzern und be­sonders nach Grubenhölzern herrscht hier rege Nachftage. Die Preise sind daher gegen früh-.r enorm gestiegen. Es werden durchschnittlich bezahlt ffir Eichenstamme 42 Mark. Buchen- stamme 15 Mark. Fichtenstämme 32 Mark und Kieferstämme 31 Mark pro Festmeter.

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Offene Stellen:

1 Eutsverwalier auch Kriegsbeschädigter, 1 Knechtefamilie^ 6 Schreiner, 14 landwirtschaftliche Dienstmägde, 2 Melkerinnen, 9 Hausmädchen.

Für Etappe: Mehrere Maschinenschreiberinne« und

Stenographinnen, 100 Pferdepfleger.

E Stollens uchende?

Mehrere Melkersamilien und ledige Melker, 2 Fräulein für Stenographie.und Maschinenschreiben. f

Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyner, Jriedberg. Druck und Verlag derReue« Tage-zeitung" A- G., Friedberg i. H. >

Die Abgabe getragener Kleidung erleich­tert den Erwerb eines Bezugsscheines.