Ausgabe 
17.1.1918
 
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Uuinnrer 14

Donnerstag, den 17. Jannar 1918

11. Znhrgann

Die -,r!ene Taaesreitung" ericheint ,edc- AZerltai. Regelmäßige BeilagenDer Bauer ans Liessen" ..Sie . ~'

m u tritt noch das Bestellgeld: ^ de" euren monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlol,n. Anzeigen: Gründete 2b Psg.. totale 20 ^ Anzeigen oon"awwä^??D«De^ C '» C^el ^l ä S[ l,<^, T 2J ° r -b'n. ^'.'Hunasori SftteD&etg. gdjriftlcitung und Vertu vrieaherq ffteijem, >°',au-r'traff- 12. ^rnvr-He- tt. P, «j^-ck-L-n.-

Gelcheitcrte Itüicnerangriffe. Gnte D-Koot-Kente im Miitcimeer. Ci» Trnpprntranspor.dampfer versenkt.

Der deutsche GeneralKak - meldet:

W. T. K. Mratzes Attttplqnrrvtiev. den 19 , Jannar. Amtlich.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppen Kronprinz Ru pp recht und Deutscher Kronprirrz.

Vci und östlich von Lens war die Artillerietätigkeit gestei­gert. In einzelnen Abschnitten Erkundungsgefechte: südlich von Ornes wurden Gefangene gemacht.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Nach mehrstündiger Feuerwirkung stießen französische Ab­teilungen nördlich von Vadonvillers vor und drangen vorüber­gehend in unsere Gräben ein.

Eigene Aufklärungsabteilungen brachten in den oberen Vogesen Gefangene ein.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Mazedonische Front.

Im Terna-Vogen erhöhte Gesechtstatigkeit.

Italienische Front.

Zwischen Brenta und Piave lebhafte Feuerkämpfe mit be­sonderer Heftigkeit im Gebiete des Monte Asolone. Die Ita. wiener haben ihre erfolglosen Angriffe nur südlich vom Monte Fontana Secca wiederholt; sie wurden abgewiesen.

In dem Piaveabschnitt nördlich von Montello verstärkte sich das englische Artillerieseuer.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

Aberrddericht.

Berlin. 16 . Jan., abends. (MTV. Amtlich.) Am Westhange des Monte Pertica scheiterten gestern nachmittag mehrfache An­griffe der Italiener.

Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues. ^ ,

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| Der österreichische Generolstod i

meldet: : ü

Wien, 16 . Jan. (MTB.) Anrtlich wird verlautbart:

Italienischer Kriegsschauplatz.

Auf der Hochfläche von Asiago wurde ein feindlicher Vor­stoß westlich vom Eol del Nosio abgewiesen. An der Vrenra setzten der Italiener seine vergeblichen Angriffe erst in den Nachmittagstunden fort Am Westhang des Monte Pertica stürmte der Gegner dreimal gegen unsere Linien, jedesmal brach sein Ansturm bereits in unserem Artillerie- und Maschinen- gcwehrfeuer unter schweren Verlusten zusammen. Südlich von Monte Pontana Secca wurden feindliche Angriffsversuche im Keime erstickt. Am unteren Piave vielfach lebhafte Artilleri"- tätiokeit.

» Der Chef des Generalstabcs.

24990 Tonnen versenkt.

Ein Truppendampfer und ein Zerstörer versenkt.

Berlin, 15. Jan. (WTV. Amtlich.) Neue Erfolge im MiUel- Meer: Ein englischer Zerstörer und 24 000 Bruttoregistertonnen Handelsschrsfsrcmm. Am 30. Dezember hat eines unserer Unter­seeboote. Kommandant Oberleutnant z. C. O b e r m ü l l e r, vor Alexandrien einen großen bewaffneten, durch Fischdampfer und Torpedobovtszerstörer stark gesicherten vollbesetzten Trup- pentransportdampser versenkt un^> darauf in kühnem Angriff den Zerstörer der SicherungH. 08" durch Terpedotreffer ver­senkt. Der Transporter hatte nach Beobachtung des U-Bootes anscheinend ausschließlich weiße Engländer an Bord.

Unter den übrigen von unseren U-Bootcn versenkten Schis fcn. von denen die meisten für Italien tczw. die Engländer im Orient Ladung hatten, befanden sich ein weiterer bewaffneter, von Zerstörern gesicherter Transportdampftr von etwa 5000 Tonnen, sowie zwei mittelgroße Dampfer, die aus Gtzleitz.ügen hcrausgefchosien wurden.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Berlin, 15. Jan. (WTV.) Die Versenkung eines Truppen- dampfcrs bat deshalb besonderen Wert, weil für die Beförde- rung von Truppen nur große und schnelle Dampfer mit beson.

deren Einrichtungen benutzt zu werden pflegen. Vom Unter­gang des ZerstörersH. 08" wußten wir bere ts aus englischen Meldungen. Danach sollte die ganze Besatzung bis auf zehn Mann gerettet worden sein Nun erfahren wir den wahren Hergang. Bemerkenswert ist übrigens auch in diesem Zusam­menhangs die englische Nachricht, daß die britische Admiralität wegen der zunehmenden ll-Vootgefahr einen Teil ihrer Trup­penbeförderungen nach Mesopotamien und Palästina nicht mehr durch das Mitleimeer sendet, sondern westwärts durch den At­lantischen, Stillen und Indischen Ozean.

Die Folge der Schifssraumnot.

Rotterdam. 15. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Nach dem Nieuwe Rotterdamfchen Eourant" meldet dieDaily Man", daß man in England, um Schiffsraum zu sparen, alles alte Eisen, alte Papier und alle Kiichenabfälle sammle und für Kriegszwecke verwenden wolle. Das Lebensmittelamt habe an- gecrdnet. daß Butter und Margarine mit Kartoffeln vermischt werden sollen. Das englische Kriegsbrot, das binnen kurzem eingeführt werden soll, wird zehn Prozent Kartoffelmehl enr- balten.

Zurück ins Hauptquartier.

Berlin, 15. Jan. Vlättermeldungen zufolge haben Gene- ralfeldmarschall von Hindenburg und der Erste Eeneralquartier- meister Ludcndorff Berlin wieder verlaßen.

Die dem Reichskanzler nahestehendeGermania" schreibt: In der Politik ist nichts bedenklicher als das Schwanken, und Graf Hertling ist nichts weniger als ein schwankendes Rohr. Der Reichskanzler weiß, was er will und was er für das Vaterland erstrebt. Er hat sich feine Meinung nicht erst von gestern auf heute gebildet und wird sie auch nicht von heute aus morgen wieder aufgeben, wenn nicht ganz neue Situationen ihn dazu zwingen. Die Frage der Grenzsicherung aus strategischen Grün­den ist nicht erst in den letzten Wochen geboren. Es ist nur eine Selbstverständlichkeit, wenn wir heute bestätigt sehen, daß un­sere Reichsleitung ebensowenig wie die Krone daran denken kann, Deutschlands Kciegszielkurs durch UvbVä"digkeit zu er­schüttern. Der Grund der Aufregung lag in Hoffnungen und Wünschen, dw gewisse politische Kreise hegten und für die sie die Zeit für gekommen hielten."

Das Blatt zieht das Ergebnis aus den Vorgängen der letz­ten Tage, indem es betont, das Ergebnis sei, daß alles beim alten blcibe. Co völlig werde die biborige Politik. weiter zur Richtschnur genommen, daß unseren Unterhändlern in Brest- Litowsk nicht einmal neue Instruktionen zuteil würden.

Die Friedensverkondlnttgen.

Brest-Litowsk, 15. Jan. (MTV. Nichtamtlich.) Heute fanden wieder Besprechungen der deutsch-österreichisch-vngarisch-russischen Kcmmission zur Regelung der territorialen und politischen Fra­gen statt. Trotz der vorläufig noch starken Abweichung in den Auffassungen der beiden verhandelnden Parteien konnte in eini- Punkten eine wesentliche Annäherung festgestellt werden.

Brest-Litcrvsk, 16. Jan. (WTV.) Am 14. Januar um 5 Uhr nachmittags hielt die Kommission zur Beratung der Territorial- fragen ihre 4. Sitzung ab.

Staatssekretär v. K ü h l m a n n teilt mit, daß die verbün­deten Regierungen zu dem Entschlüsse gekommen seien, die, for­mulierten Vorschläge der russischen Delegation ihrerseits gleich­falls in formulierten Form mündlich zu beantworten. Er halte aber die Art. gegenseitig mit formulierten Schriftstücken zu ver­handeln, für außerordentlich zeitraubend und wenig fördernd. Es werde sich empfehlen, die Materie durchzusprechen und dann von jeder Seite je einen Herrn zur Redaktion zu beauftragen. Diese beiden Herren könnten eine gemeinsame Fassung suchen und, falls dies nicht möglich wäre, die gegeirfeitigen Differenz- punkte festlegen.

Hiceo.i's gelangte die itiatcrxcTfe Antwort der Verbündeten zur Verlesung, in der cs heißt:

Die russischen Vorschläge betreffend die besetzten Gebiete Rußlands weichen dermaßen von der Ansicht der Verbündeten ab, daß sie in der vorliegenden Ferm als unannehmbar bezeich­net werden müssen. Sie tragen nicht den Charakter des Kom­promisses. sondern stellen sich als einseitige russische For­derung dar. Trotzdem sind die österreichisch-ungarische und die deutsche Delegation bereit, nochmals und diesmal formuliererch» ihre Anschauungen über die schwebenden Fragen klar zum Aus-

J druck zu bringen und noch einen Versuch zu unternehmen, ob der ren ihnen angestrebte Kompromiß eine Aussicht auf Verwirk­lichung bieten kann. Es muß auch darauf hingewiesen werden, daß auch für die Mittelmächte mit dem Abschluß des Friedens mit Rußlands keineswegs auch der allgemeine Frieden verbun- k»en ist. Die verbündeten Delegationen erklären aufs neue, daß sie der Anschauung find, die verfassungsmäßigen zuständigen Or­gane in den neuen Staatsgebilden feien als vollkommen be. fähigt anzusehen, den Willen breiter Kreise der Bevölkerung auszudrücken.

Von dem Wunsche beseelt, es neuerdings zu versuchen, zu einer Verständigung mit der russischen Regierung zu gelangen, haben die Negierungen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns diese weitgehenden Vorschläge gemacht, fügen jedoch gleichzeitig hinzu, daß sie den äußersten Rahmen bilden, innerhalb dessen sie eine friedliche Verständigung noch erboffen können. Sie wsren bei der Entwicklung dieser Grundsätze ebenso von der pflichtgemäßen Absicht durchdrungen, die eigene Wehrfähigkeit nicht schwächen zu lassen, solange der unselige Krieg noch fort- geht, als auch von der Intention, einige Völker, die an ihr Ge­biet angrenzen, instandzusetzen, endgültig und selbständig über ihre eigene Zukunft zu entscheiden, ohne dabei in den Zustand der äußersten Not. des Elends und der Verzweiflung zu geraten. Eine Verständigung zwischen Rußland und den Mittelmächten über diese schwierigen Fragen jedoch ist nur dann inöglich, wenn auch Rußland don ernstlichen Willen zeigt, zu einer Verständi­gung gelangen zu wollen, und wenn es. anstatt des Versuches, einseitige Diktate aufzustellen, sich bemüht, die Frage auch von der Gegenseite aus zu betrachten und jenen Weg zu finden, der allein zu einem friedlichen Ergebnis führen kann. Nur unter der Voraussetzung solcher Intentionen können )ie Delegationen der verbündeten Mächte noch an der Hoffnung einer friedlichen Beilegung des- Konfliktes festhalten.

Hierauf ergriff Trotzki das Wort und erklärte, er hoffe, daß die eben verlesene Antwort der Mittelmächte jedenfalls die Zweifel über die formalen Schwierigkeiten beseitigt habe, die für die russische Delegation durch die in der vorigen Sitzung ge­haltene Rede des Generals Hoffmann entstanden wären. Es wird dann auf die russischen Einzelfragen eingegangen und zum Schluß gesagt: Wae die beiden Beispiele enbetrifft, die Gene­ral Hoffmann anführte, so charakterisieren diese in keiner Welse unsere Politik auf dem Gebiet der nationalen Fragen. Wir haben Erkundigungen eingezogen über den weißrussischen Kon­greß. Dieser Kongreß setzt sich zusammen aus Vertretern der weißrussischen Agrarier und hatte versucht, sich einer derjenigen Stützpunkte zu bemächtigen, welche Eigentum des weißrussischen Volkes sein müssen.

Wien, 15. Jan (WTB.) In einer Besprechung der mannig­fachen Schwierigkeiten, die sich in Vrcst-Litowsk in den letzten Sitzungen ergaben, sagt dasWiener Fremdenblatt": Die Ueber- brückung der in den meisten grundlegenden Fragen festgestellten Gegensätze wird jedenfalls Zeit und langwierige Verhandlun­gen erfordern. Der Standpunkt der russischen Abordnung weist in den erörterten Fragen Widersprüche und Unklarheiten auf, aus Lenen nun hervorzugchen scheint, daß es ihr nicht so sehr auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker als auf die Durch, führung ihres maximaliftifchen Programms ankommt. Gewiß werden wir den russischen Vertretern das Recht einraumen, über die aus dem russischen Staatsverbande ausscheidenden Ge­biete Forderungen aufzustellen. Zu diesem Zwecke finden ja die Verhandlungen statt, aber die Widersprüche und Gegensätze aus der Welt zu schaffen, wird, wie die letzten Verhandlungen zei­gen, noch schwieriger Arbeit bedürfen.

DieNeue Freie Presse" sagt: Die Schwierigkeiten un­

befangener Prüfung der Haltung der russischen Abordnung wird noch dadurch größer, daß die russischen Vertreter parteiaktische Zwecke verfolgen, zum Fenster hinaussprechen und manches, was sie Vorbringen, an die Adresse der Entente richten. Das Blatt glaubt, daß die oberste Heeresleitung die Frage der Grenzsiche­rung von der innerpalitischen Strömung trennen will. Dieser. Plan wird in Brest-Litowsk zu lösen sein. Ob die von den rus- J fischen Vertretern bisher gezeigte ablehnende Haltung sich bis zum Schluß aufrecht erhallen wird, ist die Frage.

DasNeue Wiener Tagblatt" sagt: Man hat die Abge, sandten Rußlands nicht darüber im unklaren gelassen, daß in Brest-Litowsk nicht über ^Weltanschauungen und eine Cozial- rcform des Universums gestritten, sondern lediglich über den Frieden verhandelt werden soll. Durch große Geduld und be­reitwilliges Eingehen aus gedankliche Fragen wurde ihnen ge- zeigt, wie ehrlich unser Friedenswille ist. Di« Bolschewisten werden' hossentlch bald einsehen, das; es nicht um gewaltsame Durchsetzung von Parteiplänen, sondern um hie friedliche Be­endigung eines unheilvollen Krieges geht.