Ausgabe 
10.1.1918
 
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seine polnisch redenden Landesteile, das sind Posen, Teile West- Preußens und Oberschlcfiens, abtreten. Desgleichen soll Oe st er­reich seine italienischen und rumänischen Volksbestandteile ab- gebn und die Tschechen und Slowaken sollen selbständige Staaten werden, mit anderen Worten: es soll nur noch ein Torso von Oesterreich-Ungarn übrig bleiben, dem der Zugang zum Meer gesperrt wird. Ebenso soll von der Türkei nur noch ein schä­biger Nest übrig bleiben. Dagegen wird der Mordbubenstaat Serbien durch einen Hafen belohnt werden und Rumänien und Italien sollen für ihre Verräterei noch Gebietserweiterungen er­halten. Die ganze Fadenfcheinigkeit der Gründe des Meister­heuchlers offenbart sich darin, daß er Zwar die Völker, die in den Mittelmächten vereint leben,befreien" möchte, kein Wort da­gegen redet von Irland. Aegypten, Indien und den Buren, die Philippinen und Kuba nicht erwähnt und Algier, Tonking. Ma- dagaskar ruhig im Besitz Frankreichs lasten will.

Der Eindrücken, Kongreß.

Haag, 9. Jan. Reuter meldet aus Washington: -Die Rede Wilsons machte im Kongreß einen tiefen Eindruck. Das Haus war überfüllt mit Kongreßmitgliedern. Diplomaten und Beam­ten. Es kam zu einer großen Kundgebung, als Wilson erklärte, daß Frankreich Genugtuung erhallen müsse bezüglich Elsaß- Lothringens. Die große Versammlung klatschte bei dieser Mit­teilung laut und brach in Rufe aus. Die führenden Staats­männer des Kongrestes brachten allgemein ihren Enthusiasmus zum Ausdruck. Der Vorsitzende der Senatskommission für aus­wärtige Angelegnheiten, Stone, erklärte,' die Botschaft Wilsons sei da« wichtigste Dokument, das Wilson jemals aufgesetzt habe. Der Vorsitzende der Abgeordnetenkommifsion für auswärtige An-- gelegenheiten Flood erklärte, er glaube, daß die Rede ermutigend m für Rußland wirken werde. Der Präsident hatte den Beschluß, zu sprechen, ganz plötzlich gefaßt: selbst seine intimsten politischen Ratgeber wußten nicht, daß er im Begriffe war. eine Botschaft aufzusetzcn, bevor die Ankündigung im Weißen Hause erfolgte.

Ein flmn'nrfr Mn nnl Mr Ulfii'iHiÄMt.

Di?Neuen Zürcher Nachrichten" urtei.en also über die Rede Lloyd Georges:

Wos Lloyd George den drei Mächten anbietet, wäre noch ein grausamer Friede, selbst wenn die Entente zur Stunde Konstantinopel, Innsbruck und Köln besetzt breite, wenn sie als wirklicher und durchschlagender Sieger dastäude da sie aber die. wenn arrch nicht besiegte, so doch die bisher geschlagene ist. ist das Angebot einfach unerhört. Das hat nsch kaum je ein Getragener dem erfo'grnckren Gegner zu bieten gewagt. Es liegt ein geradezu ungeheuerlicher Hohn darin, ein brutales Zertreten jedes Gedankens eines Frie­dens auf Verständigung, eine eiserne Unterjocbung des ehr- lichen Friedenswillens der erdrückenden Mehrheit der Menschbeit. Entkleidet man die Rede von Lloyd George ihrer Phrasen, so zeigt sie ein Höchstmaß eines tyrannische KrteqSwillens, eine Rücksichtslosigkeit gegen das gesamte Völkertinn ohne gleichen, eine Härte, die kanm noch etwas Menschliches an sich hat. und ein Niveau po rtischer Moral, dos man besser nicht gualifiziert. Llovd George hat am Samstag den kriegführenden Völkern und den neutralen das enffetzlübe Joch des Krieges noch härter auf den Nacken gedrückt hart bis zum Sterben. In ein paar Monaten durfte sich zeigen, welchen furchtbaren Irrtum er damit be­ging. selbst dann beging, wenn sein Hoffen sich wenigstens teilweise erfüllen sollte. Aber auch dafür fehlen alle An­zeichen.

Man vergleiche zum Sch"uffe die ehrlichen Friedensan­gebote der Mittelmächte mit dieser Rede und auch dem D'inden wird klar, wo noch ein Herz für die arme Menschheit schlagt.-

Das hier von Lloyd Georae gesagt wird, trifft auch ganz genau auf die Forderungen Wilsons zu. die ja denen seines englischen Genossen gleichen, wie ein Ei dem anderen.

Fipniltk Jrmffpnynq tür VniMirnff.

Stockholm. 8. Jim. (WTB Nichtamtlich.) ImAftonbladet" veröffentlicht der Firme Adolf von Bonsdorff unter der Ueber- schristWas Deutschland für Finnland getan hat" eine Er­klärung. rn der es heißt: Deutschland hat nicht in die Welt bin- eusposannt, daß es für das Recht der kleinen und unterdrückten Staaten kämpft. Daß es aber neben der Wahrung der eigenen Vorteile nicht verfehlte, die Interesten anderer zu fördern, dafür Zeugt unzweideutig schon alles, was wahrend der Friedensver- handlungen mit Richkmd in Erscheinung getreten ist. dafür zeugt auch fern rascher Entschluß, unser finnisches Vaterland als sonrcranen Staat anzuerkennen. Deutschland kam uns immer mit Wohlwollen entgegen, aber es hat uns nichts vsrqespregelt und keine scheinheiligen Versprechungen gegeben. Wir haben früher eine Staatskunstt kennen gelernt, die perfid und treulos war. Die deutsche Staarskunst war karg mit schönen Worten, aber ehrlich und geradeaus. Wir haben Deutschland nnsere Snmpathien gezeigt und haben als Gegenleistung Vertrauen er­halten. Ein siegreiches Rußland hätte das Zarentum niemals gestürzt und die Welt von besten Schrecken befreit. Die russische Revolution ist letzten Grundes das Verdienst der deutschen Siege. Auch Finnlands Freiheit wurde durch eben diese Siege ermöglicht.

Girie esthnische Straserveditirm.

Stockholm, 8. Jan. (WTB.) Das Stockholmer esthnische Bureon teilt dem Vertreter des Wolfsichen Bureaus folgen­des mit:

Nachdem die systematische Verheerung Efthlands durch Truppenverbände der regulären russischen Armee trotz zahlreicher Vorstellungen bei den russischen Behörden nicht aushörte und alle zivilen Maßnahmen der esthnischen Behörden und der Bevölke­rung sowie ein offizieller Appell des esthnischen Landtages an die verbündeten Regierungen von England, Frankreich. Amerika vnd Belgien erfolglos blieben, sah sich die esthnische Armoelei- tung zur Entsendung einer Strafexpeditrov veranlaßt. Daraus-

O

hin haben esthntsche Truppenteile, welche von Reval in der Rrch- tung gegen Nanva vergingen, plündernde russische Truppen ge­troffen. gestellt und geschlagen. Die esthnischen Verluste an Toten und Verwundeten sind gering. Die Säuberung von den russischen Truppen schreitet fort.

ssine ^rklärnitq dtt Zk-üriimsMiki.

Berlin, 8. Jan. (WTB.) DieGermania" verbreitet die folgende Eiklärung, die ihr von zuständiger parlamentarischer Sette zugegangen ist. Die Oeffentlichkeit wurde in den letzten Tagen lebhaft beunruhigt durch den Umlauf von Gerüchten, di< zum Teil durch die Presse in sensationeller Weise aufgebauscht wurden und deren Grundlagen sich nachträglich als nicht stichhal­tig herausgestellt haben. Wir können denrgegenüber sowie für zukünftige ähnliche Versuche nur die Mahnung aussprechen: Nerven behalten?" Die Oeffentlichkeit und auch die Presse möge das Beispiel des Hauptausschustes nachahmen, der die Er­örterung der politischen Fragen zurückgestellt hat. bis eine grö­ßere Klärung einpetreten ist. Es erscheint sehr unnötig und höchst schädlich, eine neve innere Spaltung zu schaffen oder die be- stebpde zu bestimmten politischen Zwecken verschärfen zu wollen Für die Zentrumsfraktion des Reichstages besieht nach wie vor keine Veranlassung. in ihrem Vertrauen' zur Reichsleitung eine Veränderung eintreten zu lasten.

Die iiflüliintfr lrffff M

DieFrankfurter Leitung" schrieb gestern in einer Pole­mik gegen die Alldeutschen den Satz:Aaußerste Geschlossenheit Deutschland ist am Platze". Eilt dieser Satz ab,'r nicht auch in Bezug auf die verschiedenen Stände? Da liegt es aber und wir könne« grrrost sagen durch die Schuld der Presse Ser Linken, noch sehr im argen. Wem verdanken wir es neben unserem hel­denmütigen Kriegshrer und seiner unvergleichlichen Führung in erster Linie, daß wir den uns aufgezwunaenen schrecklichsten aller Kriege drrrchhalten können? Nnserer Industrie und namentlich der Schwerindustrie, die uns- instand setzt, den Atordmasä inen aus den Arsenalen der ganzen Erde ein gleich­wertiges Muerial e-rtzegenzrrstesten. und. unserer Landws"t- schast die die infamen Hunoerplöne England vereitelt hat. Und doch'wie wird diesen beiden Ständen gedankt? Ein Blick in die Spalten der linksradikalen Preste ruft uns den Vers Uhlands ins Gedächtnis:Zermalmt habt Ihr die fremden Hor­den, doch innen hat sich's nicht gehellt!"

Sehen wir uns nur die Frankfurter Blätter an. Selbst in den Zeitungen, die wie dieFrankfurter Nachrichten" eineu uns nahestehenden Standpunkt einnehmen, werden Kuckuckseier ge­legt. Da konnten wir vor ein paar Tagen über die Zwiebelnot lesen, daßdie Landwirte die Zwiebel, wie so vieles an­dere. zu Wucherzwecken zurückbehielten. Wir können verraten, daß die Landwirte fast gerade so unter dem Zwiebelmange! lei- > den wie die Städter und selbst froh wären, wenn sie Zwiebel be- 1 kommen könnten. Die Zwiebeln sind in dem Augenblick der Be- scklQguahmewie so meles andere" verschwunden. DerGene- j ral-Anzesi'er", der in der letzten Zeit ganz bedenklich nach links gerutscht ist, schrieb am 22. Dezember folgendes:

Die einen schelten, daß die Bauern für ihre Ware höhere Preise als die gesetzlichen Höchstpreis« nehmen: die anderen, daß die Städter ne zahlen. Das letztere heißt nun. den Spieß etwas heftig mvdrehen. Mit Vergnügen wird der Taler nicht gezahlt statt der Mark, aber er wird sicherlich mit Vergnügen genommen. Und sicherlich sind doch nicht die Städter es. die daran interessiert sein könnte», die vielfach um Tausend vom Hundert gestiegenen Preise für die Gaben der Landwirtschaft noch mehr in die Höhe zu treiben. Rach unserer bisherigen Kenntnis von der menschlichen Natur dürfen wir annehmen, daß in solchen Dinoen die Hauptschuld dort sitzt, wo der Haupt- vorteil sitzt, das wäre also weniger dort, wo man die Wucher- preffe zahlt, als dort, wo man sie einsteckl."

Versorgung kommt zu dem Schluß. sag der Schleichhandel d!^ Hamstere, und der Wucher üppiger denn je blühe. Also darum Räuber und Mörder! Dao ist das Ergebnis all der Bestrebu». gen. wonach der freie Handel ausgeschloffen wird, das Er'cbnir der Elerchhert ,n der Verteilung, der Entrechtung des Erzeugers und der Beschlagnahme eines leben E-genstand-s, der auf Erden wacht und gedeiht! Kein Wunder, sobald ein Gegenstand de, Bedarfs der Beschlagnahme und der Zwangsb-wirtschaftuno r>er. fallt, so stürzt sich ein jeder darauf um noch etwas, auf erlaubtem oder unerlaubtem Wege, zu ergattern. Da macht niemand eine Ausnahme, selbst die nicht, die solche Gesetze ausgeheckt haben oder über ihre rücksichtslose Anwendung wachen sollen. Wir sprechen hier nicht vom Hörensagen!

DieVolksstimme" sieht das auch ein, sie w i ll es aber nicht eingestehen, weil es der Parteilehre widerspricht, und die Par. Lei geht doch über das Vaterland? Ihr Verhalten erinnert an jene Frau, die ihren Mann Läusknicker geschimpft hat und der sie darob erzürnt in den Fluß gestoßen hat. Mit dem Tode rin­gend wiederholt sie das Wort und selbst als sie untergehend nicht mehr sprechen kann, streckt sie noch die Hände aus dem Master und macht damit die Bewegungen des Läufeknickenv. Sie mußte Recht behalten und ob sie darüber zugrunde ginge. Also geht's unseren Zwangssozialpolitikern: das geht auch aus dem ange- zogenen Aufstitz derVolksstimme" hervor. Zuerst wird zugege­ben, daß die Kartoffelntrotz derzeitig relativ hohen Preises verhältnismäßig immer noch das billigste Nahrungsmittel dar­stellen", dann verstellst sich das Blatt zu folgender Verdächtigung:

Wenn letzten Sommer, als die Kartoff'elnot in Frankfurt ihren Höhepunkt erreicht hatte, allen Ernstes versichert wurde, daß im Badischen und im Hessischen manche Bauern ihre Kartoffeln im Keller verfaulen ließen. Was nämlich diesen Patrioten an den Kartoffeln abging, das gewannen sie dreimal durch die hohen Ge m ü s e p r e i s e und nicht zu vergessen, ersparte Ablieferungskosten".

Wir ffagen, welcher Landwirt geht einem solchen Ge­dankengang nach und läßt die Kartoffeln verfaulen, damit er hohe Gemüseprelse bekommt und an Ablieferungskosten spart! Wer baut denn eigentlich Gemüse? Wir meinen, es sind doch gerade die städtischen Grundbesitzer, die ihre Stimmen wie es in Sachsenhausea und den Frankfurter Vororten der Fall ist. den Rosaroten oder den ganz Roten geben. Anschließend daran verzapft der Artikelschreiber folgende Weisheit:

Denn Getreide muß. am es vor dem Verderben z» schützen, während der ganzen Anfbewahrungszeit ständig be­wegt werden, während Kartoffeln, wenn einmal eingemietet. keiner lei Bearbeitung bedürfen. Sie verlangen nur sach- gemäß angelegte Mieten, die die Gefahr des Faulens oder Erfrierens ausschließen. und verursachen im übrige» bis zum Moment des Aufmachens keinerlei Kosten oder Mühen."

Wenn dem so ist. so fragen wir. warum sind denn den Großstädten in den Jahren 1915/17 für Millionen Kartoffeln verfault; die Städte Frankfurt. Offenbach. Hanau. Mainz. Darm­stadt und alle andern könnten ja so ein schönes Lied von ver­faulten Kartoffeln singen, so daß die ..Volksstimme" ganz ruhig von den Kartoffeln sein sollte, die bei den Bauern verfaulen.

Ern lichter Geda'cke aber durchzuckt die..Volksstimme". Sie erwägt,obmandieEindeckungdenStädtenüber- Haupt frei stellen sollte" und führt zur Begründung an. .

Es besteht auch keine Gefahr, daß bei völliger Freigabe der Eindeckung übermäßig viel Kartoffeln zum Zwecke der Wiederverkaufs erworben werden, denn da jedermann das Recht hat. sich feinen vollen Bedarf zu sichern, so besteht für Händler wenig Aussicht, spekulativ gekaufte Ware an den Mann zu bringen .... Es ist in hohem Maße wahrscheinlich, eine absolute Gewißheit könnte uns natürlich nur der Versuch bringen, daß in diesem Jahre ohne Rattonierung die Preise vielfach unter die Höchstpreise gegangen wären, daß also in diesem Jahre die Rationierung von Kartoffeln eher zugunsten der Produzenten als der Konsumenten ausgeschlagen ist."

Das sind durchaus irreführende Behauptungen. Wir wissen aus Erfahrung, daß der städtische Hamster die Preise in > die Höhe treibt und daß der Landwirt froh wäre, wenn er diese ! Gesellschaft los ist. "Wie raunt es sich mit dem angeblichen Hauptvortetk zusammen, daß tm Spätsommer v. I. das Land, wtnfchaftskammermitglied H e n f e l - Dortelweil eigens nach Frankfurt gefahren ist, um militärischen Schutz gegen die städti­schen Hamster zu erbitten, da die Landwirt« selbst auf den Fel­dern vor ihnen nicht mehr sicher seien. Der Schreiber dieser Zei­len hielt am vorigen Freitag in Obereschbach eine Versammlung ab. wobei er die Landwirte mahnte, keine Milch und Butter nebenher abzugeben: da erhob sich der Landwirt Fkeck und bat unter dem Beifall der ganzen Versammlung, daß die städttschen Behörden die Landwirte vor den Hamstern schützen. Die Land­wirte wären froh, wenn sie von den Hamstern nicht behelligt würden, die zum Cteinerbarmen jammern und nicht ablasten, bis sie etwas erhalten haben. Dabei weiden Preise geboten, die wett über die Grenzen gehen, daß sie genommen werden, liegt leider in der menschlichen Natur begründet

Das höchste in der Entfremdung zwischen Städtern und Landwirten leistet sich natürlich dieVolksstimme", bei der jeder Tag als verloren gilt, an dem nicht den Landwirten etwas an- gehangt wird. Wiederholt beschäftigt sich das sozialdemokratische Blatt mit der bekannten Neuköllner Denkschrift und zieht daraus den Schluß, daß die Zwangsschrauben noch schärfer angezogen werden müßten. Wir meinen, die Denkschrift lehrt einen Jeden, ser sich in all den wirtschaftlichen Wirrnissen einen klaren Blick bewahrt hat, daß das System der sozialistischen Zwangswirtschaft elend in die Brüche gegangen ist. Trotz unseres sozialen Beschlag­nahme- und Gleichheitssystems konnte der bayer. Städtetag eine Entschließung fasien. die mit den Worten beginnt:Die Preise des täglichen Lebensbedarfs haben in den letzten Monaten eine derartige Steigerung erfahren, daß weite Kreise der Bevölkerung in Stadt und Land bis tief in den Mittelstand hinein in immer größere Bedrängnis geraten." Die sozialistischen Dokttinäre aber wollen nichts lernen, sie versteifen sich darauf, daß die Maß­nahmen, die all das Elend erzeugt haben, noch verschärft werden.

Einen ganz rabiaten Aufsatz bringt das sozialdemokratische Blatt am 28. Dezember. Er beschäftigt sich mit der Kartofsel-

Das sind Gedanken, die sich hören lasten und über die man reden könnte. Kaum ober auf dem richtigen Weg, macht man sofort wieder Seitenspiünge. denn der Bauer muß doch gestei- nigt werden. Wir lesen also weiter:

Schon vor langen Monaten war von unserer Seite, so wenn wir nicht irren, von dem Gewerkschaftsführer E. Schmidt, gefordert worden, die ganzen geernteten Kartoffeln sofort vom Felde aus in die Mieten der Erzeuger­gemeinde zu verbringen, sie also überhaupt nicht dem einzelnen Landwirt anzuvertrauen." (Man höre: dem Landwirt soll das Erzeugnis seines eigenen Schweißes nicht anveitraut" werden!) Das hätte bedeutet, daß die Beschlag­nahme der Ernte nicht nur wie es jetzt der Fall ist, bloß aus­gesprochen, sondern auch wirklich ausgefllhrt worden wäre. Wäre das geschehen, so hätten wir heute ganz verläßliche An­gaben über die Ernte und wären überhaupt nicht auf Schätzun­gen angewiesen. Denn nichts ist einfacher, als die Menge der emgebrachlen Kartoffeln während des Erntevorganges zu be­rechnen. Man zählt die vollen Sacke bezw. Kastenwagen und gelangt so zu ganz zuver­lässigen Ergebnissen. Dabei ist nur eine Kontrolle von Unparteiischen notwendig und diese hätte eben von Gemeindewegen gestellt werden müsten."

Und die Schlußforderung lautet:

Zuverlässige Statt st ik, und. da diese nicht an­der» zu erlangen, Beschlagnahme der Ernte und ihr« Einmietung auf Rechnung der Gemeinde."

Wir meinen, es fehlt eben schon an Beamten nicht, die all' die Rationierung und Zwangssozialtsierung durchsetzen sollen. Auf einen Erzeuger kommt bald ein Konttollbeamter. Wenn es nach den Wünschen derVolkssttmme" ginge, dann würde in jedem Dorf eine Kontrollkommission sitzen und da­nennt man dann: .Freiheit, die ich meine!" Mit solchen Leuten ist eine Verständigung unmöglich, die betrachten di« Landwirt« in ihrem eigenen Land als ihren Feind, die Bolfchrwiki in tcrsburg aber find ihre Freunde. Den Landwirten aber sei «* wieder einmal zu Eemüte geführt, westen fie sich von den Freun^. den und Anhängern derVolkssttmme" zu versehe» habe».