Was ist größer als Krippe und Kreuz?
Wenn wir so die Liebe Gottes in der Krippe zu Bethlehem und am Kreuz auf Golgatha sehen, dann wollen wir unsere Schuhe ausziehen von unseren Füßen, denn wir stehen auf heiligem Boden.
Wir wollen mit der Schar, welche anbetend um den Thron Gottes steht, uns des wundern, was Gott getan hat. O. D.
Ein Kind gevoren.
Horch I Uns ward ein Kind geboren,
Kam herab von Gottes Thron,
Uns zu retten, die verloren:
Jesus Christus, Gottes Sohn.
Er ist selbst für uns gestorben,
Nahm auf Sich des Sünders Schuld,
Hat Vergebung uns erworben,
Rettung, Friede, Gnade, Huld.
Er gibt Ruhe allen Müden;
Wer Ihm naht, der wird erquickt,
Er schenkt jedem Herzen Frieden,
Jeden Armen Er beglückt.
Und ich hört' die frohe Kunde,
Ging zu Jesu, wie ich war,
O, welch ewig sel'ge Stunde,
O, wie half Er wunderbar I
Er vergab nicht nur die Sünden,
Nahm nicht nur, was mich bedrückt',
Ließ ein Vaterherz mich finden,
O, wie fühl' ich mich beglücktl
Wer kann meinen Reichtum nennen,
Daß ich Gottes Kind darf sei»;
Und wer auch dies Glück sollt' kennen, Stimm' in meinen Jubel einl
„Gute Botschaft."
Kein Wauin in der Kcröerge.
Welche große Stunde hatte doch geschlagen auf der Uhr der Welt, als der Sohn Gottes heraustrat aus dem seligen Reich der lichten Ewigkeit, um hineinzutreten in das dunkle Tal der Sünde! Es war die Stunde, von der alle großen und kleinen Propheten geweissagt hatten in seliger Freude. Sollte man nicht meinen, die arme, in Sünden verkommene hoffnungslose Menschheit hätte die Türen der Welt weit aufgemacht, um den lange ersehnten Held und Befreier hoch willkommen zu heißen? Hätte, da der Himmel sich öffnete, nicht auch die Erde sich öffnen sollen, um dem höchsten Gast, der je ihr Gefilde betreten hat, das schönste Königsschloß zu erschließen?
Aber Israel hatte die wunderbare Botschaft von dem kommenden Messias beinahe vergessen. Jerusa- lem, des großen Königs Stadt, war nicht bereit, diesen König zu empfangen. Selbst in Bethlehem war nicht einmal in der Herberge Raum. Er. durch
den aller Raum, alle Zeit und aller Stoff entstanden. Er, der im Königsschloß der Ewigkeit den ersten Platz einnahm, der am Vaterherzen ruhte, muß mit der Krippe vorliebnehmen. Welch eine Erniedri- gung, welch eine Tiefe gleich zu Beginn der Mensch- werduug! Raum war da für die Sünde, Raum für den Satan, Raum für die schlimmsten Verbrecher und für diese Raum in den' Königs- und Kaiser- schlössern, Raum für die Eitelkeiten und Torheiten aller Art, aber kein Raum für Jesum. Kein Raum für das höchste Glück, das in Person herabgestiegen war in das tiefste Unglück.
Keinen Raum als den am Kreuze und den im Grabe, obwohl Er den armen Gebundenen wie noch nie ein anderer Raum gemacht und sie in die seligste Freiheit geführt. Ja, für einen Barabbas hatte Israel Raum, für falsche Propheten hatte es ein Ohr.
Doch wir wollen nicht stehenbleiben bei Israel. Was dem Heiland beschieden war zu Seiner Erden- zeit, es hat sich doch fortgesetzt bis heute. Die Welt i-nt großen und ganzen hat noch immer keinen Raum für Ihn und Sein Evangelium. Die große Herberge der Welt, die nun wieder Weihnachten feiert, ist genau in der Lage wie das kleine Bethlehem und wie das stolze Jerusalem. Gebt Raum der Entwickelung, ruft sie und stellte das alte Evangelium in die dunkle Ecke. Für den Gedanken der Menschwerdung Christi, der Wunder, des Opfertodes ist kein Raum mehr in weiten Kreisen der modernen Theologie. Gebt Raum dem Vergnügen, so hallt es in allen Tonarten auch in der Weihnachtszeit an unser Ohr. Das Fleisch muß auf seine Rechnung kommen, und die Lustbarkeit nimmt ungeheuren Raum ein im modernen Denken. Laßt uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot, siehe da, eine Philosophie, die den größten Raum einnimmt. Der Sohn Gottes aber mit seiner seligen Botschaft, mit seinem süßen Evangelium, mit seiner Freiheit und Freude hat keinen Raum in der Herberge.
Sowenig Raum damals das Jesuskindlein einnahm unter den Menschen, ist es auch in unserem Volke beschränkt auf ein Kripplein, das abseits vom großen Verkehr steht und das gar viele vollends zur Herberge hinauswerfen möchten, damit sie noch mehr Raum gewinnen für das Futter, nach dem die Menschen und Tiere der Herberge schreien.
Doch es handelt sich für uns um eine ganz persönliche Frage, und diese lautet; Welchen Raum findet denn der Heiland in der Herberge meines Herzens und Lebens? Ist nicht auch sie überfüllt von Gästen aller Art, daß er keinen Raum finden kann oder doch nur im Halbdunkel der Ahnung sich mit einem bescheidenen Räumlein begnügen muß? Ja, was kann doch auch die Herberge eines Menschen- Herzens alles aufnehmen I Wie geht es da aus und ein mit Gedanken, Entschlüssen, Wünschen, Stimmungen! Wie angefüllt von Bildern und Abgöttern kann diese Kerberae sein, und welche häßlichen Tiere


