Ein Seufzer aus einem Drama.
Ein Schüler wurde durch eine Zeile aus einem weltlichen Drama tief ergriffen. Er las darin, wie zwei vornehme Töchter sich über ihren verstorbenen Vater unterhalten, wobei die eine zu der anderen sagt:
„Und er hinterlietz uns nicht den Trost, daß er mit Gott versöhnt gestorben sei."
Gott benutzte diese Worte aus der Feder eines weltlichen Dichters, um das Herz und Gewissen des jungen Lesers zu treffen. Es wirkte wie ein Pfeil aus dem Köcher Gottes. Der Jüngling fragte sich: Wo ist aber nun jener Unversöhnte in der Ewigkeit? Und werde ich selbst einst, versöhnt mit Gott, aus diesem Leben scheiden?
Gewiß hat Gott, der behauptet, daß Er Sich an niemand auf Erden' unbezeugt lasse, auch in deinem Leben, teurer Leser, schon manchen Pfeil aus Seinem Köcher auf dein Herz und Gewissen gerichtet. War es von Segen? Oder hast du Gottes Warnungen und Mahnungen in den Wind geschlagen? Tue es nicht! Siehe zu, daß es dir nicht ergehe wie Pharao, von dem die Bibel uns erzählt, daß Gott nach allen Warnungen und Wundern sein Herz verhärten mußte. Vielleicht redete Gott auch zu dir zunächst durch ein einfaches Wort eines Dichters oder Schriftstellers oder aus dem Munde gläubiger Eltern oder-Lehrer oder Prediger oder auch durch die Heilige Schrift selbst. Vielleicht sprach Er auch zu dir durch ein ernstes Ereignis aus dem Leben, wie Er das ja gerade in unseren Tagen so mächtig und deutlich tut durch den Krieg. Da ist ja keine Stadt noch ein Dorf, so klein sie seien, ja, fast kein Verwandtschafts- oder Freundeskreis, in dem Gott nicht — sei es im Inland oder Ausland — Wunden geschlagen und Opfer gefordert habe. Diese Wunden und Opfer mahnen uns erst und fragen einen jeden deutlich:
Wo wirst du die Ewigkeit verbringen?
Vielleicht war es auch nur eine Begebenheit in deinem Leben, durch die Gott mit dir redete, eine knappe Errettung vom Tode, eine wunderbare Bewahrung, bei der du dir sagen mußtest: Das war kein Zufall, sondern Gottes Hand. Achte darauf, wie ernst Gott redet: „Ein Mann, der oft zurechtgewiesen, den Nacken verhärtet, wird plötzlich zerschmettert werden ohne Heilung." (Spr. 29, 1.)
Gott will aber nicht nur durch Seine War- nungen und Zeugnisse die Seele aus ihrer Gleich, gültigkeit auf wecken, daß sie frage und forsche: „Wo werde ich die Ewigkeit verbringen?" Gott will auch, daß die Seele die glückselige Antwort darauf finde, daß sie froh mit Hiob bezeugen könne: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt." Und mit dem lietaqten Simeon soll sie sagen können: „Nun läßt
Du, Herr, Deinen Diener in Frieden fahren nach Deinem Worte, denn meine Augen haben Dein Heil gesehen." „G. B d. F."
Keine Kitfe.
„Die Ernte ist vergangen, der Sommer ist dahin, und uns ist keine Hilfe gekommen." (3er. 8, 20.)
Ist das der traurige Zustand deiner Seele? Du wurdest gewarnt vor dem zukünftigen Gericht, du wurdest aufgefordert, dich erretten zu lassen, und doch, du bist noch nicht errettet.
Segenszeiten sind spurlos an dir vorüber- gegangen, Erweckungen in deiner Umgebung brachten dich nicht zur Umkehr. Du kennst den Weg des Heils, du liest Gottes Wort, du hörst das Evangelium verkündigen, von deinen Angehörigen und Freunden sind etliche errettet, und sie beten zu Gott um deine Errettung. Gottes Gnade warb um deine Seele. In Liebe und Ernst ist der treue HErr auch dir im nun bald endenden Jahre nach- gegangen, um dich zu Sich zu ziehen. Ja, die Er- eignisse des Jahres 1915 sind so gewaltig und rufen dich in besonderer Weise zur Umkehr, zur Buße, zu Jesu, dem Sohne Gottes, und durch Ihn zu Gott selbst.
Du wirst keine Entschuldigung haben, wen,, der HErr kommt, zu richten die Lebendigen und die Toten. Der HErr hat Segen auf die Worte gelegt, die vor deinen Ohren verkündigt wurden, andere wurden zu Christo bekehrt, du wurdest innerlich überzeugt und erschüttert, und doch bist du noch nicht errettet. Gnadenzeiten sind gekommen und verschwunden, deine Ernte ist vergangen, dein Sommer ist dahin, und dir ist keine Hilfe gekommen.
Jahre sind einander in die Ewigkeit nachge- folgt, bald kommt dein letztes Jahr. — Bedenke! — Die besten Gelegenheiten, die schönsten Gnadenzeiten hast du ohne Nutzen für deine Seele schwinden lassen. Was soll nun noch an dir geschehen?
Muß der Heilige Geist die Arbeit an deinem Herzen nicht aufgeben? Wie viele Jahre ließ dich des HErrn Baimherzigkeit schon als völlig un- fruchtbaren Feigenbaum in Geduld stehen; trotz allem Umgraben und Pflegen brachtest du auch im laufenden Jahre keine Frucht. Wenn es bald heißt: „Haue ihn ab, was hindert er das Land", denn darfst du dich dessen nicht wundern. Du hast des HErrn Güte und Gnade auf Mutwillen gezogen; du hast Seine Langmut verachtet. Wie willst du entfliehen, wenn du deine Gnadenzeit verachtest? Wirst du nicht ewig bereuen, was du jetzt aus eitler Weltliebe versäumst, deiner Seele Rettung zu suchen mit Furcht und Zittern? Denke mit Ernst darjui, lieber Leser, der Sommer ist dabin.


