die Ernte ist vergangen, und deiner Seele ist keine Hilfe geworden. Versetze dich einmal in den Augen- blick, wo es für immer für dich zu spät sein und der Abgrund sich dir öffnen wird, weil dir keine Rettung geworden. Welche Gefühle mögen dann über dich kommen! Dann magst du wie Kain dich selbst verwünschen, wie Esau bittere Reuetränen weinen, wie Judas deine Sünde verdammen, aber die Riegel deines Gefängnisses zeigen kein Mit- gefühl, die Hölle läßt sich nicht erweichen, in der Verdammnis gibt es keine Gnade. Während deiner Gnadenzeit hast du nicht gewollt, nun erwachst du, und jetzt ist es zu spät, der Sommer ist dahin, es ist zu spät für immer.
Doch ich weiß, teurer Leser, der Gedanke an die Verdammnis ist dir fürchterlich. Deshalb komme in Aufrichtigkeit deines Herzens zu Jesu. Suche Ihn als deinen Retter und Seligmacher in den letzten Tagen des alten Jahres. Geh in dein Kämmerlein, beuge deine Knie vor dem HErrn, rufe Seinen Namen an, und Er, der nicht den Tod des Sünders will, wird dich erhören, deine Schuld von dir nehmen und Gnade zu einem neuen Lebensanfang geben. Gehe nicht mit deinen Sünden weiter, sondern werde durch Jesum Christum eine neue Kreatur, die da sagen kann: „Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden." O. D.
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Sn ernster Zeit.
Ein Krieg ist etwas Schreckliches. Jammer und Elend, Not, Schmerzen und Tränen bezeichnen seinen Weg. Das Herz krampst sich zusammen, wenn es von den Greueln hört, die bald hier, bald dort geschehen; man erbebt vor dem Abgrund der Bosheit und Verderbtheit des Menschen, der sich offenbart in der ganzen Grausamkeit und Gefühllosigkeit seiner Natur, in all der blinden Wut seiner entfesselten Leidenschaften. Aber das Ernsteste und Schrecklichste ist doch das Los der vielen, vielen Seelen, die unvorbereitet in die Ewigkeit hinüber- gehen. Entbehrungen und Leiden, so ernst sie sind, gehen vorüber, Wunden, so heiß sie brennen, schließen sich wieder; aber wenn eine Seele unversöhnt mit Gott aus dieser Welt scheidet, so ist ihr ewiges Schicksal unabänderlich besiegelt.
Dieser Gedanke hat Tausende und aber Tausende von Gläubigen allabendlich zu gemeinsamem Gebet zusammengeführt. Sie haben ihre Knie vor Gott gebeugt und um die Errettung der Seelen gefleht, die jetzt in besonderer Gefahr stehen, plötzlich und unvorbereitet diese Erde verlassen zu müssen. Gewiß haben sie auch für anderes gebetet, für Kaiser und Reich, für die Wohlfahrt des Landes usw., aber das wichtigste Gebet bleibt doch: „Herr, gedenke der vielen Millionen, die so großen Gefahren entgegen
gehen!" In den Augen Gottes hat ja eine einzige unsterbliche Seele unermeßlichen Wert. In diesem Gedanken haben sich auch viele Hunderte angetrieben gefühlt, christliche Schriften, Bibelteile und Testamente an die ins Feld rückenden Krieger zu verteilen. Und Gott sei Dank! Man kann von kostbarer Frucht dieser Arbeit reden. Nicht nur hört man von vielen Seelen, die, durch d e Not der Zeit zu Gott getrieben, bei Jesu Frieden und Ruhe gefunden haben — w i e viele in Wahrheit bekehrt worden sind, weiß Gott allein —, sondern auch die Millionen von Schriften sind mit wenigen Ausnahmen gern und dankbar entgegengenommen worden. Gott hat die Türen weit geöffnet, und niemand vermag sie zu schließen. Wir dürfen zuversichtlich hoffen, daß aus dieser so ernsten Zeit, wo die Wellen von allen Seiten gegen uns heranrollen, eine reiche Ernte für die Ewigkeit hervorgehen wird, Und im Blick darauf dürfen wir unserem HErrn danken, wenn auch unter Tränen, daß Er Seine Hand so schwer auf unser Land, ja, auf ganz Europa gelegt hat.
Die Notwendigkeit, daß Gott einmal ernst zu unserem Volke reden mußte, muß jeder zugeben, der nicht ganz blind ist gegenüber dem schrecklichen Unglauben, der Gottlosigkeit und Sillenlosigkeit, die sich in unserem Volke schon seit Jahren breit- machen. Möchte Gottes Sprache von allen verstanden werden!
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Weine nicht.
„Und da sie der HErr sah, iammerteJhn dersetbigen, und Er sprach zu ihr: »Weine nichtI»" Luk. 7, 13.
Dieses Wort ist gerade für unsere Zeit am Platze. Werden doch jetzt so viele Tränen vergossen. Vielleicht kommen diese Zeilen jemand zu Gesichte, der tiefbetrübt ist; und wer iveiß, wie bald auch bei den Fröhlichen das Lachen in Weinen verkehrt wird I
Die meisten Tränen auf dieser trübsalsvollen Erde verursacht der Tod. Wo er anklopft, da gibt es nasse Augen. Schon wenn man sieht, daß die Krankheit trotz aller Hoffnung auf Besserung schlimmer wird, wird heimlich manche Träne ge- weint. Kommt das letzte Stündlein und nimmt der Sterbende Abschied von den Seinen, so gibt es wohl lautes Schluchzen; und wenn der Sa g zur letzten Ruhestätte hinausgetragen wird, fließen nochmals heiße Tränen. Wie oft müssen wir bei Beerdigungen ergreifende Szenen erleben! Ohne Zweifel wird nirgends soviel geweint als an Särgen und Gräbern.
Die Witwe von Nain hatte schon einmal solches Weh erfahren, als sie ihren Mann begrüb. Eine


