wußte keinen Ausweg mehr. Ich habe mein Gewissen zu betäuben versucht im Genuß der Sünde. Manchmal habe ich auch gebetet, Gott möchte mich einen besonderen Weg führen. Und dieser besondere Weg ist nun durch den Krieg gekommen. — Am Tage der Mobilmachung stand ich am kaiserlichen Schloß. Dort habe ich den Kaiser gesehen und die Worte gehört, die er vom Balkon aus zu dem Volke sprach. Dies hat mich t>es ergriffen; daß ein Herrscher, der über Millionen von Soldaten verfügt, trotz der vielen Feinde sich auf seinen Gott verläßt, ist etwas Großes. Es ist eine ernste Zeit, in der wir leben, und wenn Gott uns nicht hilft, sind wir verloren. Wenn doch ganz Deutschland zu Gott schreien niöchte, dann würde dieses schreckliche Blutvergießen gewiß bald ein Ende haben! Mir hat Gott oft und wunderbar geholfen."
Dieser junge Mann grub tief. Er war nicht oberflächlich in seiner Buße. Hätte unser Volk sich so gebeugt und sich dem Heiland der Sünder zu- gewandt, dann wären unsere Truppen schon weiter und unser Endsieg der Vollendung näher. Mein Leser, du und ich gehören auch mit zum Volk. Wie war unsere Buße? — Gott spricht in Seinem Wort: „Bekehrt euch zu Mir von ganzem Herzen, mit Fasten, mit Weinen und mit Klagen! Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zum HErrn, eurem Gott, denn er ist gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte und reut Ihn bald der Strafe." Wir müssen uns heute reinigen von aller Oberflächlichkeit derBuße, wenn wir zum Sieg der Truppen und zum Heil unseres Vaterlandes beitragen wollen. Ein sterbendes junges Mädchen sagte zu einer ade- ligen Dame in bezug auf ihre religiösen Übungen in Kirche und Jungfrauenverein: „Frau Gräfin, ich habe mit diesen Dingen bloß gespielt." Und ein junger Mann, der schwer krank daniederlag, sagte in bezug auf sein Christentum zu Generalsuperintendent Frommel: „Herr Generalsuperintendent, es ist bei mir nie bis an die Wurzel gegangen." Mein Leser, willst du dir selbst und dem Vaterlande einen Dienst tun, dann tue wahre Buße. Schließe dich ein in deine Kammer, bekenne Gott deine eigenen Sünden und die Sünden deines Volkes, auch die Sünden unseres Heeres — denn es ist kein Mensch gerecht vor Gott — und dann bitte im Glauben um ein neuesHerz für dich selbst, um neues Leben für unser Volk und um Sieg für unsere Truppen. — Gewiß, wenn jeder Deutsche das tut, wird sich an uns das Wort erfüllen: „Fürchte dich nicht, liebes Land, sondern sei fröhlich und getrost, denn der Herr kann auch große Dinge tun." Und wir werden daheim und an der Front mit Jubel bekennen können: „Der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz." (Pf. 46.)
H. D.
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Das einzige Opfer für unsere Sünden,
das Gott annehmen kann, das vor Ihm Geltung und Wert hat, das in Wahrheit und Vollkommenheit unsere Sünden sühnt und die Sündenschuld tilgt, ist das Opfer vom Kreuz auf Golgatha.
Die Heilige Schrift sagt uns: „Unmöglich kann Blut von Stieren und Böcken Sünden hinwegnehmen." (Ebr. 10, 4.) Sie alle wiesen nur hin auf das ewig vollgültige Opfer, das Gott für uns in Seinem Sohne ersehen hatte: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn gegeben hat, auf daß jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe." (Joh. 3, 16.) Ja, Gott sei gepriesen, „das Blut Jesu Christi, Seines Sohnes macht uns rein von aller Sünde". (1 Joh. 1, 7.) Und Sein Wort fügt hinzu und schreibt an die Gläubigen: „Ich schreibe euch, weil euch die Sünden vergeben sind um Seines — d. i. um Jesu — Namens willen." (1 Joh. 2, 12.) „Denn durch ein Opfer hat Er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden." (Ebr. 10, 14.)
Ja, Gott erklärt feierlich wie in einer Generalquittung, die Er allen ausstellt, die von Herzen in wahrer Reue und aufrichtigem Glauben auf dieses Opfer ihr Heil gründen: „Ihrer Sünden und chrer Gesetzlosigkeiten werde Ich nie mehr gedenken." (Ebr. 10, 17.)
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1870|71—1914115.
Was wir 1870/71 erlebt haben, war nur ein Vorspiel — was damals errungen wurde für unser deutsches Vaterland, muß nun in neuen heißen Kämpfen festgehalten und bewahrt iverden. Aber gewaltiger als vor 44 Jahren schreitet jetzt im Kriege 1914/15 der Schnitter Tod durch unser Heer, unsere Flotte und unser Volk hindurch, um ungezählte kostbare Garben zu mähen auf dem großen Erntefeld dieses Weltkrieges. Ein tränenreicher Ernst ist eingekehrt in viele Häuser. Nvch hat die Stunde nicht ge- schlagen, in welcher Deutschland seine heimkehrenden Sieger begrüßt. Noch wird um den Sieg gekämpft in täglichem, ununterbrochenem, blutigem Ringen in Ost und West, zu Lande, zur See, in der Luft.
Wohl dem, welcher in diesem Ringen den allmächtigen Gott als den Vater der Witwen und Waisen kennt und welcher Jesum kennt als den tröstenden Freund, der allein zu sprechen vermag: „Weine nicht!" Ein solcher versteht die Sprache Gottes zu unserem Volke, den Rus zur Buße, die erziehende Liebe, welche es so wunderbar treu meint mit unserem Vaterlande.
Möchte durch die Gnade Gottes in vielen Herzen und Familien diese Erkenntnis ausgehen, daß Gott zu unserem ganzen Volke redet und


