gegen Gott aus seinem Denken aus. Sollte auch der Unglückliche gar schon mit einem Fuße im schwarzen Strom des Todes stehen, für denjenigen, der mit ihm über seine Sünde und seine Errettung reden will, ist keine Zeit übrig. O Armer, der du dir gar keine Sorgen machst über dein ewiges Schicksal, der du denkst: Ich will es mal drauf ankommen laffen — deine Sünde wird dich vom Himmel aus- schließen und dir der Hölle Pforten öffnen. Du nimmst es so leicht mit deinen Sünden und denkst, mit dieser Kleinigkeit schon fertig zu werden. Aber du wirst erfahren müssen, daß es mit deiner Sünde keine Kleinigkeit ist, sondern daß sie eine furchtbare Macht sein wird, die dich hinabzieht in den Abgrund des Verderbens. Darum schau dieser Frage: „Was mache ich mit meinen Sünden?" ins Auge. Gib dich näher mit ihr ab und suche eine stichhaltige Antwort.
In Ps. 32, 5 hast du die Antwort. Sie lautet: „Ich sprach: Ich will dem HErrn meine Übertretungen bekennen," und als David diese Worte aus der Tiefe seines Herzens gesprochen hatte, da konnte er bald hinzufügen: „Da vergabst Du mir die Missetat meiner Sünde."
Es gibt etwas Besseres als entschuldigen, als vergessen, und das ist Vergebung. David hatte auch einen Kamps ausgenommen mit seinem Gewissen und suchte es durch Vergessen und Entschuldigen seiner Sünde zum Schweigen zu bringen. Aber das Ge- spenst verfolgte ihn auf Schritt und Tritt, und in der „stillen Nächte Stunden" trat es an sein Lager und raubte ihm den Schlaf und die Ruhe. „Denn," so ruft er aus, „da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein täglich Heulen. Denn deine Hand war Tag und Nacht schwer aus mir, daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürr wird." Was rettete ihn aus dieser Hölle? Nichtseine Verwünschungen, nicht seine Tränen, nicht seine Gebete, sondern sein aufrichtiges Bekenntnis. Als ' er seine Sünde bekannte, da vergab ihm der HErr. Es gibt für dich keinen anderen Weg. Tritt ins Licht mit deinen Sünden, bekenne deine Schuld, und du wirst Vergebung erlangen. Auf Grund dessen, daß Jesu teures Blut alle deine Schuld bezahlt und jede Missetat gesühnt hat, wird Gott dir völlige Vergebung schenken, sobald du dich Ihm bußfertig und gläubig nahst. Nicht eine einzige Sünde soll un- vergeben bleiben. Wie der Morgen und der Abend nie zusammenkommen, soivenig sollst du wieder mit deinen Sünden zusammentrefsen. Kennst du den Trost der Vergebung? Suche ihn da, >vo er zu finden ist. Am Kreuze findet jeder Reuige und Glaubende Vergebung und Frieden für sein trauriges Herz.
Gott hat die Sünde der Welt aus den heiligen Rücken Seines geliebten Sohnes gelegt. Er machte Seinen teuren Sohn zum großen Sündenträger der ganzen Welt und ließ das Ge- licht über Seinen Heiligen ergehen in einer Weise,
wie sie nur die ganze Furchtbarkeit und Verwerflichkeit der Sünde voraussetzen konnte. Sieh den Mann mit der Krone von Dornen auf dem Haupte, sieh Ihn mit durchbohrten Händen und Füßen, mit zerrissenem Leibe am Kreuze verblutenI Sieh das furchtbare Gericht, das den Heiligen trifft!" Hör Ihn seufzen: „Ich bin ein Wurm und kein Mensch!" Betrachte Ihn in der Tiefe des Gottverlassenseins, und sieh, wie Er fällt unter dem Schwerte des All- mächtigen, und dann lies: „Gott wollte Ihn also zerschlagen!" Gott strafte, Gott richtete an Ihm unsere Sünden. Nun ist unsere Schuld gesühnt und die Strafe für unsere Missetaten ab- gebüßt von dem großen Stellvertreter Jesus. Auf Grund dessen nun, daß Schuld und Strafe getragen sind, kann und wird Gott vergeben jedem, der seine Sünden bekennt und Vergebung sucht. Wenn du Frieden begehrst, wenn du nach Ruhe suchst, so mußt du diese Vergebung suchen. Sie ist da für dich; sie reicht aus für dich; sie beruhigt dein Gewissen, erquickt deine Seele und befriedigt dein Herz, ja, sie befähigt dich, fortan in einem neuen Leben zu wandeln; denn Vergebung der Sünden ist Erlösung von Sünden. L. H.
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Hiefe und oberflächliche Muße.
Es waren ernste Tage für unser ganzes Volk, als man Ende Juli 1914 sich auf allen Gassen ins Ohr flüsterte: „Das Ungewitter sammelt sich mit Macht, bald wird es sich entladen." Wie tief fielen doch die Worte des Kaisers, die er am 31. Juli vom Balkon seines Schlosses ans an die versammelte Menge richtete, ins Herz aller Deutschen! „Und nun," so sprach er, „empfehle ich euch Gott. Jetzt geht in die Kirchen, kniet nieder vor Gott und bittet Ihn um Hilfe für unser braves Heer." Dann kam die Kriegserklärung. Der Kaiser sprach: „Wie ich von Jugend auf gelernt habe, auf Gott den HErrn meine Zuversicht zu setzen, so empfinde ich in diesen ernsten Tagen das Bedürfnis, vor Ihm mich zu beugen undSeineBarm- Herzigkeit anzurufen. Ich fordere mein Volk auf, mit mir in gemeinsamer Andacht sich zu vereinigen und mit mir am 5. August einen außerordentlichen allgemeinen Bettag zu begehen." —
Als der Kaiser zu Zehntausenden seines Volkes diese Worte vom Balkon seines Schlosses sprach, stand unter der Menge ein junger Mann, der bis dahin ein Leben in der Sünde geführt hatte. Er kam durch die Worte des Kaisers zur inneren Umkehr, wurde ein treuer Jünger des Heilandes und folgt Ihm bis zur Stunde. Hier sind seine eigenen Worte, die er nach der Winterschlacht aus Rußland nach Hanse schrieb: „Ich bin glücklich," so berichtet er im Feldpostbrief, „daß Gott mich solche Wege gefnbrt hat. Ich wäre verkommen in Sünde, ich


