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^emeinsctis?tsblatt für Hessen.
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Verlag da Buchhandlung der Pliflcrmission Bietzen.
Redaktelir: Stadtinissionar Hernnann Kietzen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d. Pilgermission. Truck v. I. G. Sacken Aachs., G. m. b. H., Cassel.
Nr. 49. Sonntag, den 5.
Dezember 191». 8. Jahrg.
Eins ist nock nicht erfunden.
Im November 1913 kündigte Adolphe Pögoud, der kühne französische Pilot, seine wagehalsigen Sturzflüge vor den Toren Berlins an. Kein Wunder, daß sich stundenlang die Menschenmassen aus den weiten Johannistaler Flugplatz ergossen. Nach einer oberflächlichen Schätzung sollen 500000 Menschen hinausgeströmt sein, um den tollkühnen Bewegungen des berühmten Flugkünstlers zu folgen.
Mit atemloser Spannung sieht ihn die Menge sich im Fluge überstürzen, sieht ihn im steilen Sturz au- schwindelnder Höhe herniedersausen — mancher schobt die Augen, im nächsten Augenblick muß etwa^ Gräßliches geschehen sein! Doch da — plötzlich, wenige hundert Meter über der Erde richtet der Flieger sein Flugzeug mit dem Steuer wieder auf und fliegt in horizontaler Richtung weiter, so sicher, «ls ob nichts geschehen wäre. Immer dreister, über- mütiger wird der Mann da oben in den Lüften. Schon fliegt er auf der Seite, ja, jetzt sogar auf dem Rücken; man sieht ihn förmlich Purzelbäume schlagen, als ob er ein ausgelassener Junge und die Luft sein Spielplatz wäre. Begeisterter, nicht endcn- wollender Jubel empfängt den mutigen Flieger, als er sich endlich darauf besinnt, daß die Erde sein eigentliches Element ist und in sanftem Gleitfluqe niedergeht.
Die Tagespresse befriedigt die Neugier sofort mit spaltenlangen Schilderungen; für eine Weile ist Pögoud überall das Tagesgespräch
„Wir Menschen haben es doch schon herrlich weit gebracht," sagte da ein biederer Handwerker zu eine« Kunden, der ihm gerade begeistert erzählt hatte, was er am Sonntag in Johannistal gesehen dabe. „Die Menschen können schon fast alles, sie habe» lenkbare Luftschiffe, drahtlose Telegraphie, das wunderbare Radium, und jetzt fliegen sie sogar rücklings und kopfüber. Bloß eins können sie noch nicht."
„Und das wäre?"
„Das will ich Ihnen sagen," antwortete der Meister mit Betonung, „die Menschen haben noch keinen Apparat erfunden, mit dem man in den Himmel fliegen kann! Das wäre doch etwas ganz Wunderbares, wenn ein Mensch nach einem Leber in Selbstsucht und weltlicher Freude am Ende ge- radeswegs in den Himmel steigen könnte. Schade, daß man so etwas noch nicht erfunden hat!"
Da der andere ein sehr verdutztes Gesicht machte und'nichts erwidern zu können schien, fuhr der Meister fort: „Seher Sie, solange diese Himmelsflugmaschine noch nicht erfunden ist, muß es bei dem alten Wege der Buße und des Glaubens bleiben wenn man in den Himmel kommen will. Da gilt es, der Welt zu entsagen und Jesu nachzu- folgen Unser Heiland spricht: »Geht ein durch dir enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis abführt; und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zuw Leben führt; und wenig sind ihrer, die ihn finden.« Sehen Sie, aus anderem Wege kommen wir nicht in den Himmel hinein. Zwar gibt es heute schon allerlei religiöse Erfinder, die uns ein Christentum ohne dal Opferblut Christi, ohne die Drohung des Welt- gerichts und was dergleichen unbequeme Dinge mehr sind, anpreisen; aber es bleibt dabei: ohne Buße und Bekehrung zu Christo werden wir nicht selig."
Der Kunde, dem diese Rede des Meisters reichlich lang und unbequem erschienen war, empfahl sich ziemlich schnell. Aber recht hatte der Meister.
O. M.
Ateichgüttigkeit.
Unübersehbar ist die Zahl derer, die jahraus, jahrein auch nicht im entferntesten daran denken, ihr Leben vor Gottes Augen hinzustellen. Und damit man nicht immer wieder sich ausregen müsse, schaltet man je länger, desto konseauenter die Schuldfrage


