Ausgabe 
21.11.1915
 
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wahrlich gut. Und haben wir mit Ihm Lebens­gemeinschaft gehabt, dann dürfen wir auch mit Ihm S terbensgemeinschaft haben. Dann wird Er uns in der letzten Stunde Seine Hand auf die Stirn und aufs Herz legen, daß wir's auch sterbend flüstern können wie dieser Fahnenjunker dort im Feldlazarett: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!" E. M.

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Aus dem Kriege.

Die nachfolgenden Mitteilungen wollen Zeugnis oblegen von gesegneten Wirkungen des Krieges und von wunderbaren Bewahrungen.

Da sitze ich nun" schreibt ein Soldatin Frankreich zwischen Toul und Verdun als Sanitäts- jolöat an der Front. Es ist vier Uhr morgens. Die eine Kompagnie rückt nach Verlust von dreizehn toten Familienvätern und sonst Verwundeten ein, während wir nach viertägiger Ruhe und verhältnismäßiger Sicherheit jetzt in zwei Stunden wieder dicht vor den Feind zu rücken haben. Ob wir alle wieder heil zurückkommen dürfen? Wohl kaum! Wie herrlich ist es da, zu wissen, zu glauben und zu erfahren, daß d is Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, unseres Erlösers, auch für arme Sünder im Kriege geflossen ist zur Vergebung aller unserer Sünden! Jeder von uns muß sich stündlich sagen: »Wer weiß, wie nahe mir mein Ende?«"

Ein anderer Krieger schreibt von der Front: Stiller Friede und Freude ist in meiner Seele e,»gekehrt. Ich habe den lieben HErrn Jesum kennen gelernt. Er hat mir alle meine Sünden vergeben und ist auch für mich gestorben. Alles, was bis jetzt gewesen ist, habe ich beiseitegelegt und tief begraben. Ein neues Leben fängt in mir an, und in diesem werde ich aufzubauen suchen, was in meinen Kräften steht."

Ein anderer, der in Belgien und in Polen oft dem Tode ins Auge geschaut, durfte die Vorrechte der Glaubenszuversicht an der Front erfahren. Er schreibt unter anderem:Wir konnten in kurzer Zeit 140 Granaten und Schrapnellschüsse zählen. An einem Abend war es besonders schlimm. Wir hatten wohl eine Decke von Balken, Brettern und Erde, aber nicht »bombensicher«. Überall schlugen die Ge­schosse niit furchtbarem Getöse ein, daß Feuer und Qualm unten durchschlugen. Es war offenbar auf unsere Vernichtung abgesehen. Der Leutnant saß neben mir, ich machte die Bemerkung: »Ohne Gottes Willen fällt kein Haar von unserem Haupte«; er inckle stumm Dann faßte -ich meine Bibel fest in die Rechte und kniete nieder an einer Bank und legte alles und mich an Jesu Herz, so wollte >ch hwübergehen in die Ewigkeit. Ein Kamerad, der sonst immer guten Humor hatte, wurde auffallend still,

und als ich ihm sagte: »Na, da schiveigen die Spötter!» da nickte er."

Ja, Gottes Sprache ist sehr ernst in dieser Zeit.

Kr üarö für dich.

Als ein Jüngling von siebzehn Jahren hatte ich eine klare Erkenntnis von meinem sündhaften und verlorenen Zustand. Als Kind frommer Eltern bin ich zwar vor groben Sünden bewahrt geblieben und habe die böse Welt mit ihren Lastern und Leidenschaften nicht kennen gelernt. Trotzdem war ich tief überzeugt von meinem verdammungswürdigen Leben, so daß ich abends, wenn ich zu Bett ging, mir selber sagte: Wenn ich diese Nacht sterbe, komme ich in die Hölle. Das Bewußtsein machte mich sehr unruhig und trieb mich je länger, desto mehr ins Gebet. Alles andere, wie arbeiten, essen und schlafen, trat in den Hintergrund vor der einen großen Frage: Was muß ich tun, daß ich errettet werde?" In jenen Tagen, es war im Januar 1880, hieß es buchstäblich in meinem Herzen, wie der Dichter von Jesu sagt:

Ich muß, ich muß dich haben,

Sonst sterb' ich, weil die Welt,

Um mir das Herz zu laben,

Kein Brosamlein enthält."

Da an einem Abend, nachdem ich mit Gleich­gesinnten gebetet und gesungen hatte, ging ich niit schwerem Herzen und traurigem Angesicht nach Hause. Es ging mir, wie David Ps. 38, 4. 5 bezeugte: Es ist kein Friede in meinen Gebeinen vor meiner Sünde. Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden." Zu Tode betrübt setzte ich mich aus die Bank. Eine gläubige Dame, die zum Besuch war, meine Lage verstand und tiefes Mitleid mit mir hatte, betete noch mal mit mir. In tiefem, heiligem Ernst flehte auch ich mit dem Erzvater Jakob:Ich lasse Dich nicht. Du segnest mich denn!" Als wir uns von den Knien erhoben hatten und meine Traurigkeit noch nicht geschwunden war, sagte die mütterliche Dame:Jetzt wollen wir auch noch singen!" Ach, ich hätte wohl weinen und schreien mögen, aber zum Singen war ich jetzt nicht gestimmt. Trotzdem bestand die erfahrene Christin daraus und sagte vor. Ich summte init, so gut es ging:

Sagt an, vergoß der HErr Sein Blut,

Und starb Er denn für mich?

Neigt Er Sein Haupt auch mir zu gut,

Für solchen Wurm wie ich?

Jesus starb für mich,

Jesus starb für dich,

Ja, für uns alle starb der HErr,

Gottlob, Er starb für mich!"

Nachdem wir diesen Vers so still gesungen hatten, sah mich die mütterliche Freundin an und fragte:Kannst du das nicht glauben?"In,"