bedeckten. Warum mußten diese tapferen Söhne ihres Vaterlandes hilflos in ihren Schmerzen sich quälen? Warum stiegen ihre Klagerufe zum Himmel auf, ohne daß ihnen Hilfe wurde? Ihre Gebieter hatten es so gewollt.
Man hat an vielen Stellen die Beobachtung gemacht, daß die Franzosen und Engländer absicht- lich ihre Toten unbeeidigt liegen lassen, um durch den unerträglichen Leichengeruch den Deutschen das Ausharren zu verleiden. Das kann man allenfalls verstehen, wiewohl es nicht edel ist im Blick auf die gefallenen Streiter. Daß man aber die Schwerverwundeten, die sich selbst nicht mehr wegschleppen können, in ihren Qualen sterben läßt und den Vor- schlag zur Rettung ablehnt, ist erbarmungslos. Jene Klagerufe, das wimmernde Weh so vieler Männer erreichten doch nicht nur das Ohr der Deutschen, sondern auch das der Franzosen — aber sie erreichten auch das Ohr des gerechten Richters, oer über diesem Kriege mit heiligem Auge wacht, der gerecht abwägen wird zwischen Recht und Unrecht.
Aber noch etwas anderes. Tausendfältig leuchtet das Kreuz Christi über Stadt und Land, um die Menschen an das große Versöhnungsopfer von Golgatha zu erinnern — aber welches ist die Aut- wort, die dem dornengekrönten Heiland entgegen- rönt? „Der Vorschlag ist abgelehnt!" „Wir wollen nicht, daß Dieser über uns herrsche!" <Luk. 19, 14.) „Wir brauchen Deine Liebe und Becsöhnung nicht! Wir wollen mit der Sünde, mit der Welt nicht brechen, wir wollen uns dem Worte Gottes nicht beugen!"
Tausende, ja, Hunderttausende in unserem deutschen Volke haben mit Wort und Tat diese Sprache gesprochen. Da sandte Gott in Seiner Gnade diesen gewaltigen Krieg. Der Ernst dieser großen Zeit hat doch manchen zur Besinnung ge- bracht, daß er nun der Liebe Gottes, die um seine Seele wirbt, nicht mehr erwidern möchte: „Der Vorschlag ist abgelehntI"
Steh auch du still, mein Freund! Hörst du im Geiste die nächtlichen Weherufe jener verlassenen Schwerverwundeten? Es werden einst andere, ewige Klagen der verlorenen Sünder aufsteigen, denn es steht geschrieben: „Wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung vernachlässigen?" jEbr. 2, 3) Aber der Gnadenwille Gottes ist, daß du dich iu Buße und Glauben zu Jesu wendest, daß du Frieden und ewiges Leben sindest und ein glückseliges Kind Gottes werdest, welches Seine Gnade preist.
Komm heute zu Jesu! Seine Liebe streckt nach dir die Hände. ß . sy
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Aer überwundene Richter
Prediger Baxter wurde einst auf seinen Missions- reisen eingeladen, in einer kleinen Stadt a n Sonn- tag auf offenem Markte eine religiöse Versammlung zu halten. Er versprach es. Alles wurde vor- bereitet, eine Kanzel eingerichtet, und viele Wei chen wurden weit und breit eingeladen. Doch auch der Feind war geschäftig, und der Ortsrichter hattc bereits Befehl und Vollmacht in der Tasche, den Redner, sobald er am Morgen erscheinen würde gefangenzunehmen.
Richard Baxter erschien am Samstagabend in der Stadt, und da er mit niemand bekannt war, kehrte er im ersten besten Hanse ein und bat um Nachtquartier, das ihm auch gern gewährt wurde. Das Unglück oder Glück wollte es aber, daß er ins Haus des Oltsrichters geraten war.
Beim Abendbrot fragte Baxter de» Richter, ob es bei ihm nicht Sitte sei, vor dem Essen zu beten. Dieser verneinte cs und entschuldigte sich, so gut er konnte, erklärte aber, er würde es gern sehen, wenn der Gast es tun wolle. Ähnlich ging es vor dem Schlafengehen. Baxter hielt die Abend- andacht, wobei der Richter, seine Gattin und seine beiden Töchter sehr ergriffen waren. Dasselbe geschah auch am anderen Morgen.
Rach dem Frühstück erzählte der Richter dem Gaste, daß er den Befehl erhalten habe, einen gewissen Richard Baxter, der heute hier predigen solle, gefangenzunehmen, und bemerkte, da sein Gast ein starker Mann zu sein scheine, so würde er cs gern sehen, wenn er mitginge, um ihm behilflich zu sein. Baxter sagte dies zu und ging mit.
Auf dem Marktplatze, wo schon eine große Menschenmenge versammelt war, angekommen, wartete auch der Richter auf die Ankunft des Predigers.
Da ihm endlich die Zeit zu lange wurde, sprach er zu Baxter: „Der Mann wird jedenfalls nicht kommen! Er muß Lunte gerochen haben, daß ich ihn gefangennehmen soll!"
Baxter antwortete: „Herr Richter, ich sollte meinen, daß es gut wäre, wenn Sie eine kleine An-
rede an das Volk hielten, damit es doch nicht umsonst hierhergekommen wäre! Sie können ja ein
Kapitel aus der Bibel lesen, etwas sprechen und dann mit den Leuten beten!"
Der Richter sah Baxter mit großen Augen an und sagte: „Ich — ich mit den Leuten beten?! Ich habe Ihnen ja schon gesagt, daß^ich nicht beten kann! Ich habe aber gesehen, daß Sie es können, und wenn Sie wollen, so tu» Sie es, ich habe nichts dagegen!"
Baxter ließ sich dies nicht zweimal sagen. Er ging auf die Kanzel und hielt, nachdem gesungen und gebetet worden war, eine ergreifende Rede an das Volk. Das Wehen des Geistes Gottes durchdrang die ganze Versamnilnnq.


