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Gemeinscbaftsblatt für Ressen. ♦
Erscheint wöchentlich einmal.
Einzelne Exemplare beitelle man bei der Past vierteljährlich.
Verlag der Bucbbandluna der Pilgcrmissicn Liehen.
Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter:
Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Strauß-Leipzig u. d. Prediger d. Pilgernrission. Druck v. I. G. Ducken Nachf., G. m. b. H., Cassel.
Nr. 37. Sonntag, den f2.
September 1915. 8. Jnhrg.
Mnsere Kevirgsartillerie.
Hat der gewaltige Krieg, den wir nun über ein Jahr' durchkäuipfen müssen gegen eine ungeheure Übermacht von Feinden, eine Umwertung vieler Begriffe und Anschauungen gebracht so doch ganz besonders auf dem Gebiete der Artillerie.
Daß die großen, nach allen Regeln der Pionierkunst ousgebauten, ganz modernen belgischen Festungen dem ver- nichtenden Feuer unserer schweren Belagerungs- geschähe nur wenige Tage standhalten konnten, da die stärksten Panzer- türme aus Stahl und meterstarke Betondeckungen durch einen einzigen Bolltrefser zerrissen wurden, als wäre es Blech-und Lehmschlag, erregte schon Staunen und Bewunderung. Daß dann aber Anfang Mai das Durchbrechen der russischen Front am Dunajec, die mit vortrefflich aus- gebauten Feldstellungen gesichert war und für unangreifbar gehalten wurde, möglich wurde infolge der geradezu furchtbaren Wirkungen der in großer Menge herangezogenen schweren Artillerie der Verbündeten, hat in den militärischen Kreisen unserer Feinde geradezu Entsetzen hervorgerufen. Ein französischer Oberst prägte denn auch das Wort: „Wenn die Zen- tralmächte Erfolge gehabt hätten, so dankten sie diese nur ihrer überlegenen Artillerie."
Auf einem kleinen Gebiete der Artillerie aber vermochten wir bieher unseren Gegnern nrckns Ebenbürtiges oder Trefflicheres gegenüberzustellen, und das hat sich in den Vogesen und im Argonnenwalde mehrfach unangenehm genug geltend gemacht: wir
hatten keine Gebirgsartillerie. Nachdem aber erst einmal der Mangel festgestellt und das Bedürfnis anerkannt war, ist sofort Abhilfe geschaffen worden. Es ist ja doch bekanntlich eines der schönsten Ruhmes- blätter unseres vortrefflichen Heeres, daß es sich mit jugendlicher Anpassungsfähigkeit in alle Lagen zu finden weiß. Haben doch unsere Matrosen und unsere Reiter in den Schützengräben gekämpft, als hätten sie ihr Lebtag nichts anderes gemacht. Man denke: Reiterei und Matrosen in den Schützengräben I Und so hat denn das Bedürfnis uns nun auch die Gebirgsartillerie gebracht. Württemberg, dessen


