Dünensand jener Höhe, über welcher die deutsche Stellung lief, in die Schloßteile trieb. Wie eine ' gewaltige Flutwelle durchbrach die russische Masse die Drahthindernisse — jetzt springen sie in den Graben. Der Hauptmann geht mit seinen letzten Leuten zurück zu der Reservekompagnie. Dort schlagen schwere feindliche Granaten ein, zerreißen einen Hanptmann und seine Begleiter Dennoch gelingt es dem zurückgegangenen Hauptmann nach längerer Zeit, so viele Mannschaften zusammenzufasseu, daß er mit seiner schwachen Kraft zum Angriff gegen den verlorenen Schützengraben Vorgehen kann. Das Ende rst, daß mittags um 2 Uhr die Deutschen ihre verlorene Stellung wieder erobert haben. Von den 5000 Russen, welche den Angriff machten, ergaben sich 1800 als Gefangene, 9.0 lagen tot auf dem Gefechtsfelde vor und hinter dem Schützengraben, der Rest war venvundet und gestoben. Es hatten im ganzen auf deutscher Seite 900 Mann gegen 5000 Russen gekämpft. Von diesen 900 Deutschen waren 400 tot oder verwundet. Der Hauptmann, welcher dies alles durchlebte und schließlich den Sieg seines Bataillons entschied, schreibt am Schluß: Als ich vor den Russen zurückgehen mußte, war wohl ein Augenblick, in welchem ich mir sagte: Jetzt spürst du die Gegenwart des HErrn nicht. Aber nachher wurde ich inne, daß Seine Macht und Gnade und Gegenwart mich in all diesen Stunden nie verlassen hatte.
Tritt ein in ein russisches Lazarett in Stanislaw (Galizien). Da liegt ein preußischer Rittmeister, der rechte Hüftknochen durchschossen, der Mastdarm verletzt, und von da her kommen unbeschreibliche Schmerzen und Beschwerden für den Verwundeten. Er schreibt den ersten Brief aus bec Gefangensch.fft an feine Frau. Er erzählt kurz, wie er auf dem Gefechtsfelde in Feindeshand ffel — aber er schreibt nur von der Gnade Gottes, die ihn trug, von dem tiefen, ungetrübten Herzensglück, das sein Teil ist. Er schreibt, daß seine Wunde eine Operation erforderlich macht, zu welcher man ihn nach Lemberg bringen will. Aber keine Sorge, keine Klage, nur Er- muntervng, Tröstung für Weib und Kinder daheim. Am Schluffe des Briefes heißt es: „Nie aber hat der HErr mich verlassen. Er hat mich in Seinem Friede» völlig bewahrt und vor Murren und Mißtrauen behütet. Gepriesen sei Er! Er ist auch bei Dir." Siehe da, ein Mensch, welcher in der Gnade ruht
Der Weg zu diesem Leben, zu diesem Frieden führt zuerst unter das Kreuz von Golgatha. Wer als ein schuldiger Sünder Gnade suchend im Glauben aufblickt zu dem Sohne Gottes, der Sich selbst in das Leiden des Todes dahingab als unser Bürge und Versöhner, der findet zu Jesu Füßen durch den Glaubensblick in Seine Todeswunden dies n-ue Leben, diesen Frieden mit Gott, diese Gewißheit der Gnade. Wie einfach ist der Weg, um dies unaussprechlich große Gut zu gewinnen! v B.
Die suchende und rettende Gnade.
Es war im Jahre 1912 zur Zeit der österreichisch-serbischen Krise, die zu dem gegenwärtig noch tobenden Weltkriege geführt hat. Österreich sah sich damals gezwungen, seine Armee teilweise zu mobilisieren.
Unter den zur Fahne Einberufenen befand sich auch N. aus C. in Slawonien. Da die Lage äußerst unsicher war und man bestimmt mit einem Kriege rechnete, so kamen viele Verwandte und Bekannte zu N., um ihm vor dem Ausrücken ins Feld noch einmal die Hand zu drücken und ihm Lebewohl zu sagen.
Unter den Besuchern befand sich ein Mann, der die Liebe des HErrn Jesu an seinem Herzen erfahren hatte und dessen Freude es war, auch seine Mitmenschen auf den großen Heiland der Verlorenen hinzuweisen. Selbstverständlich benutzte er auch diese Gelegenheit, um N., der ja mög'icherweise Todesgefahren entgegenging, den Ernst der Ewigkeit vorzustellen. Er schloß seine Ausführungen mit den Worten: „Wer deni HErrn angehört, der braucht keine Furcht zu haben. Selbst die Möglichkeit, im Kampf zu fallen, beunruhigt ihn nicht, da er weiß, daß er liicht in eine dunkle Ewigkeit, sondern zu Jesu geht, bei dem die Erlösten für immer ruhen."
Die Worte des gottesfürchtigen Mannes blieben nicht ohne Eindruck auf unseren N. Bis dahin hatte er sich um Gottes Wort und um die Zusammenkünfte der Kinder Gottes, die in seinem Wohnort regelmäßig stattfanden, nicht gekümmelt. Aber der Gedanke an den Tod stimmte ihn ernster. Er wußte, daß er noch nicht mit Gott versöhnt war. Zu seiner Frau sagte er: „Höre, Frau, sobald ich wiederkomme, achte ich nicht mehr auf den Spott der Dorsleute, sondern besuche die Versammlungen." Auch wünschte er, der Vetter sin Ungarn gebrauchter Ausdruck für Freund oder Nachbar) W. möchte doch noch einmal kommen, um ihm dem Weg des Heils klarer zu beschreiben. So schied er.
Nachdem der Mann fort war, begann der HErr in dem Herzen der Frau zu wirken. Sein Heiliger Geist brachte ihr zum Bewußtsein, daß sie eine verlorene Sünderin sei, und der heiße Wunsch nach Frieden wurde in ihr wach. Eines Soinitagmorgens drängte es sie, dahm zu gehen, wo die Gläubigen versammelt waren. Nach Beendigung der Versammlung redeten einige Männer mit ihr, vor allem ein Bote des HErrn, der gerade in dem Dorfe weilte, um dort das Evangelium zu verkündigen. Mit Freuden durfte man wahrnehmen, daß der Geist Gottes an dem Gewissen der Frau wirkte. Sie besuchte auch die Nachmittags- und Abendversammlungen, und das, was sie da vernahm, brachte einen solchen Eindruck hervor, daß sie unter der Last ihrer Sünden völlig zusammenbrach. Ganz zerschlagei, ging sie heim.


