Ausgabe 
29.8.1915
 
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)er teuer und köstlich und die rettende Gnade über­aus herrlich geworden. Ein solcher Mensch hat an- gefangen, die Sünde zu hassen, den Heiland zu lieben, und sucht in Seinen Wegenim Licht zn wandeln", wie Er im Licht ist. Sein Weg geht zu dem himmlischen Jerusalem, wo man weder der Sonne noch des Mondes noch irgendeines Lichtes bedarf, denn Gott ist Seiner Erlösten Licht, und das Lamm ist ihre Leuchte, und Nacht wird nicht mehr sein. (Ofsb. 22, 5.)

Kennst du, teurer Leser, diesen göttlichen Schein­werfer, und hat er dir Licht gebracht, dich erleuchtet?

O. D.

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Iinsternis und göttliches «licht.

Vor etioa sechzig Jahren ließ ein alter Band- wirker seinen Bandstuhl, an dem ihn sein Gott reich gesegnet hatte, stillstehen, nicht um sich zur Ruhe zu setzen, sondern um den Abend seines Lebens ganz seinem Heiland zu weihen. Er war e n Christ von unerschrockenem Zeugenmut und gelobte seinem HErrn, in jedem Jahre zweimal durch alle Wohnungen des Wuppertales, wo er wohnte, zu gehen und den Leuten die Gnade Christi zu verkündigen. Tag für Tag wauderte der alte Christ von Haus zu Haus, treppauf, treppab. Es läßt sich denken, daß der Empfang, der ihm in den einzelnen Häusern zuteil wurde^ ein sehr verschiedener war. Es fehlte zwar nicht an herzlicher Aufmunterung, noch öfter aber wurde ihm für jeine Liebe Spott und Hohn, ja, noch Schlimmeres. Das schreckte ihn aber nicht ab; er gedachte seines HErrn, den die Liebe zu dem verlorenen Menschengeschlecht in den Tod trieb.

Eines Tages kam er auf seinen Gängen in eine Wohnung, deren Äußeres schon den Stempel der Verkommenheit trug. Ein wüst und roh aus- sehender, riesengroßer Mensch empfing ihn, und so­bald er den Zweck des Besuches erfahren hatte, erfaßte er mit einer Hand den alten Mann, mit der anderen ein langes Messer und schrie wut­schnaubend:'Noch ein einziges Wort, und ich st,che dich nieder! Die Hälfte meines Lebens habe ich im Zuchthause zugebracht. Was aus mir wird, ist mir egal!"

Daß es sich nicht um eine leere Drohung handelte, zeigte ein Blick in die wutentstellten Züge. Trotzdem entgegnete der Greis ruhig:Wenn der HErr es zuläßt, dann töten Sie mich immerhin! Ich aber muß Ihnen noch einmal sagen: Noch ist Zeit, Ihre verlorene Seele zu retten vom ewigen Verderben! Jesus ist auch für Sie gestorben, und wenn Sie zu Ihm kommen, stößt Er Sie trotz Ihrer vielen Sünden nicht hinaus."

Die Hand mit dem gezückten Messer hob sich, aber der tödliche Stoß erfolgte nicht, wohl aber

warf der Riese den alten Mann vor die Tür. Dieser raffte sich auf, ging getrost seine Straße, schloß aber den armen Riesen besonders in seine ; Fürbitte ein.

Wochen vergingen; da ging der Alte wieder durch die Straße, in der ihm der Tod so dicht vor Augen gestanden hatte. Und wie er hinausschaut zu den Fenstern jener Wohnung, sieht er das Ge> sicht des gefährlicten Mannes, der ihm alsbald zu- ruft, er möge heraufkommen.

Getrost folgt er dieser bedenklichen Einladung, aber schon auf der Treppe kommt ihm der Riese entgegengestürzt, fällt ihm um den Hals und ruft weinend:O, jetzt bin ich auch glücklich; Jesus hat mich angenommen und mir die Sünden vergeben! Und Ihnen danke ich es. Vergeben Sie mir meine Roheit! Immer habe ich gebetet, der liebe Gott möge Sie wieder zu mir führen." In der Stube, die nun auch ein ganz anderes Gepräge trug, erzählte er ihm dann, wie er allen Ernstes vorgehabt habe, ihn zu erstechen; aber er habe es nicht ge- könnt. Von der Stunde an sei eine namenlose Angst über ihn gekommen, alle Schrecken der Hölle hätten Tag und Nacht vor seiner Seele gestanden. Da habe er zu Gott um Erbarmen, um Rettung vor dem Verderben geschrien. Wie ein heller Stern sei ihm der Spruch aus der Jugendzeit in der Seele aufgegangen:Wo die Sünde mächtig ge­worden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger." Diese Worte, die so viele Jahre als ei» totes Kapital in seinem Gedächtnis lagen, seien plötzlich in ihm lebendig geworden. Gott habe ihm dann durch Sein Wort Frieden gebracht, indeni er sich zum Heiland gewandt habe. So habe er die Wahrheit dieser Worte an seinem eigenen Herzen erfahren.

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Mit Gott durch die Kricgszeit.

Weil die meisten Menschen Jesum, den rettenden Heiland und treuen Hirten, nicht wirklich und per­sönlich kennen, weil ste Gott nicht als ihren lieben­den Vater kennen, darum haben sie kein Verständnis dafür, was das heißt: Mit Gott durch diese Kricgszeit hindurchgehcn.

Laß dir aus dem Briefe eines Hauptmanns er­zählen, der mit seiner Kompagnie im Schützengraben lag in Nordpolen. Es war in der Nacht vom 22. zum 23. März 1915. Die deutsche Linie war nur schwach besetzt, denn die vorhandenen Truppen reichten nicht aus für die lange Front, welche zu schützen war. Da gegen Morgen in der Dunkelheit erfolgt ein russischer Überfall mit ungeheuren Massen. Brüllend stürzen sie heran, jeder Mann der vordersten Linie hat eine Handgranate außer seinem Gewehr. | Die Gewehre und Maschinengewehre.der Deutschen !l versagen, weil ein gewaltiger Sturm den seinen