Ausgabe 
22.8.1915
 
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holt abgelegt hat! Er sagt von sich:Der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu erretten, was verloren ist." (Luk. 19, 10.) Und ein anderes Mal:Der Sohn des Menschen ist ge­kommen, nicht um bedient zu werden, sondern um zu dienen und Sein Leben zu geben als Lösegeld für viele." (Mark. 10, 45.)

Ja, mein Leser, für viele gab Er Sein teures Leben hin als Lösegeld, o, so auch für dich und deine Sünden. Nun bezeugt die Heilige Schrift von Ihm:Wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet " (Joh. 3, 18.) Und weiter:Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt (d. h. sich Ihm nicht unterwirft, Ihm nicht gehorcht), wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm." (Joh. 3, 36.)

Wie einfach ist doch das Evangelium, wie einfach die Rettung der Seele! Gott hat alles für den Sünder in der Sendung und Dahingabe Seines Sohnes als Lösegeld für uns zu unsereni Heil getan. Alle dürfen nun in Buße und Glauben Jesu Christo, Seinem Sohne, nahen; und sie finden alle bei Ihm ein freies, volles und ewiges Heil.G.B. d. F."

S*

Auf der Wanderschaft.

Auf meiner Wanderschaft als Schuhmachergeselle im Jahre 1881 kam ich unter anderem nach Dort­mund. Hier und in der Umgegend hätte ich wohl Arbeit finden können, aber mein Sinn stand in die Ferne. Ich wollte erst nach Hamburg, dann womög­lich nach Amerika. Nach Osnabrück, das ich auch passieren wollte, hatte ich mir bereits postlagernd Geld bestellt, um mir Stiefel kaufen zu können, denn nieine jetzigen waren so entzwei, daß ich buchstäblich auf deutschem Boden" wanderte.

Doch obwohl ich damals nicht an Gott dachte und Ihn nicht kannte, so wachte doch Sein Auge über mir, und Er hatte Absichten der Gnade und des Heils mit mir. Als ich im Begriff stand, die Herberge in Dortmund zu verlassen, und bereits mein Reisebüudel umgehängt hatte, kam ein so heftiger Regen, daß ich beschloß, ein Weilchen zu warten, bis derselbe nachließ. Da kam zufällig, wie man sagt, der Briefträger und brachte dem Hausvater eine Postkarte. Darauf stand, daß nach Kastrop, zweieinhalb Stunden von Dortmund, ein Schuhmacher gesucht werde. Der Hausvater fragte unter den anwesenden Leuten, ob ein Schuhmacher da sei, und ich meldete mich. Merk­würdigerweise fühlte ich mich sofort bereit, meinen bisherigen Plan aufzugeben und diese Stelle anzu- ! nehmen. Der Herbergsvater gab mir die Karte als Ausweis und beschrieb mir den Weg, den ich einzu- schlagen hatte, und ohne den Regen abzuwarten, be­gab ich mich wohlgemut auf den Weg.

Der Meister in Kaslrop nahm mich auch ohne weiteres an, obwohl er auf der Karte einen ordent­lich gekleideten jungen Mann verlangt hatte und meine Kleidung soviel zu wünschen übrig ließ. Am ersten Sonntag nach meinem Eintritt kam ich abends von einem Ansgang zurück. Als ich in die Wohnung meines Meisters eintrat, hörte ich durch die halb- offene Tür der Wohnstube, daß Besuch da war. Unbemerkt ging ich vorbei, und ehe ich in meine Kammer ging, horchte ich ein »uenig auf das, was in, Zimmer geredet wurde. Das waren Gespräche, wie ich sie nie zuvor vernomnien batte. Man unter­hielt sich über Dinge aus der Bibel, und ich hatte nie gedacht, daß gcivöhnliche Leute sich mit derarti­gem beschäftigten, sondern meinte, das sei nur für Pastoren und gelehrte Leute. Es machte einen Ein­druck auf mich, wie ich ihn nicht beschreiben kann, aber ich wagte nicht, etwas darüber zu sagen oder zu fragen. Als die Woche halb herum war, sah ich, wie der Meister am Abend seine Bibel unter den Arm nahm und im Begriff stand, auszngehen. Und da er bis jetzt so freundlich zu mir gewesen war, hatte ich den Mint, ihn zu fragen, wohin er gehe. Er antwortete, er gehe zur Versammlung, wo man gemeinsam Gottes Wort lese und bete; wenn ich wolle, könne ich ihn gern begleiten. Ich machte mich schnell fertig und ging mit. Dort in der Versamm­lung sah und hörte ich Dinge, die mir völlig neu waren; noch nie waren solche Worte, solche Lieder, solche Gebete an mein Ohr gedrungen. Alles machte einen tiefen Eindruck auf mich, den ich nicht wieder los werden konnte. Ich begleitete fortan oft den Meister, wenn er abends dorthin ging. Es verlangte mich sehnlich, auch das zu besitzen, was diese Leute besaßen; sie machten alle einen so glücklichen, friede- vollen Eindruck. Mein Meister und andere, als sie sahen, daß Gott in meiner Seele wirkte, redeten mit mir über meinen inneren Zustand und die Errettung, die Gott für verlorene Sünder bereitet hat. Ich er­kannte mich in Gottes Gegenwart als einen solchen und nahm meine Zuflucht zu Jesu, dem Sohne Gottes, und Er schenkte mir Ruhe und ivahren Frieden für mein schuldbeladenes Gewissen. Ich konnte mit einem Male Gott preisen für Seine unendliche Gnade, daß Er auch für meine Sünden Seinen Sohn hatte leiden und sterben lassen Nun fiel es wie Schuppen von meinen Augen, ich erkannte, wie Gott Seine Hand darin gehabt hatte, daß der Regen mich damals in Dortmund solange zurückgehalten hatte in der Herberge, bis der Briefträger kam und die Karte brachte. Ich wäre ja sonst nie nach Kastrop zu dem gläubigen Meister gekommen und hätte viel- leicht nie die wunderbare Gnade Gottes in Christo Jesu erkannt und ergriffen.

T*.