Ausgabe 
15.8.1915
 
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einsetzen? Denke an die vielen, die schon auf dem r^chlachtselde und in den Lazaretten gestorben sind bieje haben das irdische Vaterland ver- lassen; sie sind in ein anderes Land gegangen, >vo der Streit der irdischen Nationen nicht mehr tobt. Dort bandelt es sich nicht mehr darum, ob jemand Deutscher, Engländer, Russe oder Franzose Nt, sondern eine andere Frage ist entscheidend: Bist du Jesu Eigentum? Hast du Vergebung deiner Schuld? Bist ^du^der Gnade Gottes gewiß? Dies s,nd Ewigkeitsfragen, aber sie müssen in der Zelt, diesseits des Grabes, entschieden werden. Darüber die Menschen zum Bewußtsein zu bringen, darin ein Erwachen zu geben für den einzelnen das ist Gottes Absicht, und dies ist die wichtigste Frage für jeden von uns. v. V.

Die Einquartierung.

Anfang des vorigen Jahrhunderts lebte in emem wurttcmbergischen Dorfe ein wohlhabender Bauer. An ihm hatte Gott Sich oft bezeugt; Er war ihm nachgegangen in Seinem Erbarmen, in Seiner Liebe. Aber ivas war die Folge? Offen» Imiuig der verborgenen Feindschaft wider Gott und wider die die Seine Zeugen waren. Alle Langmut, alle Liebe Gottes fruchtete vorläufig nichts bei ihm; ja, es schien, als würde sein Herz nur immer dunkler j uitö feindseliger. Es war längst bekannt, daß er dieFrommen" haßte und ihnen, wo er nur eben tonnte, ein Leid oder Schwierigkeiten bereitete.

^ Es kam die Zeit der Befreinngskriege. Das Lorf erhielt für einige Zeit Einquartierung, und zivar eine Abteilung russischer Soldaten. An vielen stellen, so auch in biefent Dorse, wurden die Russen nicht iiiimer ohne Grund, recht gefürchtet.

_ Nun geschah es, dag in einem Bauernhause des Dorfes, in welchem christliche Versainnilungen statt- landeii, ein Russe einquartiert wurde. Als die Gläubigen nun zur gewohnten Stunde mit ihren

n 11 ! "fj 1 " Gesangbüchern hier zusammenkamen, stellie sich auch der Russe ein und setzte sich in da« Zimmer. Die meisten ivurden zaghaft. Doch nach einigem Zögern begannen die Christen, wenn auch zumeist bangen Herzens, ihreStunde" mit Gesang und Gebet. Kaum hatte der Russe bemerkt, zu welchem Zweck die Leute zusammengekommen waren ! da faltete er mit freudestrahlenden Augen seine Hände und setzte sich in den Kreis der Versammelten.

verstand kein Wort, aber sein Herz war offenbar glucküch und gesegnet. Er war dankbar, da zu sein wo ^esus Christus gepriesen und Sein Wort be­trachtet wurde. Die Furcht der Gläubigen war in einem Nu verschwunden, und es war ihnen eine große Freude, den Fremden in ihrer Mitte zu haben. Ja, ste waren durch seine Gegenwart, Andacht und I Freude mltgesegnet. Und ii,it besonderem Dank ersten sie die Versammlung beschließen. Der russische ||

li Soldat aber fehlte, solange er in dem Dorse im Quartier lag, in keiner Versammlung.

Kurz nach der Einquartierung nun geschah es, daß die Soldaten im Torfe einquartiert ivurden, und wieder durch einenZufall", nein, wieder durch göttliche Fügung kam er in das rechte Hans, dahin er ebenfalls nie von selbst den Weg gefnnden hätte, dahin er aber gleichfalls Segen bringen sollte, m dar Haus des feindlichen Bauern nämlich. Gott ! hatte offenbar Gedanken des Friedens über ihn.

Unser russischer Freund halte in der Absicht, die Zusammenkunft der Gläubigen treu weiter zu be- suchen, seinen neuen Hausleuten bedeutet, daß er sein Abendessen zeitig haben müsse. Dieser Bitte , wurde indessen nicht Folge geleistet, wahrscheinlich,

) werl man ihn nicht verslaiiden hatte. Kaum hatte j sich der Russe zum Abendessen niedergesetzt, als I draußen die Uhr die Stunde schlug, in der seine iwuen Freunde zu Gottes Wort zusammenkamen. Eilig sprang er auf, kleidete sich an und nahm beim Hinausgehen den Hausherrn am Arm mit den Worten:Bauer, komm mit! ' Der Bauer geriet jl außer sich; er konnte sich das Verhalten des Sol- li baten nicht erklären. Er dachte schon, das Vorgesetzte i Abendbrot sei ihm zu gering geivesen, und er ivolle ihn jetzt bei seinem Vorgesetzten verklagen. Zitternd vor Angst folgte er dem Russen. Doch wie ivunderte er sich, als dieser sich anschickle, in das Haus der Frommen zu treten! Seine Schritte stockten, er ivollte nicht folgen. Er wäre ihm lieber zum Quartier des Qfffziers gefolgt als in dieses, ihm in der Seele verhaßte Haus. Doch der Russe, der sein Zögern bemerkte, aber nicht verstand, griff aufs neue den ^lauern fest am Arm und rief ihm zu:Komm, Bauer, komm!" Dieser konnte nicht anders, er mußte, ob er wollte oder nicht, dem Soldaten iolgen.

Diesen neuen Gast hattendie Stüiidler", wie man sie^ nannte, allerdings nicht envartet. Auf den Besuch des im ganzen Dorfe als gottlos und als Feind der Kinder Gottes bekannten Bauern hätten sie zuletzt gerechnet. Wieviel Trübsal und Herzeleid hatte er ihnen schon bereitet! Und nun sahen sie ihn plötzlich mit ihrem jungen Freunde in ihrer Mitte. Zunächst mit gemischten Gefühlen und zum Teil mit beklommenem Herzen erflehten sie von Gott besondere Gnade zu ihrerStunde".

Der Bauer saß still auf seinem Platze. Wie gern wäre er entflohen! Aber er getraute sich u-cht Und siehe, sein felsenhartes Herz wurde zer­schmettert von dem Hammer Gottes, d. h. durch ^in Wort (Jer. 23, 29); seine Seele und sein Geist wurden durchdrungen von diesem zweischneidigen Schioerte (Ebr. 4, l2. 13). Er merkie zu seinem schrecken, daß alles, was in ihm war, bloß und aus- gedeckt lag vor den Augen Dessen, mit dem er es zu tun hatte. Das Wort Gottes traf und zerschmetterte ihn. Noch in dieser Stunde beugte er sich. Er, der bis heute mit kaltem Stolze und voll Bitterkeit die Kinder